Notebook: Schnellen SSD-Speicher nachrüsten

Der Windows-Start dauert eine halbe Ewigkeit? Programme laden nur sehr langsam? Das ist eine Schwäche, die sich viele Notebooks – vor allem im niederen Preissegment – teilen. Wenn die Leistung der Festplatte nachlässt, wirkt sich das auf die gesamte „Benutzererfahrung“ aus. Natürlich ist ein Datenträger auch ein Verschleissprodukt, aber meiner Erfahrung nach versagen bei günstigen Notebooks als erstes der Akku und die Festplatte.

günstig und unkompliziert

Produktbeispiel, hier vom Hersteller Western Digital

Die meisten neueren Notebooks werden inzwischen sowieso mit deutlich schnelleren SSDs ausgestattet. Diese funktionieren ähnlich wie USB-Flashspeicher [1] und haben eine um ein Vielfaches höhere Datendurchsatzrate und kürzere Zugriffszeiten. Dadurch verkürzt sich nicht nur die Startzeit erheblich, sondern Programme starten prompt und die Ladezeiten von Spielen sind kürzer. Die SSD ist auch deutlich leiser und leichter. Und hier kommen wir schon zum Thema dieses Beitrags: Wenn der alte Laptop lahmt, könnt ihr durch einen einfachen und günstigen Tausch der Festplatte einen ordentlichen Geschwindigkeitsvorteil herausholen!

Da sich SSD-Technik inzwischen auf dem Markt etabliert hat, sind 2,5″ SSD-Datenträger für Notebooks bereits ab 30€ zu haben. [2] Sonst benötigt man zum Wechsel nur ein Set von Elektronik-Schraubenziehern und etwas Fingerspitzengefühl. Also, los geht’s!

Daten migrieren

Ach so, fast vergessen: Was passiert mit meinen Dateien und, ahem, Windows? Die sind bei einem Wechsel des Speichermediums natürlich weg. Ihr habt also zwei Möglichkeiten: Datensicherung erstellen, Windows-Produktschlüssel notieren (Windows 10: Mit Microsoftkonto verknüpfen) und das Betriebssystem auf der SSD neu installieren. Die zweite und komfortablere Option besteht darin, den Inhalt der alten Festplatte auf die Neue zu „klonen“. Das geht mit der richtigen Software im Prinzip sehr einfach, wenn man dabei zwei, drei Dinge beachtet.

  1. Ihr benötigt entweder einen zweiten PC mit Anschlussmöglichkeit für die neue SSD oder (vorzugsweise) eine USB 3.0 SATA Adapter für diese. In beiden Fällen muss das Datenabbild der bisherigen Festplatte auf die neue Übertragen werden.
  2. Der belegte Speicherplatz muss geringer sein als die Gesamtkapazität der neuen SSD, damit der Inhalt gespiegelt werden kann. Die tatsächliche Kapazität der alten Festplatte ist dabei nicht so wichtig, da der „leere“ Speicherbereich im Datenabbild ignoriert wird. Beachtet aber bei der Auswahl, dass ihr aufgrund der Formatierung des Dateisystems z.B. bei einer 256 Gb SSD effektiv nur ca. 238Gb nutzen könnt. Size matters!

Auf die Möglichkeit der Neuinstallation von Windows möchte ich hier nicht genauer eingehen, ihr könnt auf meinem Blog dazu mehr erfahren (am Beispiel von Windows 7).

Klonen !? Das geht doch nur mit Schafen. Im Falle der SSD ist das eine sehr praktische Funktion, da neben den tatsächlichen Dateien auch die Informationen aus dem Dateisystem, der -Partition sowie wichtige Bootparameter des Betriebssystems mit übernommen werden, welche einen reibungslosen Start trotz geänderter Hardware ermöglichen. Und für die SSD macht das keinen vitalen- oder Leistungsunterschied, ob die Daten ursprünglich auf „Festplatten-Art“ angeordnet waren.

Einige Hersteller bieten zur ihrer SSD ein kostenloses Tool zur Datenmigration (auch Klonen) der Festplatte an. Beispielsweise seien hier Acronis True Image WD/SanDisk Edition oder Samsung Data Migration Tool genannt. Diese setzen allerdings voraus, dass die SSD vom Programm erkannt und validiert werden kann, was im Fall von einer per USB-Adapter angeschlossenen SSD bei mir nicht der Fall war.

Ich habe also ein herstellerunabhängiges Programm gesucht. Das ist etwas knifflig, da es einige Tools gibt, welche das Klonen von Datenträgern anbieten, es aber oft (im Falle der kostenlosen Version) als Premium-Funktion verstecken. Geklappt hat es bei mir schließlich mit EaseUS Todo Backup Home Free/Trial (ca. 120Mb), aber nur genau mit der „Todo“ Programmversion.

Zunächst solltet ihr die Daten der alten Festplatte „vorbereiten“. Sprich, unnötige Programme deinstallieren, Datenträger bereinigen und defragmentieren (Daten auf der Festplatte zu einem Haufen zusammenführen). Mehr dazu hier. Das verkürzt die Größe und damit die Transferzeit des Festplattenabbildes.

Anschließend die SSD verbinden und EaseUs ToDo starten. Im Hauptmenü links den Klonen-Button ausfindig machen, der folgende Dialog ist recht selbsterklärend. Noch einmal die Laufwerksbuchstaben und den Speicherplatz auf ihre Richtigkeit prüfen und den Prozess starten. Das sieht dann in etwa so aus – und dauert je nach Belegung einige Minuten. Die erfolgreiche Migration wird mit einer Abschlussmeldung quittiert:

Festplatte durch SSD tauschen

Ich übernehme keine Haftung für Schäden! Ihre verliert ggf. eure Herstellergarantie.

Jetzt kommt der wahrscheinlich schwierigste Teil des Unternehmens: Das Öffnen des Notebook-Gehäuses. Das wiederum ist von Gerät zu Gerät verschieden. Während einige, meist ältere Modelle, auf der Unterseite noch eine getrennte Abdeckung für Festplatte, Arbeitsspeicher und Akku haben, gibt es bei den neueren, schlanken Notebooks nur noch eine geschlossene Rückseite. In beiden Fällen benötigt ihr neben einem Set Elektronikschraubenziehern einen flachen, dem Gitarrenspiel ähnlichen „Plastikchip“ (oder etwas Vergleichbares wie eine alte Checkkarte) zum Öffnen des zusammengeklippten Plastikgehäuses. Beachtet analog zum Text die Bilderstrecke!

Zunächst den Akku entnehmen, Laptop herumdrehen und alle Schrauben (in der Regel) lösen. Falls sich die Festplatten-Abdeckung separat lösen lässt, seit ihr hier schon fertig! (Bild 1) Eine der Schrauben hält das ggf. vorhandene CD-Laufwerk fest, welches nun „Plug & Play“ aus dem Gehäuseschacht herausgezogen werden muss, damit später die Gehäuseabdeckung entfernt werden kann. Nun mit dem Plastikchip am Gehäuseübergang vorsichtig, langsam dazwischen und rundherum fahren, bis sich die Abdeckung mit einem Klicken zu lösen beginnt. Im Zweifelsfall findet ihr zu vielen Notebook-Serien z.B. auf YouTube eine Demontage-Anleitung! Das Notebook wieder herumdrehen und die Oberseite samt Tastatur vorsichtig hochklappen. Hier müsst ihr zunächst das Breitbandkabel von Tastatur und Touchpad, Gehäusetasten usw. mit der Hand oder einer Pinzette lösen, dazu einfach am Stecker das Plastikscharnier hochkippen. Nun ist der Blick frei auf das Innenleben. Die Festplatte ist normalerweise in einer Extrahalterung fixiert, welche zunächst gelöst und dann die Festplatte daraus mit weiteren vier Schrauben entfernt werden kann. Bei dieser Gelegenheit bietet es sich an, den Lüfter gleich vom Staub zu befreien!

Die neue SSD wird genau so wieder eingesetzt. Vor dem Schließen der oberen Abdeckung nicht vergessen, alle Breitbandkabel vorsichtig wieder sauber in die Halterungen zu stecken und diese zu arretieren! Nun die Abdeckung aufsetzen und durch gleichmäßigen Druck an den Rändern wieder einrasten lassen. Bevor ihr nun mühevoll alle Schrauben wieder einsetzt – zunächst die Erfolgskontrolle: Geht die Kiste an und Windows startet, habt ihr alles richtig gemacht! 🙂

Windows für SSD optimieren

Noch etwas wichtiges zum Schluss. Während Windows 10 die neue SSD automatisch als solche erkennen sollte, ist das bei Windows 7 nicht zwingend der Fall. Unnötig häufige Schreibzugriffe verkürzen die Lebenszeit einer SSD erheblich, deswegen sollten einige Windows-Einstellungen angepasst werden (Stichwort: TRIM).

Öffnet die Kommandozeile (Eingabe „cmd“ im Startmenü, Rechtsklick) als Administrator und führt folgenden Befehl aus

fsutil behavior set DisableDeleteNotify 0

Ihr solltet die Rückmeldung DisableDeleteNotify = 0 erhalten. Öffnet nun zur Kontrolle aus dem Windows Zubehör das Defragmentierungstool und prüft, ob in der Liste der Datenträger die SSD als Solid-State-Disk aufgeführt und die Defragmentieren-Funktion entsprechend deaktiviert ist. Das sollte für’s Erste reichen!

Bei wintotal.de findet ihr noch weitere Infos rund um das Thema Windows und die SSD.

Der Geschwindigkeitsunterschied sollte deutlich zu merken sein! Noch ein bisher nicht erwähnter Vorteil ist übrigens, dass die SSD gegenüber der Festplatte deutlich weniger empfindlich auf Erschütterungen reagiert. Solltet ihr noch Fragen oder Anregungen zu diesem Artikel haben, schreibt doch in die Kommentarspalte unten.

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Windows 10: Blockierten Download trotzdem ausführen

Gerade habe ich mir eine Software aus dem Internet geladen, aber die Windows Sicherheit (ehemals Defender SmartScreen) kennt die Datei nicht und blockiert mir die Ausführung. An für sich ist das ja kein Problem, den Download-Hinweis kennt man schon seit Windows Vista, aber im aktuellen Windows-Fenster ist die Möglichkeit, der Meinung des Betriebssystems zu widersprechen, besonders schlau versteckt.

Ja, ich bin mir sicher.

Der Schutz des unwissenden Nutzers mag zwar gut gemeint sein, aber die Art, wie der „Trotzdem ausführen“ Button versteckt ist, erweckt in mir das Gefühl, von Microsoft nicht für voll genommen zu werden. Klickt man auf „Weitere Informationen“, taucht der Button mit einem zusätzlichen Hinweis schließlich auf. Aber spätestens seit der Adclick-Ära hüte ich mich doppelt auf Links zu klicken, die mir nicht zielführend erscheinen. Die Art und Weise, wie dieses Menü konstruiert wurde, erscheint so schon fast vorsätzlich und der Nutzer, der weiß was er tut, fühlt sich unter Umständen vor den Kopf gestoßen. Wie deaktiviert man diese Meldung also?

Überprüfung deaktivieren

Die einfachste und schnellste Möglichkeit besteht darin, die automatische Windows Smartscreen-Überprüfung für Apps und Dateien zu deaktivieren. Dazu öffnet man die Einstellungen-App und navigiert zu Update & Sicherheit / Windows-Sicherheit / Schutzbereiche: App- & Browsersteuerung. Im sich darauf öffnenden Fenster kann nun unter Apps & Dateien überprüfen der Dienst deaktiviert werden.

Wer die zahlreichen auf dem PC installierten Programme kennt, kann das meiner Meinung nach auch getrost deaktiviert lassen.

Blockierung unterdrücken

Mit dieser Registry-Änderung wird Windows zukünftig heruntergeladene unsignierte Anwendungen nicht mehr als solche klassifizieren (und vor der Ausführung warnen).

Dazu den Registry-Editor öffnen (Win+R „regedit“) und zu folgendem Pfad navigieren:

HKEY_CURRENT_USER\Software\Microsoft\Windows\CurrentVersion\Policies\Attachments

Wenn der Schlüssel wie im obigen Pfad beschrieben noch nicht existiert, müsst ihr ihn zunächst erstellen. Dann fügt ihr einen neuen DWORD 32-Bit Wert „SaveZoneInformation“ mit dem Wert 1 hinzu. Anschließend muss Windows neu gestartet werden.

Meldung „Unbekannter Herausgeber“ deaktivieren

Ist die Anwendung nicht digital signiert bzw. kein Publisher in den Dateiinformationen hinterlegt, wird vor der Ausführung darauf hingewiesen. Wird wie in Schritt eins die Überprüfung von Apps durch den Smartscreen deaktiviert, wird zwar ersterer Hinweis nicht mehr eingeblendet, aber dafür erscheint ein anderer Hinweis, den wir schon aus Windows 7 kennen:

Das ist oft bei kleinen, selbst kompilierten Programmen oder „Mods“ der Fall. Diese Meldung lässt sich ebenfalls deaktivieren.

Dazu öffnen wir wieder den Registry-Editor (s. oben) und begeben uns zu folgendem Pfad:

HKEY_CURRENT_USER\Software\Microsoft\Windows\CurrentVersion\Policies\Associations

Dort wird ein neuer String-Wert (Zeichenfolge) erstellt mit den Namen „LowRiskFileTypes“, dieser enthält folgenden Wert (als sicher zu klassifizierende Dateiendungen):

.zip;.rar;.nfo;.txt;.exe;.bat;.vbs;.com;.cmd;.reg;.msi;.htm;.html;.gif;.bmp;.jpg;.avi;.mpg;.mpeg;.mov;.mp3;.m3u;.wav

Wenn der Eintrag bereits existiert, könnt ihr einfach die Liste hier übernehmen, oder lediglich die Dateiendung hinzufügen, welche in Zukunft als „kein Risiko“ klassifiziert werden soll. Anschließend muss Windows neu gestartet werden.

Die Einstellungen wurden unter Windows 10 Pro 1903 getestet. Grundsätzlich solltet ihr natürlich heruntergeladene Dateien immer mit einem Virenscanner auf Malware prüfen und nur ausführen, wenn ihr wisst, was sie tut.

ASUS Strix Vega 64 gekühlt – 120mm Lüftermodifikation

Wie ich mit zwei PWM-Lüftern meine Vega leise gemacht habe.

Die ASUS Strix Vega OC 64 8GB ist ein angepasstes Modell von AMD’s Flaggschiff aus dem Jahre 2017. Während die Karte mit ihrer Leistung und – inzwischen – ihrem Preis durchaus überzeugt, schafft es leider auch ASUS nicht, dem Problem mit den hohen Temperaturen gerecht zu werden, wie ich zuvor berichtete…

Mehr Leistung, weniger Stromhunger: Undervolting mit Wattman

Temperaturfix? Tausch von Wärmeleitpads und -Paste

Gerade Nutzer, welche gerne ihre Grafikkarte durch Übertakten weiter optimieren wollen, greifen meiner Meinung nach u.A. aufgrund der höheren TBP-Grenzen (total board power) und verbesserten Kühlungsdesigns zu den sogenannten Subvendor- oder Custom-Grafikkarten, wie sie von ASUS, Sapphire, XFX, MSi usw. angeboten werden. Leider war es bei meinem Modell nicht möglich, die Leistung oder Taktrate mit der werksseitig verbauten Kühllösung noch erheblich zu steigern.

…wie ein Staubsauger

In der ASUS-Version ist die Grafikkarte mit einem großzügigen Radiator ausgestattet, welcher 2 Slots belegt und sich nicht zu verstecken braucht. Gespickt ist dieser mit drei 90mm Wingblade PWM-Lüftern. Laut dem Hersteller sollen diese für bis zu 20% mehr Kühlleistung und 3x leisere Gaming-Performance im vergleich zum Referenzmodell sorgen [1], was ich in meinem Praxistest aber nicht wirklich nachvollziehen kann.

So erreichen die Lüfter im voreingestellten Leistungsprofil eine Drehzahl von 2890 rpm und eine Lautstärke von 69 dB unter Last (gemessen mit dem Smartphone ca. 10 cm vor dem geöffneten Gehäuse), was schon deutlich zu hören und ohne Kopfhörer störend ist.

Klingt cool, aber nur am Flugzeug. Bildquelle: Threecharlie / Wikimedia

Dreht man die Lüfter mit Wattman manuell auf 100%, erreichen Sie Geschwindigkeiten von bis zu 3725 rpm, was mit ca. 72 dB – selbst im Nachbarzimmer noch – deutlich zu hören und damit mit den Schallemissionen eines laufenden Staubsaugers vergleichbar ist. [2] Leider erreicht die Karte auch in diesem „Turboprop-Modus“ keine Temperaturen unter 70*C bei Volllast.

verschiedene Möglichkeiten

Im Internet finden sich verschiedene Ansätze, um die Temperaturen der Vega besser unter Kontrolle zu bringen. Die Entscheidung ist da wohl am ehesten vom eigenen Bastelwillen und der Bereitschaft, Geld auszugeben, abhängig. So gibt es zum Beispiel den Vorschlag, den kompletten Herstellerkühler durch einen speziellen Radiator, den Morpheus II von Raijintek zu ersetzen, gleichzeitig werden dann die Lüfter auch durch zwei Standard-PWM-Lüfter ersetzt. Solche „rundum-sorglos-Kühler“ sind eine tolle Sache, bei meiner früheren Radeon 290 Dual-X hatte ich bereits einen Arctic Accelerando IV extreme verbaut, mit welchem ich sehr zufrieden war (passt leider nicht auf die Vega). Wenn man allerdings nach der Demontage des originalen ASUS-Kühlers beide in Größe und Umfang vergleicht (siehe Bilder unten), merkt man, dass dieser bereits annähernd den gleichen Umfang hat. Ich kann mir deshalb nicht vorstellen, dass die 65€ (aktueller Preis bei Amazon) für den Morpheus wirklich sinnvoll investiertes Geld sind, zumal man noch separat Lüfter hinzukaufen muss.

In einigen Foren-Beiträgen fand ich den Hinweis, dass man an den Original-Kabelbaum mittels eines „Mini 4-Pin“ PWM auf VGA Adapters (5€ auf Amazon) die Lüfter direkt anschließen und eine Beschädigung der Kabel so vermeiden könne, dieser hat bei mir aber nicht gepasst, so dass ich die Idee verworfen habe.

Der sicherlich effizienteste Weg, eine solche Grafikkarte zu kühlen, besteht wohl darin, sie einfach „unter Wasser zu setzen“. Dafür gibt es spezielle Nachrüst-Wasserkühlungen z.B. von Alphacool, welche die Grafikkarte dann selbst unter extremsten Bedingungen nicht über 60*C steigen lassen und dabei kaum zu hören sind. Die Preise richten sich dann aber eher an Enthusiasten, der schicke Alphacool Eiswolf ist z.B. für aktuell 215€ zu erwerben.

Umbau mit zwei 120mm PWM-Lüfter

Ihr benötigt einen Lötkolben, Lötzinn, Isolier-Klebeband und Kabelbinder!

Nach einigem hin- und her habe ich mich dazu entschieden, die drei Werkslüfter durch größere Varianten zu ersetzen, sie sind mir einfach zu laut. Dazu gibt es z.B. im Rahmen der „Morpheus-Modifikation“ schon einige vielversprechende Berichte. Das scheint auch eine vergleichsweise günstige Lösung zu sein. PWM-Lüfter gibt es ab 10€ im Internet, ich habe mich für besonders leise Noctua NF-P12 (20€/Stk.) entschieden.

Die ASUS Strix Vega hat außerdem den Vorteil, dass sie einen zusätzlichen PWM-Anschluss hat. Dort können Gehäuselüfter angeschlossen werden, deren Drehzahl dann abhängig von der Vega-Temperatur gesteuert wird. Es ist theoretisch so auch möglich, die 120mm-Lüfter ohne größere Kabelarbeit direkt anzuschließen. Die Lüftersteuerung erfolgt allerdings über eine separate ASUS-Software und ist nicht Firmware-gesteuert, weshalb diese Option für mich nicht infrage kommt. Ich habe mich dazu entschieden, den Originalkabelbaum selbst zu modifizieren.

Los geht’s: Demontage und Kabel identifizieren

Nicht vergessen den PC vom Netz zu trennen und sich selbst zu erden (z.B. an Heizkörper fassen), damit die Elektronik durch statische Ladung keinen Schaden nimmt.

Zunächst muss die Plastikabdeckung mitsamt der RGB-Beleuchtung entfernt werden, um Zugriff auf den Radiator zu erhalten. Insgesamt sind 25 kleine Schrauben (mit einem handelsüblichen feinen Technik-Kreuzschraubenzieher) an der Seite sowie frontal neben den Lüftern zu lösen, dann lassen sich die RGB-Abdeckung sowie die drei Lüfterhalter problemlos abnehmen. Der Radior muss nicht wie im Bild oben von der Platine entfernt werden! Die Oberseite des Kühlers ist relativ geräumig, probeweise darauf gelegt haben die beiden 120mm Lüfter genau darauf Platz gefunden. Prima, jetzt machen wir uns an den Kabelbaum. Schauen wir uns zunächst die Pin-Belegung von PWM-Anschlüssen an wie sie z.B. auch an der CPU- oder als Gehäuselüfter zu finden sind:

Standard Pin-Belegung von PWM-Lüftern (rechts). Blau: Schubsteuerung; Grün: Rotationsgeschwindigkeit; Gelb: Stromzufuhr; Schwarz: Erdung. Die Farben können je nach Hersteller variieren. Quelle: noctua.at

Der Stecker der ASUS Originallüfter hat 6 PINs, verteilt auf drei Lüfter. Da PWM-Lüfter sonst 4 PINs haben, geht das so also erst einmal nicht auf, zumal ein paar Farben doppelt vorkommen. Vor der Verkabelung der Lüfter selbst saß ich eine ganze Weile und habe recherchiert, schließlich möchte man bei einer Grafikkarte dieser Preisklasse nicht eben mal was durch Leichtsinn kaputt machen. Letzten endlich habe ich mir die Farben der Standard-Pin-Belegung von PWM-Lüfter angeschaut und diese dann mit denen der Grafikkarte verglichen. Dadurch konnte ich die einzelnen Kabel identifizieren und bin zu folgendem Ergebnis gekommen:

Die ungerade Zahl der Kabel im Verhältnis zu den Lüftern kommt also deshalb zustande, weil zwei von drei Lüfter gemeinsam angesteuert werden, entsprechend gibt es ein RPM-Signal weniger.

Nachdem ich die einzelnen Kabel sowohl von den Vega als auch von den neuen Noctua-Lüftern identifiziert habe, ist mein nächster Schritt – auch wenn es vielleicht anfangs etwas weh tut – die Kabel einfach durchzuknipsen und zu entmanteln, damit sie später zusammengelötet werden können. Dabei habe ich die Originalkabel direkt nach der ersten Gabelung abgeknipst und da wir aus drei jetzt zwei Lüfter machen, werden wir im nächsten Schritt das doppelte PWM-Kabel (grün) zusammenführen müssen (s. Bild unten).

Etwas Lötarbeit

Während also der Lötkolben schon vorheizt, lege ich mir die Kabel so zurecht, dass ich sie direkt zusammenlöten kann. Anschließend sollten die Lötstellen noch mit Isolierband geschützt werden. Den Rest könnt ihr der Bilderstrecke entnehmen!

Im Anschluss daran habe ich die Lüfter provisorisch am Kühler befestigt, um eine Probelauf zu machen. Schließlich will ich wissen, ob ich die Kabel auch richtig verbunden habe, bedeutet beide Lüfter drehen sich, die Geschwindigkeitsregulierung funktioniert und die RPM-Sensoren liefern Daten. Die Ergebnisse und Sensordaten folgen weiter unten!

Befestigung der Lüfter

Die zwei Noctua-Lüfter habe ich dann mit Kabelbinder zwischen den Radiatorlamellen befestigt, wo es möglich war. Beide sitzen stabil, wenn auch nicht ganz symmetrisch wegen der Unebenheiten durch die alten Befestigungen am Radiator. Die losen Kabel habe ich noch weiter zusammengebunden und soweit wie möglich befestigt, damit sie nicht mit den Rotoren der Lüfter oder gar heiß werdenden Teilen des Kühlers in Verbindung kommen können. Das Ergebnis kann sich meiner Meinung nach sehen lassen!

Mir ist das persönlich nicht wichtig, aber wer mag, kann die transparenten RGB-Komponenten aus der jetzt ungenutzten Abdeckung nehmen und für einen netten Effekt zu den 120mm Lüftern dazuschnallen!

Übrigens: Der Originallüfter kann über diverse Händler z.B. aus China nachbestellt werden.

Erste Ergebnisse

Balsam für die Ohren…

…wirklich, der Unterschied ist gewaltig. Wenn ich den Rechner anschalte, sind die Lüfter unhörbar. Laut Hersteller emittieren die Noctua NF-P12 maximal 19,8 dB. Mit hwinfo64 lese ich die Sensordaten aus, die geklammerten Werte sind die im Originalzustand gemessenen Daten:

  • Im Leerlauf drehen sich die Lüfter bei kaum hörbaren 550 rpm, die GPU erreicht darunter 35*C.
  • Unter Last (Stresstest) drehen die Lüfter voll auf, selbst bei maximal 1246 rpm (maximale Drehzahl laut Hersteller 1300 rpm) sind sie aber nur leicht zu hören, ich messe 55 dB (-17). Die GPU erreicht maximal 79*C. Das Geräusch lässt sich eher mit einem leichten Windrauschen vergleichen, als wie zuvor mit einem Staubsauger.

Sensordaten

Nach einigen Minuten Stresstest konnte ich folgende Temperaturen notieren, im Vergleich zu den ursprünglich gemessenen Temperaturen:

Temp.GPUHBMVR VDDCVR MVDDHotSpot
*C79 (-4)81 (-10)88 (-27)84 (-20)96 (-3)

Zugegeben, objektiv betrachtet sind das nach wie vor keine schönen Werte, aber für eine luftgekühlte Vega, vor allem im Vergleich zu den zuerst gemessenen Temperaturen (im ersten Beitrag), doch schon eine deutliche Besserung, wobei vor allem die VRAM-Speicherchips von der Modifikation profitieren.

Deutlich wahrzunehmen ist, dass der Temperaturanstieg bei konstanter Lüftergeschwindigkeit wesentlich langsamer erfolgt, als es beim Originalmodell der Fall war und es dadurch nicht mehr zu „Mikroeinbrüchen“ bei der GPU-Taktrate kommt, was zuvor gelegentlich zu beobachten war, bis aufgrund des plötzlichen Temperaturanstiegs die Lüfterdrehzahl angepasst worden war (thermal throttling). Leider habe ich während des hwinfo-Testlaufs davon keine Screenshots für den Beitrag gemacht.

In den Benchmarks

Benchmarks belasten die Grafikkarte im Gegensatz zum reinen Stresstest (maximale Auslastung und Hitzeerzeugung) auf eine vielfältigere Weise. Hier wollte ich auch noch einmal sehen, ob sich abgesehen von der Lautstärke und Wärmeentwicklung durch den neuen „Temperaturspielraum“ noch zusätzliches Leistungspotential ergibt, da bei der Vega-Generation das „thermal throttling“ eine wichtige Rolle spielt. Wie bereits in meinem vorhergegangenen Beitrag zum Vega Undervolting (UV) benutze ich die Benchmarksoftware 3DMark TimeSpy (DirectX12), Unigine SuperPosition sowie Geeks3D FurMark. In der Vergleichsmessung habe ich mein bereits konfiguriertes Undervolting-Profil aus AMD Wattman benutzt, damit ich sehe, was sich „netto“ durch die Modifikation noch verändert hat:

Benchmark/PunkteTimeSpySuperpositionFurMark
Stock (mit UV)7535 / 46,64572 / 34,27971/133
120mm Mod (mit UV)7557/46,774602/34,437951/132

Wie unschwer zu erkennen ist, sind die Veränderungen in den Benchmarks marginal bzw. die zu erwartenden Schwankungen bei einer Messung. Hier bringt die Lüftermodifikation also keinen weiteren Vorteil. Schauen wir uns zum Schluss noch die maximale Taktrate bzw. den Boost-Takt (P7-State) an, welche ich Gegensatz zur Versorgungsspannung nicht fest geregelt habe (s. vorherigen Beitrag):

AMD Wattman-ProfilVorgabe (Ausgeglichen)UndervoltingUV + Lüftermod
Maximale Taktrate (MHz) 149216281627
GPU Core Power (W )195159155

Durch das Undervolting ließ sich bereits die Taktrate deutlich steigern sowie der Strombedarf der GPU senken, durch die Lüftermodifikation hat sich nichts daran geändert. Da diese „OC“ Variante der Vega ja bereits werksseitig etwas übertaktet ist, vermute ich, dass der Spielraum nach oben zusätzlich zum Undervolting nicht mehr so groß ist.

Lüftersteuerung mit AMD Wattman

Nun verändern wir noch die Lüfterkurve manuell z.B. in AMD Wattman (über Radeon Settings). Das ist erforderlich, damit die Grafikkarte auch das Potential der neuen Lüfter entsprechend nutzen kann. Schließlich ist die Firmware der Vega im Bezug auf die RPM-Drehzahl ja für die drei 90mm Wingblade-Serienlüfter konfiguriert. Über die installierte Radeon Settings App klicken wir auf den Reiter „Spiele“, dann „Globale Einstellungen“ und „Wattman Global“. Die Profilvorlage „manuell“ muss aktiv sein. Ihr könnt die detaillierte Lüfterkurve nur in der 2019er AMD Adrenalin-Software (19.x) ändern, nutzt ihr die letzten offiziell von ASUS angebotenen Treiber, gibt es dort diese Option noch nicht.

Ähnlich der Herstellerempfehlung meiner früheren Arctic Accelerando IV Kühlung (da lag eine Beispiel-Lüfterkurve auf Papier bei) habe ich mich an der Tatsache orientiert, dass die neu verbauten Noctua-Lüfter selbst bei maximaler Drehzahl (1300rpm) kaum zu hören sind, deshalb steigere ich die Lüfterdrehzahl so früh wie möglich auf 100%, um einem schnellen Temperaturanstieg entgegenzuwirken:

  • Den „Zero RPM Modus“ (die Lüfter halten zwischendurch an) habe ich deaktiviert
  • Ich habe die Temperatur bei Leerlauf (Idle) beobachtet und und den Kurvenanstieg oberhalb angesetzt, so dass die Lüfter im Leerlauf konstant auf niedrigem Niveau (PWM 42%) drehen und die Temperatur halten (35-39*C), um ein plötzliches und häufiges „Aufdrehen“ der Lüfter zu vermeiden.
  • Ab 40*C steigt die Drehzahl rasch an und erreicht bei 60*C 100% PWM-Leistung.

Die Kühlleistung ist zwar wesentlich besser wie zuvor, aber auch hier merkt man bei einem Anstieg auf bis zu 79*C, dass die Lüftkühlung bei dieser Karte schnell an ihre technisch-thermischen Grenzen kommt.

Fazit. Hat sich’s gelohnt?

Definitiv. Die meiner Meinung nach größte Schwäche am Custom-Modell ASUS ROG Strix Vega 64 OC ist einfach die Kühlung der Karte. Und das obwohl man meinen sollte, das man bei ASUS die bereits vom Referenzmodell bekannte Schwäche erkannt und behoben haben sollte. Zumindest konnte ich bei mir – egal in welcher Belüftungskonstellation, ob offenes oder geschlossenes, ob stehendes oder liegendes Gehäuse – keine gesunden Belastungstemperaturen beobachten.

Die 120mm-Lüftermodifikation, im Netz auch unter „Morpheus-Mod“ oder „Ghetto-Mod“ zu finden, schafft insofern Abhilfe, als dass man durch den größeren Lüfterdurchmesser (120 statt 90mm) bei gleicher bzw. reduzierter Drehzahl einen höheren Luftaustausch und gleichzeitig reduzierten Geräuschpegel erreicht, was in geringeren GPU-Temperaturen resultiert. Auch wenn dadurch keine wesentlichen Leistungsverbesserungen zu erwarten sind, ist der Unterschied deutlich hörbar: Die Karte ist richtig leise geworden!

Als Einzelmaßnahme eher nicht zu empfehlen, aber im Rahmen des Lüfterumbaus sollte man dann aber auch gleich die Wärmeleitpaste und -pads tauschen, wie ich im ersten Teil des Beitrags beschrieben habe. Wer außerdem den Stromverbrauch (und damit die Hitzeentwicklung) noch etwas senken und dadurch die Leistung der Grafikkarte verbessern will, sollte sich unbedingt am Undervolting mit AMD Wattman versuchen, was ihr hier im Blog nachlesen könnt.

Fit für Navi?

AMDs neue GPU-Architektur heißt Navi. Die Radeon 5700 (XT) ist seit kurzem auf dem Markt und auch ASUS hat ein eigenes Custom-Modell angekündigt, welches in Kürze erscheinen soll. Schaut man sich die ersten Herstellerbilder der Grafikkarte an, scheint es so, als ob von ASUS wieder das gleiche Kühlsystem mit den drei Wingblade-Lüfter verbaut wurde. Theoretisch sollte dann diese Lüftermodifikation auch problemlos machbar sein. Vergleicht man die beiden Karten in den ersten Benchmarks so ist der Leistungsunterschied, finde ich, nicht so gewaltig, als dass sich ein Umstieg aktuell lohnen würde. Dann lieber mit den gefallenen Vega-Preisen sparen!

Hinterlasst doch einen Kommentar unter diesem Beitrag, welche Temperaturen eure Vega erreicht und welche Maßnahmen ihr dagegen unternommen habt!

ASUS Strix Vega 64 – Undervolting & OC in der Praxis

In dieser dreiteiligen Beitragsreihe beschäftige ich mit Kühlung und Performance meiner Asus ROG Strix Vega 64 OC 8GB und lote aus, was sich leistungstechnisch noch verbessern lässt. Da die AMD Vega-Serie viel Abwärme erzeugt, ist auch die Kühlung ein wichtiges Thema. Im ersten Teil habe ich mit damit befasst, ob ein Tausch des Wärmeleitmaterials zu einem effizienteren Wärmeabtransport führt. Hier seht ihr, wie ihr mit einer Lüftermodifikation die Karte leiser machen könnt…

tl;dr In diesem Beitrag zeige ich euch, wie ich meine ASUS Strix Vega 64 Schritt-für-Schritt mit AMD Wattman untertaktet und so die Leistung verbessert, Stromverbrauch und Hitzeentwicklung gleichzeitig reduziert habe.

Ein gängiges Verfahren zur Verbesserung der Hardwareleistung oder Effizienz ist das sogenannte Undervolting, welches auch bei anderen Grafikkarten oder Prozessoren Anwendung findet. Die Idee dahinter scheint zunächst recht simpel: Durch eine gezielte Reduzierung der Versorgungsspannung (mV) wird die Leistungsaufnahme ( w) und damit die maximale Rechenleistung (Taktrate) der Grafikkarte beschränkt bzw. gesenkt, gleichzeitig – am anderen Ende der Gleichung sozusagen – hat dies einen reduzierten Stromverbrauch und eine geringere Abwärme zur Folge. Nun hat die AMD Vega 64 die Eigenart, dass u.A. aufgrund des hohen Strombedarfs sehr viel Abwärme unter Last entsteht und die Grafikkarte schnell an ein Temperaturlimit kommt, an dem sie sich selber in der Leistung bremst, um sich nicht zu überhitzen (sog. thermal throttling). Wenn ihr mehr über die Vega-Grafikkarten erfahren wollt, empfehle ich euch diesen Artikel von PCGH.

In der Praxis erweist sich das Untertakten dann allerdings als etwas komplizierter wie gedacht, was zum einem daran liegt, dass es verschiedene Ansätze und Meinungen zum Vorgehen selbst gibt, sowie zum anderen dass jede Grafikkarte materialbedingt unterschiedlich auf das Untertakten reagiert („silicon lottery“). Wer sich für das Thema interessiert, kann sich in verschiedenen Foren stundenlang über dutzende Seiten in das Thema einlesen. [1] [2] [3]

Nach meinen Recherchen und dem Test bei meinem ASUS-Modell scheint es bei den konventionellen luftgekühlten Varianten der Vega-Generation (egal ob AMD Referenzdesign oder Subvendor) nahezu unmöglich, durch ein konventionelles Übertakten (Erhöhung der Taktrate und oder der Versorgungsspannung) noch großartig mehr Leistung herauszuholen, da vor dem Erreichen des Zieltaktes bereits thermal throttling stattfindet und die Karte sich selbst wieder ausbremst.

Bevor ich nun ins Detail gehe, möchte ich euch zunächst meine ersten Ergebnisse aus der 3D Mark TimeSpy DirectX 12 Benchmark zeigen: Mit reduzierter Spannung konnte ich 6% höhere Benchmarkergebnisse erzielen, bei gleichzeitig 18% geringerem Stromverbrauch, reduzierten Temperaturen und somit geringeren Lüftergeräuschen. Das zeigt, welches Optimierungspotential selbst noch in der Custom-Variante der Karte steckt.

Weitere Daten am Ende des Beitrags

Los geht’s: AMD Wattman, ASUS GPU Tweak II oder OverdriveNTool

Für den Vorgang solltet ihr die aktuellen Adrenalin 2019 Treiber mit der Radeon Settings App installiert haben (das Catalyst Control Center nicht installieren!), welche ihr von der offizellen AMD Webseite herunterladen könnt. Wollt ihr den Treiber sauber installieren oder es gibt Probleme bei der Einrichtung, schaut euch meinen Beitrag von 2018 an. Außerdem benötigt ihr ein Programm zur Protokollierung der Hardwareparameter wie hwinfo (kostenlos) sowie mindestens ein Benchmark-Programm, um die Grafikkarte richtig ins Schwitzen zu bringen. Ich habe im Beitrag 3DMark, Unigine Superposition sowie Geeks3D Furmark (größerer Download, allesamt kostenlos) benutzt.

Bevor wir anfangen, solltet ihr euch bewusst sein, dass ihr durch das Über-/Untertakten womöglich eure Herstellergarantie verliert, die Karte bei fehlerhafter Anwendung sogar beschädigt werden könnte. Ihr folgt dieser Anleitung auf eigenem Risiko!

Mit den offiziellen AMD-Treibern unter Windows 10 gibt es derzeit einen Bug, der dafür sorgt, dass nach einem Neustart das Wattman Energieprofil nicht automatisch übernommen wird. Das liegt an der Windows 10 Schnellstartfunktion. Dieses Feature kann in der Einstellungen-App unter System und Sicherheit / Energieoptionen / Auswählen, was beim Drücken des Netzschalters geschehen soll deaktiviert werden. Insofern euer Rechner über eine SSD verfügt, sollte dies beim Starten höchstens einige Sekunden Unterschied machen.

Ich möchte euch drei verschiedene Programme vorstellen, welche sich zum Undervolting eignen. Zum einen AMD Wattman (enthalten in den Adrenalin-Treibern), das offizielle OC-Tool von AMD, welches ich im Folgenden auch verwenden werde, da es recht einfach zu bedienen ist und man am meisten Unterstützung im Internet dazu findet. Manchmal kommt es allerdings zu Programmabstürzen. Außerdem gibt es von ASUS selbst das Tool GPU Tweak II, welches im Prinzip in einer sehr kompakten Form die gleichen Optionen bietet wie Wattman, ich finde es allerdings etwas unübersichtlich. Und dann gibt es noch das OverdriveNTool, welches sich sehr minimalistisch aber dafür flott und übersichtlich präsentiert. Der Vorteil dieses Programms ist, dass sich die stabilen Einstellungen zum Schluss in die Registry schreiben lassen und somit permanent bestehen bleiben. Welches der Programme ihr für das Austesten der Parameter letzten endlich benutzt, ist egal.

Einstellungen, Stresstest, Benchmark – wiederholen

Schauen wir uns dafür Wattman einmal etwas genauer an. Über die installierte Radeon Settings App klicken wir auf den Reiter „Spiele“, dann „Globale Einstellungen“. Dort aktivieren wir das HBCC-Speichersegment für etwas mehr Leistung ohne Risiko [4] und wechseln dann auf den Reiter „WattMan Global“ und bestätigen.

Im oberen Bereich seht ihr die verschiedenen Tuning-Profilvorlagen, wobei „ausgewogen“ die Vorgabe ist. Ihr solltet nun zunächst mit hwinfo64 im Hintergrund die heruntergeladenen Benchmarks durchlaufen lassen (Hinweis: 3DMark startet unter Umständen nicht richtig, wenn Radeon Settings noch geöffnet ist) und euch die Ergebnisse, sowie die maximale Taktrate der GPU und des VRAM, Core Power Draw und die Temperaturen für den späteren Vergleich notieren. Nun wechseln wir im Profil auf „benutzerdefiniert“ und „manuell“. Die Regler werden freigeschaltet. Es gibt eine Anzeige für den GPU Takt sowie für den VRAM Takt. Die Vega arbeitet mit sogenannten „Power-States“, auch „P-States“ oder einfach nur „ZUSTAND x“ genannt. Das sind die verschiedenen Leistungs- bzw. Booststufen welche die Karte je nach Anforderung durchschaltet bzw. zu erreichen versucht.

VRAM

Bevor wir uns aber mit den eigentlichen GPU-Spannungen befassen, modulieren wir zunächst die Spannung und den Takt des Videospeichers (VRAM), da dessen Versorgungsspannung eine Art Unterlimit für die Spannung von P-State 6 und 7 der GPU bildet („voltage floor“), wie ich nach längerer Recherche herausgefunden habe. [5]

Die ASUS Strix Vega 64 taktet den VRAM mit 945 MHz. Ich konnte den Speichertakt auf bis zu 1050 MHz (+95 MHz) anheben und anschließend die Versorgungsspannung von 1100 MHz auf bis zu 980 mV senken (-120 mV), ohne dass es Probleme gab. Ich empfehle euch, in maximal 50er Schritten zu arbeiten. Das heißt, Änderung übernehmen, ggf. in einer Profilvorlage speichern, damit diese bei einem Absturz nicht verloren gehen. Nun mit Furmark einen kurzen Stresstest (ca. 2min) in Desktopauflösung, Fenstermodus mit 8xAA starten.

Im Stresstest von Furmark sehen wir, ob die Grafikkarte die neuen Spannungseinstellungen akzeptiert und auf die jeweils höchsten P-States wechselt, ohne dass es zu Abstürzen kommt

Packt die Grafikkarte die Einstellung nicht, stürzt der Treiber ab – ggf. wird der Bildschirm kurz schwarz – anschließend werden von Wattman wieder die Standardoptionen geladen. Bei mir hat sich die Radeon Settings App dabei öfters aufgehängt, ich musste Sie im Task-Manager neu starten. Wer nicht jedes Mal alle Parameter neu eingeben will, sollte das Profil zwischendurch speichern.

Kommt es zum ersten Absturz (können im Falle des VRAM auch Bildfehler oder Artefakte im Spiel / Benchmark sein), solltet ihr euch in kleineren 10 mV Schritten vorarbeiten, bis ihr den letzten stabilen Takt gefunden habt und dann wieder -10 mV zur Sicherheit zurückgehen. Die Prämisse beim Undervolting ist ja nicht, die Taktfrequenz stark zu erhöhen, sondern zu prüfen, wie viel mit der reduzierten Versorgungsspannung noch möglich ist. Alleine durch die Feinabstimmung des VRAMs konnte ich im Setting mit Furmark die FPS um 5 Punkte steigern. Bleibt die Vega stabil, solltet ihr nun die 3DMark TimeSpy DirectX 12 sowie die Unigine Superposition Benchmark (1080p Ultimate) durchlaufen lassen, um der Karte alles abzuverlagen und die Spitzenwerte in hwinfo64 zu messen.

GPU

Wenden wir uns nun der GPU zu: Im Reiter „Lüfter und Temperatur“ setzen wir die Leistungsgrenze auf + 50 % (wichtig!) und schalten bei „GPU“ auf manuelle Spannungssteuerung. Da die Versorgungsspannung die erreichte Taktrate maßgeblich beeinflusst, lassen wir die Frequenzsteuerung auf „automatisch“. Werfen wir nun einen Blick auf die verschiedenen P-States. Wichtig bei der Versorgungsspannung ist, dass die Werte von P6 und P7 nicht niedriger als die oben eingestellte VRAM-Spannung sein dürfen bzw. können. Außerdem sollte zwischen den einzelnen P-States immer ein Abstand von ca. 50 mV liegen!

Während in den letzten von ASUS veröffentlichten Treibern (18.10) nur die P-States 6+7 verstellbar sind, gibt es in den aktuellen Treiber von AMD dort keine Einschränkung, zudem lassen sich mehr Details bei der Lüftersteuerung verändern. Ihr profitiert also von den aktuellen Treibern.

Auch hier solltet ihr mit den gleichen Prinzip wie zuvor beim VRAM vorgehen, zunächst im -50mV Schritten reduzieren und stresstesten, bis es zum ersten Absturz kommt. Anschließend in 10mV Schritten feinabstimmen und eine ausführliche Benchmark-Runde durchlaufen lassen! Ich konnte pro P-State die Versorgungsspannung um ganze -100mV senken. Besonders interessant dabei war zu beobachten, dass die Karte im ausgewogenen Profil in der Benchmark maximal 1492 MHz erreichte (laut Hersteller bis zu 1630 MHz Boosttakt möglich), während ich mit der Undervolting-Konfiguration auf 1628 MHz komme (ohne manuelle Erhöhung der P-State Frequenzen!).

Zusammenfassung und Fazit

Habt ihr ein stabiles Setting für alle Parameter gefunden und die Benchmarks bestanden, solltet ihr noch einige anspruchsvolle Spiele starten (z.B. Witcher 3) und die Werte mit hwinfo64 protokollieren, da dies noch einmal eine andere Situation für die Hardware darstellt, als die reine Benchmark-Belastung.

Ich fasse nun zusammen, was ich durch das manuelle Untertakten meiner ASUS Strix Vega 64 erreichen konnte:

  • Die maximale GPU Taktrate unter Last hat sich auf 1628 MHz (+136 MHz) erhöht, bei gleichzeitig reduzierter Versorgungsspannung.
  • Der VRAM taktet bei 1050 MHz (+95 MHz), bei reduzierter Versorgungsspannung.
  • Der Strombedarf der GPU (nicht der gesamten Karte) ist im Vergleich zu den Voreinstellungen um 36 Watt (18%) gesunken.
  • Die Spitzentemperaturen von GPU und VRAM sind auf maximal 80*C (-3) und 101*C (-14) gefallen*****.

Undervolting lohnt sich im Falle der ASUS Strix Vega 64 OC also definitiv. Selbst wenn die Leistung der Karte im voreingestellten Profil für die meisten Fälle mehr als ausreichen ist, werden die Verbesserung allein schon die Lebensdauer der Karte – durch die reduzierten Temperaturen – verbessern, sowie den Stromverbrauch des PCs reduzieren und damit den Geldbeutel schonen. (Was nützt schon die Wahrung der Garantie, wenn die Karte nach 2 1/2 Jahren einen Hitzeschlag erleidet?) Wenn man erst einmal alle Vorbereitungen getroffen und sich etwas mit den benötigten Programmen auseinander gesetzt hat, geht der Prozess auch recht schnell von der Hand, lediglich das „durchbenchen“ der verschiedenen Konfigurationen nimmt etwas Zeit in Anspruch, die allerdings keine Aufmerksamkeit erfordert und mit anderen sinnvollen Tätigkeiten gefüllt werden kann.

Gefühlt laufen die Lüfter der Grafikkarte mit dem UV-Profil beim Spielen anspruchsvollerer Spiele (in meinem Fall Witcher 3) nun deutlich ruhiger und sind weniger wahrnehmbar. Wem das Ganze zu aufwendig oder risikobehaftet ist, kann es auch mit dem milderen „automatischen Undervolting“ versuchen, welches Wattman seit der 2019er Version anbietet. Dazu einfach in den Tuning-Profilen auf „benutzerdefiniert“ umschalten, automatisches Undervolting wählen und auf „Übernehmen“ klicken.

Es bleibt noch zu sagen, dass nicht jede Karte die gleichen Spitzenwerte erreichen wird können, zum Einen wegen der bereits erwähnten Sache mit der „silicon lottery“, zum Anderen aufgrund dem persönlichen Temperatursetting und der begleitenden Hardware im Rechner. Es bleibt also nur übrig, es zu auszuprobieren. Zusätzliches Übertakten ggf. sogar mit Erhöhung der Spannung (OC) habe ich bei meiner Grafikkarte übrigens gar nicht erst probiert, dazu wird die Grafikkarte einfach zu schnell zu heiß – ohne Wasserkühlung (LC) wird da nicht viel rauszuholen sein.

Ich biete euch hier mein Wattman UV-Profil zum Download an, falls ihr die gleiche Karte besitzt und ebenfalls euer Glück versuchen wollt. (Rechtsklick / „Speichern als …“ unter C:\Users\NAME\AppData\Local\AMD\CN) Theoretisch funktioniert der ganze Vorgang übrigens auch bei jeder anderen Vega, solange man sich beim Untertakten an den Ausgangswerten der Grafikkarte orientiert.

Übrigens: ASUS hat im Juni 2019 ein Firmware / BIOS Update für die Strix Vega 64 zur Verfügung gestellt (unter Utilities – weitere Downloads – BIOS UPDATE TOOL) welches das Zusammenspiel mit den Radeon-Treibern verbessern soll, in verschiedenen Foren wurde berichtet, dass die Karte danach ruhiger laufen soll. In meinem Fall konnte dieses Update allerdings nicht einspielen. Ich vermute, dass meine erst dieses Jahr erworbene Karte bereits mit der Software ausgestattet ist.

Die Ergebnisse im Detail

Damit ihr euch ein besseres Bild der Veränderungen machen könnt, habe ich meine Benchmark-Ergebnisse und Messungen hier in einer Tabelle festgehalten. Bitte beachtet außerdem die zusätzlichen *Angaben am Ende.

Benchmark @FHD
(Punkte / avg. FPS)
Unigine Superposition3D Mark Time Spy
(Grafikpunkte)
FurMark
Ausgewogen (19.x)
– 18.10*
– PB** (240W)
– SB (260W)
Turbo
Strom sparen
4332 / 32,4
4377 / 32,6
4353 / 32,6
4369 / 32,7
4345 / 32,5
4195 / 31,4
7140 / 44,2
7091 / 43,9


7050 / 43,6
6842 / 42,3
8121/135
8057/134


7706/128
7501/126
autom. UV*** (Wattman)4402 / 32,97225 / 44,78026/134
manuelles UV4572 / 34,2 7535 / 46,67971/133
SpitzenwerteGPU (MHz)VRAM (MHz)GPU / VRAM (*C)GPU Core Power (W )
Ausgewogen
– 18.10*
Turbo
Strom sparen
1492
1548
1573
1457
945
945
945
945
85 / 104
84 / 102
85 / 108
80 / 86
195
179
184
165
autom. UV (Wattman*) 154094586 / 103182
manuelles UV****1628105083 / 101159

(*) Der letzte von ASUS zur Verfügung gestellte Treiber ist der Radeon 18.10 Adrenalin Edition (2018), ich benutze den aktuellen Radeon 19.5.2 Adrenalin Edition (2019), welcher u.A. mehr Funktionen in Wattman bietet.

(**) Primäres BIOS, Powerlimit ohne HBM2 240W (BIOS-Switch zur Blende hin); sekundäres BIOS 260W. Ich konnte im Rahmen des UV keinen Leistungsunterschied zwischen den beiden Optionen ausmachen.

(***) automatisches Undervolting (Wattman) sowie das Ändern der P-States 0-5 ist in der von ASUS offiziell angebotenen Treiberversion nicht möglich. Ich verwende hierzu die aktuelle Adrenalin 2019 Version direkt von AMD.

(****) niedrigste stabile Spannung bei automatischer Frequenzregelung der P-States. P6: 1050 mv (1150 mv); P7: 1100 mv (1200 mv); HBM: 980 mv (1100 mv)

(*****) Die Temperaturen habe ich bereits mit den ausgetauschten Wärmeleitpads und -paste gemacht, der eigentliche Unterschied zum Hersteller dürfte also noch einmal + 3-6*C betragen.

ASUS Strix Vega 64 – WLP VRAM Temperatur Fix?

Teil 2: Undervolting in der Praxis – Höhere Taktrate und geringerer Stromverbrauch!

Teil 3: Flüsterleise – Mit einer 120mm Lüftermodifikation die Kühlung verbessern.

Ich berichtete zuletzt von meinem Hardware-Umbau in meinem Desktop-PC. Bei der Grafiklösung habe ich mich für die Vega 10 Generation, dem Flagschiff aus dem Jahre 2017, genauer gesagt die ASUS ROG RX Vega 64 PC 8Gb entschieden. Bis auf zuletzt meine Nvidia GTX 1060 hatte ich die letzten 10 Jahre eigentlich immer eine Grafikkarte von AMD am Start und das sollte dieses mal auch wieder so werden! Die Vega-Serie hat einige deutliche Vor- und Nachteile, welche für die Kaufentscheidung entscheidend sind. Zum Einen sind es da die – je nach Modell – kochenden Temperaturen und der hohe Stromverbrauch, zum Anderen ist das Preis/Leistungsverhältnis aber Fair und die Grafikkarte bietet auch 2019 für aktuelle Spieletitel in Full-HD noch mehr als ausreichend Leistung. Ausschlaggebend für mich war dann allerdings das Optimierungspotential, welche sie für Hardware-Enthusiasten und Bastler wie in meinem Fall bietet. Wie kann ich die Wärmeableitung verbessern und dadurch die Temperaturen senken, die Leistung weiter steigern und die Karte leiser machen? Darauf möchte ich in dieser Artikelserie eingehen. Einen detailierten Hardware-Test aus dem Jahr 2017 findet ihr z.B. bei pcgameshardware.

Der Blick auf die Serie lohnt sich meiner Meinung nach für Hardware-Nachzügler nun besonders, da die Preise angesichts der nachfolgenden Vega 20 (Radeon VII) sowie die kommende Navi-Generation bereits am Fallen sind. Quelle: geizhals.de

Die Leistung der Karte ist super. Mein großes Problem ist die hohe Temperaturentwicklung unter Last im geschlossenen Gehäuse, was letzten endlich zur Drosselung der Taktrate und zu hohen Lüftergeräuschen führt. Da ich in der aktuellen PC-Konfiguration keine Wasserkühlung mehr für den Prozessor nutze, stand ich nun vor dem neuen Problem, dass die Abwärme der Grafikkarte sich oben sammelt und dadurch zusätzlich die CPU anheizt (der einzige Nachteil der Subvendor-Karten mit Custom-Kühlung: Die Abwärme wird nicht direkt aus dem Gehäuse geblasen sondern sammelt sich dort), selbst meine 3 (!) bequiet! Gehäuselüfter haben es in der Benchmark nicht geschafft, die Abwärme suffizient aus dem Gehäuse auszuleiten. Da ich nun sowieso meinen Schreibtisch umgeräumt habe, habe ich den PC erst einmal horizontal in das Seitenfach des Schreibtisches gelegt und die Oberseite des Gehäuses offen gelassen. Gleichzeitig habe ich den Luftstrom verändert, so dass von beiden Seiten nun die kühle Luft ins Gehäuse kommt (im Bild ist die Lüfterabbildung noch nicht indentisch mit den eingezeichneten Pfeilen) und nach oben hin über die geöffnete Seite entweichen kann. Dadurch verhindere ich, dass die CPU zusätzlich angeheizt wird und die Spitzentemperaturen sind generell gesunken. Ein offenes Gehäuse ist sicher nicht die optimale Lösung, aber für mich im Moment in Ordnung.

Hitzig: Temperaturen unter Vollast

Die Temperaturen sind trotz großem Kühlblock und drei Serienlüftern (ASUS) knackig. Bei mir erreicht die Karte im Leerlauf (Idle) und unter Maximallast (Stress) folgende Temperaturen. Dabei ist zu beachten, dass die Karte über mehrere Temperatursensoren verfügt, unter anderem für den VRAM, außerdem gibt es einen „Hotspot“. Gemessen habe ich mit hwinfo64 bei ca. 23*C Zimmertemperatur (geschlossenes vertikal stehendes Gehäuse). Alle Temperaturen sind bei der Gesamtbetrachtung der Kühlung relevant und beeinflussen die Performance:

Temperatur *CGPUHBMVR VDDCVR MVDDHotspot
Idle3938424239
Stress839111510499

Gebencht habe ich mit Geeks3D FurMark. Die VRAM-Temperaturen mit >100*C sind knackig, definitiv nicht gut für die Langlebigkeit, generell wird die Karte im Werkszutand meiner Meinung nach viel zu heiß, eigentlich ein Konstruktionsfehler. Letzten endlich taktet diese dann auch zurück. Hier muss man allerdings dazu sagen, dass die Karte beim Gaming (z.B. The Witcher 3 auf Ultra) die hier gemessenen Temperaturen nicht erreicht hat, aber trotzdem sehr warm und – im Vergleich zu meiner Vorherigen Grafikkarte – laut wurde.

Wärmeleitpad und -Paste

Zu diesem Temperaturproblem finden sich diverse Lösungsansätze anderer Menschen im Internet. Einen dieser möchte ich heute vorstellen: Der User F7GOS hat in seinem Video auf YouTube bemerkt, das in seiner Asus Vega 64 das Wärmeleitpad für die VRAM-Chips unsauber auf dem Kühlkörper angebracht ist und die Hitze so nicht gut abgeleitet wird. Durch den Tausch dieser sowie einen Tausch der GPU-Wärmeleitpaste konnte er die Temperaturen seiner Karte erheblich senken (siehe Video im Link).

Wie er habe auch ich dafür das „minuspad 8“ von ThermalGrizzly verwendet, welches weitgehend die identische Größe besitzt und im Handel ca. 8€ kostet. Also habe ich meine Karte demontiert, was sehr einfach geht. Zunächst den Lüfterstecker sowie den Stecker für die RGB-Beleuchtung gelöst. Danach werden mit einem kleinen Kreuzschraubenzieher vier (wenn ich mich recht erinnere) Schrauben, welche den Kühlkörper halten, von der Rückseite der Karte gelöst, anschließend die vier Schrauben der GPU-Fassung. Danach lässt sich der gesamte Kühlkörper mit etwas Gefühl von der Platine abheben.

Leider habe ich feststellen müssen, dass es von der ASUS Strix Vega 64 wohl verschiedene „Revisions-Builds“ gibt, wovon ich wohl eine Neuere besitzen muss, bei mir war nämlich der Wärmeleitpad nicht so stark deplatziert. Aber ich hatte das Thermalpad schon gekauft und die Karte auseinander gebaut, also habe ich dieses trotzdem getauscht. Das Alte einfach abziehen, die Länge und Breite ist bereits passend, es müssen lediglich noch die Aussparungen für die Schrauben freigemacht werden. Anschließend habe ich die GPU-Wärmeleitpaste durch eine Arctic MX-4 2019 Edition (ca 8€) getauscht, welche ich noch vom Hardware-Umbau übrig hatte.

Das Ergebnis

Da bei mir die VRAM-Chips lange nicht so unsauber abgedeckt waren wie im obigen Video, waren meine Erwartungen an den Temperaturunterschied nicht allzu hoch. Gemessen habe ich wieder mit FurMark und hwinfo64. Die Temperaturen im Leerlauf sind weitestgehend identisch, unter Last ist ein Temperaturunterschied festzustellen:

Temperatur *CGPUHBMVR VDDCVR MVDDHotspot
Stress80 (-3)91109 (-6)100 (-4)94 (-5)

Das ist natürlich nicht die Welt und hat mir bei in der Standard-Treiberkonfiguration auch keinen Unterschied hinsichtlich der Performance und der automatischen Taktung der Grafikkarte gemacht, aber immerhin schon etwas kühler als zuvor. Und das allein durch den Tausch der Wärmeleitprodukte ohne Veränderung des eigentlichen Kühlkörpers.

Bildschirmflackern und -blitzen

Wie ich das Bildschirmflackern bei einem alten Laptop behoben habe.

Wenn der Bildschirm plötzlich anfängt zu flimmern, zu blitzen oder „Artefakte“ zu sehen sind, ist das normalerweise kein gutes Zeichen. Nachdem man eine Pause gemacht und ausgeschlossen hat, dass es an den eigenen Augen liegt (denn so sieht es das ArbSchG bzw. die BildscharbV §5 vor) stellt sich die Frage, hat der Computer einen Schaden? Ich hatte vor kurzem ein altes Dell Notebook von ca. 2011 vor mir, welches bereits direkt nach dem Einschalten immer wieder intermittierend weiß geblitzt hat. Gerade in einem solchen Ausmaß, dass man noch damit arbeiten konnte, es aber schon sehr irritierend für die Augen war. Es ist immer möglich, dass es an einem fehlerhaft installierten Grafikkarten-Treiber liegt, aber selbst eine saubere Neuinstallation brachte keine Besserung. Außerdem war da noch die Tatsache, dass das Flackern bereits direkt nach dem Einschalten, also noch vor dem tatsächlichen Booten von Windows auftrat. Das spricht in der Regel für einen technischen Defekt der Grafikeinheit oder Displays des Computers oder Laptops. Das kann zum Einen altersbedingt, aber auch durch Überhitzung der Hardware verursacht worden sein. Eine Reparatur lohnt sich bei so einem alten Gerät nicht, aber wenn man daran hängt und der Rechner flott läuft, möchte man sich auch nicht davon trennen, oder?

Es ist also ratsam, mit einem Belastungstest die Betriebstemperaturen zu überprüfen. Das geht zum Beispiel mit den kostenlosen Benchmarktool FurMark (für die Grafikeinheit) in Zusammenhang mit dem kostenlosen PC-Info Tool HWMonitor. Wie man dabei am besten vorgeht und welche Temperaturgrenzen gelten, habe ich in meinem Ratgeber Fehlerdiagnose unter Punkt VIII beschrieben.

In meinem Fall waren die Temperaturen des Notebooks unauffällig. Die Lüfter gereinigt und entstaubt habe ich trotzdem, aber das Problem blieb bestehen, was den Verdacht eines technischen Defektes erhärtete. Jetzt blieb eigentlich nur noch eine Sache, die ich bisher noch nicht in Betracht gezogen hatte, da das Flimmern sich nicht unmittelbar durch das Verändern der Bildschirmneigung (Bewegen der Scharniere) auslösen lies: Bei Notebooks führt das Display-Kabel normalerweise an den Scharnieren des Bildschirms vorbei. Es konnte also sein, dass sich durch das ständige Auf- und Zuklappen über die Jahre das Kabel gelöst haben oder beschädigt sein könnte. Es blieb also nichts anderes übrig, als das Notebook zu öffnen und den Anschluss zu prüfen.

Demontage

Mit einem handelsüblichen kleinen Schraubenzieher lässt sich so ein Laptop ohne weiteres in seine Einzelteile zerlegen. Zum Glück gibt es für viele Notebooks bereits Videoanleitungen zur Schritt für Schritt Demontage im Internet zu finden.

Nach der Entnahme des Akkus (ich hatte zuvor ein Backup gemacht!) begann ich zunächst, die rückseitigen Schrauben des Hauptgehäuses zu lösen. In der Regel lässt sich dadurch die Schale der Oberseite abnehmen, während hingegen die Hauptplatine auf der unteren Schalenhälfte mit weiteren Schrauben befestigt ist.

Unter der Tastatur und der oberen Abdeckung versteckt sich die Rückseite des Mainboards, hier mit einliegender Festplatte und DVD-Laufwerk. CPU und RAM sind von dieser Position nicht entnehmbar. (PS: Vor dem Schrauben immer vom Strom trennen! In diesem Bild hatte ich kurz gebootet um zu schauen, ob das Flimmern verschwunden ist)

Zuvor musste ich noch die Tastatur, welche durch einen Klickverschluss in der Oberseite des Gehäuses befestigt ist und den dazugehörigen Breitbandstecker lösen. Um die beiden Gehäusehälften gut trennen zu können hilft ein weiches Plastikwerkzeug mit einer flachen Kante, ähnlich einer Scheckkarte oder eines Schabers.

Bei manchen Notebooks befindet sich der Stecker des Displaykabels auf der in den Bildern nicht einsehbaren Seite des Mainboards, bei diesem Modell aber war es glücklicherweise an der Oberseite – oberhalb der Kühleinheit -befestigt und wand sich dann entlang der Scharnier-Abdeckung zum LCD-Display.

Gerade dieser Bereich des Kabels wird durch das ständige Auf- und Zuklappen am meisten belastet.

Nachdem ich das Kabel auf äußerliche Beschädigungen hin überprüft und keine Mängel festgestellt hatte, habe ich testweise den Stecker neu eingesteckt und das Kabel wieder ordentlich im Scharniergehäuse untergebracht. Anschließend im halb zusammengebauten Zustand eingeschaltet und siehe da – das unregelmäßige Flackern und Blitzen war verschwunden! Da ich zuvor die Bildfehler durch das Auf- und Zuklappen nicht erzwingen konnte, war ich zunächst nicht von dieser Ursache ausgegangen. Gleichzeitig war konnte ich nun auch ausschließen, dass die Hardware einen anderweitigen Defekt hatte. Bei der Gelegenheit habe ich gleich noch die Scharnierschrauben des Displays, welche sich an der selben Stelle befinden auf beiden Seiten nachgezogen und das Scharnier geschmiert. Bereits bei mehreren Notebooks (vor allem von HP) waren ausgeleierte oder ausgebrochene Displayscharniere (durch Schwergängigkeit) die erste Mangelerscheinung.

Für die meisten Notebook-Hersteller gibt es im Netz (ich schaute auf eBay) Ersatzteile zu kaufen. So fand ich zum Beispiel Displaykabel ab 9€, ganze LCD-Displays ab 100€ und Displayscharniere ab 10€. Da sollte sich man sich aber zuvor Gedanken machen, ob sie der Tausch noch lohnt.

Windows 10 Klassisch – Look & Feel wie Windows 7

Wie man die vorinstallierten Apps löscht, das altbekannte Startmenü einrichtet und den Desktop mit ein paar Tricks anpassen kann.

Windows 10 mit seiner – im Vergleich zum Vorgänger – ausgereifteren Metro-Kachel-Oberfläche bietet so viele neue Funktionen und Extras, vorinstallierte Apps und Online-Funktionen, die man vielleicht gar nicht benötigt oder nutzen will. Sei es, weil man kein Outlook.com-Konto besitzt, sich an der bunten und überladenen Oberfläche stört oder es einfach aus Datenschutzaspekten meiden will. Im folgenden Beitrag versuche ich Stück für Stück herauszufinden, inwiefern es möglich ist, nicht benötigte Funktionen von Windows 10 zu deaktivieren und das Verhalten von Anmeldung, Startmenü und Explorer so anzupassen, wie es unter Windows 7 (oder noch früher) war. Übersichtlich, schlicht und mit weniger Ballast.

Damit man sich die Idee praktisch vorstellen kann – und für einen vorher nachher Vergleich – zunächst folgenden Screenshot mit den Punkten, die ich ändern möchte. Wie der Desktop am Ende aussieht, seht ihr am Ende des Beitrags!

In dieser Schritt-für-Schritt Anleitung nehmen wir einige Änderungen an Systemdateien und -Einstellungen vor. Dies geschieht auf eigene Gefahr. Zur Sicherheit solltet ihr ein Backup von wichtigen Daten machen sowie einen System-Wiederherstellungspunkt anlegen, um Änderungen rückgängig machen zu können. Anleitung getestet unter Update 1809.

1. Vorinstallierte Apps entfernen

Windows 10 bietet eine Vielzahl von Anwendungen an, die über den Microsoft Store installiert und verwaltet werden können. Leider werden mit der Einrichtung von Windows 10 jede Menge Apps von Partnern wie Fitbit über Xing und Candy Crush mitgeliefert, die ich gar nicht brauche und möchte. Eigentlich benötige ich überhaupt keine Apps aus dem Store, da ich meine Programme lieber als konventionelle Datei herunterlade. Das einzelne Löschen der Apps über die Systemsteuerung ist mühsam und nicht alle lassen sich freiwillig deinstallieren.

Zum Entfernen der ungewollten Apps gibt es mehrere Möglichkeiten. In einem früheren Beitrag habe ich beschrieben, wie man mit PowerShell-Befehlen radikal alle Apps vom System löschen kann. Im Prinzip muss man nur als Administrator folgenden Befehl ausführen um für den aktuell angemeldeten Benutzer alle Apps inklusive des Microsoft Stores zu löschen:

Get-AppXPackage | Remove-AppxPackage

Da dabei allerdings auch Systemanwendungen entfernt werden, rate ich auf einem produktiv genutzten System eher zu einem der verfügbaren kostenlosen Programme zur Verwaltung solcher Apps. Ich habe im Beispiel den O&O AppBuster benutzt. Es listet einem alle installierten Apps auf und ermöglicht eine Sammeldeinstallation nach vorheriger Auswahl. Auch das Erstellen eines Systemwiederherstellungspunktes sowie die Möglichkeit einer späteren Neuinstallation der gelöschten Apps wird angeboten. Finde ich praktisch. Das Programm benötigt keine Installation, einfach ausführen, alle Benutzer-Apps anhaken und löschen. Der AppBuster ingoriert systemrelevante Apps und den Microsoft Store, so dass die Funktionalität von Windows nicht beeinflusst und zu jeder Zeit Apps nachinstalliert werden können. Einige Apps wurden von diesem Tool bei mir übrig gelassen (ausgerechnet Candy Crush), die verbliebenen Apps konnte ich jedoch normal über Einstellungen / Apps & Features bzw. über das Startmenü mit einem Rechtsklick entfernen.

Der OneDrive-Synchronisationsclient (die Wolke im Tray) wird bei jedem Systemstart auch ohne Anmeldung geladen und lässt sich über die konventionelle Softwareliste Einstellungen / Apps & Features / (ganz unten) Verwandte Einstellungen – Programme und Features deinstallieren.

Als Ersatz für Groove Music ist ja bereits der Windows Media Player in der letzten Version mit allen Funktionen installiert, es muss lediglich die Verknüpfung auf den Desktop gezogen bzw. der WMP als Standard-App (in den Einstellungen) für Multimediadateien eingerichtet werden. Die klassische Windows-Fotoanzeige gibt es in Windows 10 leider nicht mehr. Habt ihr die Fotos-App von Microsoft ebenfalls deinstalliert, bietet sich als schlanke Bildanzeige das kostenlose Programm ImageGlass an.

2. Startmenü, Suche und Cortana anpassen

Nach dem Entfernen der Apps sieht das Windows 10 Startmenü (hier mit zurechtgerücktem Kachel-Feld) schon wesentlich aufgeräumter aus.

Wem jetzt das Startmenü noch nicht „griffig“ genug ist, sollte sich OpenShell Menu anschauen, den inoffiziellen Nachfolger des inzwischen nicht mehr weiterentwickelten ClassicShell als hochanpassbares Ersatz-Startmenü. Den Download findet ihr u.A. auf der offizellen Webseite (Setup.exe zum Installieren unter nightly builds). Bei der Installation darauf achten, dass nur das OpenShell Menu installiert wird, die anderen Sachen abhaken (für den Dateiexplorer verwenden wir ein anderes Tool!) Nach der Installation wird beim nächsten Klick auf das Startmenü das Anpassungs-Fenster von OpenShell angezeigt. Mit der Option „Windows 7 style“ gefällt mir das Startmenü schon viel besser. Unter Skins hat man noch die Möglichkeit, verschiedene Aussehen für die Oberfläche (ganz klassisch, wie 7, 8 oder 10) auszuwählen. Das Menü reagiert flott und wirkt nicht künstlich aufgesetzt.

Das OpenShell-Menü hat seine eigene Suchfunktion für Programme und Dateien. Cortana soll in den kommenden Update ja sowieso wieder von der Windows-Textsuche getrennt werden. Vorerst reicht es also im Suchfeld der Startleiste via Rechtsklick / Cortana diese auszublenden.

Wer Cortana lieber deaktivieren will, öffnet den Registrierungseditor (Windows-Taste + R „regedit“) und navigiert im Verzeichnisbaum der Registrierung zu folgendem Schlüssel:

HKEY_LOCAL_MACHINE\SOFTWARE\Microsoft\PolicyManager\current\device\

Dort dann mit Rechtsklick im rechten Fensterbereich ein „Neuer Schlüssel“ mit dem Namen „Experience“ erstellen. Im Experience-Schlüssel erstellen wir über Rechtsklick einen neuen DWORD(32) Eintrag mit dem Namen „AllowCortana“ und dem Wert 0 (deaktiviert). Nun ist bei einem Klick auf das Suchfeld Cortana nicht mehr aktiv.

Um außerdem die Websuche (im Windows-eigenen Suchfeld) zu deaktivieren, müssen unter

HKEY_CURRENT_USER\Software\Microsoft\Windows\CurrentVersion\Search

der Wert „BingSearchEnabled“ sowie „CortanaConsent“ auf 0 gesetzt werden. Auch hier nicht vorhandene Einträge mittels neuem DWORD(32) Wert anlegen. Nach einem Neustart ist das Suchfeld „offline“.

Wenn ihr nicht mit dem Registrierungseditor arbeiten wollt oder einfach und schnell automatisch alle gerade genannten Änderungen umsetzen wollt, habe ich eine fertige *.reg Datei geschrieben, die nur von meiner Webspace heruntergeladen und ausgeführt werden muss. Dazu entweder den Text kopieren, im Notepad Editor einfügen und als xxx.reg (Dateityp: Alle Dateien) speichern oder Rechtsklick auf den Link / Ziel speichern unter … xxx.reg (Dateityp: Alle Dateien), ausführen und bestätigen.

3. und 4. Benachrichtiungsfenster, Aktivitäten-Timeline und Soziale Kontakte ausblenden

Die neue Windows 10 „Timeline“ Funktion (der neue Button neben dem Startmenü) zeichnet alle Nutzungsaktivitäten des Rechners auf und stellt sie chronologisch dar. Das mag zwar ganz praktisch sein, man kann es aber auch aus Datenschutzaspekten kritisch sehen und wenn man es sowieso nicht braucht auch gleich deaktivieren. Dazu öffnen wir wieder den Registrierungseditor und navigieren zu folgendem Pfad:

HKEY_LOCAL_MACHINE/Software/Policies/Microsoft/Windows/System 

Dort erstellen wir mit Rechtsklick einen neuen DWORD(32)-Eintrag Namens „EnableActivityFeed“ mit dem Wert 0. Danach fungiert der Button lediglich zur Verwaltung von mehreren virtuellen Desktops.

Der „soziale Kontakte“ Button (My People App) links neben den Tray-Symbolen funktioniert im Zusammenhang mit dem Outlook.com oder anderen synchronisierten Konten und dient als Schnellzugriffsfeld für das Verfassen von Nachrichten. Wer das nicht braucht, klickt mit Rechtsklick auf das Icon und auf „ausblenden“.

Das „Action Center“ sammelt Benachrichtigungen und Schnelleinstellungen am rechten Bildschirmrand und erinnert stark an das Dropdownmenü für selbige in Android. Wer das nicht mag, kann es auch deaktivieren. Dann werden Pop-Up Meldungen regulär eingeblendet, bleiben aber nicht mehr im Action Center hängen und warten auf Aufmerksamkeit.

im Registrierungseditor unter folgender Adresse

 
HKEY_CURRENT_USER\SOFTWARE\Policies\Microsoft\Windows\Explorer

einen neuen DWORD(32) Eintrag mit dem Namen „DisableNotificationCenter“ und Wert 1 erstellen.

Um euch auch hier die Arbeit zu ersparen, habe ich für die Anpassungen an der Timeline und dem Benachrichtigungscenter wieder eine REG-Datei zum Ausführen bereitgestellt, welche die Änderungen automatisch übernimmt. Dazu entweder den Text kopieren, im Notepad Editor einfügen und als xxx.reg (Dateityp: Alle Dateien) speichern oder Rechtsklick auf den Link / Ziel speichern unter … xxx.reg (Dateityp: Alle Dateien), ausführen und bestätigen.

5. klassische Systemsteuerung nutzen

In Windows 10 wurde die klassische Systemsteuerung (control) durch die „Einstellungen“ App ersetzt, die zwar nach und nach mit neuen Funktionen versehen wird, aber trotzdem noch wesentlich weniger bietet wie die Systemsteuerung. Wer bereits das OpenShell Menü installiert hat, hat vielleicht bemerkt, dass einem das Programm einen sehr bequemen Zugriff auf die Einträge der Systemsteuerung bietet. Wer trotzdem einen Schnellzugriff auf die Systemsteuerung haben möchte, kann folgendes tun:

In der Programmsuche des Startmenüs „control“ eingeben und zum angezeigten Programm – der alten Systemsteuerung – eine einfache Desktopverknüpfung erstellen.

Wer OpenShell Menü nicht nutzt und – wie es bis zur Vergangenen Windows-Version noch möglich war – die Systemsteuerung mit einem Rechtsklick auf den Startbutton / Einstellungen aufgerufen hat (jetzt öffnet sich dort die Einstellungen App), kann das ebenfalls ändern. Dazu in die Dateiexplorer-Adressleiste folgenden Pfad eingeben:

%LocalAppdata%\Microsoft\Windows\WinX\Group2

Im dortigen Ordner werden Verknüpfungen ebendieser Rechtsklick-Funktionen angezeigt. Dort wird die „Systemsteuerung“ Verknüpfung gelöscht und die eben erstelle Verknüpfung zur klassischen Systemsteuerung hineinverschoben. Jetzt ist es wichtig, die Verknüpfung in „4 – Control Panel“ umzubennen, damit es funktioniert (es wird automatisch wieder der Name Systemsteuerung angezeigt).

6. Windows Explorer anpassen

In den Ordner- und Suchoptionen des Datei Explorers (Über das Datei-Menü im Explorer-Fenster erreichbar) ändern wir die Einstellungen „Datei Explorer öffnen für: Dieser PC“ um beim Aufrufen des Explorers z.B. aus der Schnellstartleiste direkt beim „Arbeitsplatz“ zu landen und nicht in den Bibliotheken. Außerdem im Reiter „Ansicht“ den Haken bei „Benachrichtigungen des Synchronisationsanbieters“ entfernen, damit keine Werbung für z.B. Office oder OneDrive im Explorer angezeigt wird.

Als nächstes laden wir uns das kostenlose Tool OldNewExplorer herunter. Das Programm benötigt keine Installation und ist unkompliziert in der Handhabe. Das Tool modifiziert das Aussehen des Dateiexplorers, damit dieser mehr wie in Windows 7 aussieht. Nach dem Ausführen setzen wir noch einen Haken bei „Use command bar instead of Ribbon“ und passen die Einstellungen entsprechend wie in folgendem Bild an. Hier direkt noch ein Bild-Vergleich mit Laufwerk C: (1) Das Fenster in Windows 7; (2) Das modifizierte Fenster in Windows 10; (3) Das original Windows-Fenster (mit geöffnetem Ribbon-Menü)

Weitere Verbesserungen zum Datei Explorer findet ihr in den Registry-Tricks am Ende des Beitrags!

7. Benutzeranmeldung und Sperrbildschirm

„Drücken Sie eine beliebige Taste, um die Windows 10 Anmeldeinformationen anzuzeigen.“

Der meiner Meinung nach überflüssige, an Smartphones angelehnte Sperrbildschirm vor dem Anmelden lässt sich zum Glück relativ unkompliziert deaktivieren. Im Registrierungseditor ändern wir unter

HKEY_LOCAL_MACHINE\SOFTWARE\Policies\Microsoft\Windows\Personalization

den Wert „NoLockScreen“ zu 1. Sollte der Schlüssel „Personalization“ noch nicht bestehen, muss er erst neu angelegt und der Eintrag als DWORD(32) erstellt werden.

8. Weitere Registry-Tricks

Ich habe noch einige weitere, kleinere Verbesserungen zusammengefasst, welche sich allesamt durch den Registrierungseditor umsetzen lassen. Diese habe ich in einer Registry-Datei gespeichert so dass diese bequem in das Zielsystem übernommen werden können.

  • Im Rechtsklick-Kontextmenü von Dateien und Ordner den Eintrag „In Ordner kopieren/verschieben…“ hinzufügen
  • Die Zeit, die Windows auf eingefrorene Prozesse und Anwendungen wartet, ist kürzer
  • Windows beendet beim Herunterfahren noch offene Programme schneller
  • Kein automatisches Überprüfen und Hinweisen auf zu wenig Speicherplatz in der Systempartition
  • Bei fehlerhaften Verknüpfungen nicht nach dem Dateiziel suchen
  • im „Öffnet mit…“ Kontextmenü von Dateien nicht das Internet durchsuchen
  • Schnelleres Einblenden von Untermenüs in Explorer-Kontextmenüs
  • Erweiterte Adware-Erkennung beim Windows Defender [1]

Die Änderungen findet ihr hier zum Download: Windows10_ExplorerDesktopTweaks.reg
Dazu entweder den Text kopieren, im Notepad Editor einfügen und als xxx.reg (Dateityp: Alle Dateien) speichern oder Rechtsklick auf den Link / Ziel speichern unter … xxx.reg (Dateityp: Alle Dateien), ausführen und bestätigen. Im Anschluss explorer.exe oder den Computer neu starten!

9. Hintergründe und Icons

Und zum Schluss: Mit einem Set von Windows 7 Systemhintergründen für den Desktop lässt sich Windows 10 noch weiter anpassen! Wollt ihr das Hintergrundbild auch im Anmeldebildschirm sehen, muss in den Einstellungen unter Personalisierung die Option „Hintergrundbild des Sperrbildschirms auf Anmeldebildschirm anzeigen“ aktiv sein.

So sieht’s zum Schluss aus.

Ich finde den neuen „Flat Look“ der Systemicons eigentlich ganz hübsch. Wollt ihr lieber die aus Windows 7 bekannten Symbole und Dateibilder nutzen, solltet ihr euch folgende englischsprachige Anleitung auf howtogeek.com anschauen. Dazu kommt wieder der Registry Editor zum Einsatz.

PS: Der Rechner ist langsam? In diesem zweiteiligen Tutorial erfährst du, wie Windows schneller gemacht werden kann.