Notebook: Schnellen SSD-Speicher nachrüsten

Der Windows-Start dauert eine halbe Ewigkeit? Programme laden nur sehr langsam? Das ist eine Schwäche, die sich viele Notebooks – vor allem im niederen Preissegment – teilen. Wenn die Leistung der Festplatte nachlässt, wirkt sich das auf die gesamte „Benutzererfahrung“ aus. Natürlich ist ein Datenträger auch ein Verschleissprodukt, aber meiner Erfahrung nach versagen bei günstigen Notebooks als erstes der Akku und die Festplatte.

günstig und unkompliziert

Produktbeispiel, hier vom Hersteller Western Digital

Die meisten neueren Notebooks werden inzwischen sowieso mit deutlich schnelleren SSDs ausgestattet. Diese funktionieren ähnlich wie USB-Flashspeicher [1] und haben eine um ein Vielfaches höhere Datendurchsatzrate und kürzere Zugriffszeiten. Dadurch verkürzt sich nicht nur die Startzeit erheblich, sondern Programme starten prompt und die Ladezeiten von Spielen sind kürzer. Die SSD ist auch deutlich leiser und leichter. Und hier kommen wir schon zum Thema dieses Beitrags: Wenn der alte Laptop lahmt, könnt ihr durch einen einfachen und günstigen Tausch der Festplatte einen ordentlichen Geschwindigkeitsvorteil herausholen!

Da sich SSD-Technik inzwischen auf dem Markt etabliert hat, sind 2,5″ SSD-Datenträger für Notebooks bereits ab 30€ zu haben. [2] Sonst benötigt man zum Wechsel nur ein Set von Elektronik-Schraubenziehern und etwas Fingerspitzengefühl. Also, los geht’s!

Daten migrieren

Ach so, fast vergessen: Was passiert mit meinen Dateien und, ahem, Windows? Die sind bei einem Wechsel des Speichermediums natürlich weg. Ihr habt also zwei Möglichkeiten: Datensicherung erstellen, Windows-Produktschlüssel notieren (Windows 10: Mit Microsoftkonto verknüpfen) und das Betriebssystem auf der SSD neu installieren. Die zweite und komfortablere Option besteht darin, den Inhalt der alten Festplatte auf die Neue zu „klonen“. Das geht mit der richtigen Software im Prinzip sehr einfach, wenn man dabei zwei, drei Dinge beachtet.

  1. Ihr benötigt entweder einen zweiten PC mit Anschlussmöglichkeit für die neue SSD oder (vorzugsweise) eine USB 3.0 SATA Adapter für diese. In beiden Fällen muss das Datenabbild der bisherigen Festplatte auf die neue Übertragen werden.
  2. Der belegte Speicherplatz muss geringer sein als die Gesamtkapazität der neuen SSD, damit der Inhalt gespiegelt werden kann. Die tatsächliche Kapazität der alten Festplatte ist dabei nicht so wichtig, da der „leere“ Speicherbereich im Datenabbild ignoriert wird. Beachtet aber bei der Auswahl, dass ihr aufgrund der Formatierung des Dateisystems z.B. bei einer 256 Gb SSD effektiv nur ca. 238Gb nutzen könnt. Size matters!

Auf die Möglichkeit der Neuinstallation von Windows möchte ich hier nicht genauer eingehen, ihr könnt auf meinem Blog dazu mehr erfahren (am Beispiel von Windows 7).

Klonen !? Das geht doch nur mit Schafen. Im Falle der SSD ist das eine sehr praktische Funktion, da neben den tatsächlichen Dateien auch die Informationen aus dem Dateisystem, der -Partition sowie wichtige Bootparameter des Betriebssystems mit übernommen werden, welche einen reibungslosen Start trotz geänderter Hardware ermöglichen. Und für die SSD macht das keinen vitalen- oder Leistungsunterschied, ob die Daten ursprünglich auf „Festplatten-Art“ angeordnet waren.

Einige Hersteller bieten zur ihrer SSD ein kostenloses Tool zur Datenmigration (auch Klonen) der Festplatte an. Beispielsweise seien hier Acronis True Image WD/SanDisk Edition oder Samsung Data Migration Tool genannt. Diese setzen allerdings voraus, dass die SSD vom Programm erkannt und validiert werden kann, was im Fall von einer per USB-Adapter angeschlossenen SSD bei mir nicht der Fall war.

Ich habe also ein herstellerunabhängiges Programm gesucht. Das ist etwas knifflig, da es einige Tools gibt, welche das Klonen von Datenträgern anbieten, es aber oft (im Falle der kostenlosen Version) als Premium-Funktion verstecken. Geklappt hat es bei mir schließlich mit EaseUS Todo Backup Home Free/Trial (ca. 120Mb), aber nur genau mit der „Todo“ Programmversion.

Zunächst solltet ihr die Daten der alten Festplatte „vorbereiten“. Sprich, unnötige Programme deinstallieren, Datenträger bereinigen und defragmentieren (Daten auf der Festplatte zu einem Haufen zusammenführen). Mehr dazu hier. Das verkürzt die Größe und damit die Transferzeit des Festplattenabbildes.

Anschließend die SSD verbinden und EaseUs ToDo starten. Im Hauptmenü links den Klonen-Button ausfindig machen, der folgende Dialog ist recht selbsterklärend. Noch einmal die Laufwerksbuchstaben und den Speicherplatz auf ihre Richtigkeit prüfen und den Prozess starten. Das sieht dann in etwa so aus – und dauert je nach Belegung einige Minuten. Die erfolgreiche Migration wird mit einer Abschlussmeldung quittiert:

Festplatte durch SSD tauschen

Ich übernehme keine Haftung für Schäden! Ihre verliert ggf. eure Herstellergarantie.

Jetzt kommt der wahrscheinlich schwierigste Teil des Unternehmens: Das Öffnen des Notebook-Gehäuses. Das wiederum ist von Gerät zu Gerät verschieden. Während einige, meist ältere Modelle, auf der Unterseite noch eine getrennte Abdeckung für Festplatte, Arbeitsspeicher und Akku haben, gibt es bei den neueren, schlanken Notebooks nur noch eine geschlossene Rückseite. In beiden Fällen benötigt ihr neben einem Set Elektronikschraubenziehern einen flachen, dem Gitarrenspiel ähnlichen „Plastikchip“ (oder etwas Vergleichbares wie eine alte Checkkarte) zum Öffnen des zusammengeklippten Plastikgehäuses. Beachtet analog zum Text die Bilderstrecke!

Zunächst den Akku entnehmen, Laptop herumdrehen und alle Schrauben (in der Regel) lösen. Falls sich die Festplatten-Abdeckung separat lösen lässt, seit ihr hier schon fertig! (Bild 1) Eine der Schrauben hält das ggf. vorhandene CD-Laufwerk fest, welches nun „Plug & Play“ aus dem Gehäuseschacht herausgezogen werden muss, damit später die Gehäuseabdeckung entfernt werden kann. Nun mit dem Plastikchip am Gehäuseübergang vorsichtig, langsam dazwischen und rundherum fahren, bis sich die Abdeckung mit einem Klicken zu lösen beginnt. Im Zweifelsfall findet ihr zu vielen Notebook-Serien z.B. auf YouTube eine Demontage-Anleitung! Das Notebook wieder herumdrehen und die Oberseite samt Tastatur vorsichtig hochklappen. Hier müsst ihr zunächst das Breitbandkabel von Tastatur und Touchpad, Gehäusetasten usw. mit der Hand oder einer Pinzette lösen, dazu einfach am Stecker das Plastikscharnier hochkippen. Nun ist der Blick frei auf das Innenleben. Die Festplatte ist normalerweise in einer Extrahalterung fixiert, welche zunächst gelöst und dann die Festplatte daraus mit weiteren vier Schrauben entfernt werden kann. Bei dieser Gelegenheit bietet es sich an, den Lüfter gleich vom Staub zu befreien!

Die neue SSD wird genau so wieder eingesetzt. Vor dem Schließen der oberen Abdeckung nicht vergessen, alle Breitbandkabel vorsichtig wieder sauber in die Halterungen zu stecken und diese zu arretieren! Nun die Abdeckung aufsetzen und durch gleichmäßigen Druck an den Rändern wieder einrasten lassen. Bevor ihr nun mühevoll alle Schrauben wieder einsetzt – zunächst die Erfolgskontrolle: Geht die Kiste an und Windows startet, habt ihr alles richtig gemacht! 🙂

Windows für SSD optimieren

Noch etwas wichtiges zum Schluss. Während Windows 10 die neue SSD automatisch als solche erkennen sollte, ist das bei Windows 7 nicht zwingend der Fall. Unnötig häufige Schreibzugriffe verkürzen die Lebenszeit einer SSD erheblich, deswegen sollten einige Windows-Einstellungen angepasst werden (Stichwort: TRIM).

Öffnet die Kommandozeile (Eingabe „cmd“ im Startmenü, Rechtsklick) als Administrator und führt folgenden Befehl aus

fsutil behavior set DisableDeleteNotify 0

Ihr solltet die Rückmeldung DisableDeleteNotify = 0 erhalten. Öffnet nun zur Kontrolle aus dem Windows Zubehör das Defragmentierungstool und prüft, ob in der Liste der Datenträger die SSD als Solid-State-Disk aufgeführt und die Defragmentieren-Funktion entsprechend deaktiviert ist. Das sollte für’s Erste reichen!

Bei wintotal.de findet ihr noch weitere Infos rund um das Thema Windows und die SSD.

Der Geschwindigkeitsunterschied sollte deutlich zu merken sein! Noch ein bisher nicht erwähnter Vorteil ist übrigens, dass die SSD gegenüber der Festplatte deutlich weniger empfindlich auf Erschütterungen reagiert. Solltet ihr noch Fragen oder Anregungen zu diesem Artikel haben, schreibt doch in die Kommentarspalte unten.

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