ASUS Strix Vega 64 – WLP VRAM Temperatur Fix?

Ich berichtete zuletzt von meinem Hardware-Umbau in meinem Desktop-PC. Bei der Grafiklösung habe ich mich für die Vega 10 Generation, dem Flagschiff aus dem Jahre 2017, genauer gesagt die ASUS ROG RX Vega 64 PC 8Gb entschieden. Bis auf zuletzt meine Nvidia GTX 1060 hatte ich die letzten 10 Jahre eigentlich immer eine Grafikkarte von AMD am Start und das sollte dieses mal auch wieder so werden! Die Vega-Serie hat einige deutliche Vor- und Nachteile, welche für die Kaufentscheidung entscheidend sind. Zum Einen sind es da die – je nach Modell – kochenden Temperaturen und der hohe Stromverbrauch, zum Anderen ist das Preis/Leistungsverhältnis aber Fair und die Grafikkarte bietet auch 2019 für aktuelle Spieletitel in Full-HD noch mehr als ausreichend Leistung. Ausschlaggebend für mich war dann allerdings das Optimierungspotential, welche sie für Hardware-Enthusiasten und Bastler wie in meinem Fall bietet. Wie kann ich die Wärmeableitung verbessern und dadurch die Temperaturen senken, die Leistung weiter steigern und die Karte leiser machen? Darauf möchte ich in dieser Artikelserie eingehen. Einen detailierten Hardware-Test aus dem Jahr 2017 findet ihr z.B. bei pcgameshardware.

Der Blick auf die Serie lohnt sich meiner Meinung nach für Hardware-Nachzügler nun besonders, da die Preise angesichts der nachfolgenden Vega 20 (Radeon VII) sowie die kommende Navi-Generation bereits am Fallen sind. Quelle: geizhals.de

Die Leistung der Karte ist super. Mein großes Problem ist die hohe Temperaturentwicklung unter Last im geschlossenen Gehäuse, was letzten endlich zur Drosselung der Taktrate und zu hohen Lüftergeräuschen führt. Da ich in der aktuellen PC-Konfiguration keine Wasserkühlung mehr für den Prozessor nutze, stand ich nun vor dem neuen Problem, dass die Abwärme der Grafikkarte sich oben sammelt und dadurch zusätzlich die CPU anheizt (der einzige Nachteil der Subvendor-Karten mit Custom-Kühlung: Die Abwärme wird nicht direkt aus dem Gehäuse geblasen sondern sammelt sich dort), selbst meine 3 (!) bequiet! Gehäuselüfter haben es in der Benchmark nicht geschafft, die Abwärme suffizient aus dem Gehäuse auszuleiten. Da ich nun sowieso meinen Schreibtisch umgeräumt habe, habe ich den PC erst einmal horizontal in das Seitenfach des Schreibtisches gelegt und die Oberseite des Gehäuses offen gelassen. Gleichzeitig habe ich den Luftstrom verändert, so dass von beiden Seiten nun die kühle Luft ins Gehäuse kommt (im Bild ist die Lüfterabbildung noch nicht indentisch mit den eingezeichneten Pfeilen) und nach oben hin über die geöffnete Seite entweichen kann. Dadurch verhindere ich, dass die CPU zusätzlich angeheizt wird und die Spitzentemperaturen sind generell gesunken. Ein offenes Gehäuse ist sicher nicht die optimale Lösung, aber für mich im Moment in Ordnung.

Hitzig: Temperaturen unter Vollast

Die Temperaturen sind trotz großem Kühlblock und drei Serienlüftern (ASUS) knackig. Bei mir erreicht die Karte im Leerlauf (Idle) und unter Maximallast (Stress) folgende Temperaturen. Dabei ist zu beachten, dass die Karte über mehrere Temperatursensoren verfügt, unter anderem für den VRAM, außerdem gibt es einen „Hotspot“. Gemessen habe ich mit hwinfo64 bei ca. 23*C Zimmertemperatur (geschlossenes vertikal stehendes Gehäuse). Alle Temperaturen sind bei der Gesamtbetrachtung der Kühlung relevant und beeinflussen die Performance:

Temperatur *CGPUHBMVR VDDCVR MVDDHotspot
Idle3938424239
Stress839111510499

Gebencht habe ich mit Geeks3D FurMark. Die VRAM-Temperaturen mit >100*C sind knackig, definitiv nicht gut für die Langlebigkeit, generell wird die Karte im Werkszutand meiner Meinung nach viel zu heiß, eigentlich ein Konstruktionsfehler. Letzten endlich taktet diese dann auch zurück. Hier muss man allerdings dazu sagen, dass die Karte beim Gaming (z.B. The Witcher 3 auf Ultra) die hier gemessenen Temperaturen nicht erreicht hat, aber trotzdem sehr warm und – im Vergleich zu meiner Vorherigen Grafikkarte – laut wurde.

Wärmeleitpad und -Paste

Zu diesem Temperaturproblem finden sich diverse Lösungsansätze anderer Menschen im Internet. Einen dieser möchte ich heute vorstellen: Der User F7GOS hat in seinem Video auf YouTube bemerkt, das in seiner Asus Vega 64 das Wärmeleitpad für die VRAM-Chips unsauber auf dem Kühlkörper angebracht ist und die Hitze so nicht gut abgeleitet wird. Durch den Tausch dieser sowie einen Tausch der GPU-Wärmeleitpaste konnte er die Temperaturen seiner Karte erheblich senken (siehe Video im Link).

Wie er habe auch ich dafür das „minuspad 8“ von ThermalGrizzly verwendet, welches weitgehend die identische Größe besitzt und im Handel ca. 8€ kostet. Also habe ich meine Karte demontiert, was sehr einfach geht. Zunächst den Lüfterstecker sowie den Stecker für die RGB-Beleuchtung gelöst. Danach werden mit einem kleinen Kreuzschraubenzieher vier (wenn ich mich recht erinnere) Schrauben, welche den Kühlkörper halten, von der Rückseite der Karte gelöst, anschließend die vier Schrauben der GPU-Fassung. Danach lässt sich der gesamte Kühlkörper mit etwas Gefühl von der Platine abheben.

Leider habe ich feststellen müssen, dass es von der ASUS Strix Vega 64 wohl verschiedene „Revisions-Builds“ gibt, wovon ich wohl eine Neuere besitzen muss, bei mir war nämlich der Wärmeleitpad nicht so stark deplatziert. Aber ich hatte das Thermalpad schon gekauft und die Karte auseinander gebaut, also habe ich dieses trotzdem getauscht. Das Alte einfach abziehen, die Länge und Breite ist bereits passend, es müssen lediglich noch die Aussparungen für die Schrauben freigemacht werden. Anschließend habe ich die GPU-Wärmeleitpaste durch eine Arctic MX-4 2019 Edition (ca 8€) getauscht, welche ich noch vom Hardware-Umbau übrig hatte.

Das Ergebnis

Da bei mir die VRAM-Chips lange nicht so unsauber abgedeckt waren wie im obigen Video, waren meine Erwartungen an den Temperaturunterschied nicht allzu hoch. Gemessen habe ich wieder mit FurMark und hwinfo64. Die Temperaturen im Leerlauf sind weitestgehend identisch, unter Last ist ein Temperaturunterschied festzustellen:

Temperatur *CGPUHBMVR VDDCVR MVDDHotspot
Stress80 (-3)91109 (-6)100 (-4)94 (-5)

Das ist natürlich nicht die Welt und hat mir bei in der Standard-Treiberkonfiguration auch keinen Unterschied hinsichtlich der Performance und der automatischen Taktung der Grafikkarte gemacht, aber immerhin schon etwas kühler als zuvor. Und das allein durch den Tausch der Wärmeleitprodukte ohne Veränderung des eigentlichen Kühlkörpers.

… im zweiten Teil des Beitrags teste ich das Undervolting der Grafikkarte über die mitgelieferte Treibersoftware AMD Wattman hinsichtlich der Temperaturentwicklung und Leistung, im dritten Teil wird es um Custom-Kühlbuilds wie den „Ghetto-Mod“ oder MORPHEUS gehen.

Umstieg auf AMD Ryzen: Preise, Bugs, Bechmarks, Übertaktung und Wasserkühlung

Da vor einigen Tagen meine bisherige Hauptplatine den Geist aufgegeben hat, habe ich mir nun neue, aktuellere Hardware zugelegt. Statt einem Intel Core i7 auf der LGA 1156 Sockel mit DDR3 RAM kommt nun ein

Ryzen 5 1500X (4 physische Kerne @3,5 GHz, bis zu 6 virtuelle Kerne) auf einem

MSi B350 Thunderbird zusammen mit

16 Gb Corsair (2×8 Gb) 3200MHz DDR4-SDRAM

ryzen02

Das MSi B350 Thunderbird mit dem Ryzen 5 1500X auf Sockel AM4

zum Einsatz. Das MSI Thunderbird scheint, zumindest laut meiner Recherche im Internet mit einem Einzelhandelspreis von 95€ eins der momentan günstigeren AM4 Sockel Hauptplatinen zu sein, welche aktuelle Funktionen (Chipsatz B350)  mit sich bringen und Übertaktung ermöglichen. Es wirkt solide verarbeitet, der PCIe Slot ist verstärkt, es unterstützt Crossfire und es gibt einen extra Stromanschluss für die WaKü-Pumpe!

Der AMD Ryzen Prozessor ist mit 183€ ebenfalls deutlich günstiger als ein vergleichbares Modell von Intel, zumal auch ein ordentlicher Originallüfter mitgeliefert wird. Den habe ich in meinem Fall aber nicht gebraucht. Ein weiteres großes Plus in dieser Hinsicht ist auch, dass die Ryzen-Generation grundsätzlich einen offenen Multiplikator mitbringt und somit das Overclocking spielend einfach bzw. überhaupt erst möglich macht. In einem Artikel von heise.de war von einzelnen Fällen auf Amazon zu lesen, in denen gefälschte Prozessoren verschickt wurden, dies war bei mir nicht der Fall.

Besonders zu Buche geschlagen hat der Arbeitsspeicher mit 156 €, hier habe ich bewusst einen etwas höher getakteten RAM ausgesucht, da dies angeblich die Performance des Ryzen maßgeblich beeinflusst, außerdem waren die beiden Riegel von Corsair auf der offiziellen Supportliste der Hauptplatine, es soll nämlich 3200 MHz RAM-Taktung unterstützen (oder auch nicht!).

Der Zusammenbau gestaltete sich weitgehend problemlos und einfach. Das macht einfach immer am meisten Spass! Lediglich der Einbau der WaKü war etwas umständlich, da man bei einer AiO Lösung die Schläuche nicht diskonnektieren kann.

 

Nicht ganz reibungslos

verlief die Einrichtung des Arbeitsspeichers. Dass ich mich schon seit längerer Zeit nicht mehr mit der Hardware auseinander gesetzt hatte, machte es natürlich nicht einfacher. Nach einem direkten UEFI-BIOS-Update zugunsten der Kompatibilität stellte ich nämlich im UEFI Menü fest, dass der für 3200 MHz ausgeschriebene Arbeitsspeicher nur mit 2333 MHz lief.

Also schnell die richtige Taktung, das Timing und die Spannung eingestellt – aber starten will der PC damit nicht: Beim Einschalten, noch vor Initialisierung des UEFI startet der Rechner wiederholt neu, bis nach 5 versuchen die UEFI Konfiguration zurückgesetzt wird. Und damit komme ich zurück in die Gegenwart, das geht nämlich immer noch nicht. Letztenendlich habe ich es geschafft, den Speichertakt auf 2666 MHz zu erhöhen, darunter bleibt der PC und Windows stabil, höher geht nicht ohne Absturz. Nach etwas Suchen im Internet habe ich herausgefunden, dass es wohl an zwei Sachen hängt:

  1. Bugs! Die Technik ist wohl noch lange nicht ausgereift und sowohl seitens des Mainboards, Chipsatzes und UEFI als auch seitens der Ryzen 5 Generation gibt es massig Fehlerberichte im Internet zu finden.

 

  1. Kompatibilität. Die 3200 MHz DDR4 Ausschreibung  der RAM-Hersteller bezieht sich wohl meist auf vergleichbare Intel-Plattformen, das heißt aber nicht, dass diese Geschwindigkeit auch bei AMD zusammen kommt.

 

Das ist natürlich ziemlich ärgerlich, zumal MSi mit der Hauptplatine für 3200 MHz RAM Unterstützung geworben hat und die Speicherriegel auf der Liste der offiziell unterstützten Produkte stehen. Zurückgeben möchte ich jetzt, nachdem das System stabil läuft, aber auch nicht mehr.

 

Übertaktung

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Die Eckdaten des Ryzen 5 1500X aus CPU-Z.

Die Ryzen CPUs sind ja aufgrund des offenen Multiplikators sehr attraktiv für Overclocker und mit der hauseigenen AMD Ryzen Master Application auch sehr einsteigerfreundlich zu übertakten. Ich habe dafür die Funktionen des B350 UEFI benutzt, welche an sich sehr übersichtlich und einfach zu bedienen sind.

Durch erhöhen des Multiplikators konnte ich die Taktfrequenz ohne Probleme von 3,5 GHz auf 3,85 GHz erhöhen, der PC blieb im Belastungstest mit prime95 bei moderaten Temperaturen (siehe unten) stabil.

Die Spannung der CPU habe ich automatisch anpassen lassen, sie hat zwischen 1,18 und 1,22 V geschwankt. AMD empfiehlt bei langfristigen Übertaktungen zugunsten der Lebensdauer die Spannung nicht über +1,35 V zu erhöhen, wobei laut verschiedenen Berichten im Internet der Prozessor mit 1,45 V und ausreichend Kühlung noch stabil lief (bei einer Taktfrequenz von angeblich 4,2 GHz).

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Die Werte lassen sich alternativ auch bequem mit der AMD Ryzen Master Application verändern, hierzu ist dann aber jeweils ein Neustart erforderlich.

 

Benchmarkergebnisse (OC)

Ich habe mit CPU-Z und mit 3D Mark den Prozessor bzw. Computer gemessen. Für den Belastungstest (burn in Test) habe ich prime95 benutzt.

Punkte CPU-Z Benchmark (Single-Core/Multi-Core): 2232 / 9065; übertaktet 2218 / 9597

Punkte 3D Mark „Time Spy“ (CPU Teilwertung): 3960 (Gesamt 2028) und Übertaktet 4061 (2408)

Insgesamt ist das OC-Ergebnis weniger beeindruckend ausgefallen als erwartet. Trotz der Steigerung um knapp + 300 MHz pro Kern sind die Unterschiede in der Benchmark vergleichsweise gering, ich vermute daher, dass  in der Anwendung keine wesentlichen Unterschiede zu bemerken sind.

Ein weiterer Nachteil der Übertaktung ist, dass CPU-Funktionen wie der automatische Boost-Modus und AMD Cool’n’Qiet deaktiviert werden; wobei ich allerdings in einem Bericht gelesen habe, dass die Stromaufnahme beim Übertakten des Ryzen im Vergleich zu anderen Prozessoren vergleichsweise gering ausfällt.

Zeitgleich habe ich auch meine Sapphire R9 280 Dual-X mit einer neuen Kühllösung ausgestattet (von Arctic mit Backplate; flüsterleise – siehe unten) und stabil von 940MHz auf 1050 MHz Taktfrequenz übertaktet, in den Messungen sieht man schon einen deutlichen Unterschied, in grafiklastigen Spielen sind das 4-5 FPS mehr!

 

Wasserkühlung

Da ich mit meiner vorherigen Silent-Konfiguration zum Teil Überhitzungsprobleme hatte, habe ich mich dazu entschieden, auf ein Standard-ATX-Gehäuse von Corsair mit Lüfteröffnungen an der Oberseite zu wechseln und eine “All-in-One” CPU-Wasserkühllösung (WaKü) von Enermax angeschafft.

Die WaKü von Enermax (Südkorea) hat in einem Online-Vergleichstest gut abgeschnitten und ist mit 87 € wesentlich günstiger als Modelle anderer Hersteller. Die Kühlung besteht aus einem Kühlblock mit Kupfer-Aufnahme und integrierter Wasserpumpe, die ca. 30cm langen beiden Schläuche führen zu einem 2x 120mm recht flachem Metalllamellen-Radiator an den zwei 120mm Lüfter angeschlossen sind. Praktischerweise verfügt das MSi B350 Thunderbird über einen gesonderten WaKü Pumpen-Stromanschluss. Alternativ hat der Hersteller aber netterweise noch ein extra 3-Pin Adapter für den direkten Anschluss ans Netzteil beigelegt (dann allerdings ohne PWM Lüftersteuerung).

Die Lüfter der Wasserkühlung verfügen über 3 Geschwindkeitsmodi (per Schalter umstellbar), je nach Erfordernis. Ich habe den mittleren „Performance“ Modus gewählt. Im Leerlauf ist die Lüftung praktisch nicht zu hören, bei CPU Temperaturen von ca. 28 *C. Unter Vollast (prime95) hört man dezent die Pumpe “surren”, aber keinenfalls lauter als bei einer kleinen Eheim-Aquariumspumpe, sehr angenehm. Die Temperaturen sind dabei unter dem mittleren Kühl-Leistungsprofil nicht über 65 *C gestiegen, im OC-Modus bis 70 *C. Sehr zufriedenstellend!

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Die fertige Konfiguration in meinem hoch geschätzten Corsair 100R Silent Gehäuse.