Linux-Tagebuch #7 – Installation: Dual-Boot Linux und Windows

In dieser mehrteiligen Beitragsreihe versuche ich mich aus Sicht eines Windows PC-Nutzers dem Linux-Desktop als Betriebssystem zu nähern. Dabei möchte ich dieses als Linux-Anfänger selbst besser kennen lernen und zu verstehen versuchen. Zu Teil 1…

Bildquelle Header: pixabay / Pinguin Tux; by Larry Ewing, Simon Budig, Anja Gerwinski

In diesem Beitrag möchte ich über das Dual-Boot-Verfahren sprechen, bei der eine Linux-Distribution neben Microsoft Windows installiert wird.

Im letzten Tagebuch-Eintrag habe ich von den Vorteilen der manuellen Partitionierung des Datenträgers während der Installation von Ubuntu (20.04) Linux berichtet. Grundsätzlich geht es hier auch wieder um die Partitionierung des Rechners, was sich an den letzten Beitrag anschließt.

Ubuntu 20.04 und Windows 10 auf einem Rechner und beim Start auswählen, was man gerade benötigt? Kein Problem! Bei den vielen vorhandenen Möglichkeiten, GNU/Linux als Betriebssystem im Alltag auf dem eigenen Rechner zu testen, ist die Dual-Boot Variante wohl die Mutigste von allen. Wer sich zunächst einen Überblick über eine der unzähligen Distribution verschaffen möchte, sollte sich vielleicht zunächst die Möglichkeit anschauen, Linux sicher in einer virtuellen Maschine oder von einem USB-Stick „to go“ zu testen.

Welche Argumente sprechen für eine Dual-Boot-Lösung?
  • Ihr habt Linux bereits von einem Live-System getestet. Dort konntet ihr allerdings nicht alles ausprobieren und würdet gerne sehen, wie sich das Betriebssystem auf eurem Rechner im Alltag bewährt.
  • Ihr habt eine veraltete Windows-Installation [z.B. Windows XP, Vista oder 7] , welche ihr noch gelegentlich benötigt, aber ihr nicht kostenpflichtig aktualisieren wollt. Linux ist kostenlos, sicher und aktuell!
  • Ihr seit auf eine Windows Anwendung angewiesen, die partout nicht unter Linux laufen will. Zwar lassen sich viele Programme mit einigen Tricks trotzdem nutzen, den Fall gibt es aber sicher trotzdem.

Ihr solltet euch Dual Boot zweimal überlegen, wenn die Speicherkapazität eures Datenträgers gering ist, da ihr diesen dann ja aufteilen werdet. Hinzu kommt, dass das Verkleinern einer bestehenden Datenpartition fehleranfällig und das Rückgängigmachen dieser Aktion ohne eine komplette Neuinstallation beider Betriebssysteme zum Teil sehr umständlich sein kann.

Vorbereitung unter Windows

Bei der Parallelinstallation von Linux und Windows gibt es einige Dinge zu beachten. Ihr solltet euch daher folgenden Abschnitt aufmerksam durchlesen.

Unter anderem wird dringend empfohlen, den Windows NTFS-Datenträger vor der Installation zu defragmentieren. [1] Das führt dazu, dass quer auf der Festplatte verteilte Datenfragmente auf den „vorderen“ Teil des Datenträgers eingeordnet werden. So kann die Datenpartition später dann sicherer aufgeteilt werden. Es wird zudem empfohlen, nicht das integrierte Windows Defragmentierungstool zu verwenden, da dieses nicht gründlich genug arbeite. Am besten beginnt ihr mit einer Datensicherung und räumt den Rechner etwas auf, um den Prozess zu beschleunigen.

Außerdem solltet ihr die Windows 10 Features Fast Boot und Hibernation deaktivieren. Das verhindert, dass bei einem Neustart von Windows und dem Wechsel zum anderen Betriebssystem Daten im Arbeitsspeicher verbleiben können und es dann zu einem Datenverlust kommt. [2] Zu finden in der alten Systemsteuerung (Startmenü „control“) unter

Systemsteuerung\System und Sicherheit\Energieoptionen\Auswählen, was beim Drücken des Netzschalters passieren soll

Dort den Haken bei „Schnellstart aktiviert“ und „Ruhezustand“ entfernen und die Einstellungen übernehmen. Bei einer SSD ist der Geschwindigkeitsunterschied sowieso kaum zu bemerken!

Wie schaut’s bei einer SSD oder mehreren Datenträgern aus? Grundsätzlich ist es so, dass der Linux Bootloader [7] den von Windows ersetzt [zur Auswahl der auf dem Rechner befindlichen startfähigen Betriebssysteme]. Bedeutet, GRUB [8] muss zwangsläufig unter C: installiert werden. Wo sich dann später Ubuntu befindet, ist im Prinzip egal. Theoretisch kann also Windows auf der SSD verbleiben, während Ubuntu auf der zweiten Festplatte landet.

Dass man SSDs nicht defragmentieren soll, müsste ja inzwischen bekannt sein. Windows 10 erlaubt es auch gar nicht. Ob eine einmalige Defragmentierung allerdings für das Verkleinern einer Datenpartition auf der SSD trotzdem sinnvoll ist, um fragmentierte Daten zusammenzuführen, ist mir nicht klar. Darauf habe ich keine eindeutige Antwort im Netz gefunden [2] [3]. Ein Beitrag auf superuser.com legt mir aber nahe, dass es sinnvoll sein könnte. [10] Unabhängig von Zugriffszeiten sollte sich meinem Verständnis nach eine NTFS-Datenpartition „Dateisystem-technisch“ identisch wie auf einer konventionellen Festplatte verhalten, weshalb ich vorsichtshalber defragmentieren würde.

Der erste Schritt bei der Installation besteht darin, die bestehende Windows-Partition zu verkleinern, um Platz für Linux zu schaffen [ausgehend davon, das Linux auf dem selben Datenträger installiert wird]. Wie ihr im nächsten Abschnitt lesen könnt, macht das Setup von Ubuntu dies auf Wunsch automatisch. Ich habe bei meinen Installationen bisher nie Probleme mit diesem Schritt gehabt. Dennoch wird im ubuntuusers Wiki empfohlen, das Verkleinern der Partition nicht im Ubuntu-Setup [4], sondern innerhalb von Windows vorzunehmen [2]. Das kann mit der integrierten Windows Datenträgerverwaltung (über das Startmenü) oder einem anderen Partitionierungswerkzeug erledigt werden. Mehr dazu im Abschnitt „Manuelle Einrichtung“ weiter unten!

Automatische Partitionierung des Setups (schnell)

Das Setup von Ubuntu (20.04) bietet wie auch die Vorgänger bereits eine automatische Dual-Boot Partitionierung während der Installation an.

○ Ubuntu neben Windows 10 installieren.

Voraussetzung dafür ist, dass die entsprechende Windows-Version korrekt auf dem Rechner installiert ist und vom Setup erkannt wird. Wählt man die Option „Ubuntu neben Windows 10 installieren“ wird nun der Datenträger symbolisch dargestellt und die Speicherplatzverteilung kann mit einem einfachen Schieberegler den Wünschen entsprechend angepasst werden [ausgehend davon, dass die Windows-Partition den gesamten Datenträger beansprucht und kein freier, nicht zugeordneter Speicherplatz vorhanden ist].

Änderungen werden erst am Datenträger vorgenommen, wenn ihr nach einem Klick auf „Jetzt installieren“ noch einmal bestätigt. Das Verkleinern der Windows-Partition kann je nach Größe einige Sekunden bis Minuten in Anspruch nehmen, währenddessen passiert nichts. Etwas Geduld!

Manuelle Einrichtung (erweitert)

Welche Vorteile die manuelle Partitionierung bei der Installation von Ubuntu Linux bietet, habe ich im vorherigen Tagebucheintrag beschrieben!

○ Etwas anderes.

Wählt man im oben gezeigten Dialog das „Partitionierungswerkzeug“ oder im Schritt davor bereits die Option „Etwas anderes“, können die Partitionen von Hand bearbeitet und eingepflegt werden.

Entweder ihr habt die defragmentierte Windows-Partition bereits unter Windows verkleinert („shrink“) oder ihr macht das jetzt im Setup. Nun habt ihr „freien Speicherplatz“ [der keiner Partition zugeordnet ist] und könnt mit dem „+“ neue Partitionen nach euren Wünschen anlegen. Unter Ubuntu 20.04 müssen lediglich die Wurzelpartition „/“ (auch root genannt) sowie die /home Partition für die Benutzerdaten angelegt werden, der Rest ist optional. Je nach Systemprofil, also altes BIOS oder UEFI, gewünschte Verschlüsselung können aber noch Partitionen dazukommen. Welche Partitionen und in welcher Größe ihr anlegen solltet, habe ich in diesem Beitrag beschrieben. Ihr könnt euch auch den Artikel im Wiki von ubuntuusers zur manuellen Partitionierung anschauen. [9]

Tipp: 100Gb verfügbarer Speicherplatz entspricht einer Partitionsgröße von 102400 Mb!

Ihr könnt maximal 4 primäre Partitionen auf einem Datenträger haben. Habt ihr keine Auswahl mehr, solltet ihr eine logische Partition erstellen. Diese sind den Primären untergeordnet, was aber für die Installation meines Wissens keine Rolle spielt. [5] [6]

Wurde die Installation erfolgreich beendet, taucht nun beim nächsten Start des Rechners das Auswahlmenü des neu installierten GRUB-Bootloaders auf, wo ihr das gewünschte Betriebssystem wählen könnt. Geschafft!

Unter Ubuntu könnt ihr zum Beispiel mit dem Partitionierungswerkzeug gparted (über den Software-Katalog) eure neue Einteilung überprüfen oder später noch einem der Betriebssysteme mehr Speicherplatz zuteilen!

Es kann sein, dass beim nächsten Windows-Start eine automatische Datenträgerüberprüfung (chkdsk) gestartet wird. Diese muss nicht unbedingt durchgeführt werden, Windows hat einfach eine Veränderung am lokalen Datenträger erkannt.

Wie man GRUB noch weiter anpassen kann (Timeout, vorausgewählter Eintrag usw.) erfahrt ihr in einem kommenden Beitrag.

Ihr wollt das Ganze wieder rückgängig machen? Grundsätzlich ist das problemlos möglich. Dazu müssen die Linux-Partitionen wieder von der Festplatte gelöscht und der Windows Bootloader neu geschrieben werden, was allerdings mit einigem Aufwand verbunden ist. Ich habe in einem älteren Beitrag von 2011/14 bereits darüber berichtet (unter Ubuntu 12.04 LTS und Legacy BIOS), werde aber in Zukunft noch einmal darauf zurückkommen.

Ein Gedanke zu “Linux-Tagebuch #7 – Installation: Dual-Boot Linux und Windows

  1. Pingback: Linux-Tagebuch #8 – Ubuntu: Die Installation Schritt für Schritt | keepmydesktop

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