Linux-Tagebuch #9 – Ubuntu 20.04 LTS Erste Schritte, Anpassungen

In dieser mehrteiligen Beitragsreihe versuche ich mich aus Sicht eines Windows PC-Nutzers dem Linux-Desktop als Betriebssystem zu nähern. Dabei möchte ich dieses als Linux-Anfänger selbst besser kennen lernen und zu verstehen versuchen. Zu Teil 1…

Bildquelle Header: pixabay / Pinguin Tux; by Larry Ewing, Simon Budig, Anja Gerwinski

Nach einigen Vorüberlegungen habe ich mir schließlich Ubuntu 20.04.1 LTS auf meinem Rechner aufgespielt. Das teilt sich den Speicherplatz von System-SSD und Daten-HDD gemeinsam mit Microsoft Windows 10. Mehr zur manuellen Partitionierung…

In diesem Beitrag erfahrt ihr, welche ersten Dinge ich nach der Installation von Ubuntu auf meinem Rechner getan habe und welche vielleicht auch für euch nützlich sein könnten.

Der erste Start

Das Laden von Ubuntu 20.04.1 LTS verläuft sehr flott. Nach dem Einschalten wird zunächst der neu installierte GRUB-Bootloader angezeigt, wo ich zwischen Ubuntu und Windows 10 wechseln kann. 10 Sekunden habe ich dazu Zeit, sonst wird automatisch Ubuntu gestartet.

Von dort bis zum geladenen Desktop sind es 11 Sekunden. Windows 10 benötigt dazu immerhin 23s, mehr als doppelt so lange. Dann müssen allerdings noch die Hintergrund-Anwendungen im Task-Tray starten (welche bei Ubuntu fehlen).

Läuft die Hardware?

Nun war für mich die spannende Frage, ob denn auch die periphere Hardware, die ganzen Geräte unter Ubuntu ebenso funktionieren, wie unter Microsoft Windows. Darüber habe ich mir vor der Installation bereits Gedanken gemacht.

Zunächst werfe ich einen Blick in die allgemeinen Einstellungen, unter „Info“ finde ich erste Details zu der ermittelten Hardware. Sieht schon einmal gut aus.

Dann wollte ich wissen, mit welchem Treiber meine AMD Vega Grafikkarte betrieben wird. Mit folgendem Befehl lasse ich mir die Grafikhardware samt verwendetem Treiber anzeigen [2]

lspci -nnk | grep -A3 "\[03..\]:" 

Für meine AMD Vega kommt also der amdgpu Treiber zum Einsatz. Wie ich dann erfahre, ist das der aktuelle quelloffene Treiber für AMD Grafikkarten (früher bzw. für ältere Karten gibt es den freien radeon Treiber). Als Alternative dazu gibt es einen proprietären amdgpu-pro Treiber von AMD (löst fglrx ab), aber dazu in einem anderen Beitrag mehr. NVIDIA-Nutzer müssen gegenfalls über die „Treiber“ Benutzeroberfläche (im Gnome Menü eingeben!) erst den proprietären NVIDIA-Treiber installieren, damit ihre Grafik-Beschleunigung richtig funktioniert.

In einem ersten Test scheint die Grafikkarte problemlos zu arbeiten. Die Benutzeroberfläche ist flott, HD Videos laufen flüssig. Die Lüftersteuerung funktioniert auch. Es gibt kein Screen-Tearing. AMD FreeSync wird übrigens auch unterstützt. [3]

Dann wollte ich wissen, ob der unser WLAN Drucker Canon Pixma MX495 erkannt wird. Unter Windows musste ja zunächst ein Treiber vom Hersteller installiert werden. Habe ihn angeschaltet, zu meiner Überraschung wurde er bereits wenige Sekunden später von Ubuntu automatisch erkannt und per Statusmeldung für „Bereit“ erklärt. Der Testdruck funktioniert, Scannen ebenfalls über die von Ubuntu mitgelieferte Scan-Anwendung. Ob das bei allen Druckern so reibungslos abgeht?

Ich habe neben dem Onboard-Audio meines Asus Mainboards noch eine ASUS Xonar Essence STX II Soundkarte verbaut. Diese funktioniert ebenfalls „out of the box“, was die Wiedergabe und Aufnahme angeht. Gelistet wird sie als „CMI8788 Oxygen HD Audio (Virtuoso 100 (…))“. Die Audio-Konfiguration im Detail oder die Surround-Ausgabe habe ich allerdings nicht getestet.

Die Zusatztasten und die RGB-Beleuchtung meiner Corsair Tastatur und Corsair Scimitar Pro Maus lassen sich so ohne weiteres nicht anpassen, dazu zu einem späteren Zeitpunkt mehr.

Ein kleines Manko bleibt die Unterstützung meines alten LG G35 Headsets. Klar, Ubuntu (Linux) ist da nur eingeschränkt verantwortlich, da die Surround-Soundausgabe über (Windows) Software emuliert wird, die unter Ubuntu natürlich nicht läuft. Aber der Klang ist so einfach nicht der selbe.

Der GNOME Desktop

Ubuntu Linux für Desktops ist in den letzten zwei Jahren deutlich flotter geworden, das liegt unter anderem an technischen Neuerungen im Kernel, aber auch an der optimierten Benutzeroberfläche („Desktop“) Gnome [1].

Ich finde es wichtig, sich mit der (neuen) Benutzeroberfläche auseinanderzusetzen, damit man das Betriebssystem sicher bedienen kann und flott vorankommt. Zunächst werfe ich dazu einen Blick in die Systemeinstellungen und kann dort schon einmal allgemeine Anpassungen, wie die Mausgeschwindigkeit, Klang oder die weitere Personalisierung anpassen. Der Dock [die Leiste links] ist mir für meinen Heim-Monitor zu groß, der Platz nicht effizient genutzt. Ich ändere dazu die Symbolgröße auf 42 (48) Punkte, schalte außerdem die autom. Bildschirmsperre aus.

Weitere Anpassungsmöglichkeiten

Viel mehr geben die Einstellungen nicht her. Etwas mehr Kontrolle, zum Beispiel über der Position der Fensterbuttons, erhält man mit dem Programm Gnome Tweaks, welches über das Software-Center bezogen werden kann und nach der Installation als „Optimierungen“ aufrufbar ist.

Mir persönlich sind die Fensteranimationen und Desktopeffekte zu langsam, Abhilfe dafür schafft die Erweiterung Impatience aus den Gnome Extensions. Über die verlinkte Projektwebseite kann das Plugin unkompliziert hinzugefügt werden, nachdem man im Firefox die Gnome-Shell Erweiterung installiert hat. Auch interessant sind meiner Meinung nach die Gnome Erweiterungen Removable Drive Menu (für USB-Datenträger), Sensors (Temperaturanzeige) und Sound Input & Output Device Chooser (wenn man mehrere Möglichkeiten hat).

Ich kann zwar die Helligkeit meines LCD-Monitors anpassen, mir fehlt allerdings ein Programm für Anpassung der Farbtemperatur am Abend, um die Augen zu schonen („Blaulichtfilter“). Dazu habe ich das Tool Redshift aus dem Software-Katalog geladen, welches das [wie unter Windows 10] automatisch aktiviert und über ein kleines Tray-Icon oben rechtssteuerbar ist.

Nützliche Tastenkürzel

Notwendig, damit man flott voran kommt. Die wichtigsten Hotkeys für die Bedienung von Gnome finden sich aufgelistet in den Einstellungen. Zwar kann man, wie unter Windows auch, flott mit Alt+Tab zwischen Anwendungen hin und her wechseln, da geht aber noch mehr. Ein kleiner Auszug:

  • [Win] (=Supertaste) für eine Übersicht über geöffnete Programme + Mausrad drehen um durch die Desktops durchzuschalten
  • [Win] + Direkte Eingabe um App zu finden/starten
  • [Win] + [Bild auf/ab] Desktops durchschalten
  • [Alt]+[Tab] zum Durchschalten von Anwendungen wie unter Windows
  • [Win] + [Pfeiltasten] für das Andocken der Fenster
  • [Win] + [A] Anwendungsmenü
  • [Strg] + [Alt] + [T] Terminal-Fenster öffnen

Vorgabeanwendungen

Bei der normalen Installation von Ubuntu werden eine ganze Reihe von bewährten Programmen mitgeliefert, welche im Alltag nützlich sind. LibreOffice und Mozilla Firefox dürften da noch das bekannteste Beispiel sein. Wagt man die komplette Umstellung auf Linux am PC, finde ich es sinnvoll sich mit diesen Programmen und ihrem Funktionsumfang vertraut zu machen. Die Vorgabeanwendungen werden in den Einstellungen aufgelistet…

Diese und weitere Programme finden sich im GNOME-Startmenü. Ich finde es außerdem hilfreich, dass der Datei-Explorer unter GNOME einfach nur „Files“ heißt. Mir hat noch ein einfaches Bildbearbeitungsprogramm zum schnellen Zuschneiden oder Markieren z.B. von Screenshots gefehlt, ich habe mir da GNU Paint aus dem Softwarekatalog geladen!

Browserprofil importieren

Eines der ersten Dinge, die ich unternommen habe: Mein aktuelles Mozilla Firefox Profil samt Logins und Passwörter von Windows zu Linux kopieren, damit ich direkt da weiter surfen kann, wo ich unter Windows aufgehört habe. Das ist denkbar einfach. Zunächst Firefox unter Ubuntu einmal starten. Der Benutzerordner befindet sich dann im /home Verzeichnis versteckt unter .mozilla. Dazu muss man zunächst verborgene Ordner anzeigen lassen.

Nun kann einfach der persönliche Profilordner aus

%appdata%\Mozilla\Firefox\Profiles\ (Windows) 

in /home/.firefox/ übernommen werden. Anschließend muss in der im selbigen Verzeichnis befindlichen Datei profiles.ini noch der gewünschte zu startende Profilname (Ordnername) hingefügt oder ersetzt werden. Ihr könnt die vorhanden Profile später in Firefox auch mit about:profiles prüfen.

Habes zwar nicht probiert, aber mit Google Chrome sollte es genau so funktionieren. Dazu muss zunächst Chromium (Open Source Variante) aus dem App Center geladen oder Google Chrome aus einer Drittquelle installiert werden [2]. Anschließend die Daten von

%LOCALAPPDATA%\Google\Chrome\User Data (Windows)

nach ~/.config/chromium/ oder ~/snap/chromium/ kopieren.

Froschgriffe unter Ubuntu

Ist mir zwar noch nicht so oft passiert, aber auch unter Ubuntu kann sich eine (Vollbild-)Anwendung mal aufhängen. Ich wollte an dieser Stelle noch erwähnen, dass der aus Windows gewohnte „Froschgriff“ mit [Strg] + [Alt] + [Entf] nicht funktioniert. Damit wird nämlich der Herunterfahren-Dialog eingeblendet.

Analog zum Task-Manager gibt es unter GNOME das Tool „Systemüberwachung“. Dort können die Rechnerressourcen sowie die aktuell laufenden Prozesse beobachtet und auch beendet werden.

Grundsätzlich sollte sich der Desktop bei einer eingefrorenen App mit der [Win] (=Super) Taste anzeigen lassen, dann springt GNOME nämlich in die Desktop-Übersicht.

Reagiert dagegen die Benutzeroberfläche aus irgendeinem Grund nicht mehr, kann diese (analog zum Explorer in Windows) neu gestartet werden, indem man mit der Tastenkombination [Alt] + [F2] den Ausführen-Dialog öffnet und „r“ eingibt.

Google ist dein Freund!

Eine gute Distribution lebt von ihrer Dokumentation. Im Internet findet ihr schnell weitere Tipps zur Einrichtung, Anleitungen oder Hilfestellung bei Problemen. Ihr könnt auch in einem Forum wie von ubuntuusers persönlich fragen.

Weiterführende Links…

Linux-Tagebuch #8 – Ubuntu: Die Installation Schritt für Schritt

In dieser mehrteiligen Beitragsreihe versuche ich mich aus Sicht eines Windows PC-Nutzers dem Linux-Desktop als Betriebssystem zu nähern. Dabei möchte ich dieses als Linux-Anfänger selbst besser kennen lernen und zu verstehen versuchen. Zu Teil 1…

Bildquelle Header: pixabay / Pinguin Tux; by Larry Ewing, Simon Budig, Anja Gerwinski

In diesem Beitrag erfahrt ihr, wie man Ubuntu Linux Schritt für Schritt auf einem Rechner installiert und anschließend einrichtet.

Heute, im 8. Linux-Tagebucheintrag bin ich soweit, dass ich Ubuntu tatsächlich auf meinem Rechner aufspiele. Zuvor habe ich mir unter anderem Gedanken über die Wahl der Linux-Distribution gemacht. Auch die Möglichkeiten, Ubuntu ohne Installation zu testen, habe ich angesprochen.

Datenträger vorbereiten

Zunächst wird ein Installationsmedium benötigt, damit wir das Setup starten können! Ich habe mir dazu das aktuelle Abbild (2,6 Gb) von Ubuntu 20.04.1 LTS von ubuntu.com heruntergeladen. Als Datenträger eignet sich ein herkömmlicher USB-Stick, aber eine DVD geht auch. Das Abbild (ISO) kann nicht „einfach so“ auf den Datenträger kopiert, sondern muss so eingerichtet werden, dass der Rechner beim Start von Diesem booten kann. Dazu habe ich das kostenlose Tool LinuxLive USB Creator benutzt, andere Programme können das aber auch. Das Erstellen den Setup-Sticks dauert einige Minuten. Am schnellsten geht es, wenn ihr einen USB 3.0 kompatiblen Datenträger am passenden Anschluss benutzt. Der Stick muss zunächst im FAT32 Dateisystem formatiert werden. Manchmal spuckt das Programm dabei eine Fehlermeldung aus, da der USB-Stick schon durch Windows in Benutzung sei. Der Fehler kann umgangen werden, indem ihr den USB-Stick davor selbst formatiert.

Datensicherung anlegen

Habt ihr auf dem Rechner, wo Ubuntu Linux installiert werden soll noch Microsoft Windows 10 oder ein anderes Betriebssystem installiert, solltet ihr unbedingt vorher eine Datensicherung machen. Auch dann, wenn ihr Linux neben Windows installieren wollt. Bei der Partitionierung kann immer mal etwas schief gehen, das Wiederherstellen der persönlichen Daten ist dann schwierig oder gar unmöglich! Dazu nehmt ihr einen externen Datenträger. Ich habe einen USB 3.0 Standadapter für 2.5-3″ SATA-Festplatten, wo ich mit dem Programm FreeFileSync regelmäßig Sicherungen mache. Ein einfacher USB-Stick tut es aber auch.

Wie ihr ein umfassendes Backup eurer Benutzerdaten samt Lizenzschlüssel usw. unter Windows macht, habe ich in diesem Beitrag beschrieben.

Setup starten

Um die Installation von Ubuntu zu starten, müsst ihr euren Rechner jetzt vom Installationsmedium booten lassen. Was zunächst recht simpel klingt, ist in der Realität bei aktuellen Notebooks und PCs oft etwas umständlicher.

Also, USB-Stick einstecken, Computer vollständig neustarten. Wenn anschließend das Setup von Ubuntu startet, könnt ihr den Rest dieses Abschnittes überspringen!

Wenn euer Gerät neuer als 2013 ist [Windows 8 vorinstalliert war] und/oder ein Notebook ist, wird euer System wahrscheinlich durch Secure Boot geschützt sein. Secure Boot ist eine Funktion, welche mit der zeitgemäßen UEFI Firmware eingeführt wurde und verhindern soll, dass Malware sich schon vor dem eigentlichen Windows-Start [die Infos, welche vor dem Windows Logo auf dem Bildschirm erscheinen] ins System einnistet [3]. Die technischen Details sind eigentlich nicht so wichtig, die Tatsache spielt aber hier eine Rolle, da sich dann unter Umständen die Installation vom USB-Stick (oder DVD) nicht starten lässt. Der Rechner schaut dann sozusagen direkt auf die Festplatte und ignoriert andere Optionen. Gewusst wie, lässt sich das Problem zum Glück einfach umgehen:

Direkt nach dem Einschalten eures Gerätes werden für einen kurzen Augenblick Details des Herstellers oder zum System angezeigt. Wenn ihr genau hinschaut, werdet ihr irgendwo einen Hinweis „Press xxx zu enter SETUP…“ erkennen können. Sollte dies nicht der Fall sein, probiert es einfach mit den Tasten F2, F11 oder Entf, drückt die Taste zügig bevor das Windows-Logo erscheint, bis ihr im UEFI oder BIOS Setup eures Gerätes angelangt seid.

Eine genaue Beschreibung wird hier schwierig, da sich die Oberfläche von Hersteller zu Hersteller unterscheidet! Manchmal lässt sich jetzt direkt wählen, von wo gebootet werden soll (der USB-Stick!). Diese Option habe ich genutzt. Ansonsten: Findet und deaktiviert (disabled) die Option „Secure Boot“ bzw. „Sicherer Systemstart“. Anschließend sucht ihr den Menüpunkt „Boot Option“ bzw. „Startreihenfolge“, stellt dort sicher, dass in der Liste [UEFI] USB* über dem Windows-Datenträger [UEFI] *Name des Festplattenherstellers* HHD/SSD steht. Über das Menü oder mit F10 die Änderungen speichern und den Rechner neustarten. Sollte es aus irgendeinem Grund danach zu Problemen kommen, könnt ihr über selbiges Menü mit „load default settings“ die vorherigen Einstellungen wiederherstellen.

Die ersten Schritte

Habt ihr es ins Setup geschafft, wählt ihr zunächst die Sprache und das Tastaturlayout. Ihr könnt dann wählen, ob ihr Ubuntu mit den standardmäßig mitgelieferten Softwarepaketen (wie LibreOffice, Rythmbox und Shotwell) oder als Minimalinstallation nur mit Webbrowser installieren wollt.

Bei vorhandener Internetverbindung (WLAN kann oben rechts über das Wifi-Symbol verbunden werden) können ein Teil der bisher erschienenen Systemaktualisierungen bereits während der Installation heruntergeladen werden, das spart Zeit.

Wählt am besten auch die zusätzliche Software von Drittanbietern zur Installation aus. Sie enthält teilweise nicht quelloffene (restricted) Software, die für manche Hardwarekomponenten benötigt wird, damit diese richtig funktionieren. Typischerweise sind Ethernet-Chips betroffen. Ubuntu lässt euch hier die Wahl, damit ihr entscheiden könnt ob ihr euer System rein mit Open Source Software ausstatten wollt (diese Frage hängt auch mit der Softwarephilosophie der gewählten Linux-Distribution zusammen, siehe hier). Wenn ihr allerdings (und das trifft auch in meinem Fall zu) noch nicht so viel Ahnung habt von Linux und auch nicht sicher seit, wie eure Hardware mit Ubuntu laufen wird, installiert das Paket lieber mit. Es kann später immer noch entfernt werden, wird es nicht benötigt.

Partitionierungsoptionen

Nun müsst ihr euch Gedanken machen, wie ihr Ubuntu auf eurem Rechner haben wollt.

Soll Ubuntu das einzige Betriebssystem sein, klick ihr einfach auf „Festplatte löschen“ und fahrt mit der Installation fort. Das Setup erledigt dann das Anlegen der Partitionen und das Formatieren für euch. Möchtet ihr die Partitionierung eures Datenträgers selbst in die Hand nehmen, wählt ihr „Etwas anderes“. Welche Vorteile die manuelle Partitionierung mit sich bringt und wie das geht, habe ich hier beschrieben!

Es ist allerdings auch möglich Ubuntu Linux neben einer bestehenden (Windows) Installation einzurichten. Bei dieser „Dual Boot“ Methode kann dann beim Einschalten des Rechners gewählt werden, welche Betriebssystem gestartet werden soll. Wenn ihr euch noch nicht ganz sicher seit, ob ihr auf Dauer mit Linux zurechtkommen werdet, oder ihr Windows einfach noch für bestimmte Programme oder Spiele braucht, ist das vielleicht die richtige Wahl für euch. Auch hier bietet das Setup die Möglichkeit den Schritt automatisch zur erledigen, oder ihr nehmt die Sache lieber selbst in die Hand. Dabei gibt es allerdings einige Dinge zu beachten. So geht die Dual-Boot Partitionierung!

Ich habe in meinem Rechner die gängige Konstellation einer System-SSD sowie einer großen Daten-Festplatte. Bei der manuellen Partitionierung (siehe Link oben!) ist es auch möglich, die Linux-Partitionen auf beide Datenträger zu verteilen. Dadurch profitiert ihr, wie auch unter Windows, vom Geschwindigkeitsvorteil der SSD, ohne diese unnötig stark zu belasten. Ich habe auf der SSD die Windows-Partition zunächst verkleinert, dort dann die /boot (optional) und Wurzelpartition (/) angelegt. Bei der Festplatte habe ich ebenfalls die vorhandene Daten-Partition verkleinert und mir dann dort die Partitionen für Benutzerdaten /home) und Auslagerung (/swap) angelegt.

Abschluss der Installation

Habt ihr euch für eine Installationsart entschieden und die Partitionierung bestätigt, startet der Kopiervorgang. Währenddessen könnt ihr die Einrichtung des Betriebssystems abschließen. Entscheidet euch für einen Benutzernamen und überlegt, ob ihr bei jedem Systemstart das Passwort eintippen wollt, oder ob das automatisch geschehen soll (Wenn der Rechner sowieso nur Zuhause steht!?).

Das Kopieren der Systemdateien dauert je nach Rechnerleistung und Installationsmethode ca. 5-20 Minuten. Nach Abschluss der Installation entfernt ihr den Setup-Datenträger vom PC und startet den Rechner neu.

Der erste Start

Falls ihr euch für die Dual-Boot Option entschieden habt, solltet ihr nun den Auswahlbildschirm des GRUB Bootloaders (s. Bild) sehen. Ansonsten landet ihr direkt bei der Benutzeranmeldung bzw. auf dem Desktop und könnt dort erste Einstellungen zur Privatsphäre vornehmen. Das wäre geschafft!

Bei meinem Rechner dauerte das Kopieren der Installationsdaten über USB keine drei Minuten. Windows 10 wird im GRUB-Menü als „Windows Boot Loader“ gelistet. Bei mir hat alles wie beschrieben funktioniert, beide Betriebssysteme lassen sich fehlerfrei starten.

Im nächsten Beitrag werde ich mich mit den ersten Schritten nach der Neuinstallation von Ubuntu sowie der Systemkonfiguration beschäftigen.

Weiterführende Links

Offizielle Ubuntu Installationsanleitung von Canonical (EN)

Ausführliche Installationsanleitung im ubuntuusers Wiki (DE)

How to Install Ubuntu Linux in the Simplest Possible Way – ITSFOSS (EN)

Linux-Tagebuch #7 – Installation: Dual-Boot Linux und Windows

In dieser mehrteiligen Beitragsreihe versuche ich mich aus Sicht eines Windows PC-Nutzers dem Linux-Desktop als Betriebssystem zu nähern. Dabei möchte ich dieses als Linux-Anfänger selbst besser kennen lernen und zu verstehen versuchen. Zu Teil 1…

Bildquelle Header: pixabay / Pinguin Tux; by Larry Ewing, Simon Budig, Anja Gerwinski

In diesem Beitrag möchte ich über das Dual-Boot-Verfahren sprechen, bei der eine Linux-Distribution neben Microsoft Windows installiert wird.

Im letzten Tagebuch-Eintrag habe ich von den Vorteilen der manuellen Partitionierung des Datenträgers während der Installation von Ubuntu (20.04) Linux berichtet. Grundsätzlich geht es hier auch wieder um die Partitionierung des Rechners, was sich an den letzten Beitrag anschließt.

Ubuntu 20.04 und Windows 10 auf einem Rechner und beim Start auswählen, was man gerade benötigt? Kein Problem! Bei den vielen vorhandenen Möglichkeiten, GNU/Linux als Betriebssystem im Alltag auf dem eigenen Rechner zu testen, ist die Dual-Boot Variante wohl die Mutigste von allen. Wer sich zunächst einen Überblick über eine der unzähligen Distribution verschaffen möchte, sollte sich vielleicht zunächst die Möglichkeit anschauen, Linux sicher in einer virtuellen Maschine oder von einem USB-Stick „to go“ zu testen.

Welche Argumente sprechen für eine Dual-Boot-Lösung?
  • Ihr habt Linux bereits von einem Live-System getestet. Dort konntet ihr allerdings nicht alles ausprobieren und würdet gerne sehen, wie sich das Betriebssystem auf eurem Rechner im Alltag bewährt.
  • Ihr habt eine veraltete Windows-Installation [z.B. Windows XP, Vista oder 7] , welche ihr noch gelegentlich benötigt, aber ihr nicht kostenpflichtig aktualisieren wollt. Linux ist kostenlos, sicher und aktuell!
  • Ihr seit auf eine Windows Anwendung angewiesen, die partout nicht unter Linux laufen will. Zwar lassen sich viele Programme mit einigen Tricks trotzdem nutzen, den Fall gibt es aber sicher trotzdem.

Ihr solltet euch Dual Boot zweimal überlegen, wenn die Speicherkapazität eures Datenträgers gering ist, da ihr diesen dann ja aufteilen werdet. Hinzu kommt, dass das Verkleinern einer bestehenden Datenpartition fehleranfällig und das Rückgängigmachen dieser Aktion ohne eine komplette Neuinstallation beider Betriebssysteme zum Teil sehr umständlich sein kann.

Vorbereitung unter Windows

Bei der Parallelinstallation von Linux und Windows gibt es einige Dinge zu beachten. Ihr solltet euch daher folgenden Abschnitt aufmerksam durchlesen.

Unter anderem wird dringend empfohlen, den Windows NTFS-Datenträger vor der Installation zu defragmentieren. [1] Das führt dazu, dass quer auf der Festplatte verteilte Datenfragmente auf den „vorderen“ Teil des Datenträgers eingeordnet werden. So kann die Datenpartition später dann sicherer aufgeteilt werden. Es wird zudem empfohlen, nicht das integrierte Windows Defragmentierungstool zu verwenden, da dieses nicht gründlich genug arbeite. Am besten beginnt ihr mit einer Datensicherung und räumt den Rechner etwas auf, um den Prozess zu beschleunigen.

Außerdem solltet ihr die Windows 10 Features Fast Boot und Hibernation deaktivieren. Das verhindert, dass bei einem Neustart von Windows und dem Wechsel zum anderen Betriebssystem Daten im Arbeitsspeicher verbleiben können und es dann zu einem Datenverlust kommt. [2] Zu finden in der alten Systemsteuerung (Startmenü „control“) unter

Systemsteuerung\System und Sicherheit\Energieoptionen\Auswählen, was beim Drücken des Netzschalters passieren soll

Dort den Haken bei „Schnellstart aktiviert“ und „Ruhezustand“ entfernen und die Einstellungen übernehmen. Bei einer SSD ist der Geschwindigkeitsunterschied sowieso kaum zu bemerken!

Wie schaut’s bei einer SSD oder mehreren Datenträgern aus? Grundsätzlich ist es so, dass der Linux Bootloader [7] den von Windows ersetzt [zur Auswahl der auf dem Rechner befindlichen startfähigen Betriebssysteme]. Bedeutet, GRUB [8] muss zwangsläufig unter C: installiert werden. Wo sich dann später Ubuntu befindet, ist im Prinzip egal. Theoretisch kann also Windows auf der SSD verbleiben, während Ubuntu auf der zweiten Festplatte landet.

Dass man SSDs nicht defragmentieren soll, müsste ja inzwischen bekannt sein. Windows 10 erlaubt es auch gar nicht. Ob eine einmalige Defragmentierung allerdings für das Verkleinern einer Datenpartition auf der SSD trotzdem sinnvoll ist, um fragmentierte Daten zusammenzuführen, ist mir nicht klar. Darauf habe ich keine eindeutige Antwort im Netz gefunden [2] [3]. Ein Beitrag auf superuser.com legt mir aber nahe, dass es sinnvoll sein könnte. [10] Unabhängig von Zugriffszeiten sollte sich meinem Verständnis nach eine NTFS-Datenpartition „Dateisystem-technisch“ identisch wie auf einer konventionellen Festplatte verhalten, weshalb ich vorsichtshalber defragmentieren würde.

Der erste Schritt bei der Installation besteht darin, die bestehende Windows-Partition zu verkleinern, um Platz für Linux zu schaffen [ausgehend davon, das Linux auf dem selben Datenträger installiert wird]. Wie ihr im nächsten Abschnitt lesen könnt, macht das Setup von Ubuntu dies auf Wunsch automatisch. Ich habe bei meinen Installationen bisher nie Probleme mit diesem Schritt gehabt. Dennoch wird im ubuntuusers Wiki empfohlen, das Verkleinern der Partition nicht im Ubuntu-Setup [4], sondern innerhalb von Windows vorzunehmen [2]. Das kann mit der integrierten Windows Datenträgerverwaltung (über das Startmenü) oder einem anderen Partitionierungswerkzeug erledigt werden. Mehr dazu im Abschnitt „Manuelle Einrichtung“ weiter unten!

Automatische Partitionierung des Setups (schnell)

Das Setup von Ubuntu (20.04) bietet wie auch die Vorgänger bereits eine automatische Dual-Boot Partitionierung während der Installation an.

○ Ubuntu neben Windows 10 installieren.

Voraussetzung dafür ist, dass die entsprechende Windows-Version korrekt auf dem Rechner installiert ist und vom Setup erkannt wird. Wählt man die Option „Ubuntu neben Windows 10 installieren“ wird nun der Datenträger symbolisch dargestellt und die Speicherplatzverteilung kann mit einem einfachen Schieberegler den Wünschen entsprechend angepasst werden [ausgehend davon, dass die Windows-Partition den gesamten Datenträger beansprucht und kein freier, nicht zugeordneter Speicherplatz vorhanden ist].

Änderungen werden erst am Datenträger vorgenommen, wenn ihr nach einem Klick auf „Jetzt installieren“ noch einmal bestätigt. Das Verkleinern der Windows-Partition kann je nach Größe einige Sekunden bis Minuten in Anspruch nehmen, währenddessen passiert nichts. Etwas Geduld!

Manuelle Einrichtung (erweitert)

Welche Vorteile die manuelle Partitionierung bei der Installation von Ubuntu Linux bietet, habe ich im vorherigen Tagebucheintrag beschrieben!

○ Etwas anderes.

Wählt man im oben gezeigten Dialog das „Partitionierungswerkzeug“ oder im Schritt davor bereits die Option „Etwas anderes“, können die Partitionen von Hand bearbeitet und eingepflegt werden.

Entweder ihr habt die defragmentierte Windows-Partition bereits unter Windows verkleinert („shrink“) oder ihr macht das jetzt im Setup. Nun habt ihr „freien Speicherplatz“ [der keiner Partition zugeordnet ist] und könnt mit dem „+“ neue Partitionen nach euren Wünschen anlegen. Unter Ubuntu 20.04 müssen lediglich die Wurzelpartition „/“ (auch root genannt) sowie die /home Partition für die Benutzerdaten angelegt werden, der Rest ist optional. Je nach Systemprofil, also altes BIOS oder UEFI, gewünschte Verschlüsselung können aber noch Partitionen dazukommen. Welche Partitionen und in welcher Größe ihr anlegen solltet, habe ich in diesem Beitrag beschrieben. Ihr könnt euch auch den Artikel im Wiki von ubuntuusers zur manuellen Partitionierung anschauen. [9]

Tipp: 100Gb verfügbarer Speicherplatz entspricht einer Partitionsgröße von 102400 Mb!

Ihr könnt maximal 4 primäre Partitionen auf einem Datenträger haben. Habt ihr keine Auswahl mehr, solltet ihr eine logische Partition erstellen. Diese sind den Primären untergeordnet, was aber für die Installation meines Wissens keine Rolle spielt. [5] [6]

Wurde die Installation erfolgreich beendet, taucht nun beim nächsten Start des Rechners das Auswahlmenü des neu installierten GRUB-Bootloaders auf, wo ihr das gewünschte Betriebssystem wählen könnt. Geschafft!

Unter Ubuntu könnt ihr zum Beispiel mit dem Partitionierungswerkzeug gparted (über den Software-Katalog) eure neue Einteilung überprüfen oder später noch einem der Betriebssysteme mehr Speicherplatz zuteilen!

Es kann sein, dass beim nächsten Windows-Start eine automatische Datenträgerüberprüfung (chkdsk) gestartet wird. Diese muss nicht unbedingt durchgeführt werden, Windows hat einfach eine Veränderung am lokalen Datenträger erkannt.

Wie man GRUB noch weiter anpassen kann (Timeout, vorausgewählter Eintrag usw.) erfahrt ihr in einem kommenden Beitrag.

Ihr wollt das Ganze wieder rückgängig machen? Grundsätzlich ist das problemlos möglich. Dazu müssen die Linux-Partitionen wieder von der Festplatte gelöscht und der Windows Bootloader neu geschrieben werden, was allerdings mit einigem Aufwand verbunden ist. Ich habe in einem älteren Beitrag von 2011/14 bereits darüber berichtet (unter Ubuntu 12.04 LTS und Legacy BIOS), werde aber in Zukunft noch einmal darauf zurückkommen.

Linux-Tagebuch #6 – Manuelle Partitionierung des Datenträgers (Installation)

In dieser mehrteiligen Beitragsreihe versuche ich mich aus Sicht eines Windows PC-Nutzers dem Linux-Desktop als Betriebssystem zu nähern. Dabei möchte ich dieses als Linux-Anfänger selbst besser kennen lernen und zu verstehen versuchen. Zu Teil 1…

Nun stehe ich kurz vor der Installation meines GNU/Linux-Systems und möchte an dieser Stelle noch die Möglichkeit der manuellen Partitionierung des System-Datenträgers ansprechen.

Wer schon einmal Microsoft Windows neu aufgespielt hat, kennt diesen Arbeitsschritt bereits, denn unter Windows ist es nicht anders. Meistens bleibt es aber bei dem bekannten „Lokalen Datenträger C“, weitere notwendige Systempartitionen werden vom Setup automatisch erzeugt. Das Dateisystemformat ist hier „NTFS“.

Schema aus Windows 10: Datenträger 0 (C:) mit Boot- und Recovery-Partition, der Rest sind System- und Nutzerdaten.

In der Regel gibt es auch während der Installation von Linux einen Bildschirm, wo die Einteilung des Datenträgers vorgenommen wird, bei den meisten Distributionen ist der Dialog identisch. Auch bei der Installation von Ubuntu (und den meisten anderen Distributionen) können die Partitionen mit einem Klick automatisch angelegt werden. Hier ist das Dateisystemformat bei Ubuntu aktuell „ext4“ (Unterschiede der Dateisysteme).

Automatische Partitionierung des Setups

Nachdem man die Installation beispielsweise über einen USB-Speicherstick gestartet hat, begegnet einem der folgende Dialog bereits nach wenigen Klicks. Wählt man einfach „Festplatte löschen“ und überlässt die Partitionierung dem Setup, sieht das beispielsweise bei einem Datenträger ca. 100 Gb so aus (dargestellt mit VirtualBox).

Wie ihr letzten Screenshot seht, hat das Setup lediglich eine UEFI Boot-Partition (0,5 Gb) sowie das Wurzelverzeichnis (99,5 Gb) angelegt. Die Benutzerdaten scheint sich mit den Systemdaten ebenfalls auf „/“ zu befinden. Weitere Informationen zur Verzeichnis-Struktur unter Ubuntu…

Vorteile gegenüber der Schnelleinrichtung

Nach einiger Recherche scheint mir grundsätzlich die automatische Aufteilung für Unerfahrene vollkommen ausreichend, zumindest hatte ich in der Vergangenheit damit keine Probleme. Für die manuelle Partitionierung gibt es darüber hinaus folgende Argumente:

  • Manchmal ist die automatische Aufteilung der Partitionsgrößen auf den verfügbaren Speicherplatz nicht „optimal“ im Sinne des Systems. [1]
  • Ihr könnt das Benutzerverzeichnis (/home) getrennt in eine eigene Partition legen.
  • Bei mehreren Datenträgern können die Benutzerdaten (/home) auf einem anderen Datenträger abgelegt werden.
  • Hat der Rechner weniger Arbeitsspeicher, kann eine swap-Partition angelegt werden, damit das Suspend-to-Disk Funktion genutzt werden kann (analog zur Auslagerungsdatei und dem Ruhezustand unter Windows).
  • Einrichtung eines Dual-Boot-Szenarios (Windows Partition verkleinern etc). Auch das kann das Setup automatisch, darauf komme ich aber in einem kommenden Beitrag zurück.
  • Ihr könnt eine zusätzliche NTFS-Datenpartition anlegen, welche von Linux und Windows gemeinsam benutzt werden soll (diese muss später dann noch eingebunden werden). [2]

Partitionen selber einrichten

Werfen wir also einmal einen Blick auf den erweiterten Partitionierungsdialog von Ubuntu 20.04. Hier können, ähnlich der Laufwerksverwaltung von Microsoft’s Windows neue Partitionen mit einem einfachen Klick erstellt werden.

Wie im Bild zu erkennen ist, bietet das Setup im Drop-Down-Menü Einbindungspunkt schon die wichtigen Partitionsbezeichnungen als Vorlage an. Ist die Festplatte noch komplett leer oder soll komplett gelöscht werden (also auch kein Windows installiert), muss zunächst eine neue Partitionstabelle erstellt werden. Achtung: Während die neue Einteilung zunächst geplant und erst zum Schluss auf die Festplatte geschrieben wird, wird die neue Partitionstabelle sofort übernommen. An die Datensicherung denken! Wollt ihr nun eine /boot – Partition einrichten, sollte diese logischerweise „am Anfang dieses Bereichs“ [des leeren Datenträgers] erstellt werden.

Die Wurzelpartition „/“ (root) sowie das Benutzerdatenverzeichnis „/home“ müssen angelegt werden. Einige Partitionen sind optional, hier kommt es z.B. darauf an, ob das System verschlüsselt werden soll und ob ihr über ein BIOS oder UEFI-Startsystem bootet. Ich wollte an diesem Punkt eigentlich die einzelnen Partitionen beschreiben, habe dann aber gemerkt, dass das Ganze zu sehr ins Detail geht und ich nicht die nötige Erfahrung habe. An dieser Stelle möchte ich auf die zahlreichen anderen Partitionierungs-Anleitungen im Internet verweisen. Im Wiki von Ubuntuusers gibt es eine gute, bebilderte Anleitung zu den verschiedenen Partitionen und den Schritten zur Einrichtung.

Ein weiterer wichtiger Punkt gegenüber der automatischen Einrichtung ist, wie viel Speicherplatz man den Partitionen zuweist. Hier bin ich auf einen sehr hilfreichen Artikel bei pinguin.gws2.de gestoßen. Ein Dankeschön an die Nutzer HelpDesk und Sharky, welche mich auf dieser Seite bei der Planung der Partitionierung beraten haben! Dort wird unter anderem empfohlen, der Wurzelpartition ca. 45% des verfügbaren Speicherplatzes einzuräumen, hinzu kommen 1024 Mb für /boot (falls vorhanden). Soll die Suspend-To-Disk Funktion nutzbar sein, beträgt die Formel für die inzwischen optionale swap-Partition 1 GB + RAM-Kapazität. Der Rest kann für die Benutzerdaten /home verwendet werden.

Ubuntu auf mehrere Datenträger installieren

Viele User haben in ihrem Rechner inzwischen eine Doppel-Lösung mit schnellem SSD Flash-Speicher für das Betriebssystem und täglich benutzte Anwendungen sowie einer großen konventionellen Festplatte als Datenspeicher. Auch bei mir ist das der Fall, ich habe eine 250 Gb SSD sowie eine 2 Tb HDD verbaut.

Weitere Informationen über Datenträger unter Linux.

Jetzt tut sich natürlich die Frage auf, kann man die Partitionen auch einfach auf mehrere Datenträger aufteilen? Ja, das geht. Über den oben gezeigten Partitionierungsdialog während der Installation kann das Ganze vorgenommen werden. Grundsätzlich habt ihr bei der Einteilung freie Wahl. Ich habe dazu etwas im Netz recherchiert und möchte euch drei verschiedene Varianten der Partitionierung mit mehreren Datenträgern vorstellen:

  1. Linux komplett auf der System-SSD installieren, das eigentliche /home Verzeichnis verbleibt im /root Verzeichnis. So werden auch die Benutzereinstellungen auf der SSD abgelegt. Auf der Daten-HDD erstellt ihr dann zusätzliche Daten-Partition(en), wo dann später die persönlichen Daten abgelegt werden. [3] Die Verzeichnisse werden dann mit mit dem eigentliche /home Ordner verlinkt, so dass man direkt über diesen Zugriff hat. [4] Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die Daten unabhängig von der Linux (oder Windows) Installation gespeichert sind, was einen einfacheren Zugriff von einem anderen Betriebssystem ermöglicht.
  2. Der wahrscheinlich unkomplizierteste Weg. Mit dem Editor wird die /home Partition auf der Daten-HDD erstellt. Die restlichen Systempartitionen verbleiben auf der SSD. ([5] Kommentar von Sharky)
  3. Auf StackExchange fand ich noch den Vorschlag, alle Partitionen je nach Anforderungen an die Zugriffsgeschwindigkeit des Datenträgers individuell zu verteilen. [6] Das Wurzelverzeichnis, /usr und /lib auf die SSD verteilen (System- und Anwendungsdaten). Die Verzeichnisse /var und /tmp mit hohem „Datendurchfluss“ zugunsten der SSD-Lebensdauer gemeinsam mit der /home und ggf. swap Partition auf die HDD verschieben.

Bitte beachtet, dass ich die einzelnen Vorschläge (noch) nicht persönlich getestet habe. Ich werde mich im nächsten Linux-Beitrag noch mit dem Spezialfall Dual-Boot Linux und Windows beschäftigen, bevor ich die Installation bei meinem eigenen Rechner vornehmen werde. Mir kommt persönlich die zweite Partitionierungsoption am praktischsten vor.

Windows 7 auf Windows 10 kostenlos aktualisieren (2020) – So geht’s

Mehrmals habe ich dieses Jahr auf meinem Blog schon vom Ende von Microsoft’s Windows 7 und dem Umstieg auf Windows 10 berichtet. So habe ich unter anderem beschrieben, wie man Windows 7 nach dem Supportende Anfang des Jahres ein Stück weit absichern kann, außerdem habe die Neuinstallation von Windows 10 Schritt für Schritt erklärt.

In den vergangenen Wochen habe ich mehreren Bekannten beim Upgrade geholfen, meist waren es ältere Notebooks oder PCs (2010). Das ist wirklich ein Vorteil von Windows 10, dass es auch gut auf alten Rechnern läuft. Ich habe dabei allerdings auch erfahren müssen, dass die Einrichtung nicht immer so reibungslos klappt wie erwartet oder vom Upgrade Advisor Tool prognostiziert.

Ich möchte hier in vier Schritten genauer erläutern, wie das kostenlose Upgrade (ja, es funktioniert im Juli 2020 immer noch!) abläuft und gebe euch einige Ratschläge bei der Umsetzung.

Schritt 1: Vorbereitung

Das Upgrade selber ist schnell erledigt. Damit der Ärger danach nicht groß ist, sollten vor dem Upgrade einige Dinge geklärt werden (ja, es kann auch wieder Rückgängig gemacht werden!).

Läuft auf meinem alten Rechner überhaupt Windows 10? Die offiziellen Systemanforderungen sind sehr niedrig angesetzt, ihr findet sie hier. Faustregel: Wenn Windows 7 davor problemlos lief, wird Windows 10 ebenfalls zurechtkommen. Ich empfehle 4Gb Arbeitsspeicher als Voraussetzung, damit Anwendungen flüssig laufen.

Werden alte Geräte unterstützt? Für die meisten Systemkonfigurationen bringt Windows 10 bereits einen passenden Gerätetreiber mit und auch ältere Rechner laufen in der Regel problemlos damit. Der älteste Rechner, den ich bisher aktualisiert habe, war aus dem Jahr 2008 und hatte Windows Vista installiert. Das offizielle Microsoft Upgrade Assistent Tool sollte in einem Schnell-Check klären können, ob euer PC „bereit ist“. Dazu kommen wir im dritten Schritt!

In einigen Fällen, besonders bei Plug & Play Hardware, kann es aber aus eigener Erfahrung trotzdem zu Unstimmigkeiten kommen. Daher kann es sinnvoll sein, vor dem Upgrade zu prüfen, ob es z.B. mit dem eigenen Notebook-Modell oder bestimmten Hardware-Komponenten (z.B. WLAN-Karte, Drucker) unter Windows 10 bei anderen Usern zu Problemen kam. Hier hilft einem die bevorzugte Suchmaschine weiter!

Ist euer Modell noch nicht ganz so alt, könnte der Hersteller speziell auf Windows 10 zugeschnittene Hardwaretreiber (zur korrekten Funktion bestimmter Computerteile) anbieten. Es lohnt sich also in diesem Fall, vor der Installation noch auf der Support-Seite des Herstellers (wie z.B. Dell, Acer, Lenovo etc.) danach zu suchen.

Logischerweise solltet ihr für die Installation genügend freien Speicherplatz bereitstellen. Laut offiziellen Anforderungen [1] verlangt das Setup inzwischen mind. 32 Gb freien Speicherplatz. Ihr könnt außerdem die Installation beschleunigen, indem ihr euren PC davor entrümpelt. So muss das Setup von Windows 10 bei der Aktualisierung weniger Daten auf der Festplatte „hin und her bewegen“, was die benötigte Zeit verkürzen sollte. Deinstalliert also ungenutzte Programme, Spiele und führt eine Datenträgerbereinigung aus, um temporäre Dateien zu entfernen. Besitzern einer konventionellen Festplatte rate ich auch dazu, diese anschließend zu defragmentieren. In diesem Beitrag habe ich beschrieben, wie ihr euer System aufräumt (Abschnitt II)…

Schritt 2: Datensicherung

Nach einem (erfolgreichen) Upgrade von Windows 7 oder 8.1 auf Windows 10 gibt es zwar die Möglichkeit, das Upgrade wieder rückgängig zu machen und zum vorherigen Betriebssystem zurückzukehren, falls ihr mit dem Ergebnis nicht zufrieden seit. Diese Option ist in den Einstellungen für normalerweise 10 Tage verfügbar. [2]

Bei zwei meiner bisherigen Installationen hatte ich Probleme mit Abstürzen und Bluescreens beim ersten Startvorgang, was ein komfortables, automatisches Rollback unmöglich gemacht hätte. Ich persönlich würde mich nicht auf auf diesen Mechanismus verlassen und vor der Aktualisierung eine ausführliche Datensicherung der bisherigen Windows-Installation machen. Dazu gehören neben persönlichen Dokumenten, Bildern etc. auch Software-Lizenzen und Passwörter. Ihr benötigt dazu einen separaten Datenträger wie einen USB-Stick oder eine externe Festplatte. Wie ihr eine Sicherung machen könnt, habe ich hier Schritt für Schritt erklärt…

Schritt 3: Upgrade

Bei dem auch im Juli 2020 noch funktionierenden kostenlosen Upgrade von Microsoft handelt es sich um ein „vollwertiges Angebot“, soll heißen: Ihr aktualisiert mit eurem alten Windows 7 oder Windows 8.1 Product Key das Betriebssystem, danach erhaltet ihr eine Lizenz für Windows 10. Diese ist zwar mit eurem Microsoft-Konto verknüpft, kann aber auch auf jedem beliebigen anderen Rechner genutzt werden (nur ein Rechner auf einmal, versteht sich). Bei der Aktualisierung gibt es drei wichtige Dinge zu beachten:

  • Ihr müsst einen legal erworbenen und aktivierten Product Key für Windows 7 oder 8 besitzen
  • Das Upgrade muss mit dem Microsoft Upgrade Assistent Tool für Windows 10 durchgeführt werden (nicht zu verwechseln mit dem Microsoft Media Creation Tool)
  • Um die Lizenz zu erhalten, muss zu Beginn das Upgrade (keine Neuinstallation!) durchgeführt und Windows 10 anschließend digital aktiviert werden (erfordert kostenlose Registrierung bei Microsoft)

Zunächst startet ihr das Microsoft Upgrade Assistant Tool. Nach einer kurzen Prüfung wird euch das Programm sagen, dass euer PC oder Notebook „bereit“ für Windows 10 ist. Nach dem Akzeptieren der EULA kann es auch schon los gehen.

Der erste Teil des Upgrades nimmt je nach Rechenleistung und Festplattenbelegung ca. 10-30 Minuten in Anspruch. Nun wird der Computer für den zweiten Teil der Installation neu starten. Das sollte nach wenigen Minuten erledigt sein und ihr landet im Einrichtungs-Dialog von Windows 10, wo ihr, je nach eingeschalteten Lautsprechern von Cortana begrüßt werdet.

Dort könnt ihr nun die gängigen Einstellungen wie Sprache und Tastaturlayout festlegen, die Privatsphäre-Optionen prüfen und euch schließlich ein Konto erstellen. Hier solltet ihr für den Erwerb der Lizenz aber tatsächlich ein Online-Konto bei Microsoft wählen. Ihr könnt euch dazu auch mit einem bereits bestehenden Konto (Outlook oder Hotmail) anmelden. Dazu wird eine funktionierende Internetverbindung benötigt. Habt ihr diese zu diesem Zeitpunkt nicht, könnt ihr euer „Offline-Konto“ zu einem späteren Zeitpunkt in den Einstellungen von Windows 10 zu einem „Online-Konto“ machen.

Ich werde hier nicht jeden einzelnen Schritt der Einrichtung zeigen, ihr findet diese in meinem Beitrag Windows 10 installieren – Schritt für Schritt.

Schritt 4: Einrichtung

Seit ihr auf dem Desktop gelandet, habt ihr es schon fast geschafft. Gebt Windows 10 einige Minuten Zeit, um die letzten Einrichtungen abzuschließen. Anschließend prüft ihr euer System auf Updates (zu finden in der Einstellungen-App), manchmal findet Windows neben Systemupdates auch noch neuere Treiber für periphere Hardware. Ob Windows 10 nun aktiviert und die neue Lizenz mit eurem Microsoft-Konto verknüpft ist, seht ihr den Einstellungen:

Damit seit ihr nun sicher, dass das Upgrade erfolgreich war und könnt den „alten“ Product Key nun auch z.B. für eine komplette Neuinstallation oder ein Ersatzgerät nutzen. Am einfachsten ist es dann, wenn ihr bei der manuellen Neuinstallation im Bildschirm mit der Product Key (Lizenzschlüssel) auf „Später eingeben“ geht. Ihr meldet euch dann im Einrichtungs-Dialog mit eurem Microsoft-Konto an, Windows wird dann automatisch aktiviert und es muss kein Schlüssel eingegeben werden.

Probleme nach dem Upgrade?

Wenn etwas nach dem Upgrade nicht mehr so funktioniert wie zuvor, könnte das zum Beispiel an fehlenden oder ungeeigneten Gerätetreibern liegen. Bei den Problemfällen, von denen ich berichtet hatte, wurde der Absturz durch einen, zwar durch Windows Update verteilten, aber dennoch scheinbar inkompatiblen Gerätetreiber verursacht. Ob ein Treiber fehlt, könnt ihr u.A. im Windows Geräte-Manager (devmgr im Startmenü!) einsehen.

Habt ihr zuvor einen offiziellen Treiber für Windows 10 vom Gerätehersteller heruntergeladen, probiert diesen Mal aus. Vielleicht hatten ja andere Nutzer bereits das Problem – und eine Lösung dafür parat. Da lohnt sich die Suche im Internet! Und Notfalls bietet Windows 10 ja noch die Möglichkeit, das Upgrade innerhalb von 10 Tagen wieder rückgängig zu machen. (Achtung: Ihr könnt dieses Backup Windows.old mit der Datenträgerbereinigung versehentlich vorzeitig löschen!). Viel Erfolg!

XBOX One – Einbau SSD, Formatierung und Firmware-Setup

Vor kurzem habe ich davon berichtet, wie ich unsere XBOX One (2015) zerlegt habe, um sie fit zu machen für die letzte Etappe vor der neuen Konsolengeneration. Ich habe nach der Reinigung einen neuen, leiseren und effektiveren Lüfter von Noctua eingebaut und die interne Festplatte durch eine schnelle SSD getauscht. Wenn ihr wissen wollt, welchen Geschwindigkeitsvorteil eine SSD beim Laden von Spielen bringt, schaut euch dieses Video an. Beim Austauschen der Festplatte durch eine SSD gibt es einige Dinge zu beachten, eine gängige Anleitung im Internet hat bei mir leider nicht funktioniert (wohl weil die von mir gekaufte SSD keine Standard-Größe hat), ich habe mir meinen eigenen Weg gesucht. Viel Spaß beim Lesen und Geduld beim Nachmachen!

In diesem Beitrag berichte ich, wie ich die interne Festplatte der XBOX One (2015) durch eine schnellere SSD getauscht habe. Dafür musste ich diese zunächst am PC formatieren und die Firmware vorinstallieren.

Was wird benötigt? Eine 2,5″ SATA-SSD mit einer Ausgangskapazität von genau 500GB oder 1TB (ab 60€). Abweichende Zwischengrößen gehen auch, können aber Probleme machen, wie ich selbst feststellen musste (das Tool hat unter Windows nicht funktioniert). Noch größere Datenträger werden auch nicht unterstützt. Außerdem brauchen wir ein SATA zu USB 3.0 Adapterkabel (ab 8€) und einen mind. einen USB-Stick mit 8 GB Speicherplatz (bevorzugt USB 3.0). Des weiteren werden für die Demontage ein Set Torx-Schraubendreher und Plastik-Gehäuseklipper benutzt.

Einige Hinweise

Wenn ihr den Umbau selber wagen möchtet, lest euch bitte zuerst folgende wichtige Hinweise durch. Sie beziehen sich auch auf spätere Schritte und können euch den einen oder anderen Ärger sparen.

➤ Meine Beschreibung bezieht sich auf die erste Generation der XBOX One, das Vorgehen bei der neueren S-Version scheint aber weitestgehend gleich zu sein. Durch das Öffnen des Konsolengehäuses (das Entfernen des Microsoft-Siegels an der Rückseite) verliert ihr euren eventuell noch vorhandenen Garantieanspruch. Ihr handelt auf eigenes Risiko!

➤ Bevor ihr die XBOX One zerlegt, solltet ihr prüfen, ob in den Einstellungen die Cloud-Synchronisation der Spielstände aktiv ist und ihr eure Microsoft/XBOX-Anmeldedaten noch kennt, damit keine Daten verloren gehen.

➤ Der von mir gezeigte Weg zur Vorbereitung der SSD ist nicht der kürzeste. Das hängt damit zusammen, dass ich mir für das Upgrade eine günstigere 470Gb SSD geholt habe, in Unwissenheit darüber, dass dies zu Problemen bei der Partitionierung führen kann: Das Tool xboxonehdd-master hat mir bei der Ausführung unter Windows verschiedene Fehlermeldungen ausgegeben, so dass ich gezwungen war, die Linux-Version zu nutzen, was aber eigentlich genau so einfach ist.

➤ Das OSU1 Offline System Update funktioniert nur mit einer älteren oder gleichwertigen XBOX One Firmware-Version. Das OSU1-Archiv wird zwar von Microsoft nach einem Update regelmäßig aktualisiert, trotzdem scheint dies immer einige Tage zu dauern. Wenn eure XBOX One also gerade erst ein Update installiert hat, solltet ihr nicht direkt mit dem Umbau loslegen. Sonst kann es sein, dass es mit dem Installieren der Firmware nicht klappt. So ging es mir nämlich!

Alte Festplatte ausbauen

Jetzt geht’s los! Zunächst solltet ihr euch aus dem Einstellungen-Fenster der XBOX One die aktuell installierte Firmware-Version notieren (im Update-Bereich). Das ist hilfreich, um diese später mit der Versionsnummer des Offline System Updates (OSU1) abzugleichen. Die Demontage funktioniert nach dem Sandwich-Prinzip, sobald man das Gehäuse abgenommen hat lässt sich die Festplatte ohne weiteres entnehmen. Wenn man erst einmal weiß, wo man anfangen muss, ist es gar nicht so schwer.

Ich habe die Arbeitsschritte in meinem ersten Mod-Beitrag zur XBOX ONE ausführlich beschrieben und werde deshalb an dieser Stelle nicht mehr darauf eingehen. Schaut dazu hier…

SSD vorbereiten

Damit die SSD von der XBOX überhaupt erkannt wird, muss diese am PC entsprechend eingerichtet werden. Dazu sind einige Arbeitsschritte nötig. Ihr könnt dies theoretisch auch machen, bevor ihr die alte Festplatte ausbaut, dazu unten mehr.

Zunächst laden wir einige Dateien herunter, welche später benötigt werden.

  • Auf dem PC benötigen wir das XBOX One Offline System Update (OSU1), welches hier heruntergeladen werden kann. Das Update entpacken und kopieren wir später – nach der SSD Partitionierung – auf einen USB-Stick.
  • Außerdem benötigen wir zur Formatierung und Partitionierung der neuen SSD das Skript-Tool XBOX One HDD Master 9, welches hier heruntergeladen werden kann. (Download „Script version 9“). Das Tool entpacken und in einem einfach zu erreichenden Ort auf der Festplatte abspeichern (wegen der Konsoleneingabe später!), z.B. C:\xboxonehdd_master\.

Linux Live-System starten

Bei mir hat die Partitionierung unter Windows, wohl wegen der abweichenden Größe meiner SSD nicht funktioniert. Wollt ihr euer Glück unter Windows versuchen, schaut im „Windows“ Ordner von xboxonehdd-master nach, dort findet ihr eine Englischsprachige Anleitung, die Schritte sind ähnlich. Zuvor muss allerdings das US Englische System-Sprachpaket installiert sein. Für meinen Weg ladet ihr euch nun ein Abbild einer aktuellen Linux-Distribution (z.B. Ubuntu 20.04 LTS) sowie das Tool LinuxLive USB Creator herunter.

  • Nutzt das Tool mit einem freien USB-Stick (mind. 6Gb) um euch ein bootfähiges Linux Live-System zu erstellen.
  • Startet nun den Rechner mit eingestecktem USB-Stick neu, im Idealfall startet nun Linux. Wenn das nicht der Fall ist, müsst ihr in eurem System-BIOS/UEFI zunächst das Booten von USB erlauben. Wie ihr das macht, erfahrt ihr in diesem Beitrag (Abschnitt „Das Setup starten“).
  • Mit „Ubuntu … ausprobieren“ startet ihr das Live-System. Es läuft komplett über den USB-Stick und den Arbeitsspeicher, so dass keine Änderungen an eurer Festplatte oder eurem Windows vorgenommen werden.

SSD partitionieren

Wenn ihr alles vorbereitet habt, startet das Linux Live-System und verbindet die neue SSD der XBOX per Adapter mit dem PC. Diese wird nun automatisch eingehängt.

Zur Info: Das Laufwerk der XBOX One hat immer folgende Partitionen, wobei User Content die einzige Partition mit variabler Größe ist.

Jetzt wird es etwas komplizierter. Vergewissert euch, wo sich die zuvor heruntergeladenen Dateien auf der Festplatte befinden (diese wird durch einen Klick im Schnellzugriff des Linux-Dateiexplorer zunächst eingehängt!). Den Adresspfad benötigen wir gleich. Notfalls könnt ihr das Tool xboxonehdd-master auch jetzt noch herunterladen und im Downloadverzeichnis des temporären Benutzers belassen (/home), da es nicht groß ist. Nun das Terminal aufrufen (Strg+Alt+T) und mit den folgenden Befehlen das xboxonehdd-master Linux-Skript ausführen. In diesem Beispiel befindet sich das Tool im Home-Verzeichnis von Linux, ihr müsst den entsprechenden Pfad aus dem Datei-Explorer auslesen. Einhängen der Festplatte nicht vergessen!

cd /home/user/Downloads/xboxonehdd-master/linux

Nun müssen wir das Skript noch ausführbar machen.

chmod +x ./create_xbox_drive.sh

Als Administrator starten. Ihr bekommt nun die möglichen Befehlsparameter als Bestätigung.

sudo ./create_xbox_drive.sh
Last Updated: 2018.05.10.7.0
Usage: create_xbox_drive.sh [options]

Options:
-c|--source      Source drive to copy data to target drive -d with -s 2
-d|--drive       Target drive to install Xbox filesystem
-s|--stage       Install stage [0|1|2|3]
                 0 - will fully erase drive -d
                 1 - will erase and partition drive -d
                 2 - will copy source drive -c data to target drive -d
                 3 - will rewrite drive -d GUIDs
-t|--disktype    Disk GUID to set [0|1|2]
                 0 - 500GB
                 1 - 1TB
                 2 - 2TB
-m|--mirror      Mirror standard partition sizes specified with -t on drive -d
                 Not using this option will autosize 'User Content'
-h|--help        Display help

Examples:
create_xbox_drive.sh -d /dev/sdb -s 0 (Erase a drive)
create_xbox_drive.sh -d /dev/sdb -s 1 -t 2 -m (Partition standard 2TB drive)
create_xbox_drive.sh -d /dev/sdb -s 3 -t 2 -m (Rewrite 2TB GUIDs)

Wichtig: Bevor wir nun mit der Partitionierung anfangen, müsst ihr wissen, welche Laufwerksbezeichnung die SSD im Linux-Livesystem hat (/dev/sd*). In dem ihr das sich im selben Ordner befindende Skript list_part_info.sh nach dem gleichen Prinzip ausführt, bekommt ihr alle eingehängten Datenträger aufgelistet und könnt an der Größe oder Bezeichnung erkennen, welches das richtige Laufwerk ist. Alternativ könnt ihr das vorinstallierte Programm gparted benutzen.

Nun muss das Laufwerk formatiert und richtig partitioniert werden. Wichtig: Passt bei dem folgenden Befehl die Laufwerksbezeichnung (z.B. „/dev/sdd“) und die Größe der SSD (Parameter -t) entsprechend euren Gegebenheiten an. Solltet ihr wie ich ein nicht Standardgröße-Datenträger haben, wählt die Vorgabe, welche der Größe am nähesten kommt (bei mir 470Gb = 500Gb). Die möglichen Parameter sind im oberen Abschnitt abgebildet.

sudo ./create_xbox_drive.sh -d /dev/sd* -s 1 -t 0

Dadurch, dass wir den Parameter -m weglassen, wird die variable Partition „User Content“ automatisch an die tatsächliche Größe der SSD angepasst. Der Prozess dauert nur wenige Sekunden. Gab es keine Fehler, schreibt ihr nun die finale Partitionstabelle mit folgendem Befehl auf die SSD:

sudo ./create_xbox_drive.sh -d /dev/sd* -s 3 -t 0

Damit ist die Partitionierung abgeschlossen. Das Skript sollte euch folgende Ausgabewerte zur Bestätigung anzeigen, wenn alles geklappt hat:

5B114955-4A1C-45C4-86DC-D95070008139 /dev/sd* (2TB)
25E8A1B2-0B2A-4474-93FA-35B847D97EE5 /dev/sd* (1TB)
A2344BDB-D6DE-4766-9EB5-4109A12228E5 /dev/sd* (500GB

GUID Dev Size Name
5B114955-4A1C-45C4-86DC-D95070008139 /dev/sdb (2TB)
B3727DA5-A3AC-4B3D-9FD6-2EA54441011B /dev/sdb1 (41.0 GiB) 'Temp Content'
869BB5E0-3356-4BE6-85F7-29323A675CC7 /dev/sdb2 (1.6 TiB) 'User Content'
C90D7A47-CCB9-4CBA-8C66-0459F6B85724 /dev/sdb3 (40.0 GiB) 'System Support'
9A056AD7-32ED-4141-AEB1-AFB9BD5565DC /dev/sdb4 (12.0 GiB) 'System Update'
24B2197C-9D01-45F9-A8E1-DBBCFA161EB2 /dev/sdb5 (7.0 GiB) 'System Update 2'

Der nächste Schritt kann entweder direkt im Linux-Livesystem oder auch unter Windows erledigt werden.

Systemdaten kopieren

Nun entpackt ihr das zu eurer Firmware passende Offline-Update OSU1.zip in ein temporäres Verzeichnis. Auf der SSD Partition „System Update“ erstellt ihr einen Ordner mit dem Namen „A“ und „B“ und kopiert aus dem OSU1-Archiv folgende Dateien in das entsprechende Verzeichnis:

A/host.xvd 
A/SettingsTemplate.xvd 
A/system.xvd 
A/systemaux.xvd 
A/systemmisc.xvd 
A/systemtools.xvd 
B/host.xvd 
B/SettingsTemplate.xvd 
B/system.xvd 
B/systemaux.xvd 
B/systemmisc.xvd 
B/systemtools.xvd 

/updater.xvd (direkt in "System Update"!)

Das OSU1 enthält nicht die Mediendatei für das Bootlogo der XBOX. Wollt ihr diese Animation sehen (anstatt einem schwarzen Bild), verbindet die alte HDD mit dem PC und kopiert euch die Datei bootanim.dat aus der „System Update“ Partition auf die neue SSD in den A-Ordner. (Ihr findet die Datei wahrscheinlich auch zum Download in diesem Forum.)

Einbau und Setup

Nun benötigen wir den USB-Stick für den letzten Schritt. Stellt sicher, dass dieser als NTFS formatiert ist (Computer, Rechtsklick „Formatieren…“) und kopiert dann den kompletten $SystemUpdate Ordner aus dem OSU1 Offline Update darauf.

Theoretisch könnt ihr die XBOX nun wieder zusammenbauen. Ich habe der Geschichte allerdings nicht ganz vertraut (zurecht, wie sich zeigen sollte) und die Konsole erst einmal „offen“ verkabelt, um die SSD zu testen.

Wenn alles angeschlossen ist, steckt ihr nun den USB-Stick mit dem Systemupdate auf der linken Seite der XBOX ein und startet die Konsole.

Fast fertig…

Nach dem Einschalten werdet ihr von der Fehlermeldung „Something went wrong“ (E106) begrüßt. Das ist normal. Über das Menü „Troubleshoot“ oder „Fehlerbehebung“ hangelt ihr euch zu dem Punkt „Offline System Update“. Nun versucht die XBOX, das Firmwareupdate anzuwenden (s. Bild). In der Theorie läuft das Update erfolgreich ab und ihr könnt die Konsole nach der Ersteinrichtung nutzen.

Doch nicht so einfach (E101, E102)

Bei mir hat das System Update mehrmals nach der Hälfte des Vorgangs mit einer erneuten Fehlermeldung (E101 oder E102) abgebrochen. Die Suche nach den Fehlercodes hat mir leider nicht weiter geholfen. Ich habe dann aber mehr oder wenig zufällig herausgefunden, dass die Konsole genau in den Tagen, als ich den ersten XBOX Blogbeitrag geschrieben habe und mich mich noch in der Vorbereitung für diesen Teil befand, noch einmal ein Update heruntergeladen hatte. Mist! Bei Microsoft finden sich keine genauen Angaben, wann das OSU1 Archiv auf die neueste Version aktualisiert wird. Laut diversen Foren dauert es wohl einige Tage. Lediglich anhand des Zeitstempels der Archivdatei kann man schätzen, ob dies aktuell ist. Zum Glück hatte ich mir noch nicht die Mühe gemacht und die Konsole wieder zusammengebaut, also habe ich den gesamten Prozess von der Formatierung bis zum Update noch einmal wiederholt, allerdings ohne Erfolg. Ich war mir dann auch nicht mehr ganz sicher, ob es wirklich an der Versionsdifferenz liegt, oder doch an der Größe meiner neuen SanDisk SSD PLUS SATA III (480Gb anstatt 500Gb Standard). Mehrere Internet-Beiträge warnen davor, von 500Gb, 1Tb oder 2Tb abweichende Größen zu nutzen, da dies zu Fehlern führen könne.

Mit der Holzhammer-Methode

Nach sehr langem Lesen (…) in verschiedenen Foren bin ich schließlich in den Foren von GBATEMP auf einen Beitrag gestoßen, wo ein verzweifelter User ein ähnliches Problem hatte und dieses beheben konnte, in dem er für den Update-Prozess wieder die alte HDD eingebaut hat (kann den genauen Post leider nicht mehr finden!).

Entbehrt sich jeglicher Logik, aber es hat tatsächlich bei mir geklappt! Ich habe mit der SSD erneut das OSU1 Update versuch, und an dem Punkt wo das Update fehlgeschlagen ist, habe ich die Konsole dann ausgeschaltet und wieder die alte (unveränderte und funktionierende) HDD eingebaut. Nach dem Start (OSU1-Stick weiterhin eingesteckt) erwartete ich, einfach wieder auf dem alten Startbildschirm zu landen, stattdessen wurde zu meiner Überraschung das mit der SSD begonnende Update einfach fortgesetzt. Als ich dann nach erfolgreichem Abschluss Willkommen geheißen wurde und im Einrichtungsdialog landete, habe ich die Konsole ausgeschaltet und aus Neugier wieder die SSD eingebaut. Nach dem Einschalten landete ich entgegen meiner Erwartung nicht erneut im Update-Prozess, sondern direkt im Setup und konnte die Einrichtung abschließen. Es hat geklappt!

Weitere Lösungsvorschläge

Dieser frustrierte Schritt hatte bei mir so einen „Aha“ Effekt ausgelöst, dass ich mich dann erst dazu entschieden habe, auf meinem Blog davon zu berichten. Vielleicht sitzt der ein oder andere von euch ja vor dem selben Problem.

Wenn ihr das Upgrade ebenfalls nach Schema F durchgeführt habt, es bei euch aber trotz passender Firmware und SSD noch nicht funktioniert, helfen euch vielleicht folgende Vorschläge weiter:

  • Schaut euch die readme.txt des Tools xboxonehdd-master an, dort wird der Upgrade-Vorgang noch einmal im Detail [auf Englisch] beschrieben. Vielleicht ist euch ein Fehler unterlaufen.
  • Habt ihr ein zweites USB zu SATA Adapterkabel parat, könnt ihr anstatt dem OSU1 nach dem ersten Schritt (Formatierung) auch die Systemdateien der alten XBOX Festplatte auf die neue SSD spiegeln. Dazu benutzt ihr folgenden Befehl
sudo ./create_xbox_drive.sh -c /dev/sd* -d /dev/sd* -s 2 -t 0

Vergesst dabei nicht, den Quell- und Zielpfad (/dev/sd*) sowie die Größe (Parameter -t) an eure Situation anzupassen.

  • Lest euch im GBATEMP Forum ein, dort werden viele typische Probleme besprochen, welche beim Upgrade auftreten können.
  • Probiert das Upgrade unter Windows, wenn es mit der Partitionierung Probleme gibt.

Was hat’s nun gebracht? Einige Zahlen

Von den ausgeschriebenen 480GB Speicherkapazität sind formatierungsbedingt etwas weniger tatsächlich verfügbar, wie am PC eben auch. Abzüglich der weiteren XBOX Systempartitionen bleiben bei mir für Benutzerdaten immerhin 346,9 Gb an freiem Speicher übrig, wovon direkt nach der Einrichtung nur ungefähr 100 Mb belegt zu sein scheinen (s. Bild). Mit der Original 500 Gb Festplatte waren insgesamt 365 Gb verfügbar, der Unterschied ist also gering (-19 Gb). Der freie Speicherplatz reicht für meine Zwecke locker aus.

Außerdem habe ich den Systemstart, das Herunterfahren sowie die Ladezeit beim Start von Spyro: Reignited Trilogy gemessen:

Zeit in Min./Sek.Seagate HDD (Original)SanDisk SSD PLUS (Mod)
Kaltstart bis zum Homescreen (+ Zeit bis Kacheln vollständig geladen)01:03 (+00:07)00:48 (+00:04)
Ausschalten bis Betriebslicht aus (+ Zeit bis Lüfterstillstand)00:12 (+02:31)00:11 (+ 02:06)
Ladezeit Spyro: Reignited Trilogy
– Zeit bis zum Hauptmenü
– Ladezeit Level „Glimmer“

00:21
00:24

00:15
00:12

Mein Fazit

Ich habe den Eindruck, dass die Modifikation besonders beim Systemstart etwas gebracht hat. Das merkt man vor allem daran, dass nach dem Erscheinen des Startbildschirms sofort alle Kachelbilder geladen sind und die Navigation zu beginn nicht mehr ruckelt. Während der Benefit beim Laden von Spyro eher gering ausgefallen ist, scheint es bei Spielen wie Red Dead Redemption 2 oder The Witcher 3 wesentlich flotter zu gehen, auch wenn ich da zuvor keine Ladezeiten gemessen habe. Insbesondere beim schnellen Reisen durch die Spielwelt (Laden von Texturen und Modellen) scheint der Level-Aufbau flotter und die Framerate stabiler zu bleiben. Ich vermute, dass das neue Geschwindigkeitspotential der SSD auch maßgeblich mit der Optimierung der entsprechenden Game-Engine zusammenhängt. Nun, einige Wochen später, kann ich behaupten, dass sich der Umbau (zusammen mit der Lüftermod aus Teil 1!) für unsere XBOX ONE definitiv gelohnt hat, auch wenn es nicht so einfach war wie gedacht. Alles läuft stabil.

Ihr habt noch Fragen zum Umbau? Einen Fehler entdeckt oder auf ein Problem gestoßen? Hinterlasst doch einen Kommentar unter diesem Beitrag! Euch hat der Beitrag weiter geholfen? Ich freue mich auch, wenn ihr meine Posts teilt, weiterempfehlt oder euch im E-Mail Verteiler einschreibt 🙂 –>

XBOX One Kühlung – Wärmeleitpaste und Lüftermod

Zuletzt habe ich unsere XBOX One wieder rausgekramt, die wir uns damals gemeinsam mit The Witcher 3 angeschafft hatten. Sie hat inzwischen schon ein paar Macken, zum Beispiel stottert der Sound gelegentlich und die Ladezeiten diverser Titel sind recht lange. Auch wenn Ende des Jahres aller Voraussicht nach die nächste Konsolengeneration erscheinen wird: Zurücksetzen wollte ich sie sowieso schon länger einmal. Via reddit bin ich zufällig auf ein Thema gestoßen, wo der Einbau eines Dritthersteller-Lüfters zu Gunsten der Lautstärke und Betriebstemperatur diskutiert wurde [1]. Da mich das Thema interessiert hat, habe ich etwas mehr über das Modding der XBOX recherchiert und dabei erfahren, dass das Austauschen der internen Festplatte durch eine SSD wohl auch ganz einfach zu machen sei und einen Geschwindigkeitsvorteil mit sich bringt. [2] Also, los gehts!

Im ersten Beitrag dieser zweiteiligen Serie möchte ich euch zeigen, wie ich die Kühlung meiner XBOX One (2015) verbessert und den Betrieb leiser gemacht habe.

Demontage und Reinigung

Meine Beschreibung bezieht sich auf die erste Generation der XBOX One, das Vorgehen bei der neueren S-Version scheint aber weitestgehend gleich zu sein. Durch das Öffnen des Konsolengehäuses (das Entfernen des Microsoft-Siegels an der Rückseite) verliert ihr euren eventuell noch vorhandenen Garantieanspruch. Ihr handelt auf eigenes Risiko!

Für die Demontage der einzelnen Hardware-Komponente benötigt ihr als Werkzeug zwei verschiedene Torx-Schraubendreher sowie mindestens einen Gehäuseöffner aus Plastik (ein stumpfes Messer wird es auch tun).

Das Öffnen der XBOX ist eigentlich super einfach. Die äußere Abdeckung umschließt die Hardware nach dem Sandwich-Prinzip. Die größte Hürde besteht meiner Meinung nach darin, das Plastikgehäuse zu öffnen. Dieses ist ähnlich wie bei Notebooks zusammengeclipt. Als erstes eine eventuell eingelegte Disk entfernen und das Gerät vom Netz trennen. Ist die Abdeckung erst einmal entfernt, können die einzelnen Komponente Stück für Stück mit den Torx-Schraubendrehern entfernt werden und nach dem Öffnen des oberen Metall-Case ist der Blick auf die Hardware frei. Festplatte, BluRay-Laufwerk und Lüfter sind nur aufgesteckt und schnell ausgebaut. Den gesamten Prozess im Fließtext zu beschreiben, finde ich sehr umständlich. Ich empfehle euch dazu einfach folgendes Demontage-Video, welches mir selbst geholfen hat:

Habt ihr die Platine aus dem Metall-Gehäuse gelöst, kann nun der Kühler entfernt und so der Rechenkern freigelegt werden. Dazu muss die auf der Rückseite der Hauptplatine aufgespannte X-Klemme des Radiators von den vier Pins gelöst werden. Das ist etwas heikel, da die Halterungen dicht über der Platine liegen! Um das Board nicht zu verkratzen, habe ich vorsichtshalber etwas untergelegt. Die Metall-Clips habe ich relativ leicht entfernt, in dem ich einen Schlitz-Schraubendreher eingehakt und den Clip entgegen dem Uhrzeigersinn drehend vom Pin gelöst habe.

sauber gemacht

Da ihr nun alle erforderlichen Teile demontiert habt, könnt ihr diese mit einem Pinsel und etwas Druckluft leicht entstauben. Auch die Radiatorlamellen sollten frei sein, damit die Abwärme gut abströmen kann. Zugegeben, nach fast 5 Jahren ist die Platine und der Lüfter weit weniger verstaubt als ich angenommen hatte, das kommt aber auch auf die Betriebsstunden und den Standort an.

Die alte Wärmeleitpaste habe ich vom Radiator und der CPU mit einem Tuch und etwas Reinigungsspiritus entfernt. Sie war bereits vertrocknet und meiner Meinung nach zu ungleichmäßig aufgetragen. Hier sollte doch noch was rauszuholen sein!

Neue Wärmeleitpaste

Gleiches Spiel wie beim PC: Im Prinzip tut es jede beliebige Wärmeleitpaste. Dennoch gibt es Unterschiede bei der Wärmeleitfähigkeit verschiedener Produkte. Auch kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass sowohl die aufgetragene Menge als auch die Methode des Auftragens das Ergebnis erheblich beeinflussen kann.

Zum Einsatz kam die MX-4 von Arctic, welche zur Zeit bei vielen Händlern beworben wird. Aber auch mit Produkten von Thermal Grizzly [3] habe ich gute Erfahrungen gemacht.

Zum gleichmäßigen Verteilen der Paste habe ich einen alten Schaber benutzt. Dabei darauf achten, dass der Chip komplett bedeckt ist. Die Schicht sollte so aufgetragen werden, dass der Chip gerade nicht mehr darunter zu erkennen ist. Im Anschluss den Radiator gleichmäßig aufsetzen und mit dem X-Halter wieder auf der Platine befestigen.

Im Nachhinein habe ich auf den Bildern die ringförmig um den CPU angebrachten schwarzen Chips mit der Aufschrift „SAMSUNG“ entdeckt, wovon ich ausgehe, dass es sich um den RAM handelt und mich gefragt, ob man durch das zusätzliche Anbringen von z.B. Kupfer-Heatsinks eine noch bessere Wärmeabgabe erreichen könnte. Vielleicht teste ich das noch…

Lüftertausch

Wollt ihr den Lüfter tauschen, müsst ihr den Ersatz zunächst mit Werkzeug zurechtschneiden und damit in Form bringen, das Metallgehäuse lässt sich sonst nicht schließen.

Wenn man sich den originalen XBOX-Lüfter anschaut, sieht man, dass es sich um einen handelsüblichen 120mm PWM-Lüfter (4-Pin / 12V / 0,5A) handelt, wie er auch in PCs zu finden ist. Angeschlossen ist dieser über einen „kleinen“ PWM-Anschluss, wie er oft bei Grafikkarten zu finden ist. Nun habt ihr zwei Möglichkeiten: Entweder ihr kauft euch ein PWM zu VGA Adapterkabel (5€ im Internet), oder ihr nehmt einen Lötkolben, knipst die vier Kabel durch und verwendet den Originalkabelbaum des XBOX-Lüfters, so wie ich es bei meiner VEGA 64 Lüftermod gemacht habe. Die Kabelbelegung sieht bei einem 4-PIN PWM Lüfter normalerweise so aus:

Da der XBOX-Serienlüfter komplett schwarz ist, müsst ihr die Belegung wahrscheinlich ausprobieren. Ich habe mich dieses Mal für die lötfreie Option entschieden, da ich noch einen solchen PWM-Adapter zuhause hatte.

Im Prinzip hat man freie Wahl was den Hersteller angeht. Da ich bereits mit Noctua gute Erfahrung gemacht hatte, habe ich mich für einen Noctua NF-F12 entschieden. Das Modell hat die gleiche Leistungsaufnahme wie der Serienlüfter der XBOX. Hitzeprobleme hatte ich nicht akut bei der XBOX, deswegen war mir bei der Auswahl der geringe Geräuschpegel wichtiger.

Der neue 120mm Lüfter passt genau auf den Radiator, auch wenn er nicht die passende Clip-Halterung dafür hat. Mein NF-F12 Modell ist zusätzlich noch mit einer „Anti-Vibrations-„Gummibefestigung versehen, welches dem Lüfter einen rutschfesten Halt gibt.

Zunächst habe ich die Funktion des neue Lüfters getestet, indem ich die das entfernte WLAN-Modul, Lautsprecher und das Frontalpanel wieder verbunden und die XBOX im offenen Zustand gestartet habe. Dabei habe ich besonders darauf achtet, ob die PWM-Steuerung funktioniert und der Lüfter auch bei niedriger Drehzahl zuverlässig läuft, da im oben erwähnten reddit [1] berichtet wurde, dies hätte nicht mit jedem getesteten Lüfter geklappt.

Den Airflow beachten

Vor der Demontage dachte ich, der Lüfter würde, wie bei PCs üblich, die kühle Luft durch den Radiator pusten, da lag ich allerdings falsch. Da solltet ihr bei der Montage des neuen Lüfters aufpassen, falls ihr diesen wie ich zurechtschneiden wollt:

Nach dem Öffnen der Abdeckung wird mir klar – und das ist auch logisch: Der obere Lüfter saugt die Luft über die Seiten der XBOX über die periphere Komponenten auf dem Mainboard an, durch den Radiator hindurch und gibt die Abwärme über die Oberseite ab. Entsprechend der Ausrichtung der Gehäuse-Lamellen habe ich den Luftstrom mithilfe der seitlich aufgetragenen Markierungen noch oben hinten (↑→) ausgerichtet.

was nicht passt, wird passend gemacht

Bei der ersten Anprobe musste ich feststellen, dass der Lüfter zwar gut sitzt, sich das innere Metall-Case aber so nicht mehr schließen lassen würde, da dieses eine spezielle 120mm Aussparung mit Gummipolsterung für den Lüfter hat. Erst habe ich überlegt, die obere Metallabdeckung wegzulassen, aber da dort die WLAN-Antenne befestigt ist und das Gehäuse sicher auch ein Dämmfaktor bei der Geräuschemission ist, habe ich mir kurzerhand eine Metallsäge und -feile geschnappt und die oberen vier Ecken des Noctua-Lüfters abgesägt und abgerundet, was nur wenige Minuten dauerte und ein recht zufriedenstellendes Ergebnis erzeugt hat.

Die abgerundeten Ecken sollten genau auf den Schaumstoffring der Gehäuseöffnung passen, damit es nicht zur Vibrationsübertragung auf das Metall kommt (s. Bild). Nach einer kurzen Anprobe habe ich den Lüfter dann mit vier Kabelbindern auf den Radiator geschnallt und die XBOX entsprechend den vorhergehenden Demontage-Schritten wieder zusammengeschraubt.

Beobachtung und Fazit

Über die XBOX-Software gibt es keine Möglichkeit, die Temperaturen auszulesen und auch ein Infrarot-Thermometer habe ich nicht. Da bleibt nur der subjektive Eindruck. Und der überzeugt!

Wenn ich bei eingeschalteter XBOX die Hand über den aufsteigende Abluft halte, ist dieser bereits im Leerlauf (minimale Drehzahl) deutlich wärmer, der Radiator dabei nur lauwarm. Unter Last (aktueller Titel wie RDR2 oder Tomb Raider) erhöht sich die Lüfterdrehzahl dann leicht, was aber bei dem Noctua nicht zu hören ist. Auch beim längeren Spielen vom Sofa aus kann ich die Konsole nicht hören (abgesehen vom Lüfter des Netzteils!).

Daraus schließe ich, dass die erneuerte (und wahrscheinlich auch qualitativere) Wärmeleitpaste die Hitze wesentlich schneller an den Radiator abgibt und der neue Noctua-Lüfter mit seinem optimierten Luftstrom im Vergleich zum Serienlüfter wohl auch bei gleichem Aufwand mehr Luft pro Minute durch die XBOX bewegen kann (da keine Ruckler oder Microtearing beim Spielen auftreten, gehe ich nicht davon aus, dass die XBOX sich wegen Überhitzung heruntertaktet).

Im zweiten Beitrag werde ich berichten, wie ich die interne Festplatte durch eine SSD getauscht habe. Das war um einiges komplizierter, als ich zunächst angenommen hatte. Schaut demnächst wieder vorbei oder abonniert einfach den Blog per Mail, wenn ihr wissen wollt, wie es weiter geht… →

Linux-Tagebuch #3 – Hardwareunterstützung im Blick

In dieser mehrteiligen Beitragsreihe versuche ich mich aus Sicht eines Windows PC-Nutzers dem Linux-Desktop als Betriebssystem zu nähern. Dabei möchte ich dieses als Linux-Anfänger selbst besser kennen lernen und zu verstehen versuchen. Zu Teil 1…

Bildquelle Header: pixabay / Pinguin Tux; by Larry Ewing, Simon Budig, Anja Gerwinski

Zieht man einen Umstieg oder zumindest die Installation von Linux auf dem eigenen PC in Betracht, ist eine der zu klärenden Fragen, ob man denn die richtige Hardware dafür hat und alles reibungsfrei laufen wird.

Zu dem Zeitpunkt wo ich diesen Beitrag schreibe, befinde ich mich noch in der Vorbereitungsphase und habe Linux auf meinem PC noch nicht installiert. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass es sich bei mir normalerweise – grob dargestellt – so verhalten hat: Installiere ich Windows, läuft am Anfang nichts (zumindest war das bis Windows 7 so), bis man dann in mehr oder weniger mühevoller Arbeit alle notwendigen Treiber und häufig genutzte Programme heruntergeladen und eingerichtet hat. Bei Linux (es war glaube ich Ubuntu 16.xx) schien der Spieß umgedreht zu sein: Sogar vor der Installation noch in der Live-CD getestet, läuft danach alles „out of the box“ und die wichtigsten Programme sind schon vorinstalliert. Bis man an einen Punkt gelangt, wo ein auf den ersten Blick nicht bemerktes Feature nicht funktioniert (sei es Drucken per WLAN, Surroundausgabe der Soundkarte oder die automatische Lüftersteuerung am Notebook), was dann in exzessiven Suchorgien, jede Menge Terminaleingaben und oft halbbackenen Lösungen endete (trotzdem ein großes Dankeschön an die hilfsbereite Linux-Community!).

Was ich daraus gelernt habe? Vor dem Umstieg genau die Hardwarekompatibilität zu prüfen, ist das A und O, es spart Zeit und Nerven. Gelangt man aus Unvorsichtigkeit an einen solchen Punkt, führt das schnell zu Frust, besonders als Anfänger.

Dieses Mal möchte ich es besser machen und mich davor genau informieren. Aber wie erfahre ich, ob XY unter Linux läuft? Wo fange ich an? In den vergangenen Tagen habe ich dazu im Netz recherchiert und bin zu folgendem Ergebnis gekommen:

Datenbanken durchsuchen

Im Internet gibt es einige mehr oder weniger aktuelle Hardware-Datenbanken, die Auskunft zur Kompatibilität von Linux geben. Diese Methode ist besonders bequem, wenn es sich bei dem Computer um ein vorgefertigtes Modell (egal ob Notebook oder PC) mit einer fixen Seriennummer handelt. Einige Suchbeispiele…

Ubuntu Hardware Database (en)

Free Software Foundation Database (en)

InstallDebianOn (en)

OpenPrinting Drucker (en)

Die Unterstützung geht vom Kernel aus

Die Unterstützung von neuerer Hardware geht vom Linux-Kernel aus, der regelmäßig aktualisiert wird. Wenn also eine bestimmte Hardware erst seit Kernel Version X unterstützt wird, sollte ich mir eine Linux-Distribution suchen, welche diesen Kernel (oder neuer) enthält. Oft wird der aktualisierte Kernel erst bei der nächsten veröffentlichen Distributions-Version nach einer Feinabstimmung eingepflegt. Es ist aber auch ein Kernel-Update innerhalb einer Installation möglich, was allerdings mit Hürden verbunden ist und Stabilitätsprobleme verursachen kann.

Nach kurzer Suche erfahre ich zum Beispiel, dass meine AMD Vega – Grafikkarte offiziell ab Linux Kernel 4.15 (Frühjahr 2018) unterstützt wird.

Bei mancher Hardware (in meinem Falle der Grafikkarte) gibt es von der Community entwickelte quelloffene Treiber, welche meist standardmäßig genutzt werden aber gleichzeitig auch vom Hersteller veröffentlichte (teilweise) proprietäre Gerätetreiber [1], welche wohl in manchen Anwendungsfällen eine bessere Leistung erzielen, aber erst nachträglich installiert werden müssen. Nicht jede Distribution bietet die Installation von proprietären Treibern an (hier scheint es auf die Betriebssystem-Philosophie anzukommen).

Zertifizierte Hardware

Es gibt Notebooks und Desktop PCs, welche von Anfang an für die Nutzung von Linux zertifiziert worden sind. Die Auswahl ist leider überschaubar.

Ubuntu Desktop certified hardware (en)

Laut pcwelt [2] bieten vor allem DELL, Tuxedo [3] und Entroware serienmäßige Linux-Notebooks an. Es finden sich aber auch verschiedene Anbieter im Internet, welche maßgefertigte Linux-PCs verkaufen. [4]

Suchen hilft am Besten

Meiner Meinung nach ist es das Beste, wenn man im Internet ausführlich nach der Unterstützung der eigenen Hardware sucht. Das kann die Notebook-Modellnummer sein, oder auch im Falle meines Desktop-PCs jede einzelne Komponente. Das erfordert zwar etwas mehr Kenntnis von der eigenen Hardware und kostet Zeit, ist aber der sicherste Weg.

Um in Erfahrung zu bringen, welche Hardware in meinem PC arbeitet, habe ich das kostenlose Tool hwinfo64 benutzt.

Anschließend habe ich die einzelnen Komponente (Mainboard-Chipsatz, CPU, Grafikkarte, Soundkarte, Drucker) usw. in Google mit dem Zusatz der gewünschten Linux Distribution oder -Version gesucht wie beispielsweise

und bin bei meinem Desktop-PC zu folgendem Ergebnis gekommen

Chipsatz (Hauptplatine) mit WLANAMD B450-E / Intel Wireless-AC-9260✔ Unterstützt (→Ryzen) / integriertes Intel WLAN seit Kernel 4.14 [5]
ProzessorAMD Ryzen 2.Gen.✔ Unterstützt ab Kernel 4.11 (Ryzen 3. Gen. ab 4.18)
GrafikkarteAsus Strix Vega 64 OC✔ seit Kernel 4.15; freier und proprietärer Treiber verfügbar
SoundkarteAsus Xonar Essence STX II (Stereo-Kopfhörer)(✔) Unterstützt, erfordert aber ggf. zusätzliche Konfiguration von PulseAudio [6]
DruckerCanon PIXMA MX495✔ Hersteller bietet quelloffenen Treiber im Debian-Paketformat [7]
MausCorsair Scimitar Pro Gaming(✔) Inoffizieller quelloffener Treiber verfügbar [8]

Für die Hardware in meinem Desktop-PC bin ich also recht zuversichtlich, dass es zu keinen Problemen kommen sollte. Hinsichtlich meines älteren 17″ Multimedia-Notebooks Acer Aspire 7745G [9] war ich jetzt noch neugierig, da dieses Modell eine sogenannte hybride Grafiklösung besitzt, d.h. einen energiesparenden, integrierten Intel HD Chip sowie eine dezidierte leistungsstärkere AMD/ATI Grafikeinheit. Mit so einem Modell hatte ich in der Vergangenheit unter Linux Probleme gehabt. Auch ein Blick auf die Unterstützung des Chipsatzes generell scheint mir sinnvoll, da davon maßgeblich das Energie-Management abhängt (Standby, Energiesparpläne)

ProzessorIntel Core i7-720QM✔ Unterstützt (seit Kernel 2.6.32)
GrafikIntel HD Graphics (1. Gen.)✔ freier Treiber (→ Prozessor)
Mobility Radeon HD 5850✔ freier Treiber
WLANBroadcom bcm943225hm(✔) Wird unterstützt, macht aber häufig Probleme

Laut ubuntuusers funktioniert die Steuerung von hybriden Grafiklösungen („switchable graphics“) seit Ubuntu 12.04 (Kernel 3.2+) [10] mit der Software PRIME. In den letzten Jahren hat es aber Verbesserungen bei der Unterstützung von Hybrid-Grafiklösungen im Linux Kernel gegeben, ich kann allerdings den genauen Wortlaut im Internet nicht mehr finden. Es wäre mal interessant zu wissen, wie zuverlässig das auf einer aktuellen Distribution im Vergleich zu meiner früheren Installation klappt.

Vielleicht sollte man an dieser Stelle noch erwähnen, dass „unterstützt“ nicht zwangsweise bedeutet, dass man die Hardware mit dem selben Funktionsumfang nutzen kann, wie unter Windows gewohnt. Während der Treiber selbst die „Ansteuerung“ der Hardware ermöglicht, ist unter Windows ja oft noch eine Zusatzsoftware dabei, welche die weitere Konfiguration der Komponente ermöglicht. So bezweifle ich zum Beispiel, dass ich unter Ubuntu Linux genauso komfortabel die Spannung und Lüfterdrehzahl meiner Grafikkarte (AMD Radeon Software) oder die LED-Beleuchtung und Tastenbelegung meiner Maus (Corsair iCue) anpassen kann. Das werde ich aber noch herausfinden müssen.

einfach ausprobieren

Auch wenn es sich um unterstützte Hardware handelt, schadet es nicht, das System zuvor einmal getestet zu haben. Es ist sicher auch die einfachere Methode: Seit vielen Jahren bieten fast alle Linux-Distributionen eine Live CD/DVD/USB an. Im Gegensatz zur virtuellen Maschine (→vorheriger Beitrag) wird das Betriebssystem – ausgehend vom entfernbaren Datenträger – tatsächlich auf dem Rechner gestartet, allerdings „schreibgeschützt“. Es können die meisten Funktionen genutzt werden, Änderungen gehen nach einem Neustart aber verloren. So ist es möglich, gefahrlos alles zu testen.

Die konventionelle Methode ist recht einfach, es genügt das Datenträgerabbild (Ubuntu.iso) mit einem geeigneten Programm (z.B. cdburnerxp) auf eine DVD zu brennen. Bis auf wenige Ausnahmen sind diese allerdings inzwischen zu groß für die klassische Scheibe, hier geht es mit einem USB-Stick – generell – schneller. Dafür benötigt ihr ebenfalls ein aktuelles System-Abbild sowie ein Hilfsprogramm. Wie man einen USB-Stick in ein startfähiges Linux-Live-System verwandelt, erfahrt ihr z.B. hier.

Ich habe an dieser Stelle auf eine Erläuterung verzichtet, da ich bereits ausführlicher auf die Einrichtung in VirtualBox eingegangen bin.

Ist der Datenträger vorbereitet, wird dieser vor dem Einschalten des Rechners eingesteckt und unmittelbar nach dem Einschalten die Taste F11, F2 oder Entf gedrückt, um das Startmedium zu wählen (kommt auf den Hersteller an). Modernere Geräte mit UEFI blockieren unter Umständen den Start von einem fremden Datenträger, hier muss dies zunächst über die UEFI-Einstellungen erlaubt oder die Bootreihenfolge angepasst werden. [11]

Alte Spiele Neuer Rechner – Teil 5: TES 4 Oblivion (2006)

Okay, nach den bisherigen Titeln dieser Beitragsreihe nicht wirklich ein „alter“ Titel, dennoch gehört der inzwischen schon vor 14 Jahren erschienene, vierte Teil der bekannten The Elder Scrolls Reihe definitiv zu den Klassikern in meiner Sammlung. Wenige Titel fangen die Spielegrafik der Mitte-2000er so perfekt ein wie Oblivion!

The Elder Scrolls Oblivion ist eine Marke von Bethesda Softworks LLC / Zenimax.

Während manche Spiele meiner Meinung nach in ihrem Auftreten, ihren Stärken und Schwächen einfach als Phänomen ihrer Zeit betrachtet werden müssen (außer natürlich, sie werden neu aufgelegt), erfreuen sich einige Titel dank ihrer Möglichkeit zur Erweiterung auch heute noch von größerer Beliebtheit. Die Elder Scrolls Titel sind – besonders im englischsprachigen Raum – bekannt dafür. Dank der unzähligen verfügbaren Mod(ifikationen), welche z.B. bei Nexusmods zu finden sind, lassen sich die Spiele beinahe nach Belieben anpassen.

Ein Basis-Modguide für Einsteiger

Im folgenden Beitrag möchte ich euch zeigen, wie ihr mit einigen Einstellungen und Mods das etwas in die Jahre gekommene Rollenspiel auf moderner Hardware spielbar(er) machen und bei zeitgemäßer Bildschirmgröße gut aussehen lassen könnt, ohne den Flair des Originals zu verändern oder sich in stundenlanger Detailarbeit und Frickelei mit einzelnen Texturen zu verlieren.

Ihr benötigt dazu…

  • Das Spiel in der aktuellen GOTY-Version mit allen Add-Ons z.B. via Steam oder GOG
  • Einen kostenlosen Account bei nexusmods. Die Downloads der entsprechenden Mods später finden sich im Abschnitt „Files“. die fett markierten Versionshinweise beim Herunterladen beachten!

Bevor es losgeht: Die folgenden Abschnitte führen euch Schritt für Schritt durch das Mod-Setup. Ihr solltet das Spiel erst starten, wenn ihr mit der Installation und dem Abschnitt „Load Order und Bashed Patch“ fertig seit, da das Spiel sonst wahrscheinlich Abstürzen wird.

Vorbereitungen

  • Oblivion einmalig über den Launcher starten und im Hauptmenü wieder beenden.
  • Ein Backup der Spieldaten machen. Einfach den Ordner kopieren! Bei Steam zu finden unter Program Files (x86)\Steam\steamapps\common\Oblivion. Das gleiche gilt für die Einstellungen unter Documents\My Games\Oblivion\ (im Benutzerverzeichnis)
  • Wrye Bash (Beta Installer) herunterladen und für Oblivion installieren. Das ist ein praktisches Tool zum einfachen Verwalten von Spielmodifikationen („Mod Manager“). Das Programm einmal starten und die Einrichtungsvorschläge bestätigen. Im Reiter „Mods“ werden die aktiven Plugins angezeigt, unter „Installer“ richten wir später die Mods ein.
  • LOOT zur späteren Verwaltung der Mod-Ladereihenfolge herunterladen und installieren.

Spieloptionen (→Oblivion.ini)

Die Einstellungen die man u.A. zur Spielgrafik im Menü vornimmt, werden in der Datei Oblivion.ini im Verzeichnis Documents\My Games\Oblivion gespeichert. Die Datei kann mit dem Texteditor (Notepad) bearbeitet werden. Die Einstellungen können höher gesetzt werden, als es die eingebauten Spieloptionen zulassen. Wir benutzen ein Tool zur automatischen Anpassung der Werte.

  • BethINI herunterladen und starten, Oblivion wählen.
  • Passende Auflösung wählen, Kantenglättung AA 4x
  • BethINI Preset „Ultra“ und „Recommended Tweaks“ setzen
  • Im Reiter „Detail“ Lighting Effect <None> wählen (Bloom oder HDR sieht furchtbar aus und verträgt sich nicht mit AA)
  • Unter Basic mit Save and Exit speichern.

Die folgenden Einstellungen halten mehr Leveldaten im Arbeitsspeicher und verkürzen so die Ladezeiten. Die Werte händisch in der Oblivion.ini ändern:

[General]
uExterior Cell Buffer=144
uInterior Cell Buffer=12
iPreloadSizeLimit=104857600

Patches installieren

Für die Steam-Version: Das folgende Tool ermöglicht es Oblivion, auf 64Bit PCs mit 4Gb+ RAM mehr Arbeitsspeicher zu nutzen. An eine beliebige Stelle herunterladen, ausführen und auf die Oblivion.exe sowie die OblivionLauncher.exe im Spielverzeichnis anwenden.

Für die folgenden Plugins wird der Oblivion Script Extender (OBSE) benötigt. Dieser sowie die Plugins können nicht über Wrye Bash installiert werden.

  • OBSE herunterladen und die Dateien ins Spielverzeichnis kopieren.

Die folgenden OBSE-Plugins (DLL) werden ins Verzeichnis \Data\OBSE\Plugins\ installiert.

  • Oblivion Stutter Remover OSR_4-1-37 (FPS Stabilisierung auf Multicore CPUs)
  • OSR Optimized Modern Multi Core 1 (Win Vista-7-8-10) (für Windows 10 optimierte Konfiguration, sr_Oblivion_Stutter_Remover.ini im Pluginverzeichnis überschreiben. Wichtig!)
  • EngineBugFixes
  • SkyBSA (Textur-Optimierung)

Die folgenden Patches und Mods beseitigen Bugs und verbessern die Stabilität. Hier kommt jetzt Wrye Bash zum Einsatz: Das heruntergeladene Modarchiv wird direkt in den „Installer“ Tab gezogen und dort mit Rechtsklick <Installiert>.

Benutzeroberfläche

Das Originalinterface ist für die Konsole konzipiert. Mit einigen Tricks kann das UI für höhere Auflösungen auf dem PC angepasst werden. Die Elemente auf dem Bildschirm werden besser skaliert und mehr Einträge u.A. im Inventar angezeigt. Mit Wrye Bash Manual Wizard installieren (s. oberes Bild).

Nun die Schriftoptionen in der Oblivion.ini mit folgenden Werten überschreiben:

[Fonts]
SFontFile_1=Data\Fonts\Kingthings_Regular.fnt
SFontFile_2=Data\Fonts\DarN_Kingthings_Petrock_14.fnt
SFontFile_3=Data\Fonts\DarN_Kingthings_Petrock_16.fnt
SFontFile_4=Data\Fonts\DarN_Oblivion_28.fnt
SFontFile_5=Data\Fonts\Handwritten.fnt

Texturdetails

Die Auflösung der Originaltexturen dank KI auf 4K hochskaliert und deutlich detailreicher. Das Bild wirkt – besonders bei höherer Auflösung – schärfer (siehe erstes Vergleichsbild am Anfang des Beitrags). Das All-in-One-Archiv ist etwas umfangreicher, deckt aber alle Texturen im Spiel ab.

Nutzt ihr eine integrierte Grafiklösung (Notebook) oder besitzt eine ältere Grafikkarte, solltet ihr hinsichtlich der Performance eher zum 2K-Paket kart_OUT_default_2x greifen.

Landschaft (LOD)

Das Level Of Detail (LOD) umfasst die Landschaft und alle entfernten Objekte, welche im Spiel dargestellt werden. Zum einen kann man durch die hohen Grafikeinstellungen deutlich weiter blicken wie damals zum Release, zum anderen ist es auch möglich, mit aktueller Rechenleistung mehr entfernte Objekte darzustellen.

In der Oblivion.ini folgende Zeile ändern, um in der Entfernung mehr Bäume darzustellen:

[General]
uGridDistantTreeRange=30

Die folgende Mod sorgt für schärfere Landschaftstexturen

RAEVWD fügt neue LOD Objekte wie Gebäude und Felsen hinzu, welche im Spiel vorhanden, aber sonst aus der Ferne nicht sichtbar sind. Mit dem Wrye Bash Manual Wizard installieren: Alles auswählen außer die City Interior LOD-Daten (die Plugins also nicht installieren!).

Damit die Änderungen tatsächlich sichtbar werden, muss das LOD zunächst neu generiert werden.

  • TES4LODGen (Dateien manuell in Oblivion\Data\ entpacken)

Wir führen TES4LODGEN.exe erst später aus, wenn die Ladereihenfolge der Mods angepasst wurde! Jedes Mal wenn Mods hinzugefügt werden, welche Ladereihenfolge (der *.esp) verändern, müssen die Daten neu generiert werden.

Sound und Musik

Die folgenden Mods fügen sich nahtlos in den Soundtrack des Originalspiels ein und sorgen für etwas mehr Abwechslung.

Einfach über Wrye Bash installieren.

Load Order, Bashed Patch und TES4LODGen

Kommen wir nun zur Feinabstimmung der Installation. Dieser Abschnitt ist besonders wichtig, damit das Spiel mit den Mods fehlerfrei läuft. Die Schritte sollten erneut ausgeführt werden, wenn neue Mods (esps) ins Spiel dazugekommen sind oder sich die Ladereihenfolge verändert hat.

LOOT

Manche Modifikationen (esps) besitzen Abhängigkeiten zu anderen Mods oder überschreiben wiederum die Daten anderer. Daher ist die richtige Ladereihenfolge der Data-Files essentiell (Load Order). Das kostenlose Tool LOOT übernimmt das automatisch für euch.

  • In Wrye Bash sicherstellen, dass im Reiter „Mods“ alle Einträge angehakt sind. Das Programm schließen.
  • LOOT starten, Oblivion wählen und mit den Buttons oben die Ladereihenfolge sortierten und anwenden.
  • Warnungen (gelb) können ignoriert werden, bei Fehlern (rot) solltet ihr mal schauen.

Bashed Patch

Mit Wrye Bash wird ein Patch erstellt, welcher sich überschneidende Änderungen aus den Mods vereint und so Konflikte und Abstürze vermeidet. Mods, welche in den Bashed Patch „gemerged“ wurden, sind fortan deaktiviert. Wer später noch mehr Mods installieren möchte, kann dadurch Einträge (die Anzahl ist nämlich begrenzt) in der Load Order sparen.

  • Unter „Mods“ in Wrye Bash den Eintrag „Bashed Patch, 0.esp“ ausfindig machen.
  • Rechtsklick darauf, <Rebuild Patch…> Merge-Fenster bestätigen.
  • Im Konfigurationsfenster „Update Bashed Patch“ in den Kategorien rechts folgende Anpassungen vornehmen. Zahlenwerte mit einem Rechtsklick auf den Eintrag ändern!
☑ Tweak Actors☑ Irresponsible Creatures
☑ Tweak Assorted☑ DarNified Books
☑ Tweak Settings☑ Crime: Alarm Distance 2000
☑ Greeting Distance 100
☑ Warning: Exterior Distance to Hostiles 2000
☐ Cobl Catalogs(deaktiviert)
☐ Race Records(deaktiviert)

Wenn der Bashed Batch erfolgreich erstellt wurde, prüfen ob er tatsächlich aktiviert ist.

TES4LODGen

Mit dem Tool TES4LODGen.exe generieren wir nach Abschluss der vorherigen Schritte die Landschaftsdaten, dann werden auch die entfernten Objekte und Gebäude (→RAEVWD) sichtbar. Das Programm muss sich im Oblivion\Data\ Verzeichnis befinden und einfach ausgeführt werden, es endet nach wenigen Minuten mit der Ausgabe

[xx:xx] LOD Generator: finished (you can close this application now)

Test und Fehlerbehebung

Es ist sinnvoller, das Mod-Setup nun noch auf Fehler zu testen, anstatt mitten im Spiel auf ein Problem zu stoßen. Beginnt ein neues Spiel. Da ihr am Anfang im Tutorial festsitzt, könnt ihr einige Modifikationen (z.B. LOD) nicht testen. Ihr könnt dabei folgende Befehle zur Hilfe nehmen. Die Konsoleneingabe (US-Am. Tastaturlayout) wird mit „^“ geöffnet:

coc weyeTeleport direkt vor die Kaiserstadt
tgmGodmode
tclKein Clipping, freie Kamera
tdetect 0Gegner-Erkennung ausschalten
tmm 1Alle Schnellreise-Markierungen auf der Karte
player.setav SpeedMult xxxCharakter-Geschwindigkeit erhöhen

Damit sind wir schon am Ende dieses Beitrags. Habt ihr die einzelnen Installationsschritte sorgfältig durchgeführt, sollten keine Fehler auftreten. Falls doch, hier ein kurzes FAQ

Das Spiel stürzt beim Ladebildschirm ab
⬦Probleme bei der Ladereihenfolge (→LOOT) oder fehlende Abhängigkeiten
⬦ Bashed Patch nicht aktiviert (Wrye Bash)
⬦ Fehler bei der OSR-Installation oder 4GB-RAM-Patch vergessen (→Patches)
⬦ Ungültige Einstellungen in der Oblivion.ini. BethINI erneut ausführen oder die Datei löschen und Backup laden.
⬦ Spielstände mit unoffiziellen Patches sind nicht mehr mit dem ursprünglichen Spiel kompatibel
Das Spiel ruckelt stark / Ich habe FPS-Einbrüche
⬦ Die imperial city / mania interior esp-Plugins von RAEVWD mitinstalliert? Das packt das Spiel meistens nicht, egal wie stark der Rechner ist (→LOD)
⬦ Eure GPU hat nicht genug VRAM für die 4K kart_OUT_default Texturen. Die 2K-Variante benutzen (→Texturen)
⬦ Bei manchen Rechnern sorgt die OSR Konfiguration OSR Optimized Modern Multi Core 2 für eine stabilere Framerate
Die Schrift in den Menüs ist zu dick oder verschoben
⬦ Die Schriftoptionen für DarnUI sind nicht richtig in der Oblivion.ini eingetragen (→Benutzeroberfläche)
Entfernte Gebäude und Bäume flimmern oder sind schwarz
⬦ Die Mod-Ladereihenfolge oder die LOD Texturen haben sich verändert, nachdem ihr LOD generiert habt. → TES4LODGen.exe erneut ausführen.
⬦ TES4LODGen setzt eigentlich HDR in den Grafikoptionen voraus. Die Beleuchtungstechnik sieht meiner Meinung nach nicht mehr zeitgemäß aus. Ist HDR deaktiviert, kann es zu einem gelegentlichen Flimmern der entfernten Vegetation kommen, das sollte sich allerdings in Grenzen halten.

Wenn ihr noch fragen zu diesem Modguide oder einen Fehler entdeckt habt, hinterlasst doch einen Kommentar! Die Vorschläge aus dem Abschnitt „Patches“ habe ich teilweise aus der sehr detailierten Bevilex Modlist übernommen. Dort findet ihr noch viele weitere empfehlenswerte Modifikationen. Auch ein Blick in’s S.T.E.P. Wiki lohnt sich.

Linux-Tagebuch #2 – Ubuntu in einer virtuellen Maschine testen

In dieser mehrteiligen Beitragsreihe versuche ich mich aus Sicht eines Windows PC-Nutzers dem Linux-Desktop als Betriebssystem zu nähern. Dabei möchte ich dieses als Linux-Anfänger selbst besser kennen lernen und zu verstehen versuchen. Zu Teil 1…

Bildquelle Header: pixabay / Pinguin Tux; by Larry Ewing, Simon Budig, Anja Gerwinski

In der Vergangenheit habe ich bereits darüber berichtet, wie man sich verschiedene Windows-Versionen mit der Emulations-Software VirtualBox einrichten kann. Als Betriebssystem im Betriebssystem sozusagen.

Im zweiten Teil meines Linux-Tagebuches möchte ich nun davon berichten, wie ich Ubuntu Linux in einer virtuellen Maschine eingerichtet habe. Das Tolle daran: Wenn ihr Linux noch nie benutzt habt, könnt ihr euch in aller Ruhe mit dem Betriebssystem vertraut machen. Es kann ja nichts kaputt gehen. Wenn ihr noch unsicher seit bezüglich der Wahl der Distribution, der verschiedenen Benutzeroberflächen – oder auch zum Testen der Softwarekompatibilität – bietet sich eine virtuelle Installation ebenfalls an.

Linux-Distributionen besitzen seit Jahren die Möglichkeit, diese am PC als „Live-System“ direkt von CD/USB zu testen, ohne dass Änderungen am PC vorgenommen werden. Aus diesen Gründen habe ich dennoch VirtualBox gewählt: Erstens ist das Verfahren langsamer, zweitens werden nach einem Neustart alle Änderungen verworfen und drittens kann ich bei einer virtuellen Maschine Windows parallel weiter nutzen oder ungewollte Änderungen wieder rückgängig machen.

VirtualBox konfigurieren

Für meinen Zweck habe ich mir das Datenträger-Abbild der zu diesem Zeitpunkt verfügbaren BETA-Version von Ubuntu 20.04 LTS heruntergeladen. Die länger unterstützte LTS-Version von Ubuntu wird mit der bekannten GNOME-Benutzeroberfläche ausgeliefert. Außerdem wird die aktuelle Version der VirtualBox Software benötigt (kostenlos). Wollt ihr einige weitere Funktionen wie die Gastsystem-Unterstützung für USB 3.0 nutzen, müsst ihr zusätzlich über VirtualBox das – ebenfalls auf der Herstellerseite verfügbare – proprietäre¹ Oracle VM VB Extension Pack installieren.

Tipp: Als Hostsystem wird der Rechner bezeichnet, auf dem das virtuelle Gastsystem ausgeführt wird.

Zunächst mit „Neu“ eine neue virtuelle Maschine anlegen, das passende OS auswählen und den empfohlenen Schritten folgen. Diese Einstellungen („Ändern“) habe ich vor dem ersten Start noch angepasst:

SystemHauptplatine: Insofern ihr mehr als 4GB Arbeitsspeicher (RAM) zur Verfügung habt, solltet ihr den Wert erhöhen, dann arbeitet die VM flotter. Ich habe bei 16GB RAM 4GB für das Gastsystem gewählt.
Prozessor: Die Zuteilung eines zweiten CPU-Kerns erhöht die Geschwindigkeit des Gastsystems.
AnzeigeBildschirm: Da ich später noch die VB-Gasterweiterung installieren werde um die Desktop-Effekte zu beschleunigen, erhöhe ich den Grafikspeicher auf den Maximalwert und setze einen Haken bei „3D-Beschleunigung“.
MassenspeicherController: IDE: Hier habe ich das CD-Abbild ubuntu-xxx.iso ausgewählt, damit das Setup direkt gestartet wird.
USBHier habe ich die USB 3.0 Unterstützung aktiviert (erfordert VB Extension Pack, s.o.)
Gemeinsamer OrdnerErleichtert später das Austauschen von Dateien zwischen Host- und Gastsystem enorm. Ist bei mir der zentrale Download-Ordner. „Automatisch Einbinden“ wählen.

¹ Die VirtualBox Software ist OpenSource (GPL), das Extension-Pack ist andersweitig lizenziert (aber dennoch kostenlos).

Installation starten

Tipp: Wenn die VM läuft, können Maus und Tastatur vom Gastsystem „eingefangen“ werden. Durch das Drücken der Host-Taste (normalerweise die rechte Strg-Taste) werden diese wieder befreit.

Sobald die virtuelle Maschine gestartet wurde, sollte die Installation beginnen. Ich habe einfach den Schritten durch das Setup gefolgt, die „virtuelle Festplatte“ nach Vorgabe partitioniert. Diese ist „dynamisch assoziiert“, d.h. obwohl weil sie eine rechnerische Kapazität von 10Gb besitzt, ist sie im Hostsystem nur so groß, wie viel Speicher das Gastsystem tatsächlich benötigt. Ob man die Drittanbieter-Software-Pakete mitinstalliert (siehe Bilder), bleibt eine persönliche Entscheidung. Gefragt wird man deshalb, da dieses Paket im Gegenteil zum Rest des Betriebssystems proprietäre, also nicht quelloffene „freie“ Software enthält. Die einzelnen Installationsschritte in Bildern:

Am Ende der Installation habe ich nach Aufforderung über das VirtualBox Fenster den Installationsdatenträger entfernt und die virtuelle Maschine neu gestartet. Die Installation ist nun abgeschlossen.

Gasterweiterung installieren

Die VirtualBox guest-additions sind ein Treiberset, welche einige Funktionen wie die oben bereits erwähnte 3D-Beschleunigung (z.B. für Desktop-Effekte) oder die gemeinsame Zwischenablage ermöglichen. Insgesamt arbeitet das Gastsystem mit installierten guest-additions deutlich flotter. So klappt die Installation (nach der Anleitung auf tecmint):

Das Terminal mit Strg+Alt+T (oder über das Startmenü) öffnen und nacheinander folgende Befehle ausführen:

sudo apt update

Der Befehl aktualisiert den Paket-Manager APT mit aktuellen Informationen zu den installierten Paketen und Repositories.

sudo apt upgrade

Aktualisiert installierte Pakete mit der neuesten Version.

sudo apt install build-essential dkms linux-headers-$(uname -r)

build-essential enthält Software, welche zum Erzeugen von Paketen benötigt wird [1], DKMS für die Linux-Kernelverwaltung [2] sowie dazugehörigen Meta-Pakete [3] für die aktuelle Version

Nun den Rechner neu starten.

Danach über <Geräte> die Gasterweiterung ins System einbinden und das Programm ausführen.

Über das Terminal erfolgt nun die Installation der guest-additions. Nach Abschluss und Neustart sollten diese auch korrekt eingerichtet sein. Ich habe es allein schon daran gemerkt, dass die Desktop-Effekte des Fenster-Managers GNOME deutlich flüssiger dargestellt wurden. Damit sollte dann auch das Drag & Drop von Dateien zwischen Host- und Gastsystem funktionieren.

Die Anleitung zur Installation der guest-additions in der virtuellen Maschine klappt übrigens bei allen Ubuntu / Debian – basierten Distributionen. 🙂

Damit wären wir schon am Ende des Beitrags. Je nach Geschmack kann die Fentergröße des Gastsystems über die interne Auflösung-Einstellung angepasst oder einfach mit VirtualBox im Vollbildmodus (Strg+F) dargestellt oder automatisch skaliert (Strg+A) werden.