Linux-Tagebuch #8 – Ubuntu: Die Installation Schritt für Schritt

In dieser mehrteiligen Beitragsreihe versuche ich mich aus Sicht eines Windows PC-Nutzers dem Linux-Desktop als Betriebssystem zu nähern. Dabei möchte ich dieses als Linux-Anfänger selbst besser kennen lernen und zu verstehen versuchen. Zu Teil 1…

Bildquelle Header: pixabay / Pinguin Tux; by Larry Ewing, Simon Budig, Anja Gerwinski

In diesem Beitrag erfahrt ihr, wie man Ubuntu Linux Schritt für Schritt auf einem Rechner installiert und anschließend einrichtet.

Heute, im 8. Linux-Tagebucheintrag bin ich soweit, dass ich Ubuntu tatsächlich auf meinem Rechner aufspiele. Zuvor habe ich mir unter anderem Gedanken über die Wahl der Linux-Distribution gemacht. Auch die Möglichkeiten, Ubuntu ohne Installation zu testen, habe ich angesprochen.

Datenträger vorbereiten

Zunächst wird ein Installationsmedium benötigt, damit wir das Setup starten können! Ich habe mir dazu das aktuelle Abbild (2,6 Gb) von Ubuntu 20.04.1 LTS von ubuntu.com heruntergeladen. Als Datenträger eignet sich ein herkömmlicher USB-Stick, aber eine DVD geht auch. Das Abbild (ISO) kann nicht „einfach so“ auf den Datenträger kopiert, sondern muss so eingerichtet werden, dass der Rechner beim Start von Diesem booten kann. Dazu habe ich das kostenlose Tool LinuxLive USB Creator benutzt, andere Programme können das aber auch. Das Erstellen den Setup-Sticks dauert einige Minuten. Am schnellsten geht es, wenn ihr einen USB 3.0 kompatiblen Datenträger am passenden Anschluss benutzt. Der Stick muss zunächst im FAT32 Dateisystem formatiert werden. Manchmal spuckt das Programm dabei eine Fehlermeldung aus, da der USB-Stick schon durch Windows in Benutzung sei. Der Fehler kann umgangen werden, indem ihr den USB-Stick davor selbst formatiert.

Datensicherung anlegen

Habt ihr auf dem Rechner, wo Ubuntu Linux installiert werden soll noch Microsoft Windows 10 oder ein anderes Betriebssystem installiert, solltet ihr unbedingt vorher eine Datensicherung machen. Auch dann, wenn ihr Linux neben Windows installieren wollt. Bei der Partitionierung kann immer mal etwas schief gehen, das Wiederherstellen der persönlichen Daten ist dann schwierig oder gar unmöglich! Dazu nehmt ihr einen externen Datenträger. Ich habe einen USB 3.0 Standadapter für 2.5-3″ SATA-Festplatten, wo ich mit dem Programm FreeFileSync regelmäßig Sicherungen mache. Ein einfacher USB-Stick tut es aber auch.

Wie ihr ein umfassendes Backup eurer Benutzerdaten samt Lizenzschlüssel usw. unter Windows macht, habe ich in diesem Beitrag beschrieben.

Setup starten

Um die Installation von Ubuntu zu starten, müsst ihr euren Rechner jetzt vom Installationsmedium booten lassen. Was zunächst recht simpel klingt, ist in der Realität bei aktuellen Notebooks und PCs oft etwas umständlicher.

Also, USB-Stick einstecken, Computer vollständig neustarten. Wenn anschließend das Setup von Ubuntu startet, könnt ihr den Rest dieses Abschnittes überspringen!

Wenn euer Gerät neuer als 2013 ist [Windows 8 vorinstalliert war] und/oder ein Notebook ist, wird euer System wahrscheinlich durch Secure Boot geschützt sein. Secure Boot ist eine Funktion, welche mit der zeitgemäßen UEFI Firmware eingeführt wurde und verhindern soll, dass Malware sich schon vor dem eigentlichen Windows-Start [die Infos, welche vor dem Windows Logo auf dem Bildschirm erscheinen] ins System einnistet [3]. Die technischen Details sind eigentlich nicht so wichtig, die Tatsache spielt aber hier eine Rolle, da sich dann unter Umständen die Installation vom USB-Stick (oder DVD) nicht starten lässt. Der Rechner schaut dann sozusagen direkt auf die Festplatte und ignoriert andere Optionen. Gewusst wie, lässt sich das Problem zum Glück einfach umgehen:

Direkt nach dem Einschalten eures Gerätes werden für einen kurzen Augenblick Details des Herstellers oder zum System angezeigt. Wenn ihr genau hinschaut, werdet ihr irgendwo einen Hinweis „Press xxx zu enter SETUP…“ erkennen können. Sollte dies nicht der Fall sein, probiert es einfach mit den Tasten F2, F11 oder Entf, drückt die Taste zügig bevor das Windows-Logo erscheint, bis ihr im UEFI oder BIOS Setup eures Gerätes angelangt seid.

Eine genaue Beschreibung wird hier schwierig, da sich die Oberfläche von Hersteller zu Hersteller unterscheidet! Manchmal lässt sich jetzt direkt wählen, von wo gebootet werden soll (der USB-Stick!). Diese Option habe ich genutzt. Ansonsten: Findet und deaktiviert (disabled) die Option „Secure Boot“ bzw. „Sicherer Systemstart“. Anschließend sucht ihr den Menüpunkt „Boot Option“ bzw. „Startreihenfolge“, stellt dort sicher, dass in der Liste [UEFI] USB* über dem Windows-Datenträger [UEFI] *Name des Festplattenherstellers* HHD/SSD steht. Über das Menü oder mit F10 die Änderungen speichern und den Rechner neustarten. Sollte es aus irgendeinem Grund danach zu Problemen kommen, könnt ihr über selbiges Menü mit „load default settings“ die vorherigen Einstellungen wiederherstellen.

Die ersten Schritte

Habt ihr es ins Setup geschafft, wählt ihr zunächst die Sprache und das Tastaturlayout. Ihr könnt dann wählen, ob ihr Ubuntu mit den standardmäßig mitgelieferten Softwarepaketen (wie LibreOffice, Rythmbox und Shotwell) oder als Minimalinstallation nur mit Webbrowser installieren wollt.

Bei vorhandener Internetverbindung (WLAN kann oben rechts über das Wifi-Symbol verbunden werden) können ein Teil der bisher erschienenen Systemaktualisierungen bereits während der Installation heruntergeladen werden, das spart Zeit.

Wählt am besten auch die zusätzliche Software von Drittanbietern zur Installation aus. Sie enthält teilweise nicht quelloffene (restricted) Software, die für manche Hardwarekomponenten benötigt wird, damit diese richtig funktionieren. Typischerweise sind Ethernet-Chips betroffen. Ubuntu lässt euch hier die Wahl, damit ihr entscheiden könnt ob ihr euer System rein mit Open Source Software ausstatten wollt (diese Frage hängt auch mit der Softwarephilosophie der gewählten Linux-Distribution zusammen, siehe hier). Wenn ihr allerdings (und das trifft auch in meinem Fall zu) noch nicht so viel Ahnung habt von Linux und auch nicht sicher seit, wie eure Hardware mit Ubuntu laufen wird, installiert das Paket lieber mit. Es kann später immer noch entfernt werden, wird es nicht benötigt.

Partitionierungsoptionen

Nun müsst ihr euch Gedanken machen, wie ihr Ubuntu auf eurem Rechner haben wollt.

Soll Ubuntu das einzige Betriebssystem sein, klick ihr einfach auf „Festplatte löschen“ und fahrt mit der Installation fort. Das Setup erledigt dann das Anlegen der Partitionen und das Formatieren für euch. Möchtet ihr die Partitionierung eures Datenträgers selbst in die Hand nehmen, wählt ihr „Etwas anderes“. Welche Vorteile die manuelle Partitionierung mit sich bringt und wie das geht, habe ich hier beschrieben!

Es ist allerdings auch möglich Ubuntu Linux neben einer bestehenden (Windows) Installation einzurichten. Bei dieser „Dual Boot“ Methode kann dann beim Einschalten des Rechners gewählt werden, welche Betriebssystem gestartet werden soll. Wenn ihr euch noch nicht ganz sicher seit, ob ihr auf Dauer mit Linux zurechtkommen werdet, oder ihr Windows einfach noch für bestimmte Programme oder Spiele braucht, ist das vielleicht die richtige Wahl für euch. Auch hier bietet das Setup die Möglichkeit den Schritt automatisch zur erledigen, oder ihr nehmt die Sache lieber selbst in die Hand. Dabei gibt es allerdings einige Dinge zu beachten. So geht die Dual-Boot Partitionierung!

Ich habe in meinem Rechner die gängige Konstellation einer System-SSD sowie einer großen Daten-Festplatte. Bei der manuellen Partitionierung (siehe Link oben!) ist es auch möglich, die Linux-Partitionen auf beide Datenträger zu verteilen. Dadurch profitiert ihr, wie auch unter Windows, vom Geschwindigkeitsvorteil der SSD, ohne diese unnötig stark zu belasten. Ich habe auf der SSD die Windows-Partition zunächst verkleinert, dort dann die /boot (optional) und Wurzelpartition (/) angelegt. Bei der Festplatte habe ich ebenfalls die vorhandene Daten-Partition verkleinert und mir dann dort die Partitionen für Benutzerdaten /home) und Auslagerung (/swap) angelegt.

Abschluss der Installation

Habt ihr euch für eine Installationsart entschieden und die Partitionierung bestätigt, startet der Kopiervorgang. Währenddessen könnt ihr die Einrichtung des Betriebssystems abschließen. Entscheidet euch für einen Benutzernamen und überlegt, ob ihr bei jedem Systemstart das Passwort eintippen wollt, oder ob das automatisch geschehen soll (Wenn der Rechner sowieso nur Zuhause steht!?).

Das Kopieren der Systemdateien dauert je nach Rechnerleistung und Installationsmethode ca. 5-20 Minuten. Nach Abschluss der Installation entfernt ihr den Setup-Datenträger vom PC und startet den Rechner neu.

Der erste Start

Falls ihr euch für die Dual-Boot Option entschieden habt, solltet ihr nun den Auswahlbildschirm des GRUB Bootloaders (s. Bild) sehen. Ansonsten landet ihr direkt bei der Benutzeranmeldung bzw. auf dem Desktop und könnt dort erste Einstellungen zur Privatsphäre vornehmen. Das wäre geschafft!

Bei meinem Rechner dauerte das Kopieren der Installationsdaten über USB keine drei Minuten. Windows 10 wird im GRUB-Menü als „Windows Boot Loader“ gelistet. Bei mir hat alles wie beschrieben funktioniert, beide Betriebssysteme lassen sich fehlerfrei starten.

Im nächsten Beitrag werde ich mich mit den ersten Schritten nach der Neuinstallation von Ubuntu sowie der Systemkonfiguration beschäftigen.

Weiterführende Links

Offizielle Ubuntu Installationsanleitung von Canonical (EN)

Ausführliche Installationsanleitung im ubuntuusers Wiki (DE)

How to Install Ubuntu Linux in the Simplest Possible Way – ITSFOSS (EN)

Linux-Tagebuch #5 – Welche Distribution nehmen?

In dieser mehrteiligen Beitragsreihe versuche ich mich aus Sicht eines Windows PC-Nutzers dem Linux-Desktop als Betriebssystem zu nähern. Dabei möchte ich dieses als Linux-Anfänger selbst besser kennen lernen und zu verstehen versuchen. Zu Teil 1…

Im ersten Teil meines Tagebuches sprach ich von der „hohe[n] Fragmentierung durch die vielen verschiedenen Distributionen“ als Hürde beim Umstieg auf den Linux-Desktop zu Hause. Unter den Begriff fallen die gängigen Betriebssysteme wie Debian, Ubuntu, Fedora oder Arch Linux. Im Grunde genommen handelt es sich um zurechtgeschnürte und vorkonfigurierte Software-Pakete, welche zusammen mit dem Linux-Kernel veröffentlicht werden (lat. distribuere: ver-, austeilen, zuteilen).

Die Qual der Wahl

Von solchen Distributionen gibt es eine ganze Menge, wenn man sich dazu mal die Grafik auf Wikimedia oder die Liste der aktuell beliebtesten Distributionen auf distrowatch anschaut. In diesem Beitrag sollte es also darum gehen, wie ich mich für eine Distribution entschieden habe. Auf die einzelnen Betriebssysteme werde ich nicht eingehen, da mir da die praktische Erfahrung fehlt und es von solchen Empfehlungen bereits genügend im Netz zu finden gibt.

Die verschiedenen Auflagen von Linux können sich auf den ersten Blick sehr ähnlich sehen, tatsächlich gibt es aber zum Teil erhebliche funktionelle Unterschiede zwischen den einzelnen Distributionen. Deshalb sollte man sich gerade als Anfänger genauestens überlegen, mit „welchem Linux“ man einsteigen will. Ich persönlich stand nun schon mehrfach vor der Entscheidung und bin zu dem Entschluss gekommen, dass bei mir vor allem drei Faktoren bei der Auswahl eine wichtige Rolle spielen:

Auf diese drei Punkte möchte ich im folgenden Beitrag genauer eingehen.

Die Zielgruppe

Manche Linux-Betriebssysteme sind für ein bestimmtes Hardware-Setup oder einen spezifischen Einsatzzweck gedacht, richten sich speziell an Einsteiger oder Fachexperten (z.B. Arch); setzen also weniger oder mehr Fachwissen voraus, müssen weniger oder mehr konfiguriert und gepflegt werden.

Es gibt Distributionen, welche bevorzugt für den täglichen Einsatz am heimischen Desktop PC geeignet sind (z.B. Ubuntu, Linux Mint, Elementary OS, Manjaro). Andere Distributionen werden wiederum gerne als Linux-Server gewählt, z.B. Red Hat Enterprise Linux (RHEL) oder Debian (Ubuntu) Server. Manche Systeme sind auch für eine bestimmte Situation maßgeschneidert, wie z.B. Knoppix (als Linux Live System) oder Tails (Sicherheit, Privatsphäre und Anonymität).

Auch sollte die Entwicklungs-Politik der jeweiligen Distribution betrachtet werden: Manche Distributionen verfügen über sog. rolling releases, werden also laufend weiterentwickelt und aktualisiert, andere Ableger legen mehr Wert auf Stabilität (z.B. Debian), die Nachfolger erscheinen periodisch. Die neueste Version („cutting edge software“) kann sich allerdings im alltäglichen Betrieb als instabiler oder unzuverlässiger erweisen. Hier möchte ich als Beispiel die einzelnen Veröffentlichung von Ubuntu zwischen den LTS-Versionen (long term support) nennen, welche in der Vergangenheit gerne genutzt wurden, um neue Systemkomponente zu testen. Diese Veröffentlichungen haben dann meist einen kürzeren Lebenszyklus, wie folgende Grafik zeigt (Bildquelle: Wikipedia):

Auch ein nicht zur vernachlässigender Faktor sollte die Software-Philosophie sein, die hinter jeder Distribution steckt. Genauer gesagt geht es um die Integration von proprietärer, also nicht quelloffener Software in der Distribution. Das spielt vor allem bei der Auswahl der Geräte-Treiber eine Rolle. Distributionen wie Ubuntu oder Elementary OS stellen die Barrierefreiheit („Accessibility“) an erste Stelle und integrieren dafür z.T. proprietäre Treiber, damit sich das Betriebssystem möglichst einfach und reibungsfrei einrichten lässt. Andere Distributionen lehnen proprietäre („restricted“) Software gänzlich ab (z.B. Fedora). Hier muss man je nach Hardware unter Umständen Umwege oder Funktionseinschränkungen in Kauf nehmen.

Die Benutzeroberfläche

Während man bei Windows den Explorer und das klassische Startmenü hat, teilen sich die Linux-Distributionen eine Auswahl an mehr oder weniger populären Benutzeroberflächen (auch Desktop, GUI oder Fenster-Manager). Bekannte Beispiele dafür sind die Projekte GNOME, KDE, xfce, Cinnamon oder Unity. Diese verfolgen verschiedene „Bedienungkonzepte“ und Unterscheiden sich zum Teil erheblich in punkto Bedienkomfort, Anpassbarkeit, Systemanforderungen und Einsatzzweck. Eine kurze Übersicht findet ihr bei itfoss (engl.). Normalerweise gibt es für eine für die Distribution voreingerichtete Benutzeroberfläche, die darüber hinaus noch speziell für das System angepasst wurde. Meistens lässt sich der Fenster-Manager nach der Installation zwar problemlos ersetzen, als Einsteiger ist es aber definitiv einfacher, sich zu Beginn für eine Benutzeroberfläche zu entscheiden. Manche Distributionen bieten auch „Flavours“ mit verschiedenen Deskops an, wie bei Ubuntu mit Xubuntu, Kubuntu usw.

Beispiel: Der populäre GNOME 3 Desktop setzt eher auf plastische, touch-ähnliche Elemente. Gut bei Sehschwäche! 😉

Der passende Fenster-Manager ist aus eigener Erfahrung eine sehr subjektive Sache. Da macht es schon Sinn, den entsprechenden Desktop z.B. in einem Live-USB System oder in einer virtuellen Maschine zu testen oder sich zumindest ein Showcase-Video dazu auf YouTube anzuschauen.

Die Dokumentation

Auch wenn Linux mit wenigen Mausklicks installiert ist, sollte man – aus eigener Erfahrung – gerade als Anfänger darauf achten, dass man eine Distribution mit gut dokumentierten Hilfestellungen [im Netz] wählt. Gemeint ist damit sowohl die allgemeine Bedienung und Konfiguration des Systems, wie auch spezifischere How-To’s zur Lösung von Problemen, bei der z.T. distributionsspezifische Software oder -Terminalbefehle zum Einsatz kommen. Bei der immensen Auswahl an Distributionen ist es daher meines Erachtens sinnvoll, bei einer der populäreren Distributionen zu bleiben. Dort profitiert man auch von der lebendigen, deutschsprachigen Community wie z.B. auf ubuntuusers. Das macht die Sache wesentlich einfacher, wenn man mal auf ein Problem stößt und Unterstützung benötigt.

Meine Wahl…

Ich habe meinen ersten Kontakt zu Linux über eine Debian-basierte Distribution gemacht und fühle mich vertraut damit. In der Vergangenheit habe ich gerne den MATE-Desktop genutzt, der den „alten“ GNOME 2 Desktop weiter pflegt und ein eher konservatives Aussehen und Bedienkonzept besitzt. Ich habe mit dem noch vergleichsweise jungen elementary OS geliebäugelt, welches auf Ubuntu basiert, aber einen eigenen Desktop und Software im Stile von MacOS mitbringt.

Habt ihr schon einen Favoriten? Speziell für diese Blog-Beitragsserie werde ich mir wohl die LTS-Version von Ubuntu 20.04 auf meinem Rechner installieren. Ich dachte mir, dass ich mit den daraus gewonnenen Erkenntnissen und Tipps eine breitere Leserschaft erreiche, da Ubuntu doch recht bekannt ist. Außerdem lassen sich die Handgriffe auf andere Ubuntu/Debian-basierte Derivate übertragen!

Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Beitrag bei der Entscheidungsfindung weiterhelfen. Hier sind noch ein paar nützliche Links:

  • Die 6 einsteigerfreundlichsten Distributionen auf itsfoss (engl.).
  • Die 10 beliebtesten Linux-Distributionen 2020 auf TecMint (engl.).
  • Übersicht über die Haupt-Distributionen auf distrowatch.
  • Per Fragenbogen zur passenden Distribution finden auf distrochooser.

Welche Linux-Distribution nutzt ihr Privat? Was war maßgebend für eure Entscheidung? Wie erfahren seit ihr im Umgang mit dem Betriebssystem? Schreibt doch einen Kommentar unter diesen Beitrag!

Linux-Tagebuch #1 – Linux auf meinem Desktop-PC

Bildquelle Header: pixabay / Pinguin Tux; by Larry Ewing, Simon Budig, Anja Gerwinski

Am 14. Februar 2020 wurde der Support für Windows 7 eingestellt. [1] Das ist sicher ein Grund, warum sich viele PC-Nutzer wieder mit der Frage der persönlichen Wahl des Betriebssystems auseinandersetzen müssen. Gut, die meisten werden wohl einfach auf Windows 10 aktualisieren, oder eben ein neues Gerät kaufen. Aber vielleicht kann sich der eine oder andere ja auch nicht mit Microsoft’s aktuellem Betriebssystem anfreunden, so geht Windows 10 ja doch neue Wege. [2] Ein weiteres Argument wäre, dass Linux und die dazugehörige Software völlig kostenlos ist und als relativ sicher gilt, so würde man sich eventuell entstehende Upgrade-Kosten sparen. Da relativ zeitgleich mit dem Aus von Windows 7 im April 2020 die nächste LTS-Version¹ von Ubuntu Linux und seinen Derivaten erscheinen [und von den Online-Medien aufgegriffen werden] wird, bietet es sich doch an, noch einmal eine Auge auf die Windows-Alternative zu werfen. Was ist überhaupt Linux?

Inzwischen sind über 10 Jahre vergangen, seit mir mit OpenSuSE 11 (der grüne Gecko) zum ersten Mal eine Linux-Distribution auf dem Rechner gelandet ist. Das alternative Ökosystem zu Microsoft und Apple hat mich fasziniert, aber wegen fehlender Hardwareunterstützung und mangelnder Expertise bin ich irgendwie nie so richtig warm geworden mit dem Betriebssystem. Zuletzt hatte ich 2017 testweise für einige Wochen Ubuntu MATE 16.04 auf meinem Laptop installiert gehabt.

Schon mehrfach bin ich über die (vielleicht auch nicht ganz ernst gemeinte) Ankündigung „das Jahr des Linux-Desktops“ gestolpert [3] [4]. Also das Jahr, in dem Linux auf dem Desktop PC in Sachen Popularität endlich zu seinen ewigen Rivalen Windows und macOS aufschließen soll. Ein kurzer Blick auf die Betriebssystem-Statistik von statcounter lässt davon aber – aktuell – nichts erkennen. [5]

Trotzdem ist Linux auf dem Vormarsch, wenn ich an Android oder Chrome OS denke. Warum also nicht auf dem Desktop? Diese Frage ist deutlich komplizierter zu beantworten, als ich zunächst angenommen hatte – und Gründe scheint es verschiedene zu geben: Unter anderem wird die hohe Fragmentierung durch die vielen verschiedenen Distributionen genannt (kein einheitliches Bild für den Außenstehenden), die Hürde durch notwendige IT Kenntnisse oder einfach die Tatsache, dass Linux nicht bzw. kaum vorinstalliert auf neuen Rechnern ausgeliefert wird.

Wer sich gerne dazu belesen möchte, findet hier einige Meinungen (auf Englisch)

Why is Linux Not More Widely Used Than It Is? | Top 10 Reasons Why Desktop Linux Failed

¹ long term release ist eine Ausgabe mit besonderem Fokus auf Stabilität und einem verlängerten Support- und Updatezeitraum von 5 (anstatt 2) Jahren.

Dann macht der Umstieg auf Linux Sinn

Dabei liegen die Argumente für einen Umstieg auf Linux doch auf der Hand, oder? Wer an der Sache interessiert ist, findet im Internet schnell genügend Inspiration, warum sich ein Wechsel auf Linux lohnen kann. Auf der sehr schön gestalteten Seite von Abhishek’s It’s FOSS (engl.) werden die Hauptargumente genannt. Ich habe diese und noch einige weitere in folgender Tabelle zusammengefasst:

Argumente für den Umstieg auf LinuxHürden und mögliche Gegenargumente
1. Linux ist frei herunterladbar und open source – keine versteckten Kosten.
2. Es gibt unzählige, kostenlose Programme, welche mit dem Betriebssystem mitgeliefert werden oder einfach und schnell nachinstalliert werden können. Populäre Beispiele sind LibreOffice, VLC oder Firefox
3. Linux gilt als viel sicherer wie Windows. Es ist normalerweise kein zusätzlicher Virenschutz erforderlich.
4. Linux startet schnell und soll besonders auf älteren Geräten flott laufen.
5. Linux ist hoch anpassbar. Es gibt kaum etwas, was man nicht verändern kann. Schon bei der Auswahl der Linuxdistribution fängt es an.
6. Datenschutz. Keine Nutzerdaten-Telemetrie, Werbung oder erzwungene Online-Verknüpfung (im vgl. zu Windows 10)
7. Es gibt eine große Vielfalt an Dokumentationen, Hilfestellungen und eine lebendige Community im Internet.
8. Immer bessere Gaming-Unterstützung dank native Releases, Steam für Linux und Proton. [6]
1. Schlechte Unterstützung von manchen Hardware-Konstellationen oder -Funktionen.
2. Bisherige Windows-Software (auch Spiele) läuft nicht auf Linux oder es gibt keinen passenden Ersatz.
3. Bei Problemen sind meist fortgeschrittene IT Kenntnisse notwendig, oft kommt das Terminal zum Einsatz.
4. Ein Großteil der frei im Internet zugänglichen Dokumentationen und Hilfestellungen sind in Englischer Sprache verfasst und richten sich meistens an Menschen, welche versierter im Umgang mit Linux sind.
5. (ergibt sich aus Punkt 1-4) Die Bereitschaft, sich mit seinem Betriebsystem aktiv auseinanderzusetzen, um die Einrichtung und ggf. Probleme selbst lösen zu können.

Mann könnte sich also vorstellen, dass Menschen, welche ihren Computer für alltägliche Dinge wie Surfen, E-Mail, Musik und Videos benutzen, wohl mit einem fertig eingerichteten Linux gut zurechtkommen würden. [7]

Wenn man sich allerdings etwas genauer mit dem Prozess des Umstiegs beschäftigt, wird man früher oder später auf Hürden oder vielleicht auch Probleme stoßen, die man zuerst nicht wahrgenommen hat.

Ein Selbstversuch

Anfang April erscheint Ubuntu 20.04. Ich nutzte die Gelegenheit und setze mich noch einmal mit dem Thema „Linux auf einem Desktop PC (oder Notebook)“ auseinander. Da ich mich selbst höchstens als Linux-Einsteiger einschätzen würde, möchte ich in den kommenden Beiträgen von meinen Erfahrungen vom Umstieg, Einrichtung und Umgang mit Linux auf meinem PC berichten und versuche herauszufinden, was an den oben genannten Pro- und Kontra-Argumenten dran ist. In den nächsten beiden Beiträgen wird es um die Hardwarekompatibilität und Distributionswahl gehen.

Habt ihr schon Erfahrung mit dem Umstieg von Windows auf Linux gemacht? Hinterlasst doch einen Kommentar unter diesem Beitrag!