ASUS Strix Vega 64 – Undervolting & OC in der Praxis

In dieser dreiteiligen Beitragsreihe beschäftige ich mit Kühlung und Performance meiner Asus ROG Strix Vega 64 OC 8GB und lote aus, was sich leistungstechnisch noch verbessern lässt. Da die AMD Vega-Serie viel Abwärme erzeugt, ist auch die Kühlung ein wichtiges Thema. Im ersten Teil habe ich mit damit befasst, ob ein Tausch des Wärmeleitmaterials zu einem effizienteren Wärmeabtransport führt…

tl;dr In diesem Beitrag zeige ich euch, wie ich meine ASUS Strix Vega 64 Schritt-für-Schritt mit AMD Wattman untertaktet und so die Leistung verbessert, Stromverbrauch und Hitzeentwicklung gleichzeitig reduziert habe.

Ein gängiges Verfahren zur Verbesserung der Hardwareleistung oder Effizienz ist das sogenannte Undervolting, welches auch bei anderen Grafikkarten oder Prozessoren Anwendung findet. Die Idee dahinter scheint zunächst recht simpel: Durch eine gezielte Reduzierung der Versorgungsspannung (mV) wird die Leistungsaufnahme ( w) und damit die maximale Rechenleistung (Taktrate) der Grafikkarte beschränkt bzw. gesenkt, gleichzeitig – am anderen Ende der Gleichung sozusagen – hat dies einen reduzierten Stromverbrauch und eine geringere Abwärme zur Folge. Nun hat die AMD Vega 64 die Eigenart, dass u.A. aufgrund des hohen Strombedarfs sehr viel Abwärme unter Last entsteht und die Grafikkarte schnell an ein Temperaturlimit kommt, an dem sie sich selber in der Leistung bremst, um sich nicht zu überhitzen (sog. thermal throttling). Wenn ihr mehr über die Vega-Grafikkarten erfahren wollt, empfehle ich euch diesen Artikel von PCGH.

In der Praxis erweist sich das Untertakten dann allerdings als etwas komplizierter wie gedacht, was zum einem daran liegt, dass es verschiedene Ansätze und Meinungen zum Vorgehen selbst gibt, sowie zum anderen dass jede Grafikkarte materialbedingt unterschiedlich auf das Untertakten reagiert („silicon lottery“). Wer sich für das Thema interessiert, kann sich in verschiedenen Foren stundenlang über dutzende Seiten in das Thema einlesen. [1] [2] [3]

Nach meinen Recherchen und dem Test bei meinem ASUS-Modell scheint es bei den konventionellen luftgekühlten Varianten der Vega-Generation (egal ob AMD Referenzdesign oder Subvendor) nahezu unmöglich, durch ein konventionelles Übertakten (Erhöhung der Taktrate und oder der Versorgungsspannung) noch großartig mehr Leistung herauszuholen, da vor dem Erreichen des Zieltaktes bereits thermal throttling stattfindet und die Karte sich selbst wieder ausbremst.

Bevor ich nun ins Detail gehe, möchte ich euch zunächst meine ersten Ergebnisse aus der 3D Mark TimeSpy DirectX 12 Benchmark zeigen: Mit reduzierter Spannung konnte ich 6% höhere Benchmarkergebnisse erzielen, bei gleichzeitig 18% geringerem Stromverbrauch, reduzierten Temperaturen und somit geringeren Lüftergeräuschen. Das zeigt, welches Optimierungspotential selbst noch in der Custom-Variante der Karte steckt.

Weitere Daten am Ende des Beitrags

Los geht’s: AMD Wattman, ASUS GPU Tweak II oder OverdriveNTool

Für den Vorgang solltet ihr die aktuellen Adrenalin 2019 Treiber mit der Radeon Settings App installiert haben (das Catalyst Control Center nicht installieren!), welche ihr von der offizellen AMD Webseite herunterladen könnt. Wollt ihr den Treiber sauber installieren oder es gibt Probleme bei der Einrichtung, schaut euch meinen Beitrag von 2018 an. Außerdem benötigt ihr ein Programm zur Protokollierung der Hardwareparameter wie hwinfo (kostenlos) sowie mindestens ein Benchmark-Programm, um die Grafikkarte richtig ins Schwitzen zu bringen. Ich habe im Beitrag 3DMark, Unigine Superposition sowie Geeks3D Furmark (größerer Download, allesamt kostenlos) benutzt.

Bevor wir anfangen, solltet ihr euch bewusst sein, dass ihr durch das Über-/Untertakten womöglich eure Herstellergarantie verliert, die Karte bei fehlerhafter Anwendung sogar beschädigt werden könnte. Ihr folgt dieser Anleitung auf eigenem Risiko!

Mit den offiziellen AMD-Treibern unter Windows 10 gibt es derzeit einen Bug, der dafür sorgt, dass nach einem Neustart das Wattman Energieprofil nicht automatisch übernommen wird. Das liegt an der Windows 10 Schnellstartfunktion. Dieses Feature kann in der Einstellungen-App unter System und Sicherheit / Energieoptionen / Auswählen, was beim Drücken des Netzschalters geschehen soll deaktiviert werden. Insofern euer Rechner über eine SSD verfügt, sollte dies beim Starten höchstens einige Sekunden Unterschied machen.

Ich möchte euch drei verschiedene Programme vorstellen, welche sich zum Undervolting eignen. Zum einen AMD Wattman (enthalten in den Adrenalin-Treibern), das offizielle OC-Tool von AMD, welches ich im Folgenden auch verwenden werde, da es recht einfach zu bedienen ist und man am meisten Unterstützung im Internet dazu findet. Manchmal kommt es allerdings zu Programmabstürzen. Außerdem gibt es von ASUS selbst das Tool GPU Tweak II, welches im Prinzip in einer sehr kompakten Form die gleichen Optionen bietet wie Wattman, ich finde es allerdings etwas unübersichtlich. Und dann gibt es noch das OverdriveNTool, welches sich sehr minimalistisch aber dafür flott und übersichtlich präsentiert. Der Vorteil dieses Programms ist, dass sich die stabilen Einstellungen zum Schluss in die Registry schreiben lassen und somit permanent bestehen bleiben. Welches der Programme ihr für das Austesten der Parameter letzten endlich benutzt, ist egal.

Einstellungen, Stresstest, Benchmark – wiederholen

Schauen wir uns dafür Wattman einmal etwas genauer an. Über die installierte Radeon Settings App klicken wir auf den Reiter „Spiele“, dann „Globale Einstellungen“. Dort aktivieren wir das HBCC-Speichersegment für etwas mehr Leistung ohne Risiko [4] und wechseln dann auf den Reiter „WattMan Global“ und bestätigen.

Im oberen Bereich seht ihr die verschiedenen Tuning-Profilvorlagen, wobei „ausgewogen“ die Vorgabe ist. Ihr solltet nun zunächst mit hwinfo64 im Hintergrund die heruntergeladenen Benchmarks durchlaufen lassen (Hinweis: 3DMark startet unter Umständen nicht richtig, wenn Radeon Settings noch geöffnet ist) und euch die Ergebnisse, sowie die maximale Taktrate der GPU und des VRAM, Core Power Draw und die Temperaturen für den späteren Vergleich notieren. Nun wechseln wir im Profil auf „benutzerdefiniert“ und „manuell“. Die Regler werden freigeschaltet. Es gibt eine Anzeige für den GPU Takt sowie für den VRAM Takt. Die Vega arbeitet mit sogenannten „Power-States“, auch „P-States“ oder einfach nur „ZUSTAND x“ genannt. Das sind die verschiedenen Leistungs- bzw. Booststufen welche die Karte je nach Anforderung durchschaltet bzw. zu erreichen versucht.

VRAM

Bevor wir uns aber mit den eigentlichen GPU-Spannungen befassen, modulieren wir zunächst die Spannung und den Takt des Videospeichers (VRAM), da dessen Versorgungsspannung eine Art Unterlimit für die Spannung von P-State 6 und 7 der GPU bildet („voltage floor“), wie ich nach längerer Recherche herausgefunden habe. [5]

Die ASUS Strix Vega 64 taktet den VRAM mit 945 MHz. Ich konnte den Speichertakt auf bis zu 1050 MHz (+95 MHz) anheben und anschließend die Versorgungsspannung von 1100 MHz auf bis zu 980 mV senken (-120 mV), ohne dass es Probleme gab. Ich empfehle euch, in maximal 50er Schritten zu arbeiten. Das heißt, Änderung übernehmen, ggf. in einer Profilvorlage speichern, damit diese bei einem Absturz nicht verloren gehen. Nun mit Furmark einen kurzen Stresstest (ca. 2min) in Desktopauflösung, Fenstermodus mit 8xAA starten.

Im Stresstest von Furmark sehen wir, ob die Grafikkarte die neuen Spannungseinstellungen akzeptiert und auf die jeweils höchsten P-States wechselt, ohne dass es zu Abstürzen kommt

Packt die Grafikkarte die Einstellung nicht, stürzt der Treiber ab – ggf. wird der Bildschirm kurz schwarz – anschließend werden von Wattman wieder die Standardoptionen geladen. Bei mir hat sich die Radeon Settings App dabei öfters aufgehängt, ich musste Sie im Task-Manager neu starten. Wer nicht jedes Mal alle Parameter neu eingeben will, sollte das Profil zwischendurch speichern.

Kommt es zum ersten Absturz (können im Falle des VRAM auch Bildfehler oder Artefakte im Spiel / Benchmark sein), solltet ihr euch in kleineren 10 mV Schritten vorarbeiten, bis ihr den letzten stabilen Takt gefunden habt und dann wieder -10 mV zur Sicherheit zurückgehen. Die Prämisse beim Undervolting ist ja nicht, die Taktfrequenz stark zu erhöhen, sondern zu prüfen, wie viel mit der reduzierten Versorgungsspannung noch möglich ist. Alleine durch die Feinabstimmung des VRAMs konnte ich im Setting mit Furmark die FPS um 5 Punkte steigern. Bleibt die Vega stabil, solltet ihr nun die 3DMark TimeSpy DirectX 12 sowie die Unigine Superposition Benchmark (1080p Ultimate) durchlaufen lassen, um der Karte alles abzuverlagen und die Spitzenwerte in hwinfo64 zu messen.

GPU

Wenden wir uns nun der GPU zu: Im Reiter „Lüfter und Temperatur“ setzen wir die Leistungsgrenze auf + 50 % (wichtig!) und schalten bei „GPU“ auf manuelle Spannungssteuerung. Da die Versorgungsspannung die erreichte Taktrate maßgeblich beeinflusst, lassen wir die Frequenzsteuerung auf „automatisch“. Werfen wir nun einen Blick auf die verschiedenen P-States. Wichtig bei der Versorgungsspannung ist, dass die Werte von P6 und P7 nicht niedriger als die oben eingestellte VRAM-Spannung sein dürfen bzw. können. Außerdem sollte zwischen den einzelnen P-States immer ein Abstand von ca. 50 mV liegen!

Während in den letzten von ASUS veröffentlichten Treibern (18.10) nur die P-States 6+7 verstellbar sind, gibt es in den aktuellen Treiber von AMD dort keine Einschränkung, zudem lassen sich mehr Details bei der Lüftersteuerung verändern. Ihr profitiert also von den aktuellen Treibern.

Auch hier solltet ihr mit den gleichen Prinzip wie zuvor beim VRAM vorgehen, zunächst im -50mV Schritten reduzieren und stresstesten, bis es zum ersten Absturz kommt. Anschließend in 10mV Schritten feinabstimmen und eine ausführliche Benchmark-Runde durchlaufen lassen! Ich konnte pro P-State die Versorgungsspannung um ganze -100mV senken. Besonders interessant dabei war zu beobachten, dass die Karte im ausgewogenen Profil in der Benchmark maximal 1492 MHz erreichte (laut Hersteller bis zu 1630 MHz Boosttakt möglich), während ich mit der Undervolting-Konfiguration auf 1628 MHz komme (ohne manuelle Erhöhung der P-State Frequenzen!).

Zusammenfassung und Fazit

Habt ihr ein stabiles Setting für alle Parameter gefunden und die Benchmarks bestanden, solltet ihr noch einige anspruchsvolle Spiele starten (z.B. Witcher 3) und die Werte mit hwinfo64 protokollieren, da dies noch einmal eine andere Situation für die Hardware darstellt, als die reine Benchmark-Belastung.

Ich fasse nun zusammen, was ich durch das manuelle Untertakten meiner ASUS Strix Vega 64 erreichen konnte:

  • Die maximale GPU Taktrate unter Last hat sich auf 1628 MHz (+136 MHz) erhöht, bei gleichzeitig reduzierter Versorgungsspannung.
  • Der VRAM taktet bei 1050 MHz (+95 MHz), bei reduzierter Versorgungsspannung.
  • Der Strombedarf der GPU (nicht der gesamten Karte) ist im Vergleich zu den Voreinstellungen um 36 Watt (18%) gesunken.
  • Die Spitzentemperaturen von GPU und VRAM sind auf maximal 80*C (-3) und 101*C (-14) gefallen*****.

Undervolting lohnt sich im Falle der ASUS Strix Vega 64 OC also definitiv. Selbst wenn die Leistung der Karte im voreingestellten Profil für die meisten Fälle mehr als ausreichen ist, werden die Verbesserung allein schon die Lebensdauer der Karte – durch die reduzierten Temperaturen – verbessern, sowie den Stromverbrauch des PCs reduzieren und damit den Geldbeutel schonen. (Was nützt schon die Wahrung der Garantie, wenn die Karte nach 2 1/2 Jahren einen Hitzeschlag erleidet?) Wenn man erst einmal alle Vorbereitungen getroffen und sich etwas mit den benötigten Programmen auseinander gesetzt hat, geht der Prozess auch recht schnell von der Hand, lediglich das „durchbenchen“ der verschiedenen Konfigurationen nimmt etwas Zeit in Anspruch, die allerdings keine Aufmerksamkeit erfordert und mit anderen sinnvollen Tätigkeiten gefüllt werden kann.

Gefühlt laufen die Lüfter der Grafikkarte mit dem UV-Profil beim Spielen anspruchsvollerer Spiele (in meinem Fall Witcher 3) nun deutlich ruhiger und sind weniger wahrnehmbar. Wem das Ganze zu aufwendig oder risikobehaftet ist, kann es auch mit dem milderen „automatischen Undervolting“ versuchen, welches Wattman seit der 2019er Version anbietet. Dazu einfach in den Tuning-Profilen auf „benutzerdefiniert“ umschalten, automatisches Undervolting wählen und auf „Übernehmen“ klicken.

Es bleibt noch zu sagen, dass nicht jede Karte die gleichen Spitzenwerte erreichen wird können, zum Einen wegen der bereits erwähnten Sache mit der „silicon lottery“, zum Anderen aufgrund dem persönlichen Temperatursetting und der begleitenden Hardware im Rechner. Es bleibt also nur übrig, es zu auszuprobieren. Zusätzliches Übertakten ggf. sogar mit Erhöhung der Spannung (OC) habe ich bei meiner Grafikkarte übrigens gar nicht erst probiert, dazu wird die Grafikkarte einfach zu schnell zu heiß – ohne Wasserkühlung (LC) wird da nicht viel rauszuholen sein.

Ich biete euch hier mein Wattman UV-Profil zum Download an, falls ihr die gleiche Karte besitzt und ebenfalls euer Glück versuchen wollt. (Rechtsklick / „Speichern als …“ unter C:\Users\NAME\AppData\Local\AMD\CN) Theoretisch funktioniert der ganze Vorgang übrigens auch bei jeder anderen Vega, solange man sich beim Untertakten an den Ausgangswerten der Grafikkarte orientiert.

Übrigens: ASUS hat im Juni 2019 ein Firmware / BIOS Update für die Strix Vega 64 zur Verfügung gestellt (unter Utilities – weitere Downloads – BIOS UPDATE TOOL) welches das Zusammenspiel mit den Radeon-Treibern verbessern soll, in verschiedenen Foren wurde berichtet, dass die Karte danach ruhiger laufen soll. In meinem Fall konnte dieses Update allerdings nicht einspielen. Ich vermute, dass meine erst dieses Jahr erworbene Karte bereits mit der Software ausgestattet ist.

Die Ergebnisse im Detail

Damit ihr euch ein besseres Bild der Veränderungen machen könnt, habe ich meine Benchmark-Ergebnisse und Messungen hier in einer Tabelle festgehalten. Bitte beachtet außerdem die zusätzlichen *Angaben am Ende.

Benchmark @FHD
(Punkte / avg. FPS)
Unigine Superposition3D Mark Time Spy
(Grafikpunkte)
FurMark
Ausgewogen (19.x)
– 18.10*
– PB** (240W)
– SB (260W)
Turbo
Strom sparen
4332 / 32,4
4377 / 32,6
4353 / 32,6
4369 / 32,7
4345 / 32,5
4195 / 31,4
7140 / 44,2
7091 / 43,9


7050 / 43,6
6842 / 42,3
8121/135
8057/134


7706/128
7501/126
autom. UV*** (Wattman)4402 / 32,97225 / 44,78026/134
manuelles UV4572 / 34,2 7535 / 46,67971/133
SpitzenwerteGPU (MHz)VRAM (MHz)GPU / VRAM (*C)GPU Core Power (W )
Ausgewogen
– 18.10*
Turbo
Strom sparen
1492
1548
1573
1457
945
945
945
945
85 / 104
84 / 102
85 / 108
80 / 86
195
179
184
165
autom. UV (Wattman*) 154094586 / 103182
manuelles UV****1628105083 / 101159

(*) Der letzte von ASUS zur Verfügung gestellte Treiber ist der Radeon 18.10 Adrenalin Edition (2018), ich benutze den aktuellen Radeon 19.5.2 Adrenalin Edition (2019), welcher u.A. mehr Funktionen in Wattman bietet.

(**) Primäres BIOS, Powerlimit ohne HBM2 240W (BIOS-Switch zur Blende hin); sekundäres BIOS 260W. Ich konnte im Rahmen des UV keinen Leistungsunterschied zwischen den beiden Optionen ausmachen.

(***) automatisches Undervolting (Wattman) sowie das Ändern der P-States 0-5 ist in der von ASUS offiziell angebotenen Treiberversion nicht möglich. Ich verwende hierzu die aktuelle Adrenalin 2019 Version direkt von AMD.

(****) niedrigste stabile Spannung bei automatischer Frequenzregelung der P-States. P6: 1050 mv (1150 mv); P7: 1100 mv (1200 mv); HBM: 980 mv (1100 mv)

(*****) Die Temperaturen habe ich bereits mit den ausgetauschten Wärmeleitpads und -paste gemacht, der eigentliche Unterschied zum Hersteller dürfte also noch einmal + 3-6*C betragen.

ASUS Strix Vega 64 – WLP VRAM Temperatur Fix?

Ich berichtete zuletzt von meinem Hardware-Umbau in meinem Desktop-PC. Bei der Grafiklösung habe ich mich für die Vega 10 Generation, dem Flagschiff aus dem Jahre 2017, genauer gesagt die ASUS ROG RX Vega 64 PC 8Gb entschieden. Bis auf zuletzt meine Nvidia GTX 1060 hatte ich die letzten 10 Jahre eigentlich immer eine Grafikkarte von AMD am Start und das sollte dieses mal auch wieder so werden! Die Vega-Serie hat einige deutliche Vor- und Nachteile, welche für die Kaufentscheidung entscheidend sind. Zum Einen sind es da die – je nach Modell – kochenden Temperaturen und der hohe Stromverbrauch, zum Anderen ist das Preis/Leistungsverhältnis aber Fair und die Grafikkarte bietet auch 2019 für aktuelle Spieletitel in Full-HD noch mehr als ausreichend Leistung. Ausschlaggebend für mich war dann allerdings das Optimierungspotential, welche sie für Hardware-Enthusiasten und Bastler wie in meinem Fall bietet. Wie kann ich die Wärmeableitung verbessern und dadurch die Temperaturen senken, die Leistung weiter steigern und die Karte leiser machen? Darauf möchte ich in dieser Artikelserie eingehen. Einen detailierten Hardware-Test aus dem Jahr 2017 findet ihr z.B. bei pcgameshardware.

Der Blick auf die Serie lohnt sich meiner Meinung nach für Hardware-Nachzügler nun besonders, da die Preise angesichts der nachfolgenden Vega 20 (Radeon VII) sowie die kommende Navi-Generation bereits am Fallen sind. Quelle: geizhals.de

Die Leistung der Karte ist super. Mein großes Problem ist die hohe Temperaturentwicklung unter Last im geschlossenen Gehäuse, was letzten endlich zur Drosselung der Taktrate und zu hohen Lüftergeräuschen führt. Da ich in der aktuellen PC-Konfiguration keine Wasserkühlung mehr für den Prozessor nutze, stand ich nun vor dem neuen Problem, dass die Abwärme der Grafikkarte sich oben sammelt und dadurch zusätzlich die CPU anheizt (der einzige Nachteil der Subvendor-Karten mit Custom-Kühlung: Die Abwärme wird nicht direkt aus dem Gehäuse geblasen sondern sammelt sich dort), selbst meine 3 (!) bequiet! Gehäuselüfter haben es in der Benchmark nicht geschafft, die Abwärme suffizient aus dem Gehäuse auszuleiten. Da ich nun sowieso meinen Schreibtisch umgeräumt habe, habe ich den PC erst einmal horizontal in das Seitenfach des Schreibtisches gelegt und die Oberseite des Gehäuses offen gelassen. Gleichzeitig habe ich den Luftstrom verändert, so dass von beiden Seiten nun die kühle Luft ins Gehäuse kommt (im Bild ist die Lüfterabbildung noch nicht indentisch mit den eingezeichneten Pfeilen) und nach oben hin über die geöffnete Seite entweichen kann. Dadurch verhindere ich, dass die CPU zusätzlich angeheizt wird und die Spitzentemperaturen sind generell gesunken. Ein offenes Gehäuse ist sicher nicht die optimale Lösung, aber für mich im Moment in Ordnung.

Hitzig: Temperaturen unter Vollast

Die Temperaturen sind trotz großem Kühlblock und drei Serienlüftern (ASUS) knackig. Bei mir erreicht die Karte im Leerlauf (Idle) und unter Maximallast (Stress) folgende Temperaturen. Dabei ist zu beachten, dass die Karte über mehrere Temperatursensoren verfügt, unter anderem für den VRAM, außerdem gibt es einen „Hotspot“. Gemessen habe ich mit hwinfo64 bei ca. 23*C Zimmertemperatur (geschlossenes vertikal stehendes Gehäuse). Alle Temperaturen sind bei der Gesamtbetrachtung der Kühlung relevant und beeinflussen die Performance:

Temperatur *CGPUHBMVR VDDCVR MVDDHotspot
Idle3938424239
Stress839111510499

Gebencht habe ich mit Geeks3D FurMark. Die VRAM-Temperaturen mit >100*C sind knackig, definitiv nicht gut für die Langlebigkeit, generell wird die Karte im Werkszutand meiner Meinung nach viel zu heiß, eigentlich ein Konstruktionsfehler. Letzten endlich taktet diese dann auch zurück. Hier muss man allerdings dazu sagen, dass die Karte beim Gaming (z.B. The Witcher 3 auf Ultra) die hier gemessenen Temperaturen nicht erreicht hat, aber trotzdem sehr warm und – im Vergleich zu meiner Vorherigen Grafikkarte – laut wurde.

Wärmeleitpad und -Paste

Zu diesem Temperaturproblem finden sich diverse Lösungsansätze anderer Menschen im Internet. Einen dieser möchte ich heute vorstellen: Der User F7GOS hat in seinem Video auf YouTube bemerkt, das in seiner Asus Vega 64 das Wärmeleitpad für die VRAM-Chips unsauber auf dem Kühlkörper angebracht ist und die Hitze so nicht gut abgeleitet wird. Durch den Tausch dieser sowie einen Tausch der GPU-Wärmeleitpaste konnte er die Temperaturen seiner Karte erheblich senken (siehe Video im Link).

Wie er habe auch ich dafür das „minuspad 8“ von ThermalGrizzly verwendet, welches weitgehend die identische Größe besitzt und im Handel ca. 8€ kostet. Also habe ich meine Karte demontiert, was sehr einfach geht. Zunächst den Lüfterstecker sowie den Stecker für die RGB-Beleuchtung gelöst. Danach werden mit einem kleinen Kreuzschraubenzieher vier (wenn ich mich recht erinnere) Schrauben, welche den Kühlkörper halten, von der Rückseite der Karte gelöst, anschließend die vier Schrauben der GPU-Fassung. Danach lässt sich der gesamte Kühlkörper mit etwas Gefühl von der Platine abheben.

Leider habe ich feststellen müssen, dass es von der ASUS Strix Vega 64 wohl verschiedene „Revisions-Builds“ gibt, wovon ich wohl eine Neuere besitzen muss, bei mir war nämlich der Wärmeleitpad nicht so stark deplatziert. Aber ich hatte das Thermalpad schon gekauft und die Karte auseinander gebaut, also habe ich dieses trotzdem getauscht. Das Alte einfach abziehen, die Länge und Breite ist bereits passend, es müssen lediglich noch die Aussparungen für die Schrauben freigemacht werden. Anschließend habe ich die GPU-Wärmeleitpaste durch eine Arctic MX-4 2019 Edition (ca 8€) getauscht, welche ich noch vom Hardware-Umbau übrig hatte.

Das Ergebnis

Da bei mir die VRAM-Chips lange nicht so unsauber abgedeckt waren wie im obigen Video, waren meine Erwartungen an den Temperaturunterschied nicht allzu hoch. Gemessen habe ich wieder mit FurMark und hwinfo64. Die Temperaturen im Leerlauf sind weitestgehend identisch, unter Last ist ein Temperaturunterschied festzustellen:

Temperatur *CGPUHBMVR VDDCVR MVDDHotspot
Stress80 (-3)91109 (-6)100 (-4)94 (-5)

Das ist natürlich nicht die Welt und hat mir bei in der Standard-Treiberkonfiguration auch keinen Unterschied hinsichtlich der Performance und der automatischen Taktung der Grafikkarte gemacht, aber immerhin schon etwas kühler als zuvor. Und das allein durch den Tausch der Wärmeleitprodukte ohne Veränderung des eigentlichen Kühlkörpers.

… im zweiten Teil des Beitrags teste ich das Undervolting der Grafikkarte über die mitgelieferte Treibersoftware AMD Wattman hinsichtlich der Temperaturentwicklung und Leistung, im dritten Teil wird es um Custom-Kühlbuilds wie den „Ghetto-Mod“ oder MORPHEUS gehen.

Hardware aufrüsten – Ryzen II

Heute möchte ich euch von meinem Hardware-Umbau berichten, den ich in den letzten Wochen vorgenommen habe. Ich hatte mir vor einiger Zeit bei einer Rabattaktion einen Ryzen 5 2600X gesichert und dann entschieden, gleich die anderen Kernkomponenten meines Computers aufzustocken. Angesichts des in kürze erscheinenden Ryzen der 3. Generation sollten Interessierte unbedingt die fallenden Preise für das Vorgängermodell im Auge behalten.

Dabei war es weniger die Anzahl der Threads und die Taktrate des bisherigen Ryzen 5 1500X als mehr die sekundären Faktoren, die mich zum Umstieg bewogen haben. Zum einen empfand ich die UEFI-Software meines bisherigen Mainboards MSi Tomahawk B350 als unausgereift und besonders bei der Feinabstimmung von Übertaktungsparametern schwierig handzuhaben, zum anderen hatte ich – ich berichtete – Kompatibilitätsprobleme mit meinem Corsair DDR4 RAM [1], dessen Hynix-Speicherchips nicht mit dem Ryzen-Chipsatz harmonieren wollten, so dass ich diese statt den versprochenen 3200 MHz Speichertakt lediglich mit 2333 oder maximal 2666 MHz betreiben konnte. Und diese Taktrate beeinflusst die Gesamtperformance von Ryzen-Prozessoren bekanntermaßen erheblich. [2] Zudem bietet der etwas neuere B450-Chipsatz neben der offiziellen Entwicklung für die 2. Generation Ryzen auch eine höhere SATA-Übertragungsrate und allgemein mehr Funktionen. Der 2600X ist ein 6-Kern Prozessor mit freigeschaltetem Multiplikator und hat im Basistakt 3,6 GHz pro Kern.

Zunächst habe ich den Prozessor in die Sockel gesetzt und die Wärmeleitpaste aufgetragen, anschließend sorgfältig die Halteplatte für den Kühler montiert (der Alpenföhn Brocken Eco bietet sowohl für Intel als auch für AMD eine spezielle Mounting-Plate, welche von der Rückseite des Mainboards angebracht wird). Nach dem Befestigen des eigentlichen Kühlers kann der ganze Block sorgfältig in das Gehäuse eingesetzt werden. Die richtige Auftragen der Wärmeleitpaste ist für die spätere Kühlung unablässig. Auch bei der Auswahl der Wärmeleitpaste kann es Unterschiede geben. Wird zu wenig Wärmeleitpaste aufgetragen, wird die Wärme nicht richtig abgeleitet. Wird zu viel oder ungleichmäßig aufgetragen, kann das ebenfalls passieren. Meiner Erfahrung nach sollte man so viel auftragen, dass alles benetzt und die Inschrift der CPU gerade nicht mehr lesbar ist. Anschließend z.B. mit einer Plastikkarte die Paste gleichmäßig verteilen. Im Zweifelsfall lieber etwas zu viel nehmen, durch den Anpressdruck des Kühlers verteilt sich dann die Paste etwas.

Ryzen 5 2600X Temperaturen (*C)Enermax AIO WaKü 240mm (2x Lüfter)Alpenföhn Brocken Eco (1 Lüfter)
Idle41,436,0
Stress66,869

Mein bisheriges Corsair Carbide Silent 100R ATX-Gehäuse und mein 550W Corsair 80+ Netzteil habe ich behalten, der Umbau gestaltete sich als weitgehend problemlos. Die einzelnen Komponente des neuen Asus Strix B450-E Mainboard (ich habe mich für die -E Ausgabe entschieden, da diese einen integrierten WLAN-Chip hat, so dass ich mir das gefrickel mit einer Netzwerkkarte und Treibern dieses mal sparen kann) haben eine nahezu identischen Anordnungen auf der Platine, beim Einbau der einzelnen Komponenten musste ich allerdings feststellen, dass die I/O-Anschlüsse mit dem RGB-Aluminium-Aufbau mehr Platz einnehmen als bisher, so dass der Radiator meiner AIO-Wasserkühlung von Enermax selbst auf drücken und biegen nicht mehr ins Gehäuse gepasst hat. Das habe ich dann zum Anlass genommen, die Gehäusebelüftung neu zu überdenken. Da ich im Alltag tatsächlich kaum die Übertaktungsfunktion des Prozessors genutzt habe, habe ich mich dazu entschieden, wieder auf konventionelle Luftkühlung zu setzen und einen Alpenföhn Broken Eco angeschafft, der tatsächlich ganz gut kühlt. Einzig etwas mehr Zeit benötigte das Anpassen der Lüftersteuerung über das UEFI-Setup, da in der Grundeinstellung sämtliche Lüfter bei jeder CPU-Belastung (Precision Boost) hörbar kurzfristig in die Höhe geschossen sind. Mit einer angepassten PWM-Drehzahlkurve ist das Problem in den Griff zu bekommen.

Meine bisherige Geforce GTX 1060 wird abgelöst durch eine Asus Strix Vega 64 OC 8Gb, ein richtiges „Wattmonster“ sozusagen mit 3 PCI-Slots und zwei 8-Pin Anschlüssen. Diese ist übrigens zunehmend günstiger zu haben, da der Nachfolger (Radeon VII) bereits erhältlich ist.

Der Hersteller empfiehlt für den Betrieb der Grafikkarte ein 750W-Netzteil. Ich habe jedoch selbst unter voller Auslastung im Stresstest keine Stabilitätsprobleme bekommen und sehe das als Beweis, dass mein Netzteil einen hohen Effizienzgrad besitzt. Die Vega-Serie ist unter anderem auch durch ihre hohe Wärmeentwicklung bekannt. Hier kam es bei mir im Gehäuse zu einem Nebeneffekt, mit dem ich nicht gerechnet hatte: Bisher wurde durch die Wasserkühlung die Hitze der CPU praktisch direkt nach außen geleitet, bei der konventionellen Luftkühlung muss diese nun aber auch mit dem Luftstrom im Gehäuse nach außen transportiert werden. Heizt nun die Vega kräftig nach, steigt die Hitze nach oben und die Temperatur im ganzen Gehäuse steigt an. Dadurch erreicht der Prozessor Temperaturen bis zu 80*C. Bei der AMD Vega 64 gibt es sowohl die Möglichkeit auf Softwareebene durch Undervolting als auch durch Modifizieren des Radiators die Möglichkeit, dem entgegen zu wirken und gleichzeitig die Leistung der Grafikkarte zu optimieren, dazu möchte ich allerdings in einem separaten Beitrag eingehen. Temporär habe ich das Problem gelöst, indem ich das Gehäuse einfach horizontal gelegt habe, wodurch die Hitze nicht mehr zum CPU-Radiator aufsteigt.

Benchmarks und Zahlen

Hier einige Vergleichsdaten zu meiner vorherigen Ryzen 1500X-Konfiguration.

Benchmarkpunkte1500X2600X
CPU-Z (SC/MC)402 / 2188454 / 3670
Passmark CPU / Ges.10015 / 375315135 / 5385
CrystalMark SATA/HDD Seq. 1 R/W127,9 / 156,6186 / 186
Benchmarkpunkte / FPSGIGABYTE Geforce GTX 1060 OC 6GbAsus STRIX Vega 64 OC 8Gb
Furmark FHD4460 / 74 7954 / 132
Unigine FHD mit Tesselation991 / 392148 / 85
Passmark 3D1035510822

Windows 7 Installation unter AMD Ryzen und USB 3.0

Ich habe mich aus verschiedenen Gründen dazu entschieden, bis zum Ende des offiziellen Support-Zeitraums (erstes Quartal 2020) nun doch noch Windows 7 auf meinem aktuellen Desktop-PC mit einem AMD Ryzen 5 – auf einem MSi Tomahawk Mainboard mit gängigem B350-Chipsatz – zu nutzen. Während dem Installationsprozess habe ich feststellen müssen, dass einem da von verschiedenen Seiten erhebliche Steine in den Weg gelegt werden. Unter anderem lässt sich das Setup nicht ohne weiteres starten und Microsoft sperrt die neuere Prozessor-Generationen (AMD Zen, Intel Kabylake, ..) ganz einfach von den Updates aus…

w7_ryzen_setup01.png

In diesem Beitrag berichte ich also von meiner Erfahrung mit der Installation von Windows 7 mit einem aktuellen Ryzen-Prozessor. Ihr erfahrt, wie ihr…

  • Das Windows 7 Setup mit den erforderlichen Treibern auf einem USB-Stick einrichtet
  • USB 3.0 – Geräte wie Maus und Tastatur während der Installation nutzen könnt
  • Ihr Windows 7 ins aktuelle UEFI Bootschema mit GPT-Partitionstabelle einbindet
  • Windows Updates trotzdem freischalten und herunterladen könnt

wichtigachtung Ihr benötigt für die Installation ein ISO-Abbild der Windows 7 64 Bit Setup-DVD (gibt’s kostenlos z.B. bei Microsoft oder heise), einen gültigen Product Key, das kostenlose Packprogramm 7-Zip sowie einen USB-Stick mit mindestens 8GB Speicherplatz. Außerdem solltet ihr unbedingt vor Beginn eine Sicherung der Eigenen Dateien durchführen und einige Sachen vorbereitend herunterladen. Weitere Info’s zur Vorbereitung gibts hier im Installations-Guide…

Übrigens: Prüft zunächst, ob es in eurem UEFI-Setup (Hotkey-Hinweis unmittelbar nach Einschalten beachten) eine „legacy“ USB-Funktion gibt bzw. sich USB 3.0 deaktivieren und damit die Windows 7 Installation starten lässt. Wenn ihr noch eine alte PS/2-Maus und den dazugehörigen Anschluss habt, könnt ebenfalls euer Glück versuchen!

Windows 7 und USB 3.0

Nun ist es so, dass Windows 7 nativ ohne Gerätetreiber keine USB 3.0 Anschlüsse unterstützt, die aktuellen Chipsätze und Mainboards allerdings fast ausschließlich nur noch solche besitzen. Das hat zur folge, das beim Booten der Windows 7 Setup DVD die Geräte zunächst nicht nutzbar sind. Außerdem kann es bei fehlenden Southbridge-Treibern spätestens bei der Festplattenpartitionierung zu der Fehlermeldung „Nicht unterstütztes CD/DVD Laufwerk erkannt…“ kommen, woraufhin die Installation abgebrochen werden muss. Der einzigste Weg ist also, die Treiber entweder von Anfang in die Setup-DVD/USB zu integrieren, oder diese direkt im Rohformat (Treiber.inf) auf einem separaten Medium bereit zu halten (USB funktioniert nicht!) Ich habe mich für ersteres entschieden…

USB-Installationsmedium erstellen und Treiber integrieren

Da wir die passenden USB/Chipsatztreiber ins Setup integrieren müssen, ist es das Einfachste, ein angepasstes Setup auf einem USB-Stick zu erstellen. Das spart Zeit und außerdem kann das Setup im Nachhinein noch einmal angepasst werden, wenn es nicht gleich funktioniert.

Methode 1: Tool des Herstellers nutzen

In meinem Fall mit MSi habe ich Glück gehabt: MSi bietet für seine aktuellen Motherboards ein „MSi Win 7 Smart Tool“ an (Download hier im MSi Forum im ersten Post).

Nach der Installation des Tools entpacken wir zunächst die Windows 7 Setup ISO mithilfe von 7-Zip in einen Ordner.

msismarttool

Dann starten wir das MSi Smart Tool und geben diesen Ordner als Quellordner an. Nun können wir wählen, ob das Tool direkt einen USB-Stick vorbereiten soll, oder nur zunächst eine neue Setup-Datei erstellen soll. Anschließend haken wir noch alle zusätzlich zu integrierenden Treiber an und erstellen das Abbild auf Wunsch direkt auf den USB-Stick, fertig. Fahrt an dieser Stelle direkt unten bei der Einrichtung fort.

Für INTEL Chipsätze und ASUS Mainboards gibt es ebenfalls ein solches Setup-Tool.

Methode 2: Selber machen

usbrufusWenn es kein passendes Programm dafür gibt (siehe Methode 1), können wir USB/Chipsatztreiber auch eigenständig integrieren. Das ist allerdings etwas zeitaufwendiger und bedarf einiger Arbeitsschritte. Auch hier gibt es verschiedene Herangehensweisen.

Zunächst erstellen wir uns mit dem kleinen, praktischen Tool Rufus einen bootfähigen Windows Setup USB-Stick. Dazu benötigen wir wieder das Windows Setup ISO-Abbild und einen USB-Stick mit mindestens 8Gb Speicherkapazität. Die Bedienung  des Programms ist selbsterklärend: USB-Stick auswählen, „Startfähiges Laufwerk erstellen“ anwählen und die Windows-Setup-ISO einbinden, starten.

Außerdem benötigen wir die passenden USB-Treiber für den Chipsatz des Motherboards. In der Regel gibt es die nicht separat, sondern ihr müsst den aktuellen, kompletten Chipsatztreiber von der Download-Webseite des Mainboard-Herstellers oder vom Chiphersteller (AMD, Intel) direkt herunterladen, bei Notebooks ist es der Vertreiber (z.B. DELL, HP).  Google hilft!

Vorbereitung

In den nächsten Schritten entpacken wir das Treibersetup und extrahieren die USB-Treiberdateien. Wir benutzen Funktionen der Eingabekonsole (cmd).

1. Zunächst erstellen wir uns einem Arbeitsordner „w7“ und darin zwei Unterordner mit den Namen „mount“ und „treiber“. Der Name der Ordner ist egal, muss aber später bei den Befehlen, die wir in der Eingabekonsole benutzen, berücksichtigt werden. Der Einfachheit halber erstelle ich den Ordner direkt auf Laufwerk C: (oder einem beliebig anderen Laufwerk), das spart später Zeit.

2. Jetzt wird es knifflig: Ihr müsst die Chipsatztreiber-Datei mit 7-Zip manuell entpacken  (Rechtsklick > 7-Zip > Entpacken nach…) und dort die USB-Treiberdateien (Dateiformat *.inf) für die richtige Betriebssystemarchitektur (W7_64) ausfindig machen. Hier beispielhaft bei meiner Situation mit AMD/MSi dargestellt:

Nach dem Entpacken befinden sich die einzelnen Setup-Komponenten in einem Ordner. Mit ein wenig suchen konnte ich die USB-Treiberdateien unter

AMD-Chipset-Drivers\Packages\Drivers\SBDrv\USB30_ZP

ausfindig machen. Das sollte ungefähr wie in Bild 2 aussehen. Alle Treiberdateien (mit Ordnern, im Beispiel USB30_ZP) kopieren wir nun in unser Arbeitsverzeichnis „treiber“.

3. Nun benötigen wir die zwei „Kerndateien“ boot.wim und install.wim aus dem Windows 7 Setup ISO, wahlweise von dem zuvor mit 7-Zip entpacken Windows 7 Setup Abbild oder direkt vom frisch eingerichteten USB-Setup-Stick. Zu finden im Ordner „sources“:

Win7_Home_x64.iso\sources\

Diese Dateien enthalten die Systemdateien zum Start des Windows-Installationssystems. Wir kopieren die beiden Dateien direkt ins Arbeitsverzeichnis „w7“. Das Ergebnis sollte so aussehen:w7_mount_treiber

 

Treiber integrieren mit cmd

Nun nutzen wir einige Funktionen der Windows-Eingabeaufforderung (cmd), die wir zuvor als Administrator (Rechtsklick) ausführen müssen. Dazu im Startmenü „cmd“ eingeben oder mit der Kombination Win+R Ausführen öffnen und cmd eingeben.

Jetzt müssen wir den Pfad in cmd auf unseren Arbeitsordner „w7“ setzen (in meinem Fall F:\w7\): Zum Wechseln des Laufwerks reicht Eingabe „F:“. Zum Wählen eines Ordnerverzeichnisses im selbigen Laufwerk gibt es den Befehl „cd“ (change directory). Habt ihr also z.B. den Arbeitsordner auf dem Desktop erstellt, lautet der Befehl:

cd C:\Users\BENUTZERNAME\Desktop\w7\

Der Befehl lädt den Inhalt der Datei boot.wim in den mount-Ordner.

dism /mount-wim /wimfile:boot.wim /index:2 /mountdir:mount

Nun lassen wir alle im Ordner „treiber“ enthaltenen Treiberdateien in boot.wim integrieren.

dism /image:mount /add-driver:"treiber" /recurse

Abschließend die Änderungen speichern und das Abbild wieder schließen.

dism /unmount-wim /mountdir:mount /commit

dism_w7

Nun haben wir mit der Datei boot.wim die Treiber in das Live-Installationssystem hinzugefügt. Jetzt müssen wir die Treiber noch in die separat vorliegenden Installationsdateien install.wim integrieren. Dabei ist es wichtig zu wissen, welche der in dieser Datei enthaltenen Windows-Version ihr installieren werdet (Home Premium, Professional, …).

dism /Get-WimInfo /WimFile:install.wim

w7_installwim

Der folgende Befehl lädt nun install.wim in den mount-Ordner. Beachtet dabei den richtigen Indexeintrag entsprechend eures späteren Installationswunsches anzupassen! Ihr könnt es natürlich auch für alle Versionen durchführen.

dism /mount-wim /wimfile:install.wim /index:1 /mountdir:mount

Anschließend werden die Treiberdateien hinzugefügt und das Abbild wieder geschlossen, fertig.

dism /image:mount /add-driver:"treiber" /recurse
dism /unmount-wim /mountdir:mount /commit

Auf dem gleichen Weg können übrigens auch andere Treiber ins Setup integriert werden (z.B. für’s WLAN). Das geht aber nur, wenn für die Funktion Hardware die reinen Treiber ausreichen und keine zusätzliche Software benötigt wird. Beispiel: Damit der aktuelle, komplette AMD Ryzen Chipsatztreiber installiert werden kann, wird zunächst ein bestimmtes Windows Update benötigt, sonst schlägt die Installation fehl.

boot.wim und install.wim ersetzen

Wurden die Treiber erfolgreich integriert, kopiert ihr die beiden Dateien zurück auf den USB-Installationsstick an den gleichen Ort und überschreibt die Originale.

Alternativen

Wenn der obige Tipp nicht geklappt hat oder die typischen Fehler (USB-Tastatur/Maus funktionieren nicht oder Fehlermeldung „CD/DVD driver missing“) immer noch auftreten, habt ihr zwei Optionen: Entweder es war der falsche Treiber und ihr versucht es erneut, oder ihr probiert es mit dem Programm nlite.

Methode 3: nlite ist ein kommerzielles Programm, mit dem man Windows Installationsvorgänge anpassen, konfigurieren und automatisieren kann. die eingeschränkte kostenlose Version reicht für diese Zwecke vollkommen aus. In diesem Beitrag werde ich allerdings nicht im Detail darauf eingehen. Auch in diesem Programm bindet ihr zunächst das Setup-ISO-Abbild ein, wählt dann die Chipsatztreiber eurer Wahl und ggf. gleich Windows Updates und übernehmt diese auf eine angepasste Installation. Das erstellte Abbild kann dann wieder als ISO gespeichert oder direkt auf einen Stick kopiert werden. Weitere, zeitsparende Anpassungen können noch vorgenommen werden. Zur Webseite des Programms…

Windows 7 von USB Installieren

wichtigachtung Bei der Neuinstallation von Windows 7 wird die Festplatte formatiert und alle Daten darauf gelöscht. Ihr solltet zuvor ein Backup machen.

Windows 7 und UEFI

w7_installieren01Den USB-Stick einstecken und von diesem booten. Wenn das Setup nicht von selber starten will, muss zunächst das Starten vom USB-Stick erlaubt werden. Dazu das UEFI-Setup (Hotkey-Hinweis unmittelbar nach Einschalten beachten, oft F2, Entf oder Esc) öffnen und die Bootreihenfolge anpassen. Beachtet dabei, dass der USB- oder DVD-Bootvorgang im UEFI-Modus (ist im UEFI extra gekennzeichnet!) stattfindet, damit Windows 7 später auch die Vorteile von UEFI nutzt. UEFI Secure Boot (oft bei Notebooks aktiv) muss deaktiviert werden, sonst lässt sich Windows 7 nicht installieren. Windows 7 nutzt diese Funktion nicht.

Sind diese Hürden aus dem Weg geräumt, kann endlich die Installation starten. Beim Punkt „Wo möchten Sie Windows 7 installieren?“ kommt dann der nächste Arbeitsschritt.

GPT-Partitionstabelle auf Datenträger einrichten

Die GPT (oder auch GUID) Partitionstabelle gehörte zu den Neuerungen von UEFI und ist der Nachfolger von MBR, der zu BIOS-Zeiten eingesetzt wurde. Damit Windows 7 diese neue Funktion nutzt, pausieren wir die Installation im Setup-Abschnitt, wo die Datenträger und Partitionen formatiert werden.

w7_installieren04

Mit der Kombination Shift + F10 öffnen wir die Eingabeaufforderung (cmd) und führen folgende Befehle aus

diskpart

Startet das Tool zur Datenträgerverwaltung.

list disk

Zeigt alle Datenträger an.

select disk x

Hier wählen wir die Festplatte aus, auf der Windows installiert werden soll. Der Vorgang sollte für alle Festplatten im System ausgeführt werden.

clean

Löscht die Festplatte(npartition).

convert gpt

Konvertiert die Festplatte ins GPT-Partitionsschema.

Jetzt kann das cmd-Fenster geschlossen werden. Abschließend klicken wir auf „aktualisieren“. Erstellt und formatiert eine neue Primär-Partition. Windows 7 erstellt dabei automatisch noch eine Systempartition, die ihr nicht antastet. Weitere Anpassungen können vorgenommen werden.

Fahrt mit der Installation wie gewohnt fort. Im Anschluss werden zunächst alle Windows Updates und dann die Treiber installiert (…)

Eine komplette Schritt-für-Schritt Anleitung zur Installation von Windows 7 habe ich hier beschrieben…

 

Windows Updates aktivieren

Nach der erfolgten Installation und ersten Einrichtung geht es an das Beziehen der letzten Updates. Dort werden wir dann zügig mit folgender Meldung konfrontiert:

wu_hardware

Auch wenn bei der Entwicklung von AMDs Zen Architektur Windows 7 berücksichtigt wurde, wird diese Generation – wohl auch auf Wunsch von Microsoft hin – nicht mehr offiziell unterstützt und mit Treibern versorgt. Microsoft hat entsprechende Systeme einfach von Windows Update ausgeschlossen. Das ist natürlich besonders ärgerlich, wenn man Windows 7 unter dem Aspekt nutzt oder gar erst erworben hat, dass im Servicevertrag Updates bis 2020 garantiert worden sind.

Inzwischen gibt es bereits mehrere Wege, die Update-Sperre aufzuheben. Das geht zum Beispiel mit diesem kostenlosen, quelloffenen Programmscript:

https://github.com/zeffy/wufuc

Disables the „Unsupported Hardware“ message in Windows Update, and allows you to continue installing updates on Windows 7 and 8.1 systems with Intel Kaby Lake, AMD Ryzen, or other unsupported processors.

Wenn man etwas herunterscrollt, findet man im Download-Bereich unter „latest build“ die entsprechende Version für 64-Bit Systeme. Das Programm muss installiert werden, da ein Hintergrunddienst eingerichtet wird, der Windows Update „aktiviert hält“.

Die Installation geht schnell und man muss nur den Anweisungen folgen. Im Anschluss können wie gewohnt Windows Updates empfangen werden!

Grafikkartentreiber richtig entfernen, installieren oder aktualisieren

Der Grafikkartentreiber muss aktualisiert oder repariert werden? Ein aktueller Treiber bringt oft Unterstützung für neue Spiele, verbessert die Geschwindigkeit und behebt Fehler. Auch das Auswechseln der Grafikkarte im Computer ist manchmal mit größeren Hürden als gedacht verbunden. Nicht immer funktioniert die Treiberinstallation reibungslos, insbesondere, wenn man auf einen anderen Hersteller setzt (in meinem Fall von AMD/ATI auf NVIDIA). Die Folge können Fehlermeldungen, Abstürze oder Probleme bei der Einrichtung der neuen Hardware sein. Das gilt auch für fehlerhafte Treiberupdates und Bluescreens in Zusammenhang mit Grafiktreibern.

Im folgenden Beitrag habe ich dokumentiert, wie man einen alten Grafikkartentreiber restlos löscht, den neuen am besten installiert und so ein stabiles System mit bestmöglicher Performance erhält.

graka (2)

Vor kurzem habe ich bei meinem PC eine neue Grafikkarte eingebaut. Meine bisherige Sapphire AMD R9 280 Dual X mit lautlosem Arctic ACC. Xtreme IV Custom-Kühler aus dem Jahre 2013 wird abgelöst durch eine GIGABYTE Nvidia GTX 1060 OC mit Windforce-Lüftern.

Der Bitcoin-Hype und Grafikkartenpreise

Darüber habe ich mich sehr geärgert: Durch den anhaltenden Hype der Krypto-Währung Bitcoin sind aktuelle Mittelklasse-Grafikkarten bei Bitcoin-Minern sehr gefragt (besonders einige Modelle von AMD), wegen der hohen Nachfrage ist die Verfügbarkeit begrenzt. Das habe ich auch bei der Auswahl der neuen Grafikkarte gemerkt, die Preise sind im Vergleich zum Vorjahr sogar noch gestiegen oder manche Modelle sind momentan gar nicht verfügbar. Wer sparen möchte, sollte eher noch etwas warten, die derzeitige Preislage ist absurd. Siehe dazu auch diesen interessanten Artikel auf heise.de.

 

Die benötigten Dateien herunterladen

Zunächst laden wir uns also zunächst alle benötigte Software aus dem Internet herunter. Bedenkt, dass ihr nach deinstalliertem Treiber oder bei Problemen eventuell in einer sehr niedrigen Bildschirmauflösung arbeiten müsst, manche Webseiten funktionieren da nicht.

Unsicher? Mit dem kostenlosen Programm Speccy könnt ihr auslesen, welches Grafikkarten-Modell, Mainboard etc. ihr genau habt. Alternativ gebt ihr im Ausführen-Dialog (Win+R) einfach „dxdiag“ ein (ohne „“).

DirectX Redistributable Runtime Package (wichtig für die Rückwärtskompatibilität von Software): Link zur Download-Webseite

Eure (neue) Grafikkarte ist von einem Subvendor wie Sapphire, MSi oder ASUS usw.? Zwar bieten diese auch Treiberdownloads an, in der Regel kann der offizielle Herstellertreiber aber bedenkenlos benutzt werden und ist auch aktueller. Lediglich herstellerspezifische Software gibt es ausschließlich dort, wie z.B. Overclocking-Software.

Außerdem benutzen wir zur restlosen Deinstallation ein Uninstaller-Tool, welches uns die restlichen Überbleibsel entfernt. Für AMD/ATI Treiber gibt es das offzielle

NVIDIA- und Intel-Nutzer können auf den kostenlosen

zurückgreifen (er kommt übrigens auch mit AMD/ATI-Treibern zurecht).

Wichtig bei Nutzern mit AMD- und Intel-Chipsatz: Besitzt ihr einen solchen auf eurem Motherboard, ist nicht auszuschließen, dass bei der Deinstallation einer gleichnamigen Grafikkarte (z.B. AMD Chipsatz und AMD Grafikkarte) auch Chipsatztreiber mitentfernt werden, deshalb sollten diese sicherheitshalber auch heruntergeladen und ggf. am Ende vor der Neuinstallation des Grafikkartentreibers mitinstalliert werden, damit alles reibungslos funktioniert.

In der Regel ist das Wechseln dieser Treiber nicht mit großen Risiken verbunden. Wer dennoch auf Nummer sicher gehen möchte, kann einen Systemwiederherstellungspunkt erstellen (Bei Systemen mit SSD oft deaktiviert). Dieser speichert essentielle Windows-Systemeinstellungen und Dateien des Windows-Kerns. Zu finden unter:

Windows 7: Systemsteuerung\System und Sicherheit\System – Computerschutz – Erstellen…

Windows 10: oder über das Eingeben von „control“ im Ausführen-Dialog (Win+R)

 

Schritt für Schritt

Bevor man die Grafikkarte tauscht, sollte der alte Treiber gelöscht werden, damit die neue Systemkonfiguration problemlos startet. Dazu deinstallieren wir zunächst den Treiber regulär über die

Start – Systemsteuerung – Programme und Funktionen (Windows 7)

Start – Einstellungen – Apps (Windows 10).

Sowohl AMD als auch NVIDIA haben ihre Treiber und Software in Suites gebündelt, die einzeln oder komplett deinstalliert werden können. Anschließend werdet ihr zu einem Neustart aufgefordert, den ihr vorerst ablehnt.

Nun weisen wir Windows an, beim nächsten Start direkt in den abgesicherten Modus zu booten. Beim abgesicherten Modus werden keine Treiberdateien geladen. Dadurch sind diese dann auch nicht „gesperrt“, da nicht genutzt und können nur dann problemlos entfernt werden.

ab Windows 10: Einstellungen (App) – Update und Sicherheit – Wiederherstellung – Erweiterter Start (nach einem kurzen Ladebildschirm kann der abgesicherte Modus mit den Nummerntasten gewählt werden)

bis Windows 7: Den PC neustarten, sobald dieser bootet, die F8 Taste zügig wiederholt drücken, bis man in den Dialog „erweiterte Startoptionen“ gelangt. Dort kann ebenfalls der abgesicherte Modus mit Pfeiltasten und Enter gewählt werden. Wer nicht hektisch auf F8 drücken möchte, kann auch im Ausführen-Dialog (Win+R) den Befehl „msconfig“ eingeben und dann im Reiter „Start“ den abgesicherten Modus (Minimal) wählen, übernehmen und neu starten.

DDU1

Von dort führt ihr dann das AMD Uninstall Utility oder eben den DDU aus, um die verbliebenen Dateien zu löschen. Ersteres bittet nur um eine Bestätigung, beim DDU könnt ihr euch dagegen entscheiden, welcher Treiber gelöscht werden soll.

Jetzt ist der optimale Zeitpunkt, die Grafikkarte zu tauschen! Vergesst nicht, euch vor dem Anfassen der Technik zu erden, den PC vom Netz zu trennen und die Kondensatoren zu entladen (durch Drücken der Power-Taste ohne Netzstrom), damit die Hardware keinen Schaden nimmt! Auch verstaubte Lüfter können bei dieser Gelegenheit gereinigt werden!

Die Neuinstallation

Das wäre geschafft! Nach einem Neustart zurück im normalen Desktop startet ihr das Setup für den Grafikkartentreiber wie gewohnt und folgt den Anweisungen. Außerdem ist es empfehlenswert, im Anschluss noch DirectX zu aktualisieren. Windows bringt zwar schon die aktuellsten Laufzeitbibliotheken mit, aber oft fehlen noch die älteren DLLs für alte Spiele-Klassiker wie Gothic oder TES: Morrowind (DirectX 8, 9.0c usw.).

Wichtig bei Windows 10: Wer nicht möchte, dass Windows Update dazwischen mischt und einen anderen Treiber ungefragt herunterlädt und installiert, sollte vor dem Neustart die Internetverbindung vorübergehend trennen oder das WLAN ausschalten.

…übrigens: Wie ihr bei einer neuen Grafikkarte messt, wie sich die Temperaturen im Leerlauf und unter Last verhalten, habe ich bereits in meinem Ratgeber Fehlerdiagnose: VII. Der große Check: Die Hardware auf Herz und Nieren prüfen beschrieben.

 

Umstieg auf AMD Ryzen: Preise, Bugs, Bechmarks, Übertaktung und Wasserkühlung

Da vor einigen Tagen meine bisherige Hauptplatine den Geist aufgegeben hat, habe ich mir nun neue, aktuellere Hardware zugelegt. Statt einem Intel Core i7 auf der LGA 1156 Sockel mit DDR3 RAM kommt nun ein

Ryzen 5 1500X (4 physische Kerne @3,5 GHz, bis zu 6 virtuelle Kerne) auf einem

MSi B350 Thunderbird zusammen mit

16 Gb Corsair (2×8 Gb) 3200MHz DDR4-SDRAM

ryzen02

Das MSi B350 Thunderbird mit dem Ryzen 5 1500X auf Sockel AM4

zum Einsatz. Das MSI Thunderbird scheint, zumindest laut meiner Recherche im Internet mit einem Einzelhandelspreis von 95€ eins der momentan günstigeren AM4 Sockel Hauptplatinen zu sein, welche aktuelle Funktionen (Chipsatz B350)  mit sich bringen und Übertaktung ermöglichen. Es wirkt solide verarbeitet, der PCIe Slot ist verstärkt, es unterstützt Crossfire und es gibt einen extra Stromanschluss für die WaKü-Pumpe!

Der AMD Ryzen Prozessor ist mit 183€ ebenfalls deutlich günstiger als ein vergleichbares Modell von Intel, zumal auch ein ordentlicher Originallüfter mitgeliefert wird. Den habe ich in meinem Fall aber nicht gebraucht. Ein weiteres großes Plus in dieser Hinsicht ist auch, dass die Ryzen-Generation grundsätzlich einen offenen Multiplikator mitbringt und somit das Overclocking spielend einfach bzw. überhaupt erst möglich macht. In einem Artikel von heise.de war von einzelnen Fällen auf Amazon zu lesen, in denen gefälschte Prozessoren verschickt wurden, dies war bei mir nicht der Fall.

Besonders zu Buche geschlagen hat der Arbeitsspeicher mit 156 €, hier habe ich bewusst einen etwas höher getakteten RAM ausgesucht, da dies angeblich die Performance des Ryzen maßgeblich beeinflusst, außerdem waren die beiden Riegel von Corsair auf der offiziellen Supportliste der Hauptplatine, es soll nämlich 3200 MHz RAM-Taktung unterstützen (oder auch nicht!).

Der Zusammenbau gestaltete sich weitgehend problemlos und einfach. Das macht einfach immer am meisten Spass! Lediglich der Einbau der WaKü war etwas umständlich, da man bei einer AiO Lösung die Schläuche nicht diskonnektieren kann.

 

Nicht ganz reibungslos

verlief die Einrichtung des Arbeitsspeichers. Dass ich mich schon seit längerer Zeit nicht mehr mit der Hardware auseinander gesetzt hatte, machte es natürlich nicht einfacher. Nach einem direkten UEFI-BIOS-Update zugunsten der Kompatibilität stellte ich nämlich im UEFI Menü fest, dass der für 3200 MHz ausgeschriebene Arbeitsspeicher nur mit 2333 MHz lief.

Also schnell die richtige Taktung, das Timing und die Spannung eingestellt – aber starten will der PC damit nicht: Beim Einschalten, noch vor Initialisierung des UEFI startet der Rechner wiederholt neu, bis nach 5 versuchen die UEFI Konfiguration zurückgesetzt wird. Und damit komme ich zurück in die Gegenwart, das geht nämlich immer noch nicht. Letztenendlich habe ich es geschafft, den Speichertakt auf 2666 MHz zu erhöhen, darunter bleibt der PC und Windows stabil, höher geht nicht ohne Absturz. Nach etwas Suchen im Internet habe ich herausgefunden, dass es wohl an zwei Sachen hängt:

  1. Bugs! Die Technik ist wohl noch lange nicht ausgereift und sowohl seitens des Mainboards, Chipsatzes und UEFI als auch seitens der Ryzen 5 Generation gibt es massig Fehlerberichte im Internet zu finden.

 

  1. Kompatibilität. Die 3200 MHz DDR4 Ausschreibung  der RAM-Hersteller bezieht sich wohl meist auf vergleichbare Intel-Plattformen, das heißt aber nicht, dass diese Geschwindigkeit auch bei AMD zusammen kommt.

 

Das ist natürlich ziemlich ärgerlich, zumal MSi mit der Hauptplatine für 3200 MHz RAM Unterstützung geworben hat und die Speicherriegel auf der Liste der offiziell unterstützten Produkte stehen. Zurückgeben möchte ich jetzt, nachdem das System stabil läuft, aber auch nicht mehr.

 

Übertaktung

ryzen01

Die Eckdaten des Ryzen 5 1500X aus CPU-Z.

Die Ryzen CPUs sind ja aufgrund des offenen Multiplikators sehr attraktiv für Overclocker und mit der hauseigenen AMD Ryzen Master Application auch sehr einsteigerfreundlich zu übertakten. Ich habe dafür die Funktionen des B350 UEFI benutzt, welche an sich sehr übersichtlich und einfach zu bedienen sind.

Durch erhöhen des Multiplikators konnte ich die Taktfrequenz ohne Probleme von 3,5 GHz auf 3,85 GHz erhöhen, der PC blieb im Belastungstest mit prime95 bei moderaten Temperaturen (siehe unten) stabil.

Die Spannung der CPU habe ich automatisch anpassen lassen, sie hat zwischen 1,18 und 1,22 V geschwankt. AMD empfiehlt bei langfristigen Übertaktungen zugunsten der Lebensdauer die Spannung nicht über +1,35 V zu erhöhen, wobei laut verschiedenen Berichten im Internet der Prozessor mit 1,45 V und ausreichend Kühlung noch stabil lief (bei einer Taktfrequenz von angeblich 4,2 GHz).

ryzen04

Die Werte lassen sich alternativ auch bequem mit der AMD Ryzen Master Application verändern, hierzu ist dann aber jeweils ein Neustart erforderlich.

 

Benchmarkergebnisse (OC)

Ich habe mit CPU-Z und mit 3D Mark den Prozessor bzw. Computer gemessen. Für den Belastungstest (burn in Test) habe ich prime95 benutzt.

Punkte CPU-Z Benchmark (Single-Core/Multi-Core): 2232 / 9065; übertaktet 2218 / 9597

Punkte 3D Mark „Time Spy“ (CPU Teilwertung): 3960 (Gesamt 2028) und Übertaktet 4061 (2408)

Insgesamt ist das OC-Ergebnis weniger beeindruckend ausgefallen als erwartet. Trotz der Steigerung um knapp + 300 MHz pro Kern sind die Unterschiede in der Benchmark vergleichsweise gering, ich vermute daher, dass  in der Anwendung keine wesentlichen Unterschiede zu bemerken sind.

Ein weiterer Nachteil der Übertaktung ist, dass CPU-Funktionen wie der automatische Boost-Modus und AMD Cool’n’Qiet deaktiviert werden; wobei ich allerdings in einem Bericht gelesen habe, dass die Stromaufnahme beim Übertakten des Ryzen im Vergleich zu anderen Prozessoren vergleichsweise gering ausfällt.

Zeitgleich habe ich auch meine Sapphire R9 280 Dual-X mit einer neuen Kühllösung ausgestattet (von Arctic mit Backplate; flüsterleise – siehe unten) und stabil von 940MHz auf 1050 MHz Taktfrequenz übertaktet, in den Messungen sieht man schon einen deutlichen Unterschied, in grafiklastigen Spielen sind das 4-5 FPS mehr!

 

Wasserkühlung

Da ich mit meiner vorherigen Silent-Konfiguration zum Teil Überhitzungsprobleme hatte, habe ich mich dazu entschieden, auf ein Standard-ATX-Gehäuse von Corsair mit Lüfteröffnungen an der Oberseite zu wechseln und eine “All-in-One” CPU-Wasserkühllösung (WaKü) von Enermax angeschafft.

Die WaKü von Enermax (Südkorea) hat in einem Online-Vergleichstest gut abgeschnitten und ist mit 87 € wesentlich günstiger als Modelle anderer Hersteller. Die Kühlung besteht aus einem Kühlblock mit Kupfer-Aufnahme und integrierter Wasserpumpe, die ca. 30cm langen beiden Schläuche führen zu einem 2x 120mm recht flachem Metalllamellen-Radiator an den zwei 120mm Lüfter angeschlossen sind. Praktischerweise verfügt das MSi B350 Thunderbird über einen gesonderten WaKü Pumpen-Stromanschluss. Alternativ hat der Hersteller aber netterweise noch ein extra 3-Pin Adapter für den direkten Anschluss ans Netzteil beigelegt (dann allerdings ohne PWM Lüftersteuerung).

Die Lüfter der Wasserkühlung verfügen über 3 Geschwindkeitsmodi (per Schalter umstellbar), je nach Erfordernis. Ich habe den mittleren „Performance“ Modus gewählt. Im Leerlauf ist die Lüftung praktisch nicht zu hören, bei CPU Temperaturen von ca. 28 *C. Unter Vollast (prime95) hört man dezent die Pumpe “surren”, aber keinenfalls lauter als bei einer kleinen Eheim-Aquariumspumpe, sehr angenehm. Die Temperaturen sind dabei unter dem mittleren Kühl-Leistungsprofil nicht über 65 *C gestiegen, im OC-Modus bis 70 *C. Sehr zufriedenstellend!

ryzen03

Die fertige Konfiguration in meinem hoch geschätzten Corsair 100R Silent Gehäuse.

Bessere Leistung auf Intel- & AMD-Hybridsystemen

Viele Notebooks verwenden eine Hybrid-Grafiklösung, um gleichzeitig maximale Akku-Laufzeit und beste Performance bieten zu können. Dabei setzt der Rechner im Normalbetrieb auf eine sparsame, integrierte Grafiklösung (Intel HD Graphics) und auf eine zusätzliche AMD-Grafikkarte für anspruchsvollere Anwendungen wie Videobearbeitung oder Spiele. Leider werden die speziell vom Hersteller angebotenen Treiber (in meinem Falle von hp) nicht regelmäßig aktualisiert, weshalb man gezwungen ist, mit teilweise stark veralteten Treibersegmenten durch die Netzwelt zu gurken (Die Standardtreiber von Intel und AMD funktionieren bei den Hybrid-Systemen nicht!). Dadurch kommt es öfters zu Kompabilitätsproblemen und in manchen Fällen zu Performance-Verlust, besonders bei Games…

Wenn ihr auch von diesem Problem betroffen seid, hier eine Lösung: Die Entwickler von http://leshcatlabs.net/ sind schon seit einiger Zeit tätig und veröffentlichen in regelmäßigen Abständen modifizierte Versionen der aktuellen Treiber von Intel und AMD inklusive des Catalyst Control Centers (CCC), Gaming Evolved und anderen Treiberelementen. Die Treiber funktionieren und Windows 7, 8.x und neuer.

Den alten Treiber richtig deintallieren

Wichtig: Um Systemfehler zu vermeiden, solltet ihr vor der Installation ein Backup wichtiger Daten machen und einen Wiederherstellungspunkt in der Systemsteuerung erstellen sowie den alten Treiber sauber deinstallieren. Ihr benötigt dazu folgendes Tool: Catalyst CleanUnInstall Utility, Alternativer Download.

Ihr navigiert zunächst in die Systemsteuerung unter Programme und Funktionen und deinstalliert dort regulär die Treiber von Intel und AMD/ATI (komplette Deinstallation wählen). Anschließend startet ihr, wenn aufgefordert, den Computer neu und bootet im abgesicherten Modus, indem ihr direkt beim Systemstart (vor dem Ladebildschirm) ggf. mehrmals F8 drückt. Im abgesichterten Modus werden keine Grafikkarten-Treiberelemente geladen, so dass diese von der AMD CleanUnInstall Utility, welche ihr heruntergeladen habt, restlos entfernt werden kann.

Ist dies erfolgt, könnt ihr nach einem Neustart die Treiberinstallation beginnen: Dazu führt ihr das Setup aus und wählt, welche Intel-Generation ihr besitzt (ja, das solltet ihr davor wissen. In der Regel aber „Modern“), anschließend werden die Dateien entpackt und ihr führt das automatische Setup im Installationsordner aus. Zwischen den Treiberelementen von Intel und AMD erfolgt jeweils ein Neustart. Nun solltet ihr von den neuesten Funktionen der Treiber profitieren!