Machs gut, Firefox

Anmerkung: Dieser Beitrag spiegelt meine persönliche Meinung wider und das heißt nicht, dass Firefox ein schlechter Browser ist.

Die Benutzeroberfläche von Firefox 3.0 (2008) mit dem damals dominanten „Zurück“-Button (Quelle: Screenshot)

Der Browser Mozilla Firefox und ich, das ist eine lange Beziehung. Wo soll ich da anfangen? Bestimmt seit 15 Jahren habe ich, fast durchgängig, den Browser auf meinem PC oder Notebook genutzt, unter Windows und unter Linux. Ja, der Browser ist ein elementarer Bestandteil meiner Erfahrungen mit der Welt der Computer und der Erkundung des Internets geworden. Ich erinnere mich noch gut daran, als 2008 (ich habe das Jahr nachgeschaut) die Veröffentlichung von Firefox 3.0 anstand. Da hatte Mozilla nämlich eigens eine Webseite mit Release-Countdown online geschaltet, ich hatte die Veröffentlichung mit Begeisterung verfolgt und direkt nach Freigabe die neue Ausgabe meines Lieblingsbrowsers geladen. Firefox hatte damals einen Marktanteil von 20% erreicht. [1]

Aber nun genug von gestern. Wie sieht es heute aus? Meine „Beziehung“ zu Firefox hat über die letzten Monate und Jahre Risse bekommen, leider. Gründe dafür gibt es verschiedene. Einige davon möchte ich hier nun aufzählen.

In der Release-Spirale

Die Internetlandschaft hat sich seitdem rasant weiterentwickelt. Das gilt auch für die „Schnittstelle“ zwischen Mensch und Internet – dem Browser. 2011 folgt Mozilla dem generellen Trend und kürzt nach Version 4 die Lebenszyklen der Releases deutlich zusammen, zwei Jahre später sind wir schon bei 17 (ab da habe ich es nicht mehr aktiv verfolgt).

Firefox war, meine ich, der erste Browser, bei dem ich nach belieben Addons laden konnte, wenn man ActiveX-Steuerelemente nicht zählt. Einige meiner favorisierten Erweiterungen funktionieren durch die rasanten Versionssprünge schon lange nicht mehr. Auch wenn ich es schade finde, übel nehmen kann man es den Extension-Entwicklern nicht: Schaut man sich die Anzahl der veröffentlichten Hauptreleases von Firefox an [2], bekommt man ein Bild davon, welcher Aufwand dahinter stecken muss, eine Erweiterung kompatibel mit der aktuellen Version zu halten.

Die optischen Veränderungen, welche die einzelnen Meilensteine (z.B. Aurora 2014 [6]) mit sich gebracht haben, habe ich meist wenig Beachtung geschenkt, kann man die Oberfläche von Firefox doch weitgehend nach seinen Vorlieben anpassen. Das erste Mal wirklich geärgert habe ich mich erst dieses Jahr, als mit dem aktuellen Proton-Redesign auf einmal die „Kompakt“-Ansicht aus dem Anpassungsmenü gestrichen wurde und ich diesen manuell über about:config aktivieren musste (besonders auf kleineren Desktop-Bildschirmen ist der Platz eng). [7]

Ein leises Schwinden

In jüngster Zeit habe ich leider häufiger die Beobachtung gemacht, dass unter Firefox bei bestimmten Webseiten der Inhalt nicht richtig aktualisiert oder dargestellt wird. Da wären zum Beispiel der Editor von WordPress.com oder moodle, um zwei jüngere Beispiele zu nennen. Woran mag das liegen?

Um sich einer Antwort anzunähern, möchte ich einen kurzen Blick auf die Browser-Marktanteile weltweit und in Deutschland werfen, da gibt es nämlich eine interessante Beobachtung zu machen. Mozilla Firefox hat die letzten Jahre kontinuierlich Marktanteile verloren, genauer betrachtet (weltweit) schon seit 2010, als Google Chrome unter Privat-Rechnern Fuß gefasst hat. Der Erfolg von Chrome (Chromium) scheint auch nicht aufzuhalten, hat er doch aktuell eine quasi-Monopolstellung mit einem Marktanteil von 67%. Firefox hat dagegen heute einen Anteil von (nur noch!) 8%. In Deutschland dagegen schlägt sich Firefox wacker. Auch hier geht es zwar stetig bergab, trotzdem hat der Browser hierzulande noch einen Anteil von 19%. Ich kenne auch viele Menschen persönlich, die (noch) Firefox nutzen. Hat mich das vielleicht lange etwas blind gemacht für den schleichenden Abgang in die Bedeutungslosigkeit? Die Gründe, warum (andere) User bereits zu Alternativen abgewandert sind, mögen zum Teil klar auf der Hand liegen (Stichwort Android), aber um die soll es in diesem Beitrag nicht gehen.

Ich finde es schade, dass die Browser-Diversität im Netz so abgenommen hat. Entwickler von WWW-Services sollten darauf Rücksicht nehmen, dass ihr Produkt bzw. ihre Webseite mit allen gängigen Browser-Engines vollständig kompatibel ist, aber kann man es ihnen Übel nehmen, wenn ein Browser mit gerade mal 8% Marktanteil nicht ihre oberste Priorität ist?

Negative Schlagzeilen

Vor kurzem habe ich einen Artikel zu bezahlten Suchvorschlägen in der Adressleiste [3] gelesen, die bald voreingestellt zu Firefox kommen sollen. Klar, irgendwie müssen die ja auch Geld verdienen. Hier muss man sich auch bewusst machen, dass Mozilla als non-profit Unternehmen einen beträchtlichen Anteil seiner Einnahmen von Suchanbietern erhält, die in Firefox vorkonfiguriert sind (siehe [3]). Aber bei einem Browser bzw. Unternehmen, dass für Datenschutz und Privatsphäre eintreten will, erzeugt das bei mir doch irgendie einen faden Beigeschmack. Leider ist das nicht die erste „negative Schlagzeile“, welche ich zum Thema gelesen habe. Wie etwa, dass all meine in Firefox gespeicherten Passwörter trotz gesetztem Master-Kennwort jahrelang leicht zu knacken waren. [4] Oder die Nachricht von großzügigen Gehältern und Sonderzahlungen für Mozilla-Geschäftsführende, trotz der schlechten Umsatzzahlen und Entlassungen von Mitarbeitern. [5] Generell habe ich den Eindruck bekommen, dass Produkte aus dem Portfolio von Mozilla wie das VPN, Relay oder Pocket gerade eine höhere Priorität für Mozilla haben. Das trübt einfach das Bild von „meinem“ Firefox.

Andere Produkte aus dem Haus Mozilla. Quelle: mozilla.org

Frischer Wind

Also, quo vadis Firefox? Ich möchte in diesem Artikel nicht zu viel Pathos um ein scheinbar kleines Programm auf meinem Rechnern auftragen, aber dennoch: Der Browser ist eines der wichtigsten PC-Anwendungen für viele Menschen. Bei mir jedenfalls haben schlussendlich ganz pragmatische Gründe (einige wichtige Seiten haben nicht zuverlässig funktioniert) den Ausschlag dafür gegeben, dass ich mir vor einigen Wochen einen Chromium-basierten Browser dazugeladen und Firefox kurzerhand von der Taskleiste entfernt habe. Und ich muss zugeben, es fühlt sich gut an. Keine Kompatibilitätsprobleme mehr. Es ist weniger die Geschwindigkeit, die den Unterschied macht, sondern die Zuverlässigkeit und eine Reihe von Funktionen, von denen ich nicht wusste, wie praktisch sie sind (zum Beispiel die farbliche Gruppierung von Tabs).

Für die nächste Zeit werde ich mir auf jeden Fall mal eine Auszeit vom Feuerfuchs nehmen und schaue einfach später wieder vorbei. Sei es durch die Wahl der Apps auf dem Rechner, finanziell oder anderweitig: Ich denke, es gibt – abseits von Mozilla – auch andere Möglichkeiten, sich für ein offenes, diverses Internet und Privatsphäre einzusetzen.

Seit ihr Firefox treu geblieben? Wenn ja, warum? Was hat euch zum Umstieg bewegt? Schreibt mir doch einen Kommentar unter diesen Beitrag!

Auch lesenswert:

Warum der Niedergang des Firefox-Browsers eine Tragödie ist (Futurezone.at)

Firefox Lost Almost 50 million Users: Here’s Why It is Concerning (ITSFOSS.com)

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2 Gedanken zu “Machs gut, Firefox

  1. Nachdem ich den Beitrag gelesen habe, komme ich nicht umhin, ihn zu kommentieren. Firefox war auch bei mir – mittlerweile jahrzehntelang – der Browser schlechthin. Logische Bedienung, schnell, kein Microsoft-Produkt und auch gefällig anzusehen. Übersichtlich in den Einstellungen (kein Chaos wie im Internet-Explorer) und mit unendlich vielen Erweiterungsmöglichkeiten. Außerdem – und das war das Hauptargument – war man relativ „anonym“ unterwegs, dh der Browser war nicht so geschwätzig wie die Konkurrenz.
    Seitdem Mozilla jedoch bei jedem größeren Release die Oberfläche „verschlimmbessert“, Funktionen einführt, welche nicht nur unnötig sind, sondern sich auch noch penetrant aufdrängen, bin ich etwas reserviert geworden. Am meisten geärgert hat mich, dass bisher wirklich brauchbare Erweiterungen von heute auf morgen inkompatibel geworden sind.
    Endgültig stutzig gemacht (und diese wird wahrscheinlich auch der Grund sein, warum ich den Browser nicht mehr in die engere Wahl ziehe) hat mich ein Bericht über den Umstand, dass Mozilla für den Betrag von mehreren Dollarmillionen pro Jahr ganz einfach Google als Standardsuchmaschine einstellt und damit quasi ein „Supercookie“ oder eine „Über-Drüber-ID“ (wie immer man das formulieren möchte) setzt, sodass der Anwender quasi jederzeit identifizierbar wird bzw ein Profil erstellt werden kann.
    Das war/ist der brühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen geführt hat. Seitdem verwende ich Firefox nur mehr in Ausnahmefällen und habe mich Waterfox zugewendet. Ok – dieser setzt zwar auch Bing als Standardsuchmaschine, doch wenn es um die Identifizierung oder Telemetriedaten geht, dann hat Microsoft sowieso einen gewissen Heimvorteil. Waterfox mag zwar nicht ganz up to date sein, doch ist dieser wesentlich weniger aufgeblasen, er ist sehr schnell, und (was für mich wichtig ist) es sind sehr viele meiner alten Erweiterungen verwendbar.
    Traurig aber wahr. Durch den ungehemmten Drang, immer neue Funktionen und „Verbesserungen“ implementieren zu müssen, hat sich Mozilla keine Freunde geschaffen. Ich hoffe doch sehr, dass innerhalb des Managements ein Umdenken erfolgt und dieses noch rechtzeitig Auswirkungen hat, denn sonst sehe ich für diesen Browser schwarz. Der Vergleich mit Netscape drängt sich förmlich auf.
    Chrome als Alternative kommt für mich ganz sicher nicht infrage, denn da kann ich ja gleich drei Google-Konten eröffnen und jede Cookie-Hinweis ungeprüft übernehmen. Die übrigen Browser-Ableger sind nur Pseudo-Alternativen, hier hat das Kind eben einen anderen Namen. Opera war einmal gut, seitdem er in chinesischer Hand ist, kann man ihn vergessen. Beworben als „Schützer der Privatsphäre“ sind die Datenschutzeinstellungen genau gegenteilig. Hier wird erst einmal übertragen was das Zeug hält, in der Hoffnung, dass es dem Benutzer sowieso egal ist.
    Über Edge brauchen wir hier gar nicht zu diskutieren. Hier kann ich gewisse Dinge gar nicht abstellen, doch das kennt man ja bereits von Windows 10 und seinem Nachfolger.

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