Linux-Tagebuch #5 – Welche Distribution nehmen?

In dieser mehrteiligen Beitragsreihe versuche ich mich aus Sicht eines Windows PC-Nutzers dem Linux-Desktop als Betriebssystem zu nähern. Dabei möchte ich dieses als Linux-Anfänger selbst besser kennen lernen und zu verstehen versuchen. Zu Teil 1…

Im ersten Teil meines Tagebuches sprach ich von der „hohe[n] Fragmentierung durch die vielen verschiedenen Distributionen“ als Hürde beim Umstieg auf den Linux-Desktop zu Hause. Unter den Begriff fallen die gängigen Betriebssysteme wie Debian, Ubuntu, Fedora oder Arch Linux. Im Grunde genommen handelt es sich um zurechtgeschnürte und vorkonfigurierte Software-Pakete, welche zusammen mit dem Linux-Kernel veröffentlicht werden (lat. distribuere: ver-, austeilen, zuteilen).

Die Qual der Wahl

Von solchen Distributionen gibt es eine ganze Menge, wenn man sich dazu mal die Grafik auf Wikimedia oder die Liste der aktuell beliebtesten Distributionen auf distrowatch anschaut. In diesem Beitrag sollte es also darum gehen, wie ich mich für eine Distribution entschieden habe. Auf die einzelnen Betriebssysteme werde ich nicht eingehen, da mir da die praktische Erfahrung fehlt und es von solchen Empfehlungen bereits genügend im Netz zu finden gibt.

Die verschiedenen Auflagen von Linux können sich auf den ersten Blick sehr ähnlich sehen, tatsächlich gibt es aber zum Teil erhebliche funktionelle Unterschiede zwischen den einzelnen Distributionen. Deshalb sollte man sich gerade als Anfänger genauestens überlegen, mit „welchem Linux“ man einsteigen will. Ich persönlich stand nun schon mehrfach vor der Entscheidung und bin zu dem Entschluss gekommen, dass bei mir vor allem drei Faktoren bei der Auswahl eine wichtige Rolle spielen:

Auf diese drei Punkte möchte ich im folgenden Beitrag genauer eingehen.

Die Zielgruppe

Manche Linux-Betriebssysteme sind für ein bestimmtes Hardware-Setup oder einen spezifischen Einsatzzweck gedacht, richten sich speziell an Einsteiger oder Fachexperten (z.B. Arch); setzen also weniger oder mehr Fachwissen voraus, müssen weniger oder mehr konfiguriert und gepflegt werden.

Es gibt Distributionen, welche bevorzugt für den täglichen Einsatz am heimischen Desktop PC geeignet sind (z.B. Ubuntu, Linux Mint, Elementary OS, Manjaro). Andere Distributionen werden wiederum gerne als Linux-Server gewählt, z.B. Red Hat Enterprise Linux (RHEL) oder Debian (Ubuntu) Server. Manche Systeme sind auch für eine bestimmte Situation maßgeschneidert, wie z.B. Knoppix (als Linux Live System) oder Tails (Sicherheit, Privatsphäre und Anonymität).

Auch sollte die Entwicklungs-Politik der jeweiligen Distribution betrachtet werden: Manche Distributionen verfügen über sog. rolling releases, werden also laufend weiterentwickelt und aktualisiert, andere Ableger legen mehr Wert auf Stabilität (z.B. Debian), die Nachfolger erscheinen periodisch. Die neueste Version („cutting edge software“) kann sich allerdings im alltäglichen Betrieb als instabiler oder unzuverlässiger erweisen. Hier möchte ich als Beispiel die einzelnen Veröffentlichung von Ubuntu zwischen den LTS-Versionen (long term support) nennen, welche in der Vergangenheit gerne genutzt wurden, um neue Systemkomponente zu testen. Diese Veröffentlichungen haben dann meist einen kürzeren Lebenszyklus, wie folgende Grafik zeigt (Bildquelle: Wikipedia):

Auch ein nicht zur vernachlässigender Faktor sollte die Software-Philosophie sein, die hinter jeder Distribution steckt. Genauer gesagt geht es um die Integration von proprietärer, also nicht quelloffener Software in der Distribution. Das spielt vor allem bei der Auswahl der Geräte-Treiber eine Rolle. Distributionen wie Ubuntu oder Elementary OS stellen die Barrierefreiheit („Accessibility“) an erste Stelle und integrieren dafür z.T. proprietäre Treiber, damit sich das Betriebssystem möglichst einfach und reibungsfrei einrichten lässt. Andere Distributionen lehnen proprietäre („restricted“) Software gänzlich ab (z.B. Fedora). Hier muss man je nach Hardware unter Umständen Umwege oder Funktionseinschränkungen in Kauf nehmen.

Die Benutzeroberfläche

Während man bei Windows den Explorer und das klassische Startmenü hat, teilen sich die Linux-Distributionen eine Auswahl an mehr oder weniger populären Benutzeroberflächen (auch Desktop, GUI oder Fenster-Manager). Bekannte Beispiele dafür sind die Projekte GNOME, KDE, xfce, Cinnamon oder Unity. Diese verfolgen verschiedene „Bedienungkonzepte“ und Unterscheiden sich zum Teil erheblich in punkto Bedienkomfort, Anpassbarkeit, Systemanforderungen und Einsatzzweck. Eine kurze Übersicht findet ihr bei itfoss (engl.). Normalerweise gibt es für eine für die Distribution voreingerichtete Benutzeroberfläche, die darüber hinaus noch speziell für das System angepasst wurde. Meistens lässt sich der Fenster-Manager nach der Installation zwar problemlos ersetzen, als Einsteiger ist es aber definitiv einfacher, sich zu Beginn für eine Benutzeroberfläche zu entscheiden. Manche Distributionen bieten auch „Flavours“ mit verschiedenen Deskops an, wie bei Ubuntu mit Xubuntu, Kubuntu usw.

Beispiel: Der populäre GNOME 3 Desktop setzt eher auf plastische, touch-ähnliche Elemente. Gut bei Sehschwäche! 😉

Der passende Fenster-Manager ist aus eigener Erfahrung eine sehr subjektive Sache. Da macht es schon Sinn, den entsprechenden Desktop z.B. in einem Live-USB System oder in einer virtuellen Maschine zu testen oder sich zumindest ein Showcase-Video dazu auf YouTube anzuschauen.

Die Dokumentation

Auch wenn Linux mit wenigen Mausklicks installiert ist, sollte man – aus eigener Erfahrung – gerade als Anfänger darauf achten, dass man eine Distribution mit gut dokumentierten Hilfestellungen [im Netz] wählt. Gemeint ist damit sowohl die allgemeine Bedienung und Konfiguration des Systems, wie auch spezifischere How-To’s zur Lösung von Problemen, bei der z.T. distributionsspezifische Software oder -Terminalbefehle zum Einsatz kommen. Bei der immensen Auswahl an Distributionen ist es daher meines Erachtens sinnvoll, bei einer der populäreren Distributionen zu bleiben. Dort profitiert man auch von der lebendigen, deutschsprachigen Community wie z.B. auf ubuntuusers. Das macht die Sache wesentlich einfacher, wenn man mal auf ein Problem stößt und Unterstützung benötigt.

Meine Wahl…

Ich habe meinen ersten Kontakt zu Linux über eine Debian-basierte Distribution gemacht und fühle mich vertraut damit. In der Vergangenheit habe ich gerne den MATE-Desktop genutzt, der den „alten“ GNOME 2 Desktop weiter pflegt und ein eher konservatives Aussehen und Bedienkonzept besitzt. Ich habe mit dem noch vergleichsweise jungen elementary OS geliebäugelt, welches auf Ubuntu basiert, aber einen eigenen Desktop und Software im Stile von MacOS mitbringt.

Habt ihr schon einen Favoriten? Speziell für diese Blog-Beitragsserie werde ich mir wohl die LTS-Version von Ubuntu 20.04 auf meinem Rechner installieren. Ich dachte mir, dass ich mit den daraus gewonnenen Erkenntnissen und Tipps eine breitere Leserschaft erreiche, da Ubuntu doch recht bekannt ist. Außerdem lassen sich die Handgriffe auf andere Ubuntu/Debian-basierte Derivate übertragen!

Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Beitrag bei der Entscheidungsfindung weiterhelfen. Hier sind noch ein paar nützliche Links:

  • Die 6 einsteigerfreundlichsten Distributionen auf itsfoss (engl.).
  • Die 10 beliebtesten Linux-Distributionen 2020 auf TecMint (engl.).
  • Übersicht über die Haupt-Distributionen auf distrowatch.
  • Per Fragenbogen zur passenden Distribution finden auf distrochooser.

Welche Linux-Distribution nutzt ihr Privat? Was war maßgebend für eure Entscheidung? Wie erfahren seit ihr im Umgang mit dem Betriebssystem? Schreibt doch einen Kommentar unter diesen Beitrag!

Linux-Tagebuch #4 – Ein Blick hinter die Kulissen

In dieser mehrteiligen Beitragsreihe versuche ich mich aus Sicht eines Windows PC-Nutzers dem Linux-Desktop als Betriebssystem zu nähern. Dabei möchte ich dieses als Linux-Anfänger selbst besser kennen lernen und zu verstehen versuchen. Zu Teil 1…

Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, wie ich wohl mit Linux zurechtkommen werde, wenn es erst einmal installiert ist. Die „alltäglichen Aufgaben“ sind in der Regel ja kein Thema, aber wie schaut es aus, wenn ich über diese Grenzen hinaus als Umsteiger das Betriebssystem austesten und konfigurieren möchte? Wenn man einige Jahre mit Windows gearbeitet hat, lernt man dessen Eigenarten besser kennen und kann ein „Gefühl“ dafür entwickeln, wie sich das Betriebssystem verhält. So ist es mir zumindest ergangen. Es hilft mir ungemein bei der Lösung von Software-Problemen im Alltag…

Wenn ich nun auf ein anderes Betriebssystem bzw. Software-Ökosystem wechseln will, nützt mir diese Intuition und Vorerfahrung unter Umständen nichts, da viele Dinge unter Linux grundsätzlich anders funktionieren als beim altbekannten Windows. Während sich von der Logik her einige Nutzungsstrategien übertragen lassen, funktionieren andere Sachen wiederum nicht so einfach unter Linux oder stellen sogar ein Gefahr für die Stabilität des Betriebssystems dar. Hierbei denke ich vor allem an die Paketverwaltung und das managen administrativer Rechte.

Hilfreiche Dokumentationen und Skripte für Anfänger und Fortgeschrittene in Deutscher und Englischer Sprache

Auch im Hinblick auf die mir bevorstehende Installation von Ubuntu Linux 20.04 LTS erachte ich es als hilfreich, sich zuvor mit der Funktionsweise des neuen Betriebssystems auseinandergesetzt zu haben. Ich wollte mich ins Thema einlesen, habe daher in den letzten Tagen im Netz recherchiert und bin dabei auf verschiedene informative Ressourcen gestoßen: Neben diversen PC-Magazinen [1] [2] und einer großen Auswahl von teilweise kostenlosen E-Books (größtenteils auf Englisch) zum Thema gibt es dutzende Webseiten, welche einem Grundsätzliches zur Betriebssystemumgebung Linux näher bringen.

  • Linux gab es schon lange vor der ersten Veröffentlichung von Ubuntu im Jahre 2004. Auf der Seite netzmafia gibt es ein sehr ausführliches Skript von der Hochschule München zum Thema UNIX/Linux. Es behandelt vieles von der Entstehungsgeschichte hin über die Struktur des Betriebssystems bis zur praktischen Anwendung wie die Shelleingabe oder Prozessverwaltung.
  • Wer etwas mehr über den Aufbau des Betriebssystems oder die Verzeichnisstruktur, insbesondere im Unterschied zu Windows, erfahren möchte, wird bei ernstlx fündig. Dort gibt es auch eine praktische Einführung zur Kommandozeileneingabe, der BASH-Shell.
  • Auf der Webseite des Rheinwerk-Verlags gibt es eine kostenlose Online-Version des eBooks „Linux – das umfassende Handbuch“ von 2012. In mehr als 1200 Seiten scheint sich so alles zu finden, was man als Einsteiger oder Fortgeschrittener über Linux wissen möchte.
  • Im Wiki-Bereich von ubuntuusers gibt es einen sehr übersichtlichen Beitrag für Einsteiger, zu den Grundlagen der Bedienung von Ubuntu Linux sowie den Unterschieden zu Windows.
  • Linux/Unix Tutorial for Beginners: Learn Online in 7 days auf guru99 (Englisch). Fundamentales Wissen und anwendungsbezogene Übungen.
  • Die Seiten der Free Software Foundation (FSFE) für Informationen zu freier Software („OpenSource“), dem GNU-Projekt und der General Public Licence (GPL), unter welcher viele Bestandteile von Linux lizenziert sind.

Ich hoffe, ihr findet die Links lesenswert und freue mich, wenn ich euch damit weiterhelfen konnte. Wenn ihr noch einen Tipp habt, schreibt mir gerne.

Linux-Tagebuch #2 – Ubuntu in einer virtuellen Maschine testen

In dieser mehrteiligen Beitragsreihe versuche ich mich aus Sicht eines Windows PC-Nutzers dem Linux-Desktop als Betriebssystem zu nähern. Dabei möchte ich dieses als Linux-Anfänger selbst besser kennen lernen und zu verstehen versuchen. Zu Teil 1…

Bildquelle Header: pixabay / Pinguin Tux; by Larry Ewing, Simon Budig, Anja Gerwinski

In der Vergangenheit habe ich bereits darüber berichtet, wie man sich verschiedene Windows-Versionen mit der Emulations-Software VirtualBox einrichten kann. Als Betriebssystem im Betriebssystem sozusagen.

Im zweiten Teil meines Linux-Tagebuches möchte ich nun davon berichten, wie ich Ubuntu Linux in einer virtuellen Maschine eingerichtet habe. Das Tolle daran: Wenn ihr Linux noch nie benutzt habt, könnt ihr euch in aller Ruhe mit dem Betriebssystem vertraut machen. Es kann ja nichts kaputt gehen. Wenn ihr noch unsicher seit bezüglich der Wahl der Distribution, der verschiedenen Benutzeroberflächen – oder auch zum Testen der Softwarekompatibilität – bietet sich eine virtuelle Installation ebenfalls an.

Linux-Distributionen besitzen seit Jahren die Möglichkeit, diese am PC als „Live-System“ direkt von CD/USB zu testen, ohne dass Änderungen am PC vorgenommen werden. Aus diesen Gründen habe ich dennoch VirtualBox gewählt: Erstens ist das Verfahren langsamer, zweitens werden nach einem Neustart alle Änderungen verworfen und drittens kann ich bei einer virtuellen Maschine Windows parallel weiter nutzen oder ungewollte Änderungen wieder rückgängig machen.

VirtualBox konfigurieren

Für meinen Zweck habe ich mir das Datenträger-Abbild der zu diesem Zeitpunkt verfügbaren BETA-Version von Ubuntu 20.04 LTS heruntergeladen. Die länger unterstützte LTS-Version von Ubuntu wird mit der bekannten GNOME-Benutzeroberfläche ausgeliefert. Außerdem wird die aktuelle Version der VirtualBox Software benötigt (kostenlos). Wollt ihr einige weitere Funktionen wie die Gastsystem-Unterstützung für USB 3.0 nutzen, müsst ihr zusätzlich über VirtualBox das – ebenfalls auf der Herstellerseite verfügbare – proprietäre¹ Oracle VM VB Extension Pack installieren.

Tipp: Als Hostsystem wird der Rechner bezeichnet, auf dem das virtuelle Gastsystem ausgeführt wird.

Zunächst mit „Neu“ eine neue virtuelle Maschine anlegen, das passende OS auswählen und den empfohlenen Schritten folgen. Diese Einstellungen („Ändern“) habe ich vor dem ersten Start noch angepasst:

SystemHauptplatine: Insofern ihr mehr als 4GB Arbeitsspeicher (RAM) zur Verfügung habt, solltet ihr den Wert erhöhen, dann arbeitet die VM flotter. Ich habe bei 16GB RAM 4GB für das Gastsystem gewählt.
Prozessor: Die Zuteilung eines zweiten CPU-Kerns erhöht die Geschwindigkeit des Gastsystems.
AnzeigeBildschirm: Da ich später noch die VB-Gasterweiterung installieren werde um die Desktop-Effekte zu beschleunigen, erhöhe ich den Grafikspeicher auf den Maximalwert und setze einen Haken bei „3D-Beschleunigung“.
MassenspeicherController: IDE: Hier habe ich das CD-Abbild ubuntu-xxx.iso ausgewählt, damit das Setup direkt gestartet wird.
USBHier habe ich die USB 3.0 Unterstützung aktiviert (erfordert VB Extension Pack, s.o.)
Gemeinsamer OrdnerErleichtert später das Austauschen von Dateien zwischen Host- und Gastsystem enorm. Ist bei mir der zentrale Download-Ordner. „Automatisch Einbinden“ wählen.

¹ Die VirtualBox Software ist OpenSource (GPL), das Extension-Pack ist andersweitig lizenziert (aber dennoch kostenlos).

Installation starten

Tipp: Wenn die VM läuft, können Maus und Tastatur vom Gastsystem „eingefangen“ werden. Durch das Drücken der Host-Taste (normalerweise die rechte Strg-Taste) werden diese wieder befreit.

Sobald die virtuelle Maschine gestartet wurde, sollte die Installation beginnen. Ich habe einfach den Schritten durch das Setup gefolgt, die „virtuelle Festplatte“ nach Vorgabe partitioniert. Diese ist „dynamisch assoziiert“, d.h. obwohl weil sie eine rechnerische Kapazität von 10Gb besitzt, ist sie im Hostsystem nur so groß, wie viel Speicher das Gastsystem tatsächlich benötigt. Ob man die Drittanbieter-Software-Pakete mitinstalliert (siehe Bilder), bleibt eine persönliche Entscheidung. Gefragt wird man deshalb, da dieses Paket im Gegenteil zum Rest des Betriebssystems proprietäre, also nicht quelloffene „freie“ Software enthält. Die einzelnen Installationsschritte in Bildern:

Am Ende der Installation habe ich nach Aufforderung über das VirtualBox Fenster den Installationsdatenträger entfernt und die virtuelle Maschine neu gestartet. Die Installation ist nun abgeschlossen.

Gasterweiterung installieren

Die VirtualBox guest-additions sind ein Treiberset, welche einige Funktionen wie die oben bereits erwähnte 3D-Beschleunigung (z.B. für Desktop-Effekte) oder die gemeinsame Zwischenablage ermöglichen. Insgesamt arbeitet das Gastsystem mit installierten guest-additions deutlich flotter. So klappt die Installation (nach der Anleitung auf tecmint):

Das Terminal mit Strg+Alt+T (oder über das Startmenü) öffnen und nacheinander folgende Befehle ausführen:

sudo apt update

Der Befehl aktualisiert den Paket-Manager APT mit aktuellen Informationen zu den installierten Paketen und Repositories.

sudo apt upgrade

Aktualisiert installierte Pakete mit der neuesten Version.

sudo apt install build-essential dkms linux-headers-$(uname -r)

build-essential enthält Software, welche zum Erzeugen von Paketen benötigt wird [1], DKMS für die Linux-Kernelverwaltung [2] sowie dazugehörigen Meta-Pakete [3] für die aktuelle Version

Nun den Rechner neu starten.

Danach über <Geräte> die Gasterweiterung ins System einbinden und das Programm ausführen.

Über das Terminal erfolgt nun die Installation der guest-additions. Nach Abschluss und Neustart sollten diese auch korrekt eingerichtet sein. Ich habe es allein schon daran gemerkt, dass die Desktop-Effekte des Fenster-Managers GNOME deutlich flüssiger dargestellt wurden. Damit sollte dann auch das Drag & Drop von Dateien zwischen Host- und Gastsystem funktionieren.

Die Anleitung zur Installation der guest-additions in der virtuellen Maschine klappt übrigens bei allen Ubuntu / Debian – basierten Distributionen. 🙂

Damit wären wir schon am Ende des Beitrags. Je nach Geschmack kann die Fentergröße des Gastsystems über die interne Auflösung-Einstellung angepasst oder einfach mit VirtualBox im Vollbildmodus (Strg+F) dargestellt oder automatisch skaliert (Strg+A) werden.

Linux-Tagebuch #1 – Linux auf meinem Desktop-PC

Bildquelle Header: pixabay / Pinguin Tux; by Larry Ewing, Simon Budig, Anja Gerwinski

Am 14. Februar 2020 wurde der Support für Windows 7 eingestellt. [1] Das ist sicher ein Grund, warum sich viele PC-Nutzer wieder mit der Frage der persönlichen Wahl des Betriebssystems auseinandersetzen müssen. Gut, die meisten werden wohl einfach auf Windows 10 aktualisieren, oder eben ein neues Gerät kaufen. Aber vielleicht kann sich der eine oder andere ja auch nicht mit Microsoft’s aktuellem Betriebssystem anfreunden, so geht Windows 10 ja doch neue Wege. [2] Ein weiteres Argument wäre, dass Linux und die dazugehörige Software völlig kostenlos ist und als relativ sicher gilt, so würde man sich eventuell entstehende Upgrade-Kosten sparen. Da relativ zeitgleich mit dem Aus von Windows 7 im April 2020 die nächste LTS-Version¹ von Ubuntu Linux und seinen Derivaten erscheinen [und von den Online-Medien aufgegriffen werden] wird, bietet es sich doch an, noch einmal eine Auge auf die Windows-Alternative zu werfen. Was ist überhaupt Linux?

Inzwischen sind über 10 Jahre vergangen, seit mir mit OpenSuSE 11 (der grüne Gecko) zum ersten Mal eine Linux-Distribution auf dem Rechner gelandet ist. Das alternative Ökosystem zu Microsoft und Apple hat mich fasziniert, aber wegen fehlender Hardwareunterstützung und mangelnder Expertise bin ich irgendwie nie so richtig warm geworden mit dem Betriebssystem. Zuletzt hatte ich 2017 testweise für einige Wochen Ubuntu MATE 16.04 auf meinem Laptop installiert gehabt.

Schon mehrfach bin ich über die (vielleicht auch nicht ganz ernst gemeinte) Ankündigung „das Jahr des Linux-Desktops“ gestolpert [3] [4]. Also das Jahr, in dem Linux auf dem Desktop PC in Sachen Popularität endlich zu seinen ewigen Rivalen Windows und macOS aufschließen soll. Ein kurzer Blick auf die Betriebssystem-Statistik von statcounter lässt davon aber – aktuell – nichts erkennen. [5]

Trotzdem ist Linux auf dem Vormarsch, wenn ich an Android oder Chrome OS denke. Warum also nicht auf dem Desktop? Diese Frage ist deutlich komplizierter zu beantworten, als ich zunächst angenommen hatte – und Gründe scheint es verschiedene zu geben: Unter anderem wird die hohe Fragmentierung durch die vielen verschiedenen Distributionen genannt (kein einheitliches Bild für den Außenstehenden), die Hürde durch notwendige IT Kenntnisse oder einfach die Tatsache, dass Linux nicht bzw. kaum vorinstalliert auf neuen Rechnern ausgeliefert wird.

Wer sich gerne dazu belesen möchte, findet hier einige Meinungen (auf Englisch)

Why is Linux Not More Widely Used Than It Is? | Top 10 Reasons Why Desktop Linux Failed

¹ long term release ist eine Ausgabe mit besonderem Fokus auf Stabilität und einem verlängerten Support- und Updatezeitraum von 5 (anstatt 2) Jahren.

Dann macht der Umstieg auf Linux Sinn

Dabei liegen die Argumente für einen Umstieg auf Linux doch auf der Hand, oder? Wer an der Sache interessiert ist, findet im Internet schnell genügend Inspiration, warum sich ein Wechsel auf Linux lohnen kann. Auf der sehr schön gestalteten Seite von Abhishek’s It’s FOSS (engl.) werden die Hauptargumente genannt. Ich habe diese und noch einige weitere in folgender Tabelle zusammengefasst:

Argumente für den Umstieg auf LinuxHürden und mögliche Gegenargumente
1. Linux ist frei herunterladbar und open source – keine versteckten Kosten.
2. Es gibt unzählige, kostenlose Programme, welche mit dem Betriebssystem mitgeliefert werden oder einfach und schnell nachinstalliert werden können. Populäre Beispiele sind LibreOffice, VLC oder Firefox
3. Linux gilt als viel sicherer wie Windows. Es ist normalerweise kein zusätzlicher Virenschutz erforderlich.
4. Linux startet schnell und soll besonders auf älteren Geräten flott laufen.
5. Linux ist hoch anpassbar. Es gibt kaum etwas, was man nicht verändern kann. Schon bei der Auswahl der Linuxdistribution fängt es an.
6. Datenschutz. Keine Nutzerdaten-Telemetrie, Werbung oder erzwungene Online-Verknüpfung (im vgl. zu Windows 10)
7. Es gibt eine große Vielfalt an Dokumentationen, Hilfestellungen und eine lebendige Community im Internet.
8. Immer bessere Gaming-Unterstützung dank native Releases, Steam für Linux und Proton. [6]
1. Schlechte Unterstützung von manchen Hardware-Konstellationen oder -Funktionen.
2. Bisherige Windows-Software (auch Spiele) läuft nicht auf Linux oder es gibt keinen passenden Ersatz.
3. Bei Problemen sind meist fortgeschrittene IT Kenntnisse notwendig, oft kommt das Terminal zum Einsatz.
4. Ein Großteil der frei im Internet zugänglichen Dokumentationen und Hilfestellungen sind in Englischer Sprache verfasst und richten sich meistens an Menschen, welche versierter im Umgang mit Linux sind.
5. (ergibt sich aus Punkt 1-4) Die Bereitschaft, sich mit seinem Betriebsystem aktiv auseinanderzusetzen, um die Einrichtung und ggf. Probleme selbst lösen zu können.

Mann könnte sich also vorstellen, dass Menschen, welche ihren Computer für alltägliche Dinge wie Surfen, E-Mail, Musik und Videos benutzen, wohl mit einem fertig eingerichteten Linux gut zurechtkommen würden. [7]

Wenn man sich allerdings etwas genauer mit dem Prozess des Umstiegs beschäftigt, wird man früher oder später auf Hürden oder vielleicht auch Probleme stoßen, die man zuerst nicht wahrgenommen hat.

Ein Selbstversuch

Anfang April erscheint Ubuntu 20.04. Ich nutzte die Gelegenheit und setze mich noch einmal mit dem Thema „Linux auf einem Desktop PC (oder Notebook)“ auseinander. Da ich mich selbst höchstens als Linux-Einsteiger einschätzen würde, möchte ich in den kommenden Beiträgen von meinen Erfahrungen vom Umstieg, Einrichtung und Umgang mit Linux auf meinem PC berichten und versuche herauszufinden, was an den oben genannten Pro- und Kontra-Argumenten dran ist. In den nächsten beiden Beiträgen wird es um die Hardwarekompatibilität und Distributionswahl gehen.

Habt ihr schon Erfahrung mit dem Umstieg von Windows auf Linux gemacht? Hinterlasst doch einen Kommentar unter diesem Beitrag!

ClamWin: Open-Source-Virenschutz einrichten

Nicht jeder Virenschutz muss gleich Geld kosten – und neben den großen Namen im Markt gibt es auch weniger bekannte Programme zum Schutz vor Malware: ClamWin ist ein bewährter, kostenloser Open-Source-Virenscanner für Microsoft Windows 8/7/Vista/XP/Me/2000/98, der auf dem ClamAV-Projekt beruht. In der Grundversion bietet der Virenschutz:

  • zeitgeplante Scans
  • automatische Defintionsupdates
  • Explorer- und Tray-Integration
  • Outlook- und Firefox-Plugin sowie POP3-Überprüfung
  • Quarantänefunktion

…und auch die Erkennungsraten können sich sehen lassen.

Download und Installation

ClamWin steht unter der GNU GPL kostenlos zur Verfügung und kann direkt von den Entwicklern bezogen werden: http://www.clamwin.com/content/view/18/46/

Das Setup ist ca. 100 Mb groß, zur Installation muss nur dem Installer gefolgt werden, Angst vor Toolbars muss man nicht haben. Anschließend wird die Virendatenbank aktualisiert, was einige Sekunden in Anspruch nimmt, anschließend ist das Programm verfügbar.clamwin3

Die Programmoberfläche präsentiert sich aufgeräumt und minimalistisch. Neben der Menüleiste mit den Einstellungsmöglichkeiten, Logs und der Hilfe bietet das GUI lediglich eine Funktion zum Update und Scan der Festplatte (oder einzelne Ordner und Dateien) und des Arbeitsspeichers (was braucht man mehr?).

Einstellungen optimieren

In den Einstellungen kann man noch nachhaken:

General: Per Default melden ClamWin nur einen Fund, tut dann aber erst einmal nichts. Ich empfehle, Dateien gleich in den Quarantäneordner verschieben zu lassen.

Internet Updates: Hier überprüfen, ob täglich oder gar stündlich die Virensignaturen aktualisiert werden sollen, je nach Gebrauch reicht es auch beim Systemstart.

Scheduled Scans: Geplante Scans müssen nicht automatisch aktiv sein, können aber als praktische Vorgabe-Scans („Quick-Scan“) genutzt werden. Häufige Pfade, die ihr setzten könnt, sind

  • euren Downloadordner, normalerweise C:\Users\BENUTZER\Downloads
  • Temporäre Dateien C:\Users\BENUTZER\AppData\Local\Temp oder einfach %temp%
  • Das Firefox-Profil und den FF-Internetcache: C:\Users\BENUTZER\AppData\Local\Mozilla\Firefox\Profiles\
  • …und des Internet Explorers C:\Users\BENUTZER\AppData\Local\Microsoft\Windows\Temporary Internet Files
  • das Windows-Verzeichnis C:\Windows

Nachtrag vom 20.06.2015: Inzwischen habe ich in der offiziellen Dokumentation von ClamWin einen Artikel gefunden, der beschreibt, wie man am besten einen „Quickscan“ definiert, d.h. welche Dateien in den Suchvorgang eingeschlossen werden. So kann man die Scanzeit um das bis zu 20-fache verkürzen.

Im Tray erscheint außerdem ein schickes ClamWin-Symbol, mit dem die wichtigsten Funktionen bedient werden und direkt geplante Scans ausgeführt werden können, was sich regelmäßig empfiehlt!

clamwin

Achtung: Kein Echtzeitschutz im Grundpaket

ClamWin hat bisher keinen Echtzeitschutz integriert und bietet sich daher nicht als vollwertiger Ersatz zu anderen Virenscannern an. Abhilfe schafft jedoch das kostenlose Plugin ClamSentinel, welches einen Echtzeitschutz hinzufügt. Nach der Installation bindet sich ClamSentinel nahtlos in den Betrieb ein, lediglich die zu überwachende Festplatte muss gewählt werden. Ein weiteres Symbol ist nun im Tray sichtbar. Fairerweise muss man sagen, dass es noch weitere Echtzeitscan-Plugins für ClamWin gibt, dies ist jedoch das bekannteste – und funktioniert.

Schutz prüfen

Habt ihr die Viren-Definitionen aktualisiert und ClamWin und ClamSentinel richtig konfiguriert, könnt ihr den Virenschutz mit dem EICAR Test Virus auf die Probe stellen (auf eigene Verantwortung!): http://www.eicar.org/86-0-Intended-use.html Das Programm sollte nun sofort beim Download oder spätestens beim Anklicken Meldung erstatten und ihr wisst, das alles funktioniert.

Fazit

ClamWin mit Echtzeitergänzung ist ein gutes Schutzpaket vor Malware, wenn das Programm davor richtig konfiguriert wird. Da es nur über rudimentäre Handlungsmechanismen (Quarantäne oder Löschen) verfügt, ist das Programm deshalb vielleicht auch nur für erfahrenere Nutzer zu empfehlen. Auf jedenfall bietet ClamWin auch ohne Echtzeitschutz eine gute, ressourcenschonende Ergänzung zum Virenscanner eurer Wahl. 🙂

Offline Dateisynchronisation und -Backup mit FreeFileSync

In diesem Beirag möchte ich euch ein nützliches Programm für die Dateisynchronisation vorstellen: FreeFileSync, kurz FFS. Das Programm steht inzwischen in der Version 6.10 zur Verfügung und wird unter der GNU GPL 3.0 kostenfrei veröffentlicht. Es ermöglicht euch eine schnelle, einfache und übersichtliche Dateisynchronisation. Da ich das unbedachte außer-Hand-geben meiner Daten in Clouds oder andere Online-Speicher wie OneDrive oder Dropbox meide, ist es für mich ein hervorragendes Tool bei dem regelmäßigen Backup meiner Daten auf die externe Festplatte.

ffs

Das GUI gestaltet sich sehr übersichtlich und nicht überladen. Klares Highlight für mich ist, dass man verschiedene Ordner gleichzeitig synchronisieren kann. Es ist sowohl das beidseitige aktualisieren, als auch nur der „einseitige“ Datentransfer möglich (und mehr natürlich). Dabei helfen Filter, unnötige Dateien auszulassen, wie zum Beispiel die desktop.ini in den Bilderordnern und die Albencover.jpg im Musikordner. Der Kopiervorgang gestaltet sich übersichtlich, die aktuelle Übertragungsrate wird dargestellt und das Pausieren ist ebenfalls möglich.

Link zum Projekt: http://sourceforge.net/projects/freefilesync/


Die offiziellen Features:

  • Detect moved and renamed files and folders
  • Copy locked files (Volume Shadow Copy Service)
  • Detect conflicts and propagate deletions
  • Binary file comparison
  • Configure handling of Symbolic Links
  • Automate sync as a batch job
  • Process multiple folder pairs
  • Comprehensive and detailed error reporting
  • Copy NTFS extended attributes (compressed, encrypted, sparse)
  • Copy NTFS security permissions
  • Support long file paths with more than 260 characters Fail-safe file copy
  • Cross-platform: Windows, Linux, Mac OS X
  • Expand environment variables like %UserProfile%
  • Access variable drive letters by volume name (USB sticks)
  • Native 64-bit support Keep versions of deleted/updated files
  • Prevent disc space bottlenecks via optimal sync sequence Full Unicode support
  • Highly optimized runtime performance Include/exclude files via filter
  • FreeFileSync portable and local installation available
  • Handle daylight saving time changes on FAT/FAT32
  • Use macros %time%, %date%, et al. for recurring backups
  • Case-sensitive synchronization
  • Built-in locking: serialize multiple jobs running against the same network share