Windows 98 in VirtualBox einrichten

21.03.18 – Ich habe den Beitrag überarbeitet und um einige Zeilen ergänzt. Die Anleitung funktioniert nach wie vor.

windows_98_bootscreen

„In letzter Zeit habe ich mich damit beschäftigt, wie man Windows 98 in VirtualBox richtig installiert und ausführt. In meinem Fall, um ein paar alte Spiele wieder anzuspielen (SimCopter) 🙂 Im Folgenden möchte ich euch eine kurze Schritt-für-Schritt-Anleitung präsentieren, da es doch nicht so einfach war, wie gedacht. Mein How-To basiert auf der sehr ausführlichen Anleitung des Nutzers Kurt_Aust aus dem virtualbox.org-Forum von Januar 2014.“

Zur Installation benötigt ihr…

  • die aktuelle Version von VirtualBox, am besten mit der Gasterweiterung (Oracle VM VirtualBox Extension Pack) für USB 2.0 Support (gibt’s auf der selben Webseite)
  • Eine Windows 98 Setup CD (am besten als ISO- oder-IMG Abbild, macht alles einfacher). Google!
  • Ein Abbild (Image) der Windows 98 Startdiskette, gibt’s auf allbootdisks.com (unter Diskette Images – normal/Second Edition) oder von meinem FTP-Server (Mirror).

Virtuelle Maschine einrichten

Zuerst richtet ihr euch eine neue virtuelle Maschine mit dem Windows 98 Profil und den empfohlenen Einstellungen ein. Beim Erstellen des virtuellen Datenträgers wählt eine fixe Größe, 8GB reichen. Anschließend übernehmt ihr folgende Änderungen in der VM-Konfiguration (Zahnradsymbol). Das Ganze ist etwas mühselig, aber notwendig, damit Windows richtig funktioniert:

Allgemein
Basic Name: Win 98se
Type: Microsoft Windows
Version: Windows 98

Geteilte Ablage: Deaktiviert
Drag'n'Drop: Deaktiviert


System
Hauptspeicher: 512MB
Boot-Reihenfolge: Zuerst CD/DVD, danach Festplatte
Chipsatz: PIIX3
Zeigergerät: USB-Tablet
Erweitert: nur I/O APIC aktivieren

Prozessoren: 1 CPU
CPU-Begrenzung: 100%
Erweitert: PAE/NX aktivieren

Beschleunigung: Paravirtualisierung: Legacy
Hardware-Virtualisierung: VT-x/AMD-V und Nested Paging aktiviert


Anzeige
Grafikspeicher: 64MB
Anzahl Bildschirme: 1
Beschleunigung: 2D & 3D Beschleunigung aktiviert
Fernsteuerung und Videoaufzeichnung deaktiviert


Massenspeicher
Controller: Floppy (Diskette): I82078 - Host I/O-Cache verwenden
Attribute: Diskettenlaufwerk 0 (hier wird dann die Bootdiskette eingebunden!)

Controller: IDE: PIIX4 - Host I/O-Cache verwenden
NameDerVirtuellenFestplatte.vmdk - Primärer Master (mindestens 8GB feste Größe)
CD/DVD Laufwerk: IDE Sekundärer Master (hier wird dann die Setup-CD eingebunden!)
2. CD/DVD Laufwerk: Sekundäre Slave (nur falls ihr ein zweites CD-Laufwerk simulieren wollt)


Audio
Audio aktivieren 
Audo-Treiber des Hosts: Windows DirectSound (oder Linux-Äquivalent)
Audio-Controller: SoundBlaster 16


Netzwerk
Adapter 1: Aktiviert
Angeschlossen an: Netzwerkbrücke
Name: {eure Netzwerkkarte}

> Erweitert
Adaptertyp: PCnet-PCI II (Am79C970A)
Promiscuous-Modus: verweigern (deny)
MAC Addresse: {zufällig}
Kabel verbunden

Adapter 2-4 deaktiviert

Serielle Schnittstellen
deaktiviert

USB
USB Controller: USB-2.0 (EHCI) aktiviert

Gemeinsamer Ordner
deaktiviert (würde VM Guest Additions benötigen)

####

Außerdem bindet ihr im Massenspeicher-Menü das Abbild der Windows 98 Setup-CD und der Startdiskette ein. Wichtig ist, dass das System erst von der Startdiskette bootet (Primary), und danach von der CD (Secondary), da wir von dort das Setup starten müssen.

Der Installationsvorgang

wichtigachtung In den alten Windows-Versionen wird keine Tastatur- und Mauszeigerintegration unterstützt. Um die Maus/Tastatur einzufangen, klickt in das VM-Fenster. Um sie wieder freizugeben, drückt die STRG-Taste.

Startet ihr nun die die virtuelle Maschine, bootet diese von der Diskette und ihr landet in folgendem Fenster:

vbox_win98_01

Die ersten Schritte müssen noch getippt werden. Als nächstes gilt es, die noch unbenutzte virtuelle Festplatte zu partitionieren und zu formatieren, damit die Installation gestartet werden kann. Dazu benutzt ihr den Befehl

fdisk

und folgt den Anweisungen (wenn ihr alles einfach bestätigt, wird eine einzige große Partition erstellt). Nun muss die neue Partition noch formatiert werden. Dazu gebt ihr

format c:

ein. Wie ihr nun sicher merkt, ist das amerikanische Tastaturlayout noch eingestellt, den Doppelpunkt findet ihr unter Ö. Ist der Prozess abgeschlossen, könnt ihr nun die Installation per Befehl

setup

starten und die grafische Installation beginnt:

vbox_win98_02

Nun müsst ihr nur noch den Anweisungen des Setups folgen, bis die Installation abgeschlossen ist. Etwaige Fehlermeldungen einfach „ignorieren“. Wenn ihr zum Neustart aufgefordert werdet, entfernt zunächst die Diskette (oben im Drop-Downmenü Geräte/Diskette/Auswerfen), damit Windows auch von der Festplatte bootet. Anschließend wird die Installation abgeschlossen und ihr landet auf dem Desktop.

wichtigachtung Solltet ihr Probleme mit der Maus haben, ändert in der Konfiguration die Maus auf „PS/2-Maus“. Hilft das auch nicht, führt den Befehl im Originalpost aus (Punkt 5).

wichtigachtung windows protection error. you need to restart your computer – Bekommt ihr immer wieder diese Fehlermeldung beim Startvorgang von Windows 98, müsst ihr zunächst in dem VM Einstellungen unter System/Beschleunigung VT-x/AMD-V (und Nested Paging) deaktivieren.

Windows 98 einrichten

Zum Zugriff auf das Internet wählt ihr den Einrichtungsassistent unter Start – Zubehör – Internet-Programme – Assistent für den Internetzugang. Dort wählt ihr dann „Zugang über LAN“. Nun sollte das Internet funktionieren. Aus Sicherheitsgründen empfiehlt es sich jedoch, das erst gar nicht zu machen oder zumindest die Sicherheitsstufen im Internet Explorer (unter Einstellungen) auf maximal zu stellen.

vbox_win98_04

Leider funktionieren die Guest Additions von VirtualBox nicht unter Windows 98, weshalb die Geschwindigkeit und Auflösung der Grafikanzeige zunächst schlecht ist: Es stehen lediglich 640×480 Pixel mit 256 Farben zur Verfügung, weshalb viele Anwendungen und Spiele nicht starten wollen. Abhilfe schafft ein Drittanbieter-Treiber: Der SciTech Display Doctor 7.

Diesen könnt ihr kostenlos von pctipp.ch oder meinem FTP-Server laden (Mirror).

Das ist eine alte Shareware (Demo). Mit diesen Zugangsdaten könnt ihr den Treiber uneingeschränkt nutzen (Quelle):

Name: CSCKnight
Serial: 0B5E-12B4-A8A4-0B

Mit diesem Programm lässt sich eine akzeptable Auflösung und Geschwindigkeit in Windows 95/98 Hostsystemen erreichen. Dazu muss der Treiber innerhalb des Gast-Betriebssystems (also Windows 98) installiert werden. Am einfachsten ist es, mit einem kostenlosen Brenn- oder Zip-Programm wie CDBurnerXP oder IMGBurn ein virtuelles ISO-Datenträgerabbild mit dem Setup zu erstellen und dieses direkt in die VM einzubinden (ins CD-Laufwerk über die Einstellungen).

win98_scitechIhr installiert den Treiber und startet Windows 98 neu, dann gebt ihr den Aktivierungscode ein und startet noch einmal neu. Nun wählt ihr im SciTech-Manager unter Monitor „Super VGA 1600*1200“ und anschließend beim verwendeten Treiber den „SciTech Nucleus Driver“. Übernehmt die Einstellungen (apply) und startet noch einmal neu. Nun könnt ihr in den Windows-Eigenschaften (Rechtsklick) die Auflösung und Farbtiefe wie gewohnt verändern. Et voila!

wichtigachtung Als Alternative gibt es noch das VBEMP 9x Project, diesen Treiber habe ich aber nicht getestet, die Installation scheint um einiges komplizierter zu sein und ist nur auf Englisch beschrieben.

Die Grundinstallation von Windows 98 ist nun abgeschlossen, die wichtigsten Dinge, Grafik, Ton und Internet funktionieren. Je nach eurem Bedarf müssen vielleicht noch Komponente aktualisiert werden, z.B. das .NET Framework oder DirectX bei manchen Spielen. Im Originalpost (siehe Beginn). sind ja einige Updates verlinkt. Bis bei mir alles funktioniert hat, habe ich ein paar Stunden gebraucht. Wenn ihr zufrieden seit, solltet ihr am besten einen Sicherungspunkt in der virtuellen Maschine erstellen. Ich habe mit der Zeit festgestellt, dass ein Exportieren der VM (und späteres Importieren auf einem anderen System) zu Problemen zu führen scheint.

Schaut euch doch mal bei Bedarf meine Anleitung zur Installation von Windows 95 in VirtualBox an, das läuft ähnlich ab. Ich zocke jetzt erst einmal eine Runde SimCopter!

win95_06

Linux wieder von der Festplatte löschen (Dual Boot)

512px-TuxLinux ist schnell auf der Platte. Das ist in den meisten Fällen kein Problem. Nur was, wenn man Linux parallel neben Windows installiert hat, dies jetzt aber nicht mehr benötigt oder die Installation beschädigt ist? Wie entfernt man Linux wieder? Wie bekommt man den Speicherplatz für Windows zurück, ohne das System komplett neu aufzusetzen?

Dazu gibt es mehrere Lösungsansätze. Hier ist einer davon. (Bild: Pinguin Tux; by Larry Ewing, Simon Budig, Anja Gerwinski)

Was wird benötigt?

  • Eine funktionsfähige Linux-Live-CD (z.B. von Ubuntu, openSuSE, Fedora)
  • Die entsprechende Windows Setup-CD (ich habe es bisher nur unter XP, Vista und Windows 7 testen können!)
  • Einen externen Datenträger für das Backup eurer Daten

Schritt 1: Persönlichen Daten auf einem externen Datenträger sichern

  • USB-Sticks, externe Festplatten oder DVDs sind dazu gut geeignet

Vor dem Eingriff solltet ihr ein Backup aller eurer wichtigen Daten machen, da in der Partitionstabelle sowie im Bootsektor geschrieben wird und auch mal etwas schief gehen kann. Im schlimmsten Falle kann man nicht mehr auf die Daten zugreifen, wenn die Partitionstabelle beschädigt ist. Für direkte oder auch indirekte Schäden übernehme ich keine Haftung!

Schritt 2: Von der Linux Live-CD/DVD booten

  • Startet das Partitionierungstool gparted (ist bei der Ubuntu Live-CD schon vorinstalliert)
  • Die folgenden Schritte entfernt Linux von der Platte – beachtet, dass alle Änderung erst am Schluss geschrieben werden!
  • Dort löscht ihr nun die von Linux angelegten Partitionen (Swap-Partitionen müssen unter Umständen erst ausgehängt werden, was mit einem Rechtsklick erledigt werden kann!)gpart. Das Dateisystem von Windows ist fat32/ntfs, Linux benutzt andere.
  • Nun könnt ihr mit dem frei gewordenen Speicher eure Windows Partition vergrößern. Beachtet dabei, nicht die Auslagerungspartition (bei Windows 7), die wichtige Informationen zum Bootvorgang enthält, zu verändern (erkennbar an der geringen Größe)!
  • Zum Abschluss auf Übernehmen klicken, damit die Änderungen auch tatsächlich durchgeführt werden!
  • Startet nun den Computer neu und entfernt die Live-CD, wenn ihr dazu aufgefordert werdet.
  • Linux ist nun entfernt, Windows wird aber noch nicht starten, da Grub teilweise noch vorhanden ist und ein Start von Windows verhindert. Wir müssen also den Bootsektor neu schreiben.

Schritt 3: Von der Windows Setup-CD/DVD booten

  • Startet nun die Wiederherstellungskonsole (cmd). Diese erreicht ihr in Windows 7 durch einen Klick auf Reparaturoptionen gleich zu Beginn der Installation. Unter Windows XP verfolgt ihr die Installation einen Schritt, bis ihr gefragt werdet, ob ihr die bestehende Windows Installation reparieren wollt. Drückt „R“. Nun seid ihr in der Wiederherstellungskonsole.whsjk
  •  Bei Windows 7 gebt ihr nun folgende Befehle ein: bootrec.exe /fixmbr sowie bootrec.exe /fixboot und wartet jeweils auf eine Bestätigung.
  • Bei Windows XP gebt ihr fixmbr sowie fixboot c: ein (wobei c: hier eurer Windows Systempartition entspricht).
  • Startet den Computer neu und entfernt die Windows Setup-CD.

Windows sollte nun wie gewohnt starten. Wahrscheinlich werdet ihr anschließend von der Datenträgerüberprüfung chkdsk aufgefordert, die Partition auf Fehler zu überprüfen, was ihr aber ruhigen Gewissens geschehen lassen könnt. Das Überprüfen nimmt je nach Datenspeichergröße etwas Zeit in Anspruch.

Der Artikel erscheint in überarbeiteter Version, Original veröffentlicht von mir auf pchilfe.org am Dienstag, 16. August 2011.