Kostenloser Virenschutz 2019 im Funktionsvergleich

…ein guter Virenschutz gehört auf jeden Rechner. Besonders, wenn auf dem Computer sensible Daten gespeichert sind. Wer möchte denn schon seine Passwörter oder Kreditkartennummer im Netz finden? Oder erpresserisch verschlüsselt?

avblog

Es gibt heute eine breite Auswahl an kostenlosen Antimalwareprodukten von namenhaften Herstellern, aber für welches entscheide ich mich? Das ist mitunter nämlich gar nicht so leicht, denn während die meisten Produkte bei den Erkennungsraten gut bis sehr gut abschneiden [1], sind Unterschiede im Funktionsumfang, Stärken und Schwächen der Software oft erst auf den zweiten Blick zu erkennen und spielen in konventionellen Software-Tests eher eine untergeordnete Rolle. Aber gerade diese Unterschiede sind am Ende oft entscheidend.

Um euch einen Ausblick auf die derzeit verfügbaren Softwareangebote zu geben, habe ich 11 der gängigsten Antivirenprodukte getestet. Ich habe neben Screenshots meinen Eindruck von der Installation, der Bedienung und den Anpassungsoptionen festgehalten sowie alle Programme nach für mich relevanten Eigenschaften verglichen, weitere Details finden sich am Ende des Beitrags und die Tabelle gibt es hier: keepmydesktop_Virenscanner_2019_Vergleich.pdf

wichtigachtung Im meinem Vergleich berücksichtige ich nicht die allgemeine Erkennungsleistung von Viren, die Anzahl der Falsch-Positiven Ergebnisse usw. Diese können zum Beispiel bei av-comparatives.org oder AV-TEST eingesehen werden. Hier gibt es eine Übersicht über gängige Arten von Schadsoftware („Malware“).

Microsoft Security Essentials (Windows 7) / Windows Defender (Windows 8 ) / Windows Sicherheit (Windows 10)

 

Seit 2008 und Windows XP gibt es bereits die Microsoft Security Essentials als eigenständigen Virenscanner, seit Windows Vista sind sie als Windows Defender fest ins System integriert und seit dem letzten Windows 10 Update 1809 wurden alle Malwareschutz-Funktionen einfach unter dem Begriff „Windows Sicherheit“ zusammengefasst. Diese bieten einen soliden Grundschutz, der allerdings zwischen den verschiedenen Betriebssystemen Unterschiede aufweist: Während sich alle Programmteile die gleiche Definitionsdatenbank teilen, sind die erweiterte Erkennung von PUPs, Adware und der Dateizugriffsschutz vor Ransomware erst ab Windows 10 verfügbar [2]. In Kürze soll sogar ein Sandbox-Modus hinzukommen. [2.1] Die Produktlinie besticht durch den schlichten und pragmatisch orientierten Schwerpunkt und die nahtlose Integration ins System. Die Updates erfolgen mit Windows Update und erfordern eine gültige Produktlizenz. Während es der Virenscanner in den Tests der frühen Jahre schwer hatte, schneidet er bei der Erkennungsrate inzwischen ganz ordentlich ab.

Avira Free Antivirus

 

Das einzige deutsche AV-Programm ist gleichzeitig auch eins der ersten, welches seit 1998 als Luke Filewalker auf PCs zu finden ist [3] und auch heute noch eins der besten kostenlosen Angebote auf dem Markt in punkto Erkennungsrate. In der reduzierten kostenlosen Version, welche es als reines Antivirus oder als Internet Security Suite mit weiteren Funktionen gibt, sind die wesentlichen Schutzfunktionen erhalten. Schutz beim Surfen lässt sich durch die zusätzliche Installation der Avira SafeSearch Toolbar erreichen. Während die Antivirus-Version auf die wesentlichen Aufgaben reduziert ist, wirkt die kostenlose Internet Security Suite etwas überladen und belegt auch relativ viel Arbeitsspeicher in meinem Test-System. Die aktuelle Benutzeroberfläche kommt in einem bunten, unübersichtlichen Spielzeugdesign daher, dass träge reagiert und für mich etwas abstoßend wirkt. Zum Glück lässt sich momentan noch über einen Umweg die alte, wesentlich übersichtlichere Oberfläche aufrufen [4]. Avira gibt an, dass ihr Produkt DSGVO-Konform ist, also gut für den Datenschutz. Hier findet sich ein vollständiger Vergleich zwischen der kostenlosen und der Pro Version.

Avast Free Antivirus

 

Die kostenlose AV-Lösung von AVAST! zählt seit langem zu den beliebtesten Schutzprogrammen im Internet [6] und besticht durch gute Erkennungsraten. Die moderne Benutzeroberfläche wirkt aufgeräumt und reagiert schnell. Neben den wesentlichen Funktionen kann man in der kostenlosen Version auch nach Tracking-Cookies und veralteter Software scannen (dem häufigsten Einfalltor für Viren). Auch eine Prüfung des Netzwerks auf Schwachstellen ist möglich. Einzelne Programmmodule können bereits bei der Installation deaktiviert werden. Eine zwingende Registrierung wie in früheren Jahren scheint nicht mehr erforderlich zu sein. Insgesamt wird wenig RAM benötigt. Hier findet sich ein vollständiger Vergleich zwischen der kostenlosen und der Pro Version.

AVG AntiVirus Free

 

Die Schutzlösung von AVG wurde im Oktober 2016 von AVAST übernommen [7] und scheint  inzwischen im Funktionsangebot und Aussehen weitgehend identisch mit ebendieser. Es lässt sich ebenfalls wie AVAST ausreichend konfigurieren. 2012 hat AVG übrigens die bekannten TuneUp Utilities erworben und bietet diese als AVG TuneUp kostenpflichtig an. [8] Hier findet sich ein vollständiger Vergleich zwischen der kostenlosen und der Pro Version.

Panda Free Antivirus

 

Panda hat 2009 mit Cloud Antivirus [9] als einer der ersten einen kostenlosen, rein auf Cloud-Technik basierenden Virenscanner veröffentlicht. Dadurch müssen nicht regelmäßig Definitionsdatenbanken aktualisiert werden, es ist aber eine durchgehende Verbindung zum Internet erforderlich. Auch heute besticht das Programm noch durch seine simpel gehaltene und ressourcensparende Konzeption. Die Panoramabild-Oberfläche wirkt etwas gewöhnungsbedürftig, ist aber gut umgesetzt. Zusätzlich zum Grundschutz gibt es noch einen Prozessmonitor sowie einen Schutz für USB-Datenträger. Das Grundverhalten lässt sich konfigurieren, sonst gibt es bei der Anpassung leider aber nicht zu viele Optionen. Hier findet sich ein vollständiger Vergleich zwischen der kostenlosen und der Pro Version.

Bitdefender Free Antivirus

 

Die Software ist ein Geheimtipp für Benutzer, die eine unauffällige, weitgehend autonom arbeitende Antivirenlösung bevorzugen. Die abgespeckte kostenlose Version von Bitdefender nutzt den gleichen „Programmkern“ wie die Vollversion, ist aber sehr minimalistisch gehalten: Sämtliche Programmfunktionen werden über das Tray-Popup geregelt. Die Software benötigt sehr wenig RAM und ist schon passend eingestellt, allerdings lässt sich das Programmverhalten wie die Reaktion bei einem Fund oder das Updateintervall auch weitgehend nicht konfigurieren. Benutzerdefinierte Scans aus dem Hauptmenü sind ebenfalls nicht möglich, dafür ist ein URL-Schutz dabei. Es ist eine Registrierung erforderlich, um Bitdefender Free nutzen zu können. Hier gibt es weitere Informationen.

Kaspersky Free Antivirus

 

Erst seit 2017 gibt es eine kostenlose Version von Kaspersky, einem der populärsten kommerziellen Antivirenlösungen [10]. Diese Version ist auf den Grundschutz reduziert, aber für Privatanwender vollkommen ausreichend. Zusatzfeatures wie Online-Banking-Schutz, VPN und Kindersicherung gibt es nur in der kostenpflichtigen Ausgabe. Das Schutzverhalten ist nur eingeschränkt konfigurierbar, dafür gibt es einen URL-Schutz. Die Programmoberfläche ist ähnlich der Vollversion professionell und übersichtlich gehalten. In der Vergangenheit gab es Kritik an Kaspersky wegen dem Umgang mit Datenschutz und der Zusammenarbeit mit Regierungen. [11] Hier gibt es weitere Informationen zur Software.

Comodo Free Antivirus / Internet Security

 

Die Comodo Group ist ein großer US-Amerikanischer Softwareanbieter, der auch SSL-Zertifikate zur Verfügung stellt. [12] Auf der Webseite finden sich sehr viele lobende Worte über das eigene Produkt, man muss allerdings auch sagen, dass Comodo Free AV von den hier verglichenen Programmen mengenmäßig die meisten Schutzfunktionen an Bord hat. Neben einer erweiterten Verhaltenserkennung gibt es auch Zusatzfunktionen wie eine Software-Sandbox, einen „Sicherheitsbrowser“ basierend auf Chromium sowie ein Desktop-Widget zur Schnellsteuerung. Der Nachteil ist allerdings, dass die Software für die Idee eines „Basisschutzes“ etwas überladen wirkt und mit der großen Anzahl an konfigurierbaren Elementen so manchen Nutzer zurecht abschrecken mag. Die deutsche Lokalisierung ist „by Community“. Hier findet sich ein vollständiger Vergleich zwischen der kostenlosen und der Pro Version.

Adaware Antivirus Free

 

Adaware ist eine hierzulande weniger bekannte Sicherheitslösung des kanadischen Herstellers Lavasoft. Während die Software früher primär gegen Spyware gerichtet war, ist heute ein Grundschutz gegen jegliche Art von Schadsoftware enthalten. Dazu arbeitet Lavasoft auch mit Avira zusammen. [13] Über die zentrale Programmoberfläche lassen sich alle Funktionen verwalten, Web- und Emailschutz gibt es nur in der kostenpflichtigen Version. Praktisch ist, dass sich die Software bei der Installation auch als „Zweitlösung“ ohne aktiven Echtzeitschutz installieren lässt. Hier gibts weitere Informationen.

Immunet with ClamAV

 

Immunet ist schon einige Jahre auf dem Markt und hat seitdem einiges durchgemacht. Das Startup wurde 2011 von Sourcefire übernommen [14], also den Entwicklern vom Open-Source-Virenschutz ClamAV, welches inzwischen zu Cisco Systems (USA) gehört. Die Grundidee ist – ähnlich wie bei Panda Cloud Antivirus – eine „leichte“ Schutzlösung für Privatanwender primär durch Cloudtechnik, es ist also eine Internetverbindung erforderlich. Dafür benötigt die Software sehr wenig RAM. Gleichzeitig enthält Immunet noch die ClamAV-Engine, welche auch das herunterladen von Viren-Definitionsdatenbanken und damit einen „Offlineschutz“ ermöglicht. Die Software gibt es inzwischen nur noch in einer kostenlosen Version, sie scheint sich allerdings über die Jahre eher wenig weiterentwickelt zu haben. Während die Erkennungsrate dank Cloudtechnik und ClamAV wohl recht gut sein soll, soll es wohl gelegentlich bei der Bereinigung von infizierten Rechnern hapern. Dafür wirbt aber Immunet damit, dass es – im Gegensatz zur gängigen Regel – mit anderen Virenschutzprodukten gleichzeitig laufen kann, was ein großer Pluspunkt ist. Außerdem ist die Software werbefrei gehalten und vielseitig konfigurierbar. So lässt sich z.B. bei dem Einsatz der Software als Zweitlösung die ClamAV-Engine deaktivieren, um lediglich vom Cloudschutz zu profitieren und den Ressourcenverbrauch zu minimieren. Weitere Details hier.

 

Die Software im Funktionsvergleich

Die komplette Tabelle als PDF gibt es hier zum Download: keepmydesktop_Virenscanner_2019_Vergleich.pdf

Welche Eigenschaften habe ich verglichen?

Alle Programme im Vergleich bieten einen Grundschutz gegen Viren, Trojaner, Würmer  („Malware“).

Heuristische Methoden zur Erkennung von Malware abseits der bekannten Signaturen aus der Datenbank sind ein wichtiger Faktor bei der  Prävention von unbekannten Infektionen.

Eine Verknüpfung mit der Internet-Cloud des Herstellers ermöglicht außerdem das schnelle und simultane Lernen und Sammeln von neuen Bedrohungen in Echtzeit unabhängig von den bekannten Definitionen.

Rootkits sind eine besonders hartnäckige Form von Malware, die sich im Rechner vor Antivirenprogrammen verstecken können und schwer zu entfernen sind. Nicht alle Programme bieten volle Unterstützung für die Entfernung in der kostenlosen Version.

Spyware konzentriert sich auf das ausspionieren und abgreifen von sensiblen Nutzungsdaten, wie Passwörtern oder Bankdaten zum Beispiel in Form von Keyloggern.

Ransomware ist in den letzten Jahren besonders bekannt geworden durch großflächige Infektionen von z.B. WannaCry und Petya. Der sogenannte Erpressungs- oder Kryptotrojaner versperrt den Zugang zu den persönlichen Dateien und verlangt anschließend ein Lösegeld zur Entsperrung. Die Entfernung war lange Zeit schwierig. Nicht alle Programme bieten in der kostenlosen Version einen vollständigen Schutz: Das Entfernen beherrschen inzwischen fast alle Programme, um das Verschlüsseln der persönlichen Dateien aber zu verhindern ist ein Dateizugriffsschutz von Nöten.

PUP („Potentially Unwanted Programs“) und Adware sind kleine Programme, die oft unbemerkt auf dem Computer landen und nicht wirklich nützlich sind. Stattdessen blenden sie Werbung ein oder lenken Suchanfragen um. Ein klassisches Beispiel sind Toolbars.

Zusatzfunktionen

Als Browserschutz fasse ich verschiedene Methoden zusammen, wie verhindert werden soll, dass Schadsoftware durchs Surfen auf dem Rechner landet. Das kann zum Beispiel eine netzwerkseitige URL-Blockierung, ein Browser-Plugin oder eine Sandbox-Funktion sein. Darunter zähle ich auch den „Online-Banking-Schutz“, da solche Transaktionen in der Regel im Browser stattfinden.

Der Emailschutz prüft E-Mails bereits vor dem Lesen, ob diese oder der Anhang einen Virus enthalten, wie es oft bei Phishing-Software der Fall ist. Wenn das E-Mail-Postfach nicht im Browser geöffnet wird, integriert sich das Antivirenprogramm normalerweise in den E-Mail-Client.

Sonstiges

Benutzerdefinierte Scans sind besonders für fortgeschrittene Nutzer interessant. Sie ermöglichen das gezielte Überprüfen von Verzeichnissen oder Dateitypen. Wird von manchen Produkten in der kostenlosen Version nicht zugelassen.

Produktregistrierung – Einige Programme setzen eine kostenlose Registrierung mit der Mail-Adresse beim Hersteller voraus. Nicht jeder möchte das.

Eingeblendete Werbung kann auch ziemlich störend sein. Dabei mache ich im Vergleich keinen Unterschied zwischen produkteigener- oder Fremdwerbung, sondern ob die Werbung aufdringlich und störend ist.

RAM-Belastung Gerade ältere Computersysteme mit wenig Arbeitsspeicher (<4Gb) können durch eine mächtig ausgestattete Internet Security Suite ziemlich ausgebremst werden. Grund dafür sind die Vielzahl an Prozessen, welche im Hintergrund laufen und zudem Arbeitsspeicher belegen. Da ist es schon im voraus nett zu wissen, wie viel das so ist. Durchschnittliche Beobachtung auf einem frisch installierten Testsystem.

Modulare Zusammensetzung: Einige kostenlose Schutzlösungen werben neben der guten Erkennungsrate mit einer Vielzahl von Zusatzfunktionen wie Browser-Addons, Systembereinigungs und -optimierungtools. Diese Dinge können nützlich sein, werden aber nicht unbedingt gebraucht oder gewollt. Besser also, wenn man die einzelnen Funktionen deaktivieren kann oder darf beim Setup bereits auswählen, welche Programmkomponente überhaupt installiert werden sollen.

Das Herkunftsland des Anbieters kann aufgrund der verschiedenen internationalen Datenschutzrichtlinien oder aus politischen Gründen für den kritischen Nutzer interessant sein.

Meine Empfehlung

In Windows 10 wurde der integrierte Malwareschutz (früher unter Windows Defender bekannt) deutlich verbessert. So sind in der Grundausstattung Zusatzfunktionen wie ein erweiterter Ransomwareschutz, Adwareerkennung, Browserschutz (in Microsoft Edge) und bald sogar ein Sandbox-Modus verfügbar. Alles Funktionen, die man sonst eher von Bezahlsoftware kennt. Wer seinen PC also lediglich für alltägliche Aufgaben nutzt, sollte damit vollkommen bedient sein. Nutzer mit einem erhöhten Sicherheitsanspruch sowie Nutzer von Windows 7 sollten sich dagegen die kostenlose Version von Avast oder AVG anschauen, die meiner Meinung nach die beste Schnittmenge zwischen Funktionsumfang, Benutzerfreundlichkeit und Systembelastung bilden. dreikreisWer einen besonderen Wert auf Datenschutz legt, ist wohl bei der bewährten Software von Avira am besten aufgehoben. Avira scheint meinem Eindruck nach am transparentesten mit dem Thema Datenschutz und DSGVO umzugehen [15], außerdem ist es die einzige Software „Made in Germany“. Für Netbooks oder auch ältere Systeme bieten sich besonders Bitdefender Free oder Panda Free an, da diese wenig Systemressourcen beanspruchen. Bitdefender arbeitet zudem weitgehend vollautomatisch und wartungsfrei, was besonders praktisch ist, wenn man nicht gestört werden möchte (zum Beispiel beim Gaming oder Streaming). Wer gerne seinen Schutz etwas „aufstocken“ aber kein ganzes Sicherheitspaket installieren möchte, sollte sich Immunet anschauen, welches zusätzlich zu einer bereits installierten Antivirenlösung laufen kann.

wichtigachtung Ein großer Faktor für die Sicherheit eures Systems ist – neben einer guten Antivirensoftware – auch, ob euer Windows und die installierte Software aktuell und der Browser gut abgesichert ist, um Einfallstore für Malware zu schließen.

Der Beitrag spiegelt meine persönliche Meinung wieder und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Alle genannten Schutzmarken sind Eigentum ihrer jeweiligen Inhaber, ich stehe nicht mit diesen in Verbindung.

Windows beschleunigen, schneller starten, optimieren (1/2)

Bei der Nutzung von Windows fallen über die Zeit Datenspuren an. Programme kommen hinzu, Updates werden installiert und der PC wird träge, startet langsamer. Oft werden vor allem ältere Windows-Systeme mit Single-Core-Prozessoren und wenig RAM ausgebremst durch ungünstige System-Einstellungen. Im Internet gibt es dutzende verschiedene Tipps und Tricks, die den Computer schneller machen sollen und „Tuning“ Programme versprechen, das Allheilmittel für alle Probleme zu sein, doch machen am Ende nur noch mehr kaputt.

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In diesem Beitrag möchte ich übersichtlich, strukturiert und kompakt darstellen, welche effektiven Möglichkeiten es gibt, Windows soweit zu optimieren, dass Windows zügiger bootet, Programme schneller starten oder kurz gesagt: wir ihr das maximale aus eurem Windows-System herausholt. Damit es übersichtlich bleibt, habe ich den die Maßnahmen in drei Teile aufgeteilt, erstens das Aktualisieren, zweitens das Aufräumen, drittens das Optimieren von Windows (letzteres im zweiten Teil).

Windows 10 hat in diesen Dingen schon wesentliche Fortschritte gemacht und leidet nicht mehr so stark an den alten „Kinderkrankheiten“, mit denen man noch unter XP zu tun hatte, was nicht auch zuletzt an der neuen, schnelleren Hardware liegt. Da sich dieses How-to aber explizit auch an ältere PCs richtet (denn dort lässt sich am meisten rausholen) habe ich bei jedem Tipp noch ein Hinweis für die gedachte bzw. geeignete Windows-Version hinzugefügt.

I. Aktualisieren – Updates, Treiber und Software

Softwareupdates beheben Fehler, schließen Sicherheitslücken und enthalten Verbesserungen, welche der Geschwindigkeit des Betriebssystems und dem allgemeinen Nutzungserlebnis zugute kommen. Deshalb ist es ratsam, stehts Windows und die installierten Treiber, Programme und Software aktuell zu halten.

wu11.) Führt Windows Update aus, um sicherzustellen, dass Windows aktuell ist. Am komfortabelsten geht das über die Systemsteuerung bzw. Einstellungen / Windows Update. Bis einschließlich Windows 8 sind sogenannte Service Packs, gebündelte Softwareupdates verfügbar. Wenn man z.B. nach einer Neuinstallation viel Zeit sparen will, ist es ratsam, zunächst das aktuellste Service Pack zu installieren und dann mit den regulären Updates fortzufahren. Außerdem gibt es von Drittanbietern gebündelte Update-Packs, die viel Zeit sparen können.

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Das Internetportal Winfuture bietet kostenlos solche gebündelten Update Packs an. button_xp button_vi button_7 button_8

2.) Mit der  Zeit veröffentlichen Hardware-Hersteller (z.B. Nvidia oder Realtek) neue Treiber -Software für ihre Komponenten. Besonders Nutzer aktueller Hardware profitieren davon, da oft die Leistung noch nachträglich verbessert, oder eben Treiber für neue Spiele optimiert werden. Auch werden manchmal Sicherheitslücken gestopft, wie im aktuellen Meltdown/Spectre-Fall button_info. Wie ihr herausfindet, welche Hardware ihr besitzt, habe ich hier beschrieben. Die entsprechenden aktuellen Treiber findet ihr in der Regel immer auf der Webseite der Hersteller. Wenn ihr einen Laptop oder einen „Fertig-PC“ habt, bietet meist der Vertreiber auch eigene Treiber-Downloads für das Modell an. Links bekannter Hersteller:

Es gibt auch die Möglichkeit, Treiber über Windows Update zu beziehen. Allerdings sind diese nicht immer die aktuellsten und können bei bestimmten Hardware-Situationen (z.B. Hybrid-Grafiklösungen) zu Problemen führen.

button_vi button_7 button_8 Bis  einschließlich Windows 8 müssen diese in den Einstellungen von Windows Update unter „optionale Updates“ ausgewählt werden.

button_10 Windows 10 installiert automatisch, leider manchmal auch ungewollt, den vermeintlich aktellsten Treiber aus Windows Update.

3.) Nicht zuletzt sollte die auf eurem Rechner installierte Software aktuell sein, besonders die mit dem Internet in Verbindung stehende Programme: Der Browser, Mail-Programme, Virenschutz, PDF-Reader etc.. Sicherheitslücken in diesen Programmen sind eine Einfallpforte für Malwarebefall auf dem eigenen System!

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(Windows 10 Apps werden in der Regel automatisch aktuell gehalten.) In der bekannten Software-Liste der Systemsteuerung könnt ihr gegebenenfalls nachschauen, welche Version aktuell installiert ist. Möchtet ihr es bequemer machen, gibt es sog. „Updater“-Programme, die das System auf veraltete Software untersuchen und automatisch Updates vorschlagen oder gleich installieren. Ein bekanntes Programm ist das auf Java basierende

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Secunia Personal Software Inspector  (PSI)

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Das Programm ist kostenlos, werbefrei und kann für die meisten Programme auch gleich das passende Update automatisch herunterladen und installieren.

II. Aufräumen – Daten löschen und defragmentieren

datentraegerber01Generell empfiehlt es sich, gelegentlich nicht genutzte Software zu löschen, um Speicherplatz für andere Dinge freizugeben. Mit der Zeit entstehen am PC viele überflüssige Dateien, auch durch Programme. Diese können die Leistung von Windows bremsen und die Startzeit verlängern, besonders wenn der PC schon etwas in die Jahre gekommen und der Prozessor vielleicht nicht mehr so leistungsstark ist. Außerdem bedeutet eine volle, fragmentierte Festplatte auch, dass sich die Zugriffszeit auf Daten erhöht und auch die kontinuierliche Indizierung dieser nimmt Rechenleistung in Anspruch.

Programme deinstallieren

Zunächst sollte man nicht länger benötigte Programme und Software über die Systemsteuerung/Software deinstallieren. Wer die neue, abgespeckte „App-Übersicht“ unter Windows 10 nicht mag, kann mit dem Befehl „control“ im Ausführen-Dialog (Win+R) das konventionelle Systemsteuerung-Fenster öffnen.

Datenmüll löschen
Mit dem bekannten kostenlosen Tool CCleaner button_download2kann man prima überflüssige Dateien löschen. Das Programm erkennt dabei von Haus aus wesentlich mehr als die Windows-eigene Datenträgerbereinigung, auch von vielen Drittprogrammen und arbeitet dabei auch noch schneller. Standardmäßig sind schon einige Einträge markiert, mit denen man nichts falsch machen kann.

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Wer sich traut, kann mit dem CCEnhancerbutton_download2 noch ein dutzend weitere mögliche Optionen zur Datenbereinigung ergänzen, bei denen man sich allerdings auskennen sollte. Außerdem hat man mit dem CCleaner die Möglichkeit, nach Datei-Duplikaten zu suchen und ungültige Einträge in der Registrierung zu löschen. Dabei solltet ihr euch aber genau anschauen, was ihr anhakt. Manche Optionen löschen nämlich auch Anwendungseinstellungen, was ziemlich ärgerlich sein kann.

Habt ihr die überflüssigen Dateien bereinigt, könnt ihr im Reiter „Registry“ noch nach verwaisten und überflüssigen Registrierungs-Einträgen suchen. Laut Hersteller soll sich dies auch positiv auf die Geschwindigkeit auswirken.

Dateileichen manuell aufspüren

Oft verbleiben von gelöschten Programmen oder Testversionen noch Dateireste (Ordner, Einstellungen, Screenshots) übrig, die von keinem Reinigungsprogramm erkannt werden. Wer die Muse dazu hat, oder dringend Speicherplatz benötigt, kann diese per Hand aufspüren und entfernen. Typische Orte hierfür sind:

  • C:\Program Files (x86)\
  • C:\Program Files\
  • C:\ProgramData\
  • C:\Users\BENUTZERNAME\AppData\ (%appdata%)

Hier solltet ihr aber nur löschen, was ihr sicher nicht mehr braucht und bereits über die Systemsteuerung deinstalliert habt (kann sonst zu Fehlern führen!).

Festplatten und SSDs optimieren

Wurde der Datenträger bereinigt, empfiehlt es sich anschließend eine Defragmentierung durchzuführen. Dabei werden auf der Festplatte verstreute Dateifragmente enger zusammengeführt – und so die Zugriffszeit darauf verkürzt, was sich beim Start und Laden von Programmen bemerkbar machen kann. SSDs und Flash-Speicher benötigen keine Defragmentierung. Die Windows-eigene Defragmentierungssoftware (Unter Zubehör) erledigt diese Aufgabe ordentlich. Je nach Fragmentierungsgrad, Speichergröße und Computerleistung kann dieser Prozess einige Stunden in Anspruch nehmen. Am effektivsten ist es, die Defragmentierung regelmäßig auszuführen bzw. zu planen (z.B. monatlich).

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Wer etwas mehr Kontrolle und Anwendungsoptionen sucht, sollte sich den Defraggler – vom gleichen Hersteller wie der CCleaner – oder andere kostenlose Alternativen anschauen. Und ja, die Software von Piriform hat es mir angetan, aber sie hat drei essentielle Vorteile: Kostenlos, schlicht und werbefrei.

Ab Windows 7 unterstützt die Windows-eigene Defragmentierungssoftware auch das Optimieren von SSDs mittels TRIMM. Dieser Schritt sollte regelmäßig durchgeführt werden und stellt sicher, dass eure SSDs in Form bleiben.

Autostart aufräumen

Je nach installierter Software können sich einige Dienste und Autostart-Einträge – also Software, die mit Windows startet – anhäufen. Dies kann älteren Rechnern zu schaffen machen, die Boot-Zeit verzögern und belegt Arbeitsspeicher.

button_10 Ab Windows 10 verfügt der Task-Manager (Strg+Alt+Entf) über eine integrierte Autostart-Verwaltung (1), wo die Einträge bequem (de)aktiviert (2) werden können. Dabei misst der Task-Manager auch noch die zuletzt benötigte Boot-Zeit. Praktisch!

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button_9x button_2k button_xp button_vi button_7 button_8 Gebt im Ausführen-Dialog (Win+R) „mconfig“ ein, um die Systemstart zu verwalten. Dort habt ihr die Möglichkeit, nicht benötigte Autostart-Einträge (z.B. unnötige Systemtrays) zu deaktivieren. Alternativ können die Autostart-Einträge auch über kostenlose Tools wie den oben bereits erwähnten CCleaner verwaltet werden (unter Extras).

[!] Generell solltet ihr allerdings aufpassen und zuerst recherchieren, welche Einträge sich anbieten, da es sonst zu Problemen kommen kann. Problemlos deaktiviert werden können z.B.
  • Den Dropbox-, OneDrive- oder GoogleDrive-Dienst
  • Der LibreOffice Schnelllader
  • Der Adobe Schnelllader
  • JuSched – Java Updater
  • Anzeigehilfsdienste (z.B. von Intel oder Nvidia, sind optional, nur wenn man schnell auf spezielle Einstellungen zurückgreifen will)
  • Realtek etc. AudioManager (Windows hat bereits eine eigene Lautstärke-Regelung)
  • Drucker-Hilfssoftware
  • Skype, ICQ und andere Messenger-Dienste
  • Tray-Symbole von abgelaufenen Testversionen
  • Spiele-Dienste wie Update-Launcher bei MMOs, Origin oder Steam können auch erst mit dem Spiel gestartet werden

Viele Programme bieten auch in den internen Einstellungen die Möglichkeit an, den Hintergrund-Tray zu deaktivieren, oder nur während der Programmnutzung zuzulassen.

Vom Deaktivieren von Windows-Diensten (im msconfig-Reiter „Dienste“) rate ich generell ab, da dies regelmäßig zu Problemen führt, unübersichtlich und der Geschwindigkeitsvorteil praktisch nicht messbar ist. Wer es dennoch probieren möchte, findet hier eine Liste (engl.) von potentiell deaktivierbaren Diensten. button_7

Werbesoftware (PUP), Adware, Spam und Toolbars erkennen und löschen

 

Der Klassiker: Beim Bekannten den angeblich langsamen Rechner gestartet … der Browser hatte 6 installierte Toolbars. Manchmal schleicht sich Werbesoftware (PUP – potentiell unerwünschte Programme), Spamsoftware und Toolbars mit auf den Rechner, ohne dass man es bemerkt. Meist durch Installations-Software, oft wird derartiges aber schon mit einem neuen PC vorinstalliert mitgeliefert. Diese Programme können den PC auch mutwillig ausbremsen, um eine „Besserung“ vorzuschlagen.

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Ein gelegentlicher Scan nach solchen kann also nicht schaden, dazu empfehle ich das kostenlose Tool Adwcleanerbutton_xp button_vi button_7 button_8 button_10
adwcleaner


Im zweiten Teil des Beitrags erfahrt ihr, welche Einstellungsmöglichkeiten und Registry-Hacks es gibt, um Windows noch schneller zu machen und das maximale aus eurer Hardware herauszuholen! Dazu herunterscrollen oder Button klicken. 

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Adware-Schutz in Windows Defender aktivieren

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Der Windows Defender bzw. die Microsoft Security Essentials, Microsofts kostenloser Viren- und Spywareschutz, den es bereits seit Windows XP gibt, erkennt nun auch Adware und unerwünschte Anwendungen (PUP) – wenn man selber Hand anlegt.

Mithilfe des Registrierungseditors (Regedit) navigiert man zu

HKEY_LOCAL_MACHINE\SOFTWARE\Policies\Microsoft\Windows Defender\MpEngine

Und erstellt dort einen neuen DWORD-Eintrag namens MpEnablePlus mit dem Wert true (1). Anschließend muss Windows neu gestartet werden.

Der Eintrag kann auch bequem mit folgendem kleinen Script hinzugefügt werden: Download von mir MpEnPlus_WinDefender_Adw.reg (Rechtsklick, Speichern). 🙂

Der Tipp funktioniert auf Windows 10. Gefunden auf heise.de.